2.leichte Division
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Kriegstagebuch September 1939
1.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Um die Mitternachtsstunde vom 31. August zum 1. September rückten die Schwadronen des Kavallerie-Schützenregiments Nr.6 mit ihren
Waffen, Maschinengewehren und Granatwerfern, Pak und Kavalleriegeschützen vom Abstellraum der Kraftfahrzeugstaffeln im Ostteil des
Hornecker Forstes bis unmittelbar an die Grenze heran vor. Nach der Anweisung der einzelnen Schwadronsführer wurde westlich und
südwestlich des polnischen Dorfes Mikoleska Kampfstellung zum Vorgehen in Feindesland eingenommen. Nichts regte sich in dem dichten
Waldgebiet.
Es musste daher angenommen werden, dass der Gegner unseren plötzlichen Aufmarsch nicht erkannt hatte.Dem zur deutschen 10.Armee
unter General der Artillerie von Reichenau gehörigen XV.Armeekorps unter der Führung des Generals der Infanterie Hoth, zu dem auch
die 2.leichte Division unter Generalleutnant Stumme gehörte, war folgender Auftrag gestellt:
Das Korps bricht mit der 2.leichten Division auf Koschentin durch, um südlich Czenstochau das Ostufer der Warthe (Warthe) zwischen
Poraj und Mijaczow in Richtung auf Zarki zu gewinnen. Die nördlich der 2.leichten Division eingesetzte 4.Infanteriedivision geht mit
dem Südflügel über Lublinitz und Boronow gegen die Warthe vor und erreicht zur Erzwingung des Wartheübergangs nördlich Poraj vorerst
das Höhengelände südlich des Dorfes Renkzowiec südlich der bekannten Stadt Czenstochau. Der Auftrag der 2.leichten Division, zu der
das Regiment gehörte, ging also dahin, über die Linie Mikoleska – Grünwald die polnische
Grenze zu überschreiten und zwischen Stahlhammer (Kalety) und Grünwald (Krywałd) die Malapane zu gewinnen. Dann sollte sie nach
Durchstossen der Waldzone bis zur Linie Erdmannshain – westrand Piasek vorrücken, durch umfassenden Angriff aus ostwärtiger
Richtung Kosiecín nehmen und gegen polnische Gegenangriffe halten.
In Ausführung dieses Befehls hatte das Kavallerie-Schützenregiment Nr.6 im raschen Vorgehen Stahlhammer zu besetzen und alsdann auf
Erdmannshain vorzugehen unter Sicherung der rechten Flanke und Aufklärung gegen die Höhen westlich Lubsza. Links vom
Kavallerie-Schützenregiment Nr.6 war das Schwesterregiment Nr.7 südlich und südostwärts Grünwald angesetzt. Gewissenhaft waren schon
vor Tagen die Nummern von den Achselklappen entfernt oder verdeckt worden. Selbst Kleidungs- und Ausrüstungsstücke waren ohne
Truppenbezeichnung. Die Fahrzeuge liessen keine Truppennummern sondern nur taktische Zeichen erkennen, damit der Gegner keinerlei
Schlüsse über die Zusammensetzung der ihm an den einzelnen Kampfabschnitten gegenüberstehenden deutschen Truppen ziehen konnte.
Über den Feind lagen im Angriffsabschnitt folgende Anhaltspunkte vor: Der Pole hatte längs der Grenze verstärkten Grenzschutz
eingesetzt, der in den unmittelbar hinter der Grenze liegenden Ortschaften durch aktives Militär oder Reservetruppen verstärkt war.
Alle grösseren Ortschaften waren zu befestigten Stützpunkten ausgebaut, die Brücken bei Brusjek und Kalety zur Sprengung
vorbereitet. Nach Agentennachrichten befand sich die feindliche Hauptstellung an der Warta, die bei einem Wasserstand von nur 40 cm
überall leicht durchwatbar war. In der Wartestellung waren aber 3 Grabenanlagen hintereinander, meist terrassenförmig vorbereitet
und ausgebaut, so dass in dieser Kampfstellung die Masse der polnischen Truppen erwartet werden musste. Im Waldgebiet zwischen
Georgendorf und Wolschnik waren alle Ortschaften befestigt ausgebaut. Drahthindernisse befanden sich vor allem bei Kosiecín, dessen
Schlosspark durch eingebaute Maschinengewehre und einige am Südrand des Dorfes aufgestellte Paks besonders hartnäckig verteidigt
werden sollte, falls die deutschen Truppen hier in dem ehemals zu Preussen gehörigen Gebieten vorgehen sollten.
