390.Feldausbildungsdivision
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Kriegstagebuch Juni 1944
27.6.1944
KTB 9.Armee.
In ununterbrochenes. Einsätzen fliegt die feindliche Luftwaffe die ganze Nacht hindurch Bombenangriff auf Bombenangriff gegen Bobruisk, Ossipowitschi und Marina Gorka. Stundenlang ist
der Himmel durch die langsam herabsinkenden Leuchtbomben taghell erleuchtet. Dem Abwehrfeuer eigener Flak begegnen die feurigen Garben der feindlichen Bordwaffen; der Verkehr auf den
Hauptrollbahnen wird empfindlich gestört; zuweilen völlig unterbrochen. Die Nachrichtenzentrale der Armee in Ossipowitschi wird schwer getroffen.
Es folgt ein Tag sich überstürzender Ereignisse und wechselvoller Entscheidungen.
Schon in den frühesten Morgenstunden trifft die Meldung ein, dass die feindlichen Angriffsspitzen nunmehr bereits westlich Bobruisk nach Norden durchgestoßen seien. Die Stadt und die
in ihr stehenden Truppen sin damit von drei Seiten vom Feind umfaßt.
Kurz nach 6 Uhr überbringt, da die Fernsprechverbindung gen durch die Bombenangriffe fast restlos ausgefallen sind, ein Kurieroffizier einen Befehl der Heeresgruppe. Er lautet:
Aufgabe der 9.Armee ist es, die Lücke südostwärts Bobruisk zu schließen und die Verbindung zu den Nachbar-Armeen aufrecht zu erhalten. Hierzu kämpft sich die Armee, unter Mitnahme allen
Geräts, auf die Brückenkopfstellung von Bobruisk zurück. 20.Pz.Div. ist zur Lösung dieser Aufgabe zum Angriff anzusetzen" (s.Anl.V 1). Ein weiterer Befehl erinnert daran, rechtzeitig
sicherzustellen, daß auch bei einem weiteren Durchbrechen der Front durch den Feind der Feste Platz Bobruisk unter allen Umständen bis zum letzten gehalten werde -hierfür wird der
Oberbefehlshaber persönlich verantwortlich gemacht (s.Anl.V2).
Vom AOK wird daraufhin unverzüglich dem XXXXL.Pz.K. und XXXV. A.K. befohlen sich zum Durchbruch auf Ossipowitsclij zu vereinigen; sollte die Vereinigung nicht mehr möglich sein, wird
getrennter Durchbruch nach Ossipowitschi (XXXXI.Pz.K. und 20.Pz.Div.) und nach Norden zur 4.Armee (XXXV.A.K.) angeordnet. Als Besatzung des Festen Platzes wird die 383.I.D.bestimmt
(s.Anl.IV 5).
Der Befehl, gegebenenfalls getrennt auszubrechen, findet seinen Grund in der augenblicklichen Lage: Feindliche Panzerkräfte sind inzwischen von Nordosten her auf der Rollbahn bis vor
die Tore von Bobruisk gelangt und sperren dem XXXV.A.K.den Zugang zur Stadt. Damit ist nicht nur der linke Flügel des XXXV.A.K. von der Masse des Korps abgesplittert (s.Anl.III 8b),
sondern auch das Korps selbst von den in und westlich Bobruisk stehenden Kräften getrennt. Es meldet die Absicht, die Verbindng angriffsweise wiederherzustellen (s.Anl.III -15).
Noch ehe jedoch die genannten Armeebefehle von den Funkstellen des Korps quittiert sind, übermittelt der Chef der Heeresgruppe eine neue Weisung (Chef H.Gr./Ia, 9,15 Uhr). Darin heißt
es, daß die Aufgabe der 9.Armee unverändert bestehen bleibe. Dieser Befehl bedeutet, daß der alte uneingeschränkte Verteidigungsauftrag nach wie vor gilt, d.h., daß der Befehl der
Heeresgruppe zum Zurückkämpfen auf die Brückenkopfstellung und insbesondere die Weisung des AOK zum Durchschlagen (entsprechend dem Heeresgruppenbefehl zum Verbindunghalten zu den
Nachbararmeen) aufgehoben werden. Er zwingt das AOK, unter Ungültigerklärung seines bisherigen Befehls nunmehr von allen eingeschlossenen Verbänden das Halten des Raumes um Bobruisk zu
fordern (s.Anl.IV 9).
Bis zum Mittag eintreffende Funksprüche der beiden Korps fußen jedoch noch auf dem erstgegebenen Befehl (s.Anl.III 24, 25, 26, 27), da die neue Weisung infolge mehrfacher Funkstörungen
offenbar noch nicht eingetroffen ist . Sie erklären die Vereinigung beider Korps infolge der Sperrung der Beresina-Brücke durch die sich laufend verstärkenden gegnerischer Panzerkräfte
bei Titowka für unmöglich und melden deshalb als Absicht den Einzeldurchbruch nach Norden, teils ostwärts der Beresina zum AOK 4, teils westlich der Beresina auf der Uferstraße, auf
der noch im Laufe des Tages zahlreiche Fahrzeuge dem sich langsam schließenden Kessel um Bobruisk entronnen sind (auch Angehörige des Armeestabes haben sich hier noch durchschlagen
können — leider dürfte jedoch einigen Teilen des AOK sowie einem erheblichen Teil des Nachrichten-Rgts. der Ausbruch nicht mehr gelungen sein).
