2.leichte Division
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Kriegstagebuch Oktober 1939
1.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Am 1.Oktober fand ein feierlicher Gottesdienst in Anwesenheit des Kommandierenden Generals, General der Infanterie Hoth, des Divisionskommandeurs, Generalleutnant Stumme,
und des Regimentskommandeurs, Oberst von Unger, statt. Nach dem Feldgottesdienst verlieh der Kommandierende General in Anwesenheit des gesamten Regiments dem
Divisionskommandeur die Spange zum Eisernen Kreuz I.Klasse. Anschliessend zeichnete Generalleutnant Stumme den Kommandeur des Regiments, Oberst von Unger, mit der Spange
zum Eisernen Kreuz II.Klasse aus und heftete dem Oberleutnant Hoffmann, den bewährten Führer der 7.Schwadron, für seine Verdienste im polnischen Feldzug als ersten
Offizier des Regiments das Eiserne Kreuz I.Klasse an die Brust.
2.10.1939
3.10.1939  
4.10.1939  
5.10.1939  
6.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Am 6.Oktober fand eine Kommandeurbesprechung statt. Bei dieser Besprechung zeichnete Generalleutnant von Stumme den Kommandeur der II.Abteilung, Oberstleutnant Junck,
mit der Spange zum Eisernen Kreuz I.Klasse aus. Gleichzeitig wurde dem zur Zeit noch im Lazarett liegenden Unteroffizier Zeitz von der 5.Schwadron das Eiserne Kreuz
I.Klasse und mehreren Schwadronsführern, Offizieren, Unteroffizieren und Schützen das Eiserne Kreuz II.Klasse beziehungsweise den bereits im Weltkriege Ausgezeichneten
die Spange zum Eisernen Kreuz II.Klasse verliehen.
Die grosse Rede des Führers, die eine letzte Mahnung an die plutokratischen Westmächte darstellte, wurde von den Abteilungsfunkwagen übertragen und von den Angehörigen
der Schwadronen angehört.
Am gleichen Abend traf gegen 16 Uhr beim Regiment der Abmarschbefehl zur Verlegung der 2.leichten Division am 7.Oktober in den Raum Belsk Duzy – Oschow – Kemion – Rawa
– Blendow ein. Der bisherige Unterkunftsraum musste für Infanteriedivisionen freigemacht werden, die durch die völlige Niederkämpfung der polnischen Armeen frei geworden
waren und an der Strecke Zyrardow – Grodzisk südwestlich Warschau verladen werden sollten.
Die notwendigen Vorbereitungen für den Abmarsch in den Raum südostwärts Skierniewice wurden sofort getroffen.
7.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Kurz nach 7 Uhr begann das Regiment die Fahrt in den neuen Unterkunftsraum in folgender Marschordnung: Regimentsstab – I. Abteilung – II. Abteilung. Der Weg führte von
Many nach Mszczonow, an dessen Ortseingang sich Generalleutnant von Stumme die Vorbeifahrt des Regiments ansah. Dann wurden die Orte Zawady und Wola passiert und zwischen
10 und 11 Uhr waren die neuen Quartiere im Raume zwischen Skierniewice und Rawa erreicht. Unterwegs stürzte Leutnant Falk auf seiner Solomaschine und musste wegen
Knöchelbruch in das Lazarett Lodsch eingeliefert werden.
Es kamen unter: der Regimentsstab in Wyszesniak, der Stab der I.Abteilung Liszno, die 1.Schwadron in Golyn, die 2. in Raducz, die 3. in Paplin, die 4. in Str. Rowe,
der Stab der II.Abteilung im Vorwerk Lisowola, die 5.Schwadron in Kamion, die 6. in Jerusal, die 7. in Doleck, die 8. in Suliszew und Trzcianna, die Trosse, der
Pionierzug, die Instandsetzungsstaffel auf Vorwerk Lajszev Stare.
Nach dem Eintreffen wurden Einrichtungs- und Ausbauarbeiten in den Quartieren und Scheunen vorgenommen, da anzunehmen war, dass das Regiment auch hier längere Zeit im
neuen Unterkunftsraum verbleiben würde.
Als neuer Regimentsadjutant traf Oberleutnant Koch, bisher Aufklärungsregiment Nr.7, im Quartier des Regimentsstabes ein und meldete sich bei Oberst von Unger.
Der bisherige Adjutant, Rittmeister Schleifer, übernahm als Chef die Führung der 7.Schwadron.