Die Strasse Wolschnik – Stahlhammer war an mehreren Stellen unterminiert. Vor mehreren anderen Ortschaften der uns durch den
Polenaufstand in Oberschlesien geraubten Gebiete befanden sich Minenfelder, die unser Vorgehen verteilten oder aber wenigstens
aufhalten und verzögern sollten. In den Dörfern lagen polnische Truppen verschiedener Stärke und Kampfkraft. So war in den letzten
Tagen in Stahlhammer eine Besatzung von einem Bataillon aktiver Truppen aus Kongresspolen nebst polnischer Miliz festgestellt worden,
während in Boronow 160 Mann und in Kosiecín gleichfalls starke Kräfte bereitgestellt waren. Die dreifache Feldstellung an der Warta
war durch aktive Truppen, meist Kavallerie, besetzt. Wolschnik und Lubsz beherbergten das polnische Infanterieregiment Nr.11.
Die Ausgänge des Hornecker Forstes auf der polnischen Seite waren in den letzten Tagen durch tiefgegliederte Baumsperren mit
Minenanlagen abgeriegelt worden. Derartige Sperrungen befanden sich weiterhin am Wege Kosiecín – Lesnica, am Wege Jeleniak – Grünwald,
sowie längs der Eisenbahnlinie Piasek – Rusinowice. Deutsche Volksgenossen aus den polnischen Gebieten hatten in den letzten Tagen
sehr wertvolle Nachrichten über die feindlichen Massnahmen geliefert und sich sogar vereinzelt aktiv an den Kampfvorbereitungen
beteiligt, indem sie z.B. unauffällig in der Nähe zur Sprengung vorbereiteter Brücken zum Behelfsbrückenbau geeignetes Holz
bereitstellten, um so den Bau von Notbrücken durch die einrückenden deutschen Truppen zu erleichtern. Besondere Anerkennung gebührte
dem Führer des deutschen Volkstums in diesem Gebiete, dem Prinzen Alexander von Hohenlohe in Kosiecín.
Die Kavallerieschützen, die gegen 1 Uhr nachts den Vormarsch zur Grenze zu Fuss angetreten hatten, nahmen gegen 3,30 Uhr die 2.
Bereitstellung unmittelbar vor dem neupolnischen Staatsgebiet ein. Zunächst ruhte die Truppe dort, soweit es die Umstände ermöglichten.
Kein Licht und kein Laut durfte über die Grenze dringen, damit der Aufmarsch nicht dem Gegner vorzeitig verraten wurde. Pünktlich zur
angeordneten Zeit setzten sich um 4,45 Uhr die Kampfgruppen Reim und Junck aus dem Deutschen Reich auf polnischen Boden in Marsch und
drangen in aufgelösten Schützenschwärmen durch das Waldgebiet auf polnisches, ehemals oberschlesisches Gelände vor. Unmittelbar hinter
den Grenzpfählen leistete der Feind keinen Widerstand. Dennoch war ihm aber der deutsche Aufmarsch im letzten Augenblick noch bekannt
geworden. Als sich unsere Schützen zum Grenzübertritt anschickten, heulten gegen 4,15 Uhr jenseits des deutschen Reichsgebietes an
mehreren Stellen Sirenen auf und alarmierten das polnische Militär. Ungehindert drangen die Schützen etwa 400 m in polnisches Gebiet
vor. Nirgends stellte sich ihnen ein Widerstand entgegen. Die polnische Grenzwacht, die von unseren Grenzpostieren am Tage wiederholt
beobachtet worden war, hatte sich ohne auch nur den geringsten Versuch einer Gegenwehr zu machen, zurückgezogen und blieb zunächst
verschwunden. Als die polnische Grenzsicherungslinie erreicht war, gingen einige Minen vor den Schützen hoch, ohne dass jedoch Schaden
angerichtet worden war.Die Minenexplosionen konnten das Vorgehen der Schützen weder aufhalten noch hemmen. Die gekarrten Handwagen
bewährten sich beim Vorgehen in dem unwegsamen Gelände vortrefflich und erleichterten die Mitnahme ausreichender Munition auf den
tiefen Sandwegen. In Richtung auf den Angriffsstreifen des Schwesterregiments 7 fielen bald weitere Schüsse. Aber auch hier war es
zunächst zu richtigen Kampfhandlungen nicht gekommen, da die polnischen Grenzwachen es vorgezogen hatten, auf ein Feuergefecht zu
verzichten. Nur hier und da gaben sie aus sicherer Entfernung blindlings einige Schüsse in das Gelände ab, ohne damit irgendwelchen
Schaden anzurichten. Aus nordwestlicher Richtung klang Kanonendonner herüber. Im Scheine der aufsteigenden Sonne blitzten die Rümpfe
und Flügel einiger deutscher Aufklärungsflugzeuge. Deutsche Flieger flogen feindwärts, um Einblick in die polnischen Stellungen und die
Aufmarschräume des Gegners zu nehmen. Da weiter vorwärts mit ernsthafterem feindlichen Widerstand mit Sicherheit zu rechnen war, kam es
darauf an, die schweren Waffen des Regiments rechtzeitig mit nach vorn zu bringen. Bei dem noch nicht geklärten Verbleib des Gegners
und dem sandigen Waldgelände konnten die Kavallerieschützen und die Paks nicht auf den Fahrzeugen befördert werden. Sie mussten daher
im Mannschaftszug vorgebracht werden. Die leichten Granatwerfer wurden getragen oder auf die Handkarren verladen. Bald nach dem
Grenzübertritt brausten zahlreiche Staffeln und Ketten deutscher Bomber- und Aufklärungsflugzeuge über die Grenze. Hörbare Detonationen
aus ostwärtiger Richtung deuteten darauf hin, dass dort wichtige Strassenkreuzungen und Eisenbahnlinien mit Bomben ausgiebig belegt
wurden.Mit den vordersten Teilen der Kavallerieschützen hatte auch Generalleutnant Stumme an der Spitze der Division seinen Fuss auf
polnisches Gebiet gesetzt.Vortrupps und Vorhut des Regiments näherten sich der ersten polnischen Siedlung. Kein Laut war zu vernehmen.