Etwa zu dem Zeitpunkt, in dem der zweite Befehl, der den ersten widerruft, bei der Truppe ankommt, trifft eine neue Weisung von der Heeresgruppe ein, die praktisch, den heute vom AOK
gegebenen Befehl wiederherstellt (Chef H.Gr./Chef, 16,05 Uhr). Sie befiehlt den in Bobruisk eingeschlossenen Kräften den Ausbruch, gibt der 9.Armee die Aufgabe des Aufbaus einer neuen
Verteidigungslinie in der allgemeinen Linie Staryje Dorogi -Ossipowitschi - Stary Ostroff, erinnert an die Zerstörung aller wichtigen Objekte und ordnet für die Verteidigung des
Festen Platzes das Zurückbleiben der 383.I.D. in Bobruisk an. Die Armee quittiert diese Weisung mit der unverzüglichen Weitergabe des Ausbruchsbefehls an die eingeschlossenen Verbände,
denen für die Durchführung des Ausbruchs nunmehr volle Handlungsfreiheit gegeben wird. (s.Anl.III 23 und 24). Leider sind durch das Hin und Her der Befehle kostbare Stunden verloren
gegangen. Da die Heeresgruppe für den Befehl zum Halten des Festen Platzes eine Empfangsbestätigung des Kommandanten fordert, zu diesem jedoch schon seit längerem keine Funkverbindung
mehr besteht, erwägt das AOK den nächtlichen Fallschirmabsprung eines Ordonnanzoffiziers über der Stadt, falls die Funkverbindung nicht inzwischen wiederhergestellt sein sollte.
Westlich Bobruisk ist die zweite feindliche Panzergruppe inzwischen nach Westen auf Ssluzk abgedreht, wie die Luftaufklärung meldet. Unter Führung des Artillerie-Kommandeurs des
XXXXI.Pz.K. hat sich dort, verstärkt durch eine Kampfgruppe der AWS, ein schwacher Sperrverband gebildet, der um die Verzögerung des feindlichen Vorgehens einen schweren und ungleichen
Kampf führt. Nachdem Glusk verloren gegangen ist, ist auch die vom Korück gebildete Kampfgruppe im schrittweisen Zurückkämpfen nach Westen. Zur Sicherstellung einer einheitlichen
Kampfführung befiehlt das AOK die Zusammenfassung beider Verbände unter Führung des Korück (s.dazu Anl.III 13, 14 und Anl.IV 7).
Der am Nachmittag eingegangene Befehl der Heeresgruppe hat angesichts der Trennung des LV.A.K. von den übrigen Teilen der 9.Armee nunmehr dessen Unterstellung unter die 2.Armee
angeordnet. Das AOK entläßt das Korps mit dem Befehl, unter scharfer Schwerpunktbildung an seinem Nordflügel auf die Linie Tscherwonoje=See - Staryje Dorogi auszuweichen, entsprechend
der in Befehl der Heeresgruppe genannten neu geplanten Abwehrfront.
Neben der Sorge um die im Raum Bobruisk eingeschlossenen Teile, unter denen sich die Masse der Divisionen der Armee befindet, gilt die Arbeit des AOK nunmehr vor allem dem Aufbau der
neuen Verteidigungslinie Staryje Dorogi - Ossipowitschi - Stary Ostroff, wozu, außer den an der Südstraße nach Ssluzk stehenden Teilen, nennenswerte Kräfte zunächst überhaupt nicht,
zur Verfügung stellen, da der Antransport der von der Heeresgruppe zugesagten Verstärkungen (Teile 390.F.A.D., Sperrverband "Bergen", s.Anl.V 6- und 12.Pz.Div. ) nur mit großen
Verzögerungen vor sich geht, die in keinem Verhältnis zu dem Tempo des feindlichen Vormarsches stehen. Es bleibt deshalb nichts anderes übrig, als mit den wenigen gerade greifbaren
Sicherungseinheiten im Raume von Ossipowitschi und Gruppen von aufgefangenen Versprengten vorwärts Ossipowitschi den Versuch zur Bildung einer behelfsmässigen Sperrlinie zu unternehmen.
Dem Höh.Art.Kdeur. des AOK, Generalleutnant Lindig, wird die Organisation der Verteidigung von Ossipowitschi übertragen. Der stellv.OB und Offiziere des Armeestabes selbst sind darüber
hinaus bemüht, zurückflutende Trosse und Alarmeinheiten aufzufangen und zunächst einmal eine vorläufige Widerstandslinie zu improvisieren. Es Bedarf dabei vielfach harter Mittel, um
die übereilt gebildeten, unzureichend bewaffneten und nicht vom Gefühl der Zusammengehörigkeit getragenen Alarmgruppen zum Kämpfen zu zwingen, und kurz darauf kommt vom Feldkommandanten
Ossipowitschi bereits die Meldung, eigene Infanterie sei im Zurückweichen auf den Ort - feindliche Panzer seien im Angriff (FK/Ia, 19,15 Uhr).