8.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6. bis 9.Oktober 1939

Der Aufenthalt im Raume um Rawa sollte aber, wie sich bald zeigte, nur von kurzer Dauer sein. Zunächst verlegte am 8. Oktober der Stab der II. Abteilung sein
Quartier in das Pensionat Biale Gora, da dort bessere Unterbringungsmöglichkeiten bestanden.Am nächsten Tage wurde eine Offiziersbesprechung abgehalten, in der die
künftigen Aufgaben des Regiments besprochen wurden. Jeder Offizier, Unteroffizier und Schütze wurde sich darüber klar, dass der Krieg mit der Niederwerfung Polens
in einem unvergleichlichen Feldzug weniger Wochen keineswegs zu Ende war, sondern dass er überhaupt erst richtig begann. Ehe nicht der Hauptgegner England
niedergerungen war, konnte an einen Frieden nicht gedacht werden. Um die Truppe für diesen Kampf um die Entscheidung des Krieges zu schulen und auszubilden, sollte
die Division, wie im Laufe des Nachmittags bekannt wurde, für einige Zeit in ihre Friedensstandorte verlegt werden. Diese Nachricht löste grosse Freude aus. Jeder
freute sich, wenn sich die Trennung von Familie und Heimat nur 6 Wochen gewährt hatte, Frau und Kind, Eltern und Geschwister, Braut oder Freundin wiederzusehen.
9.10.1939  
10.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Ungünstiges Wetter war eingetreten. Seit dem Vortage herrschte Regen und Schneetreiben. Dies liess bereits das nahe Bevorstehen des gefürchteten polnischen Winters
ahnen. Die Truppe war daher froh, jetzt Polen verlassen und für einige Zeit in die Heimatstandorte fahren zu können.
Um 7 Uhr begann der Abmarsch, der die Division in den Raum um Petrikau (Piotrkow) – Radomsko verlegen sollte. Der Marsch erfolgte nicht mehr feldmarschmässig.
Es wurde in Mütze gefahren, nachts brauchte keine Verdunkelung der Scheinwerfer zu erfolgen. In Petrikau trat für den Regimentsstab und die II.Abteilung eine längere
Marschstockung ein, da die Strasse von der 4.Panzerdivision gekreuzt wurde und diese Division die Vorfahrt hatte. Dennoch konnte in den ersten Nachmittagsstunden
der neue Unterkunftsraum westlich Petrikau erreicht werden. Einige Unterbringungsschwierigkeiten ergaben sich nur daraus, dass mehrere Dörfer, die der Division als
Quartiere angewiesen waren, nicht bezogen werden konnten, da die Orte nicht mehr vorhanden, sondern im polnischen Kriege abgebrannt waren.
Es wurden untergebracht: der Regimentsstab in Wola Grzymolina südwestlich Petrikau, die I.Abteilung in Orten südlich Belchatow und die II.Abteilung in Kluki,
Grocholica und Szczercow.
Gegen Mitternacht traf der Befehl ein, dass das Regiment am kommenden Morgen sehr früh den Weitermarsch in die Friedensstandorte fortzusetzen und die Gegend westlich
Breslau zu erreichen habe.
11.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Schon um 3 Uhr morgens wurden die Schwadronen geweckt und machten sich fahrfertig.
Gegen 5,30 Uhr erfolgte vor dem Morgengrauen die Abfahrt der vordersten Teile des Regiments.
Gefahren wurde in folgender Reihenfolge: Regimentsstab, I.Abteilung, Instandsetzungskolonne – II.Abteilung. Der Weg ging in südwestlicher Richtung über Szczercow –
Wielun – Kempen – Gross-Wartenberg – Oels – Breslau – Deutsch Lissa. Um die Mittagsstunde wurde die ehemalige Reichsgrenze erreicht und von der Truppe mit Jubel
begrüsst. Deutsche Männer und Frauen und vor allem die begeisterte Jugend blieben an den Strassen der Fahrbahn stehen und jubelten der durchfahrenden siegreichen
Truppe zu.
Die Unterkunftsräume des Regiments, die gegen 17 Uhr nach einer Fahrt von über 250 km erreicht worden waren, befanden sich im Raum ostwärts Neumarkt in Niederschlesien.
Der Regimentsstab lag in Bonna, die I.Abteilung in Frobelwitz, Leuthen, Lampersdorf, Polkendorf, Krintsch und Hausdorf.
12.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Nach den am Vortage eingegangenen Anordnungen der Division hatte das Regiment am 12.Oktober über Liegnitz die Gegend des Anfangs der Reichsautobahn um Dresden zu
erreichen. Vorkommandos wurden bereits nach Saalfeld und Rudolstadt in Marsch gesetzt, die indessen von anderen Truppen belegten Kasernen zu übernehmen, während die
bisherigen Kasernengäste in Ausweichquartieren in und um die Garnisonorte wandern mussten.