Der Feind hatte das Dorf freiwillig aufgegeben. Wie sich später herausstellte, waren die polnischen Bewohner über die Warte
zurückgegangen, während die deutschblütigen Einwohner, soweit sie sich nicht rechtzeitig dem Zugriff der Schergen entziehen konnten,
verschleppt worden waren. In Mikoleska wurden polnische Soldaten nicht mehr angetroffen; der Feind hatte auf Leistung von Widerstand
verzichtet und sich weiter ostwärts zurückgezogen. Um 5,45 Uhr konnte der weitere Vormarsch in Richtung auf Jedrsysek, ein Dorf von
etwa 130 Häusern, angetreten werden. Gegen 6,30 Uhr war ohne Kampfberührung auch dieser Ort erreicht. Am jenseitigen Dorfende kam es
zu einem kurzen Zusammenstoss. Schwacher Feind zeigte sich kurze Zeit. Er zog es aber nach den ersten Schüssen vor, im Laufschritt
durch Felder und Wälder in Richtung auf Kalety zurückzulaufen. Detonationen aus der Gegend des Ortes Kalety (Stahlhammer), wo etwa
die Hälfte der Bevölkerung deutsch war, liessen die Vermutung aufkommen, dass der Pole dort die Uebergänge über die Malapane gesprengt
hatte. Auch die hinter Jedrsysek angelegten polnischen Baum- und Minensperren verzögerten den Vorwärtsgang der Schützen nicht. Als sich
die Schützen Stahlhammer näherten, schlug ihnen vom Dorfrande her Infanteriefeuer und vereinzeltes Maschinengewehrfeuer entgegen.
In aufgelöster Gefechtsordnung entwickelte sich das Regiment gegen das Dorf, das der Gegner verteidigen wollte. Sprungweise wurde Boden
gewonnen. Das feindliche Gewehr- und Maschinengewehrfeuer wurde erwidert. Weiter rechts heulten deutsche Granaten in das polnische Land.
Das genügte, um den Gegner zur Aufgabe seiner Stellungen zu zwingen: er baute ab. Bei dem Vorgehen gegen Stahlhammer hatte das Regiment
den ersten und einzigen Verwundeten des Tages. Ein Schütze der 6.Schwadron bekam einen Gewehrschuss. Die bis zum letzten Augenblick
verteidigte Munitionsfabrik fiel in kurzer Zeit nach lebhaftem Feuergefecht fast unversehrt in die Hände der Kavallerieschützen.
Strassen- und Eisenbahnbrücke über die Malapane waren von den Polen gesprengt worden, so dass der Fluss durchwatet oder auf einer
Behelfsbrücke überschritten werden musste. Stahlhammer, das eine halbdeutsche und halbpolnische Bevölkerung hatte, war wenig beschädigt,
aber von den Bewohnern fast vollständig verlassen. Nur einige ältere Personen, die sich zunächst noch versteckt hielten, fanden sich
später ein und begrüssten mit Jubel die deutschen Truppen.
Das weiter nördlich vorgehende Schwesterregiment Nr.7 traf auf mehrere mit Minen geladene Baumsperren, bei deren unvorsichtiger
Entfernung die ersten blutigen Verluste eintraten.Von Stahlhammer ging der Vormarsch beiderseits der in nördlicher Richtung auf
Erdmannshain führenden Strasse weiter. In dem sandigen Kiefernwald wurde feindlicher Widerstand nicht mehr angetroffen.
Breite Baumsperren wurden unter Beachtung aller Vorsichtsmassnahmen und unter Mitwirkung der Regimentspioniere beseitigt.