Als sich die feindliche Pz.Spitze dem Gefechtsstand des AOK nähert, muß ein erneuter-Stellungswechsel befohlen werden, mit den letzten Fahrzeugen bereits im feindlichen Artillerie
und Panzerfeuer, verläßt das AOK das brennende Protassewitschi. Der stellv. OB befindet sich noch vorn.
Auf der Fahrt nach Marina Gorka, das als nächster Gefechtsstand ausersehen ist, trifft der Armeechef den soeben von Minsk kommenden neuen Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe v.
Vormann. General Jordan hat sich bereits heute Nachmittag, noch einmal zu einem kurzen Besuch beim AOK zurückgekehrt, verabschiedet.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wird der neue Gerichtsstand im ehemaligen Technikum Marina Gorka bezogen.
28.6.1944
KTB 9.Armee.
Die 9.Armee hat als Kampfverband praktisch zu bestehen aufgehört.
Der Ring um Bobruisk ist geschlossen. Nach einem Funkspruch des XXXXI.Pz.K. strömen seit Beginn der Dunkelheit Truppenteile aller Divisionen, des XXXXI.Pz.K. und XXXV. A.K. ungeordnet,
zum Teil nach Vernichtung ihrer schweren Waffen, in die Stadt. Bobruisk, von allen Seiten angegriffen, wird unter Führung des Kommandanten des Festen Platzes von Teilen der 383.I.D.
und sonstigen kampffähigen Einheiten heldenhaft verteidigt (s.Anlage III 1, 4, 5). Die Ordnung der in der überfüllten und von schweren Luftangriffen betroffenen Stadt befindlichen
Verbände bereitet erhebliche Schwierigkeiten (s.Anlage III 3). Namhafte Teile des XXXV.A.K. scheinen noch über die Eisenbahnbrücke einen Weg in die Stadt gefunden zu haben. Die Zahl der
Verwundeten geht in die Tausende, über die Gesamtzahl der eingeschlossenen Truppen sind nur Schätzungen möglich), sie dürfte mit etwa 70 000 Mann zu beziffern sein.
Versorgungsschwierigkeiten werden empfindlich fühlbar (s.Anlage VII 1), es fehlt an Verpflegung, Munition und Sanitätsmaterial, da die Lager zum Teil durch Beschuß ober Bomben vernichtet
sind. Das AOK versucht, durch Luftversorgung Abhilfe zu schaffen, soweit es geht (s.Anlage IV 9 und 12).
Die Anfrage des XXXXI.Pz.K., ob morgen mit einem Entsatzangriff zur Erleichterung des Durchbruchs gerechnet werden könne (s.Anlage III 6 und 8), muß das AOK leider verneinen, denn es
verfügt zur Zeit über keinen einsatzfähigen Kampfverband mehr.(s.Anlage IV 6). Während an der Straße Bobruisk -Ssluzk die bei Staryje Dorogi stehenden schwachen Kräfte des Arko 35 und
der AWS (Gruppe Oberst Bickel) von den feindlichen Panzerspitzen hinter die Oressa zurückgedrängt werden, (von der Kampfgruppe des Korück fehlen Nachrichten), ist auch im Raum
Ossipowitschi noch keineswegs eine haltbare Sperrung der Straße Bobruisk - Minsk vorhanden. Die unter Führung des Höh.Art.Kdr. südostw. und ostw.Ossipowitschi aufgebauten Sicherungen
sind gestern aus Ossipowitschi geworfen worden; sie stehen jetzt in einen dünnen Schleier nordwestl. der Stadt. Setzt der Feind seinen Vormarsch im bisherigen Tempo und mit nur
einigermaßen starken Kräften fort, so ist die Vernichtung auch noch der letzten Teile der Armee unvermeidlich.. Von den zahllosen Trossen, Versorgungstruppen und sonstigen rückwärtigen
Diensten, die, untermischt mit Ziviltrecks, auf allen Straßen in langen Kolonnen nach Westen und Nordwesten strömen, ist ein nennenswerter Widerstand gegen feindliche Panzer trotz aller
sofort eingeleiteten Auffang= und Organisationsmaßnahmen vor allem wegen des Fehlens panzerbrechender Waffen nicht zu erhoffen.