Um 10 Uhr erfolgte die Abfahrt in Marschfolge Stab – I.Abteilung – II.Abteilung. Da die Autobahn von Dresden nach Schlesien wohl im Bau, aber noch nicht fertiggestellt
war, musste der Weg über Liegnitz, Heyerau, Görlitz, Löbau, Bautzen, Bischofswerda eingeschlagen werden. Nordostwärts Dresden wurden Privatquartiere bezogen und zwar
kamen unter der Regimentsstab in Pulsnitz, die I.Abteilung in Grossröhrsdorf, Stab der II.Abteilung und die 7.Schwadron in Arnsdorf, die 5.Schwadron in Bretnig, die
6.Schwadron in Kleinröhrsdorf und die 8.Schwadron in Seeligstadt.
Durch die guten Quartiere werden die vorgenannten Orte den Kavallerieschützen lange Zeit in angenehmer Erinnerung bleiben.
13.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Mittags 12 Uhr erfolgte vom Ablaufpunkt Radeberg ab die Weiterfahrt in die Garnisonen in Marschfolge: II.Abteilung – Regimentsstab – I.Abteilung – Kolonnen.
Gleich hinter Radeberg ging es auf die Reichsautobahn. Jeder Fahrer merkte hierbei den Unterschied zwischen den Strassen des Führers und den oft kaum noch als Weg zu
bezeichnenden "Strassen" in Polen. In schneller Fahrt ging es über Meerane – Gera zum Strassenkreuz Hermsdorf, wo der Regimentsstab nebst der I.Abteilung auf die
Münchener Strecke einbog, um der Reichsautobahn bis Triptis zu folgen und dann über Neustadt, Pössneck nach Saalfeld zu fahren, wo die Kavallerieschützen gegen
21,30 Uhr, begrüsst von der jubelnden Bevölkerung, in den Kasernen eintrafen.
Die II.Abteilung hatte die Autobahn bis Jena benutzt, war dann über Kahla die Saale aufwärts nach Rudolstadt gefahren und erreichte zwischen 20 und 21 Uhr die
Prinz Eugen – Kaserne in Rudolstadt. An den Strassen der Stadt standen dicht gedrängt die Rudolstädter Einwohner und warfen Blumen und begrüssten ihre
Kavallerieschützen aufs Herzlichste.
14.10.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Als England und Frankreich am 3.September 1939 dem Deutschen Reich den Krieg erklärten, hatten sie kaum damit gerechnet, dass der junge Staat Polen, um
dessenwillen sie das Schwert gezogen hatten, nach einem unvergleichlichen Siegeszug der deutschen Truppen in wenigen Wochen völlig zusammengeschlagen werden würde.
Das Kavallerie–Schützen–Regiment 6, das in den Saalestädten Rudolstadt und Saalfeld in Garnison lag, hatte diesen Feldzug gegen die Polen von den ersten bis zum
letzten Tage mitgemacht und im Verband der 2.leichten Division grosse Erfolge errungen und entscheidend dazu beitragen, dass Polen niedergeworfen werden konnte, ehe
seine westlichen Bundesgenossen in der Lage waren, gemäss dem gegebenen Garantieversprechen einzugreifen. Nach Beendigung des Polenfeldzuges waren die Schützen in
ihre heimatlichen Garnisonen zurückgekehrt. Nicht, um auf den Lorbeeren der Septembertage auszuruhen, sondern um die Ausrüstung und die Fehlstellen zu ergänzen und
die Rüstung zu verstärken. Dann aber sollte es erneut in den Kampf gehen, um auch die Westmächte nieder zu ringen. Eine schwere Arbeit stand bevor.
Es bedurfte weiser Planungen und gewaltiger Vorbereitungen. Die auf den Schlacht – und Gefechtsfeldern zwischen Oder und Weichsel gesammelten Erfahrungen mussten
verwertet werden. Hierzu gehörte eine weitere Motorisierung der Truppen. Die deutschen Panzerdivisionen hatten in Polen eine entscheidende Rolle gespielt.
Um Frankreich nieder ringen zu können, bedurfte es einer erheblichen Verstärkung der Panzerwaffe und einer zahlenmässig erheblichen Vermehrung der Panzerdivisionen.
Infanteriedivisionen mussten umgebildet oder motorisiert werden. Zur Umbildung in Panzerdivisionen waren in erster Linie die leichten Divisionen berufen.
 - Umbildung in 7.Panzerdivision weiter im KTB 7.Pz.Div.
 
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