Die Spitze bei der II.Abteilung hatte die 5.Schwadron unter Oberleutnant Driver, bei der I.Abteilung die 1.Schwadron unter
Rittmeister Hansen. Gegen 10,45 Uhr war auch Erdmannshain erreicht. Der Gegner hatte sich bisher nicht zum Gefecht gestellt.
Die Verbindung zu ihm war seit dem Grenzübertritt gerissen. Gefechtsfühlung war nur auf weite Entfernung bei Stahlhammer erreicht worden,
aber auch diese war indessen wieder verloren gegangen. Auffällig war es, dass sich der Gegner bisher nicht zum ernsten Widerstand gegen
die vordringenden Schützen aufgerafft hatte. Welche Gründe ihn dazu bewogen hatten, konnte zunächst nicht festgestellt, auch nicht
vermutet werden. Am Nordflügel der Division dagegen hatten sich Freund und Feind festgebissen. Stärkeres Feuer und weithin sichtbare
Granateinschläge kennzeichneten die Härte des Kampfes. Stellenweise klammerte sich hier der Feind zäh an jede Erdscholle, an jeden Zaun,
jeden Strauch und jeden Wiesengraben. Er verteidigte Häuser und Dörfer, Felder und Wiesen, Waldungen und Strassen im Bewusstsein, das
letzte Mal seinen Fuss auf diesen Landstrich gesetzt zu haben, wenn er das ehe-deutsche Gebiet aufgab. Dem 2.Kavallerieschützenzug der
8.Schwadron unter Oberleutnant d.R.Mächtig gelang es bei Erdmannshain neben der gesprengten Eisenbahnbrücke einen polnischen Eisenbahnzug
mit Militär und Eisenbahnern zum Halten zu bringen. Der Zug wurde erobert. Die Polen entwichen. 8 Gefangene blieben in der Hand der
Schützen. Die Strassenbrücke im Zuge der Strasse Lublinitz – Woischnik über die Eisenbahnlinie nördlich Erdmannshain wurde vom Feind
erst gesprengt, als die 5.Schwadron unmittelbar vor der Brücke anlangte. Die Zerstörung erfolgte aber nicht durch polnisches Militär,
sondern durch einige Zivilpersonen, die sich völkerrechtswidrig an militärischen Handlungen beteiligten.
Auf Grund der sich hieraus ergebenden Folgerungen wurden von der 5.Schwadron mehrere Zivilisten, die massgeblich an der Sprengung
beteiligt waren, erschossen. Der Nordrand des grossen Waldgebietes — der zusammenhängende Koschentiner – Hornecker, Zielonaer und Klein
Zygliner Forst — war damit erreicht. Befehlsmässig wurde in dieser Stellung am Waldrande gehalten, um weitere Befehle der Division
abzuwarten. Indessen arbeiteten die Pioniere des Pionierbataillons 58 unermüdlich, um die bis 100 m tiefen Baumsperren an den Strassen
zu beseitigen, damit die Wege für das spätere Nachziehen der Fahrzeuge des Regiments brauchbar´waren. Soweit notwendig, mussten auch
behelfsmässige Brücken gebaut werden, da alle Übergangsmöglichkeiten über die Malapane vom Feind beim Rückzug zerstört worden waren.
Besondere Bedeutung kam der schnellen Wiederherstellung der grossen Malapanebrücke an der Chaussee Horneck – Koschentin bei Brusiek zu.
Hier wurde die dem Pionierbataillon unterstellte 2.Pionier SS eingesetzt, die ein mitgeführtes Spurtafelgerät einbaute, so dass in
kürzester Zeit ein neuer Uebergang geschaffen war. Anschliessend begann die Kompanie mit dem Bau einer breiten Brücke für 16 Tonnen
Last zur Benutzung durch unsere schweren Panzerkraftwagen. Die Pioniere vollbrachten das Meisterstück einer 25 m langen Holzbrücke in
der Zeit von nur 16 Stunden. Da nach den Aussagen der wenigen zurückgebliebenen Bewohner sich das polnische Infanterie-Regiment 11 von
Stahlhammer aus in südöstlicher Richtung zurückgezogen und polnische Kavallerieabteilungen sich ostwärts gewandt hatten, im übrigen auch
das Schwesterregiment Nr.7 sich dem Städtchen Koschentin (Koscielin) näherte, konnte nunmehr der im Divisionsbefehl vorgesehene Angriff
auf diesen Ort eingeleitet werden. Die Division ordnete an, dass sich an diesem Unternehmen die beiden Abteilungen des
Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 und eine Abteilung des Schwesterregiments Nr.7 zu beteiligen hatten. Der Angriff sollte seinen Anfang