In dieser nahezu aussichtslosen Lage scheint es, als ob das Opfer der in Bobruisk Eingeschlossenen doch noch ein Gutes für den Wiederaufbau der Front haben sollte. Ob der Gegner durch
Versorgungsschwierigkeiten an der raschen Fortsetzung seines Durchbruchsangriffes gehemmt ist, ob er durch die Sperrung der Bobruisker Enge am Nachführen seiner Verbände gehindert wird
oder ob sein Angriff gegen die Stadt vorläufig noch die Masse seiner Kräfte bindet - der Feinddruck gegen die neu im Entstehen begriffene Abwehrlinie südostw.Marina Gorka ist heute
jedenfalls unerwartet gering. Es mag auch sein, daß der Gegner an einer gewaltsamen Brechung des neuen Widerstandes südostw. Marina Gorka in der sicheren Erwartung, durch beidseitiges
Vorbeistoßen seiner Panzer an der flankenoffenen Sperrlinie diese über kurz oder lang doch zum Ausweichen zu zwingen, zunächst gar kein sonderliches Interesse hat,
Mit umso grösserem Nachdruck arbeitet das AOK, trotz aller Unzulänglichkeit der vorhandenen Nachrichtenmittel, die immer wieder durch Kurieroffiziere ergänzt werden müssen, in
ununterbrochener Tages- und Nachtarbeit an der Neuherstellung der Abwehrfront im Raum Marina Gorka. Die Einheiten des "Sperrverbandes Bergen" (4 schwache Bataillone ohne nennenswerte
schwere Waffen), die heute eintreffen, erhalten Befehl zum sofortigen Beziehen einer Verteidigungslinie südlich und vor allem südostw. der Stadt (Ssentscha - Talka - Lapitschi -
Pogoreloje); der 390.F.A.D. werden hierzu weitere Sicherungseinheiten und. die heute eintreffenden ersten Teile der 12.Pz.Div. unterstellt. Die Sicherungen vorwärts dieser Linie sollen,
nachdem zunächst ihr Verbleib befohlen war (siehe Anlage IV 16), in der kommenden Nacht zurückgenommen werden, um sie nicht einer Umfassung durch den beiderseits der Straße vorfühlenden
Gegner auszuliefern (s.Anlage IV 17).
Um 12,50 Uhr trifft, von der Heeresgruppe übermittelt, der Führerbefehl ein, daß der Feste Platz Bobruisk aufzugeben sei (s.Anlage IV 7 und 8). Der Befehl wird vom AOK sofort
weitergegeben und -unter gleichzeitiger Bekanntgabe der derzeitigen Feindlage ( s.Anlage IV 14 und 15)- den eingeschlossenen Kräften der Aufbruch nach Norden längs der Beresina
empfohlen, da hier der geringste Feindwiderstand zu erwarten sein dürfte. Die Luftwaffe hat zugesagt, den Ausbruch zu unterstützen.(S.Anlage IV 15.)
Gleichzeitig ist heute der Führerbefehl über die weitere Kampfführung der Heeresgruppe Mitte eingetroffen, in dem gefordert wird, den feindlichen Vormarsch in der Linie Staryje Dorogi -
Ossipowitschi - Sswisslotsch - Beresina nunmehr endgültig zum Stehen zu bringen. Die zugeführten Panzerdivisionen werden darin ausdrücklich zum offensiven Einsatz bestimmt
(Operationsbefehl Nr. 8, Obkdo.H.Gr.Mitte Ia Nr. 8141/44 g.Kdos.Chefsache befehlsgemäß vernichtet ).
Für die Armeeführung erhebt sich damit die Frage nach der Kampfanweisung für die 12.Pz.Div.,die mit ihren ersten Transporten jetzt eintrifft. Sie hängt wesentlich von der vermutlichen
weiteren Angriffsführung des Feindes ab. Beurteilt man nach dem bisherigen Bild die tägliche Weiterentwicklung der Lage, so bieten sich dem jetzt mit dar Masse im Raum um Bobruisk
stehenden Feind drei Möglichkeiten der Angriffsfortsetzung. Die erste, ein Weiterstoß längs der Beresina nach Norden zum Flankenangriff in die im Ausweichen befindliche 4.Armee, ist
als kleinste und für den Feind am wenigsten erfolgversprechende Lösung am unwahrscheinlichsten. Sie würde auch den Armeeabschnitt kaum direkt betreffen und scheidet deshalb für die
Frage nach dem Ansatz der 12.Pz.Div. aus. Die zweite Möglichkeit wäre eine Fortsetzung des feindlichen Hauptstoßes in Richtung auf Minsk mit der operativen Zielsetzung einer
Einschließung der 4.Armee im Zusammenwirken mit den aus dem Raum Witebsk vorstoßenden Panzergruppen. In diesem Falle käme ein Ansatz der 12.Pz.Div. nach Südosten in Frage. Als dritte
Möglichkeit bietet sich für den Feind der Weiterstoß nach Westen, wodurch er, ohne die Aussicht auf eine Einkesselung der 4.Armee aufgeben zu müssen, in den Rücken der 2. Armee
gelangen würde. Sie dürfte der sowjetischen Führung als die aussichtsreichste erscheinen und muß deshalb als die wahrscheinlichste angenommen werden, sie bedeutet aber andererseits,
daß mit der Notwendigkeit eines Einsatzes der 12.Pz.Div. auch nach Süden auf Ssluzk gerechnet werden muß, sofern die dorthin in Zuführung befindliche 4.Pz.Div. nicht ausreichen sollte,
um den Feind aufzuhalten; eine Festlegung der 12.Pz.Div. südostw. Minsk wäre in diesen Falle zwecklos.
Auf Grund dieser Überlegungen, geht der Entschluß des OB dahin, die 12.Pz.Div im Schutz der bisher schon gebildeten, Sicherungslinie unter vorübergehender Abstellung von Teilen zu deren
Verstärkung zunächst lediglich zu versammeln, ohne ihren Einsatz schon jetzt festzulegen. Die Frage in welcher Richtung der befohlene Offensivstoß dann später zu erfolgen hat, wird erst
auf Grund einer weiteren Klärung des Feindbildes, um die die Luftaufklärung laufend bemüht ist, entschieden werden können (s.dazu Anlage IV 4 und IV 3).