erst nehmen, wenn ein Heraustreten aus dem Walde in nördlicher Richtung unter dem Feuerschutz der schweren Waffen der beiden Regimenter
und der beigegebenen inzwischen nachgezogenen Artillerie möglich war. Zu diesem Zwecke hatte die I.Abteilung des
Artillerie-Regiments Nr.78 unter Major Grünther, die zuerst 3 km nordostwärts Horneck in Stellung gehen sollte, Befehl erhalten, sich
näher heranzuziehen, um am Nachmittag Feuerstellungen hart westlich Erdmannshain einzunehmen. Da aber das vorgesehenen motorisierten
Batterien durch die schlechten Strassenverhältnisse, die tiefversandeten Wege, die Baumsperren und Minenfelder, die gesprengten Brücken
bei Stahlhammer usw. sich notwendigerweise verzögerten, konnte mit dem Eintreffen der Batterien vor dem Spätnachmittag kaum gerechnet
werden. Oberst Fürst, dem es darauf ankam, keine Zeit zu verlieren, entschloss sich daher, ohne das Herankommen der eigenen Artillerie
abzuwarten, zum unverzüglichen Weitervorgehen, umso mehr er aus dem beobachteten Zurückgehen grösserer polnischer Kavallerietrupps auf
Lazy die Ueberzeugung gewann, dass hier der Gegner ernsthaften Widerstand nicht leisten würde, so dass eine sofortige unmittelbare
Unterstützung des Vorgehens der Kavallerieschützen durch eigene Batterien nicht notwendig war. Bei dem Antreten waren die Schützen
gegen 14,45 Uhr plötzlich dem kühnen Tiefangriff eines polnischen Aufklärungsflugzeuges ausgesetzt, das mit Maschinengewehrgarben
glaubte, das Vorgehen aufhalten zu können. Das erste Zusammentreffen unserer Kavallerieschützen mit dem polnischen Aufklärungsflugzeug
endete mit einem klaren Sieg der Schützen: sie schossen das polnische Flugzeug mit Gewehr- und Maschinengewehr ab. Die beiden Insassen
des Flugzeuges konnten nur tot geborgen werden. Der Abschuss des polnischen Flugzeuges durch die Waffen der Schützen war ein
verheissungsvoller Anfang in der Bekämpfung der polnischen Luftwaffe. Der Erfolg stärkte das Selbstbewusstsein und das Vertrauen der
Truppe in die eigenen Waffen erheblich. Insbesondere hatte sich das neue Maschinengewehr 34 durch seine schnelle Schussfolge als
hervorragend zur Fliegerbekämpfung geeignet gezeigt. Der polnische Widerstand an der Bahn- und Strassenlinie Lublinnitz – Koschentin
erwies sich nun als schwach. Als die leichten Maschinengewehre der Schützen sich kleine polnische Widerstandsnester aufs Korn nahmen,
löste sich die polnische Verteidigungsfront, die an sich nur aus schwachen Nachhuten bestanden hatte, in kürzester Zeit vollständig auf.
Draufhalten wurde das Vorgehen fortgesetzt und gegen 15,30 Uhr auf Grund eines mündlichen Befehls von Oberst Fürst von den beiden
Abteilungen die bisherige nordostwärtige Vormarsrichtung aufgegeben und nach Osten abgeschwenkt. Das Regiment sollte sich beiderseits
der Hauptverkehrsstrasse Erdmannshain – Ludwigsthal (Piasek) weiter nach Osten vorschieben und noch bis zum Abend die Höhen westlich
Lubsza in Besitz nehmen. Die I.Abteilung wurde rechts gegen Höhe 365,8, die II.Abteilung links gegen Höhe 357,4 angesetzt. Nordwärts
des Zielonauer Forstes arbeiteten sich die einzelnen Schwadronen zu Fuss in Schwarmlinien aufgelöst langsam im planmässigen Angriff
vorwärts. Bis Piasek war kein nennenswerter Widerstand zu überwinden. Der Schweiß lief den Schützen das Gesicht herunter, als sie
durch tiefen Sand vorwärtswateten. Bei Piasek (Ludwigsthal) konnten sich die Schützen einige Minuten verschnaufen. Dann stellten
sich die beiden Abteilungen zum Sturm auf das Hügelland westlich des rund 100 Feuerstellen umfassenden Dorfes Lubsza bereit.
Die II.Abteilung nahm die 5.Schwadron und zu ihrer Verstärkung die 6.Schwadron unter Rittmeister Franke nach  vorn. Als schwere Waffen
wurden 2 Kavallerieschütze bei der 5. und 6.Schwadron in Stellung gebracht und eine Gruppe schwere  Granatwerfer so am Waldrand
aufgestellt, dass sie den Angriff der Schützen wirkungsvoll unterstützen konnte.