Gegen Abend teilt die Heeresgruppe mit, daß Generalfeldmarschall Model, ehemaliger Oberbefehlshaber der 9.Armee und derzeitiger Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nordukraine, noch heute
bei der Heeresgruppe als ihr neuer Oberbefehlshaber eintreffen werde; eine Nachricht, die das AOK mit zuversichtlicher Genugtuung verzeichnet.
29.6.1944
KTB 9.Armee.
Als schwere Sorge lastet auf den Gedanken des AOK die Frage nach dem Schicksal der Bobruisker Kameraden und den Erfolg ihres Ausbruchsversuches, der heute Nacht stattfinden sollte.
Die Funkverbindungen sind wieder einmal ausgefallen. Luftaufklärung kehrt ohne Ergebnis zurück.
Statt dessen bringen die Flieger andere Nachrichten: Immer deutlicher wird das Aufschließen der feindlichen Angriffsarmeen auf die neuen unzusammenhängenden deutschen Verteidigungslinien
erkennbar. Es zeigt sich, daß zwar, wie erwartet, mit dem Hauptstoß im Raum Ssluzk zu rechnen ist, daß sich aber auch der Stützpunktlinie der 9.Armee beiderseits der Straße Bobruisk -
Minsk starke Feindkräfte nähern. Darüber hinaus zeichnen, sich Ausholungsbewegungen um die Flanken dieser schwachen Front ab.
Aber nicht nur der Befehl zum Halten der jetzigen Linie, sondern vor allem die unerschütterliche Absicht, so Lange wie nur irgend möglich die Entfernung zu den in Bobruisk eingeschlossenen
Gruppen nicht größer werden zu lassen, als sie es leider schon ist, bestimmt den Entschluß des Oberbefehlshabers, alle vorhandenen Kräfte zur Verteidigung der jetzigen Linie Ssutin -
Pogoreloje einzusetzen. Hierzu wird unter dem Befehl des Höh.Art.Kdr.,Gen.Lt.Lindig, die "Gruppe Lindig" gebildet, der die 390.F.A.D. und die 12.Pz.Div. unterstellt werden.
Ihre Kampfanweisung geht dahin, die Einheiten der 390.FAD zur Verteidigung einzusetzen, während die Aufgabe der 12.Pz.Div. darin bestehen soll feindliche Einbrüche im sofortiger Gegenstoß
zu zerschlagen, Nur in dieser Weise kann ein erfolgreiches Halten der Linie trotz der geringen zur Verfügung stehenden Kräfte erhofft werden (s.Anl.IV 8).
Zur Sicherung der Nordflanke der Gruppe wird unter Oberstlt.Meinecke, einem soeben vom Urlaub zurückgekehrten Rgt.Kdr., dessen Rgt. sich im Bobruisker Kessel befindet, die "Gruppe Meinecke"
gebildet, die ihr Führer sich allerdings erst aus aufgefangenen Versprengten zusammenstellen muß (s.Anl.IV 8). Zum Schutz der Südflanke erbittet das AOK von der 2.Armee die Gruppe Bickel
zurück (Arko 35 des XXXXI.Pz.K., s.KTB v.28.6.44), die sich an der Straße Bobruisk - Ssluzk schrittweise zurückgekämpft hat und jetzt, da der Kampfraum Ssluzk nunmehr zur 2.Armee gehört
(s.Anl.IV 4), an der von Ssluzk nach Minsk führenden Straße eine Sicherung nach Süden aufbauen soll (s.Anl.3).
Um 12.00 Uhr ruft der Oberbefehlshaber der Luftflotte persönlich an: die Bobruisker Ausbruchsgruppe ist von der Luftaufklärung erkannt worden! Ihre Spitze befindet sich etwa 10 km nordwestl
der Stadt, zwischen ihr und Ossipowitschi allerdings schiebt sich eine Feindkolonne nach Nordosten vor, offenbar in der Absicht, sich der Ausbruchsgruppe vorzulegen (s.Anl.IV 7).
Unverzüglich erbittet das AOK von der Luftwaffe jede nur mögliche Unterstützung gegen diese Kolonne - es gilt jetzt um jeden Preis eine Verstärkung der Feindkräfte im Raum nordwestlich
Bobruisk zu verhindern.
Immer wieder kreisen die Gedanken des AOK um die Möglichkeit eines Befreiungsangriffes zu den Bobruisker Kameraden. Für diesen Angriff kommt allein die 12.Pz.Div. in Frage -leider aber ist
diese dadurch, daß der Feind heute die Sperrlinie der Gruppe Lindig mit immerhin schon recht starken Kräften angegriffen und bei Lapitschi auch einen Einbruch erzielt hat, dort so stark
gebunden, daß die Wegnahme der geschlossenen Division zu einer Angriffsaufgabe die Haltbarkeit dieser Sperrlinie und damit die Möglickeit, im Falle eines Erfolgs des Befreiungsangriffs die
Ausbruchsgruppe überhaupt aufzunehmen, völlig in Frage stellen würde. Darüber hinaus ist die Lage in den Flanken der Gruppe Lindig weitgehend unklar - nach Luftaufklärungsmeldungen stößt
der Gegner mit stärkeren Kräften von Ossipowitschi nach Westen vor; angesichts der Gefahr einer Umfassung der Gruppe erscheint deshalb der vorzeitige Einsatz der 12.Pz.Div. ein erhebliches
Wagnis.