Indessen war die I.Abteilung des Artillerie-Regiments 78 mit ihren Feldhaubitzen 18 westlich Erdmannshain in Feuerstellung gegangen
und gab, nachdem Artillerieverbindungskommandos die Wünsche der Schützen festgestellt hatte, in den Abendstunden in kampfentscheidender
Weise dem Angriff der vorstürmenden Schützen den notwendigen Feuerschutz, während die übrigen Teile des Regiments mehr frontal vorgingen,
hatte die 2.Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann den Auftrag erhalten, zusammen mit zugegeteilten Panzern der Panzerabteilung 66 durch
einen Vorstoss über Psary die Höhen von Norden her zu umfassen. Der Pole, der schon am Vormittag mehrere Stellungen an der Malapanne
kampflos aufgegeben hatte, liess es auch hier nicht auf ein hartes Gefecht ankommen, sondern wich, als sich die Schützen um 15 Uhr zum
Vorgehen gegen die Höhen westlich Lubsza anschickten, ostwärts aus. Trotzdem die Schützen umgehend zur Verfolgung angetreten waren,
gelang es nicht, stärkere Teile des weichenden Gegners noch abzufangen. Erst beim Dorfe Psary suchte sich der Pole dem Vorgehen der
7.Schwadron entgegen zu stemmen. Es war vergebliche Liebesmühe. Die Schützen hatten nicht die Absicht, kurz vor dem Ziele trotz
erkennbarer Ermüdung sich vom Gegner aufhalten zu lassen. Oberleutnant Hoffmann trat sofort mit seiner Schwadron zum Angriff an und brach
den feindlichen Widerstand in kürzester Zeit. Während die 5. und 6.Schwadron — erstere unter Oberleutnant Driver, letztere unter
Rittmeister Franke — nach Besetzung des nördlichen Höhenkammes befehlsgemäss das weitere Vorgehen einstellten, verfolgte Oberleutnant
Hoffmann den Gegner bis zum Dorfe Lubsza und nistete sich mit seinen tapferen Männern am Ostrand dieses Dorfes ein.
Die I.Abteilung, die ihre 1.Schwadron unter Rittmeister Hansen rechts, die 3.Schwadron unter Rittmeister Cunitz links eingesetzt hatte,
erreichte, ohne Feindwiderstand brechen zu müssen, ihr Angriffsziel. Der Verlauf des Gefechtes, das ständige Ausweichen des Gegners, hob
das Selbstbewusstsein und die Kampfkraft und -moral der Kavallerieschützen. Auf den gewonnenen Höhen richteten sich die Schwadronen zur
Verteidigung für die Nacht ein. Ein gegen 21,45 Uhr auf Lubsza vorgehender Spähtrupp der 3.Schwadron konnte einen polnischen Panzerwagen,
der mit 2 cm – Kanonen ausgerüstet war, erbeuten. Die Besatzung dieses Tanks aber war noch rechtzeitig geflohen. Im übrigen verliefen
die Abendstunden auf den Höhen westl. und südwestl. Lubsza sehr ruhig. Die Batterien der I.Abteilung des Artillerie-Regiments 78
wurden in der Dunkelheit bis hart nördlich Ludwigsthal herangezogen, da am nächsten Morgen in aller Frühe feindliche Gegenangriffe zu
erwarten standen. In der Nacht leuchteten die bei der Beschiessung von Lubsza in Brand geschossenen Gehöfte und ersetzten die
verbotenen Biwakfeuer. Die Schützen holten sich aus der teilweise brennenden Ortschaft Stroh und machten es sich so bequem als möglich.
Unter dem Schutze der aufgestellten starken Sicherungen ruhten sie nach dem ersten ereignisreichen Kampftage von den Strapazen des Tages,
von der Hitze und den Marschbeschwerden aus. Die Truppe hatte bewiesen, dass sie trotz ihrer Motorisierung in der Lage war, den Gegner
auch im Fussgefecht zu schlagen und zum Zurückgehen zu zwingen.
In Anbetracht des erzielten Erfolges war der Verlust des Regiments nur gering; er bestand aus 1 Verwundeten. Am gleichen Tage hatte der
Führer am Vormittag im deutschen Reichstag dem deutschen Volke und der ganzen Welt seinen Entschluss verkündet, nach Ausschöpfung aller
friedlichen Mittel die Waffen sprechen zu lassen. In dieser denkwürdigen Stunde, die von Millionen innerhalb und ausserhalb Deutschlands
im Rundfunk mitgehört wurde, sprach der Führer u.a.:„Ich bin entschlossen: erstens die Frage Danzig, zweitens die Frage des Korridors
zu lösen und drittens dafür zu sorgen, dass im Verhältnis Deutschlands zu Polen eine Wendung eintritt, die ein friedliches Zusammenleben
sicherstellt. Ich bin dabei entschlossen, so lang zu kämpfen, bis entweder die derzeitige polnische Regierung dazu geneigt ist, diese
Änderung herzustellen, oder bis eine andere polnische Regierung dazu bereit ist....“In einem besonderen Aufruf an die Wehrmacht brachte
der Führer zum Ausdruck, „dass jeder Soldat eingedenk der grossen Tradition des ewigen deutschen Soldatentums seine Pflicht bis zum
Letzten erfüllen wird.“Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Kavallerie-Schützenregiments boten die Gewissheit, dass der Führer
in dieser Erwartung nicht getäuscht wurde.