Trotzdem ringt sich der Oberbefehlshaber zu dem Entschluß durch, anzugreifen. Sein ursprünglicher Plan, die 12.Pz.Div. weit nördlich ausholend von Tscherwen aus nach Süden vorstoßen zu
lassen, um auf diese Weise den sich zwischen die 9. und 4.Armee schiebenden Feindkräften Einhalt zu gebieten, sie auf sich zu lenken und damit den Ausbruch der Bobruisker Entlastung zu
bringen, wird von der Heeresgruppe nicht gebilligt (Chef H.Gr./Chef, 15,20 Uhr). Infolgedessen lautet sein Befehl an die Gruppe Lindig, nach Durchführung des zur Zeit im Gange befindlichen
Gegenangriffs zur Bereinigung des heutigen Einbruchs nach Südosten weiterzustoßen. Der Angriff soll aus dem Raum nordostw.Lapitschi in Richtung auf Sborsk geführt werden und in den frühen
Morgenstunden des 30.6. beginnen. Meldeabwurf der Luftwaffe über die ausbruchsgruppe ist noch für die Nacht vorgesehen, um ihr von dem eigenen Angriffsvorhaben Kenntnis zu geben.
Neben den eigentlichen Aufgaben der Kampfführung, die die Arbeitskraft des Oberbefehlshabers und seiner Mitarbeiter in diesen Tagen allein schon auf das höchste in Anspruch; nahmen,
erwächst der Armeeführung eine von Tag zu Tag größer werdende weitere Aufgate durch die nicht=kämpfenden Teile der Armee, die sich seit dem ersten tiefen feindlichen Durchbruch in einer an
Zahl ständig zunehmenden Rückwärtsbewegung befinden. Es handelt sich dabei nicht nur um die erforderliche verkehrstechnische Leitung, Überwachung und Versorgung der Kolonnen, die trotz
mancher Stockungen und Hemmnisse im allgemeinen doch verhältnismässig reibungslos abfließen, sondern es geht vor allem um die Ausnutzung dieses Stromes von Menschen,Fahrzeugen und Waffen
für die Gewinnung neuer Kampfeinheiten durch Aussonderung der einsatzfähigen Soldaten und Waffen. Fälle von Desorganisation, in den ersten Tagen noch selten, häufen sich, tagsüber
aufgestellte Alarmeinheiten weisen am nächsten Morgen nur noch einen Teil ihrer Kopfzahl auf, da ihre Angehörigen, die sich weder untereinander kennen noch ihren Führern einzeln bekannt
sind, in den übermächtigen Drang nach rückwärts über Nacht verschwinden, um sich wieder als Versprengte den nach Westen flutenden Kolonnen anzuschließen. Bedauerlicherweise werden auch
Fälle bekannt, daß Offiziere aus derartigen Alarmeinheiten ihre Truppe verlassen haben. Das AOK, gewillt, derartige Erscheinungen mit aller Schärfe schon im Keime zu ersticken, trifft
unverzügliche Gegenmaßnahmen: Offiziersstreifen mit allen Vollmachten werden mit der Überwachung der Marschstraßen beauftragt (s.z.B. Anl.IV 12) und für die Aufstellung von Alarmeinheiten
wird die sofortige listenmässige Festlegung ihrer Führer und Angehörigen befohlen. Hinsichtlich der Organisation des Fahrzeugverkehrs ist der einheitliche Abschub der nicht=kampffähigen
oder kampfnotwendigen Teile in den Raum Stolpce angeordnet, wo Sammelräume zur Neuordnung der Verbände eingerichtet werden. Einsatzfähige Teile sollen erfaßt und wieder einer Kampfverwendung
zugeführt werden (s.Anl. IV 10).
Die Heeresgruppe hat ab heute nacht 00.00 Uhr die Unterstellung des Festen Platzes Minsk unter den Befehl des AOK 9 angeordnet (s.Anl. V 5). Es bedeutet das eine neue schwere Belastung der
Armee, da die zur Verteidigung des Festen Platzes vorhandenen Kräfte völlig unzulänglich sind (s.Anl.VIII 1). Das AOK hofft deshalb dringend, von dieser Aufgabe im Zuge der weiteren
Ausweichbewegung der 4.Armee alsbald wieder entbunden zu werden, zumal der Feste Platz im Abschnitt der 4.Armee liegt und deshalb nach Ansicht des AOK auch nach wie vor in deren
Befehlsbereich gehört (s.Anl.II, TM Ziff.11). Das AOK hat heute seinen Gefechtsstand nach Gatowo (15 km SSO Minsk) verlegt.
30.6.1944
KTB 9.Armee.