2.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Am ersten Gefechtstage hatte das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 bei Koschentin die Polen zum Zurückgehen auf die Warta gezwungen, wo
sich ihre vorbereiteten und gut ausgebauten Stellungen befanden und wo die Hauptmasse der feindlichen Streitmacht zu erwarten war.
Das XV.Armeekorps nahm zutreffend an, dass der Gegner aber noch vor dieser Linie etwa in der Gegend von Wojschnik (Wozniki) – etwa an
der deutsch-russischen Grenze aus dem Jahre 1914 – sich zur Leistung energischer Gegenwehr bereitstellen würde. Es befahl daher,
dass am 2.September die 2.leichte Division rechts und die 3.leichte Division links ostwärts gegen und über die Warta vorzugehen habe.
Der Division des Generalleutnants Stumme wurde die Aufgabe zuteil, Wojschnik zu nehmen, über das Dorf Ligota Gorna vorzustossen und bis
und über die Warta zwischen Poraj und Zawiercie aufzuklären.
Laut Divisionsbefehl hatte sich bis 4,45 Uhr morgens das Schwesterregiment Nr.7 am Waldrand südwestlich Wojschnik zum Vorgehen auf Höhe
356 bereitzustellen während das Regiment Fürst auf den Höhen westlich Lubsza mit dem rechten Flügel an der Hauptstrasse zum Angriff über
Mlynek gegen die Höhe Florjanka Gora unmittelbar nördlich Wojschnik antrat. Auf Zusammenarbeit mit dem Regiment wurden angewiesen
die Panzerabteilung 66 bei Babienica und die I. Abteilung des Artillerieregiments Nr.78 in Gegend südwestlich Psary. Dieser mündlich
ergangene Divisionsbefehl wurde von Oberst Fürst gegen 4,30 Uhr den beiden Abteilungskommandeuren in gleicher Weise übermittelt.
Der Angriff war so gedacht, dass die II.Abteilung über Ligota Woznicka vorstossend nach Gewinnung dieses Dorfes in scharfer Drehung
nach Süden die Höhen nördlich Wojschnik (Wozniki) nahm, wobei der Angriff auf dem linken Flügel bei der 7.Schwadron durch die
2./Panzerabteilung 66 unterstützt werden sollte, während die I. Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 südlich anschliessend
an die II.Abteilung Wojschnik von Westen her anzugreifen hatte.
Zur Vorbereitung und Unterstützung des Vorgehens wurde die I./Art.Rgt. 78 der Kampfgruppe des Oberstleutnants Junck unterstellt.
Die Kampfhandlung sollte beim ersten Morgengrauen gegen 5 Uhr ihren Anfang nehmen. Der ausserordentlich dichte Frühnebel, der jede Sicht
verhinderte, machte es jedoch unmöglich, den in vorderster Linie stehenden Schwadronen – vor allem der 6.Schwadron und der in Lubsza
liegenden 7.Schwadron – die Befehle rechtzeitig zuzuleiten, so dass mit Verspätung abgebrochen wurde. Erst kurz vor 6 Uhr traten die
Schwadronen zu Fuss von den Höhen westlich Lubsza in ostwärtiger Richtung an. In vorderster Front standen die 6. und 7.Schwadron bei
der II. und die 1. und 3.Schwadron bei der I.Abteilung. Die Abteilungsstäbe und die übrigen Schwadronen folgten dichtauf.