Im Mittelpunkt der Tagesereignisse steht wiederum der Ausbruch der Bobruisker und die brennende Frage, ob ihre Aufnahme möglich sein wird. Bei der Gruppe Lindig hat der Feind in den
frühen Morgenstunden Lapitschi angegriffen und einen Einbruch erzielt, zu dessen Bereinigung das gesamte Pz.G.R.25 eingesetzt werden muß. Damit ist der für heute geplante Vorstoß aus dem
Raum nordwestlich Lapitschi auf Sborsk, für den das Regiment vorgesehen war, (s.Anl.VIII 3) undurchführbar geworden, denn ein Festsetzen des Feindes in einem Brückenkopf über den
Swisslotsch, der ihm eine vorzügliche Ausgangsstellung für weitere Angriffe bieten würde, muß unter allen Umständen verhindert werden. Auch bei Talka ist es zu feindlichen Panzervorstößen
gekommen; die Erwartung eines kurz bevorstehenden, stärkeren Feindangriffes bindet hier weitere Teile der 12.Pz.Div. (s.Anl.II). .
Von den Bobruiskern fehlt zunächst jegliche Nachricht. Auch die Luftaufklärung entdeckt die Kolonne nicht mehr (Ic Lw/Ord.Offz.Chef, 6,15 Uhr).
Endlich gegen 10.00 Uhr, trifft ein Funkspruch des stellvertretenden Komm.Generals des XXXXI.Pz.K.General-Lt.Hoffmeister, ein. Danach befindet sich die Ausbruchsgruppe in schweren
Durchbruchskämpfen auf dem Weg nach Norden (s.Anl.III 4) und erbittet Munition, Betriebsstoff und Verpflegung. Während der Versorgungsabwurf schon vorbereitet wird
(Chef/Chef Lfl.6, 10,20 Uhr), muß eine erneute Funkanfrage zunächst den Standort der Gruppe feststellen, die inzwischen auch von den Aufklärungsfliegern wieder erfaßt worden ist
(s.Anl.III 9).
Gegen 14.00 Uhr kommt ein neuer Funkspruch des XXXXI.Pz.K. (s.Anl.X). Er meldet,daß die Ausbruchsgruppe die Swisslotsch=Brücke besetzt habe. Der Versorgungsabwurf wird daraufhin
unverzüglich veranlaßt (s.Anl.V 1, IV 6, 10 und 12).
Zum zweiten Mal ist der OB vor die schwere Frage gestellt, ob trotz der Feindangriffe auf die Gruppe Lindig ein eigener Angriff zur Befreiung der Ausbruchsgruppe gewagt werden kann.
Der brennende Wunsch, ihr zu helfen, drängt jedoch auch heute wieder die schweren Bedenken zurück, daß ein Abziehen von Teilen der 12.Pz.Div. aus den noch am Abend andauernden schweren
Ortskämpfen in Lapitschi zum Zusammenbruch der Sperrlinie der Gr.Lindig führen könnte, die nunmehr 3 Tage lang den unmittelbaren Feindstoß von Südosten auf Minsk erfolgreich verhindert hat.
In dem Bewußtsein, daß das Leben von vielen Tausenden .von Henschen auf dem Spiel steht, entschließt sich der OB deshalb nochmals zu dem Wagnis eines Befreiungsangriffs
(OB/Ia 12.Pz.Div., 15,05 Uhr; endgültiger Befehl: Ia/Ia Gr.Lindig, 15,10 Uhr). Der Vorstoß soll von Pogoreloje auf Sswisslotsch geführt werden und möglichst noch vor Morgengrauen beginnen.
Hinsichtlich der Bemessung der Kräfte läßt der OB der 12.Pz.Div. freie Hand, da nur sie im Stande sein wird, je nach der weiteren Entwicklung der Kampflage bei Lapitschi und Talka zu
übersehen, was dort an Kräften entbehrt werden kann, ohne den Bestsand der Sperrlinie völlig in Frage Zu stellen. Er befiehlt jedoch, hierbei bis an die äußerste Grenze des Vertretbaren zu
gehen und den besten Kommandeur mit der Durchführung des Unternehmens zu beauftragen. Am Nachmittag meldet Gen.Lt.Hoffmeister, daß der Sswisslotsch-Übergang durch feindlichen Gegenstoß wieder
verloren sei (s.Anl.IV 5). Damit sinken die Aussichten auf eine Befreiung der Bobruisker erheblich. Denoch läßt sich der OB in seiner festen Zuversicht, daß sie gelingen werde, nicht
irremachen.
Schon jetzt ordnet er an, alle erdenklichen Vorbereitungen für die Aufnahme, Verpflegung und Betreuung der Bobruisker, von denen heute bereits eine Splittergruppe von 350 Mann bei der Gruppe
Lindig eingetroffen ist (Ia Gruppe Lindig / Chef 12.00 Uhr), und zu ihrem raschen Abtransport zu treffen.
Nebenan diesen Ereignissen beginnt sich eine neue Gefahr für die 9.Armee sowie alle noch im Raum. ostw.Minsk stehenden eigenen Truppen, zu denen in erster Linie die sich langsam nach Westen
zurückkämpfende 4.Armee gehört, abzuzeichnen. Die Luftaufklärung meldet am frühen Vormittag, daß sich eine feindliche Panzergruppe 12 km südl.Ssluzk im Vormarsch nach Norden befinde
(s.Ic/Zwischenmeldung). Schon vorher ist vom Kommandant des Festen Platzes Minsk die Meldung eingegangen, daß feindliche Panzer und mot.Infanterie 60 km nordostwärts Minsk im Vormarsch nach
Südwesten von der Luftaufklärung erfaßt worden seien (Kdt.F.Pl.Minsk / Chef, 5,50 Uhr). Ziel der beiden Feindgruppen ist offensichtlich Minsk, ihre Absicht: die Umklammerung aller ostw. Minsk
stehenden eigenen Kräfte. Angesichts der Unterstellung des Festen Platzes Minsk fällt hierbei dem AOK 9 die Aufgabe . zu, beide Stöße abzuwehren. Da im Augenblick an eine Erfüllung der gestern
an die 2.Armee gerichteten Bitte um Rückunterstellung der Gr.Bick el, die am Kampf um Ssluzk beteiligt ist, nicht zu denken ist, sieht sich das AOK gezwungen, zur Abwehr des Südstoßes den
bisher zur Abschirmung der linken offenen Flanke der Gruppe Lindig eingesetzten Sperrverband. Meinecke beschleunigt nach Süden herumzuwerfen. Er erhält den Auftrag, soweit wie möglich auf der
Straße nach Ssluzk nach Süden vorzustoßen und das Vordringen der feindlichen Panzer aufzuhalten oder zum mindesten zu verzögern (Chef/Adj.Gr.Meinecke, . 9,30 Uhr), wozu ihm weitere
Panzerabwehrwaffen nachgeführt werden (s.Anl.IV 1). Ein Offizierspähtrupp des AOK ist bereits zur Aufklärung vorausgesandt worden (s.Anl.IV 7). Die Straße wird bis südlich Walerjahy feindfrei
gemeldet (s.Anl. III 6,7,8,11, IV 2). Zur Abwehr des Nordstoßes erbittet das AOK von der Heeresgruppe, die bereits Luftwaffenunterstützung angefordert und Vorausteile der 5.Pz.Div. dorthin
abgedreht hat (Ia Heeresgr./Chef, 3,55 Uhr), die Genehmigung, soeben in Minsk ausgeladene Teile der Tigerabt.505 einsetzen zu dürfen. Die Genehmigung erfolgt (Chef Heeresgruppe/Chef, 5,30 Uhr),
worauf das AOK von Kommandanten des Festen Platzes Minsk einen Sperrverband unter Führung des Oberstlt.v. Majewski aufstellen und auf der Straße nach Logosik mit dem gleichen Auftrag antreten
läßt, den die Gr.Meinecke in südl. Richtung erhalten hat (Chef/Kdt.F.Pl.Minsk,5,55 Uhr; vergl. Anl.VIII 1). Die ab morgen verfügte Rückunterstellung des Festen Platzes Minsk unter die 4.Armee
(s.Anl.V 7) überträgt die weitere Kampfführung der Gr.v.Majewski dem AOK 4.
Die Heeresgruppe hat ferner mitgeteilt, daß der Armee die 28.Jg.Div. zugeführt werde. Mit dem Eintreffen der ersten Züge sei etwa am 1.7. zu rechnen (s.Anl.V 6). Als Ausladebahnhöfe sind von
der Heeresgruppe Stolpce und Dsershinsk (Koidanowo) vorgesehen. Von dort aus soll die Division nach Südosten gegen die vom Feind auf Minsk vorgetriebenen Umfassungskräfte unbesetzt werden.
Das AOK hält diese Planung für fehlerhaft. Es ist, trotzdem heute noch der Anschein dagegen spricht, der Auffassung, daß der vermutliche Hauptstoß des Gegners weniger nach Norden auf Minsk
als auf die Landenge von Baranowicze und das Höhengelände von Nowogrodek gerichtet sein und daß der Feind hierbei als erstes eine Sperrung des Njemen=Überganges bei Stolpce anstreben werde.
Infolgedessen würde das AOK eine Ausladung der Divisionen auf den Bahnhöfen Horodziej und Stolpce, d.h. also weiter. südwestlich, für richtig halten; ein Weiterfahren würde nach seiner Ansicht
nur ein Hineinfahren in den vom Feind geplanten neuen Kessel um den Großraum Minsk bedeuten. Der Chef der Heeresgruppe widerspricht dieser vom Armeechef vorgetragenen Auffassung mit dem
Hinweis, daß ein Abdrehen der jetzt nach Westen angreifenden feindlichen Hauptkräfte nach Nordwesten unwahrscheinlich sei, da hier das fast völlig wegelose ehemalige polnisch-sowjet=russische
Grenzgebiet sich einem raschen Vormarsch als natürliches Hindernis entgegenstelle; zum. Schutz der Landenge von Baranowicze, wohin die Hauptstraße von Ssluzk führe, sei überdies die
1.kgl.ung.Kav.Div. im Anmarsch (Chef H.Gr./Chef, 20,20 Uhr).
 
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