Die Panzerabteilung konnte wegen der erheblichen Sichtbehinderung durch den Nebel nicht mehr rechtzeitig am linken Flügel der
II.Abteilung gelangen und entschloss sich daher, längs der Strasse auf Ligota Woznicka vorzustossen. Das Rasseln der Raupen der
Panzerkraftwagen klang zu den Schützen herüber und wirkte unheimlich, da wohl die Geräusche zu hören, nicht aber die Tanks im dichten
Nebel zu sehen waren. Im Schutze dieses dichten Nebels, der dem Aufmarsch der Schützen sehr dienlich war, kamen die Schwadronen bis etwa
500 m an das Dorf Ligota Woznicka und nördlich davon heran, ohne dass der Feind die drohende Gefahr merkte und die Angreifer
niederhalten konnte. Als gegen 6,30 Uhr der Nebel aber lichter wurde, schlug der 7. Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann aus dem
Nordrand des Dorfes heftiges Gewehr und Maschinengewehrfeuer in die linke Flanke. Feindliche Feldartillerie nahm den Bachgrund westlich
des Dorfes unter Feuer, um das Heranziehen weiterer deutscher Verstärkungen zu verhindern. Granaten wühlten den feuchten Wiesengrund
auf und vereinzelte Schrapnells schlugen ihre weissen Wölkchen über den Schwarmlinien der Schützen, ohne aber sonderlichen Schaden
anzurichten. Den Schützen war das Artilleriefeuer noch ungewohnt. Ihr Vorgehen kam vorübergehend ins Stocken. Der wieder dichter
werdende, vor allem über dem Wiesengrund lagernde Nebel tat ein übriges und bald war die Verbindung zwischen der 6. und 7.Schwadro
auseinandergerissen. Oberstleutnant Junck, der den Schwarmlinien dichtauf gefolgt war, überblickte den Ernst der Lage und hielt es für
erforderlich, nunmehrauch die 5.Schwadron aus den Abteilungsreserven unter ihrem Schwadronchef Oberleutnant Driver auf dem rechten
Flügel der 7.Schwadron einzusetzen, um so die Verbindung innerhalb der II.Abteilung zu sichern.
Von ihrem Führer, Oberleutnant Hoffmann, ungünstig vorwärtsgerissen, drang die 7.Schwadron kurz darauf nach Überwindung starker
feindlicher Gegenwehr in die Mitte und in den Südteil des Dorfes Ligota Woznicka, einem Ort, in dem die Deutschen die gute Mehrheit
besassen, ein. Obwohl der Nebel die Artillerieunterstützung sehr erschwerte, hatte das Feuer der Batterien der I./Art.Rgt.78 den
Schützen den Weg geebnet und die Besatzung des Dorfes niedergehalten. Bei der Beschiessung von Ligota Woznicka ging ein grosser Teil
der Häuser in Flammen auf. Die zurückweichenden Polen steckten zudem auch noch viele der zahlreichen Strohdielen am Dorfrande in Brand,
so dass durch den Funkenflug der haushoch lodernden Flammen weitere deutscher Volksgenossen in Lebensgefahr gerieten. Bei der leichten
Bauweise und den ortsüblichen Strohdächern fand das einmal entfachte Feuer schnell und reichlich Nahrung. Die Bevölkerung war fast
vollkommen geflohen, so dass niemand zur Eindämmung des Feuers geschweige zu seiner Löschung zur Verfügung stand. Grosse Anerkennung
verdiente das schneidige Vorgehen der Panzerabteilung 66, die trotz des Nebels und der damit bedingten ungünstigen Sicht schiessend
gegen das Dorf vorgerückt war, aber südlich der Ortschaft an dem Bache wegen der gesprengten Strassenbrücke aufgehalten und dadurch
starkem feindlichen Pak- und Maschinengewehrfeuer ausgesetzt wurde. Da die schweren Panzer in dem sumpfigen Bachgrund nicht ausweichen
konnten und es weder den eigenen Paks noch anderen schweren Waffen gelang, ein äusserst wirksam aufgestelltes feindliches
Panzerabwehrgeschütz am Südrande des Dorfes niederzukämpfen, blieb die Panzerabteilung längere Zeit dem überlegenen feindlichen Pakfeuer
ausgesetzt und erlitt erhebliche Verluste. Zahlreiche Panzerwagen wurden durch Beschuss oder Unfall beschädigt, ein Teil von ihnen
ausser Gefecht gesetzt. Die gegenüberstehenden polnischen Ulanenregimenter, die durch einige Kompagnien polnischer aktiver Infanterie
verstärkt worden waren, zogen sich indessen mit ihren Hauptkräften unter stetem Feuergefecht zur Leistung nachhaltigen Widerstandes auf
die Höhen unmittelbar nördlich Woischtnik zurück. Aus Gefangenenaussagen ergab sich, dass dem Regiment die Ulanenregimenter 3 und 8 der
polnischen 5.Kavalleriebrigade gegenüberstanden. Die polnische Kavallerie schlug sich über Erwarten gut im Fussgefecht. Da aber der Pole
in primitiver Gefechtsform kämpfte, hatte er das deutsche Vorgehen nicht hindern können, bei dem vergeblichen Versuche der Abwehr aber
erhebliche Verluste erlitten.Die Schwadronen des Kavallerieschützen-Regiments gingen, ohne sich eine Atempause zu gönnen, sofort gegen
die Höhen nördlich Woischtnik vor. Die beiden Abteilungsstäbe, die den Schwarmlinien ihrer Schwadronen weiterhin auf kürzester Entfernung
folgten, gerieten wie die Schwadronen selbst in schweres Maschinengewehrfeuer des Feindes von der Florianshöhe, die Wojschnik im
Nordwesten schützte. Da der Nebel indessen hochgestiegen und die Sicht frei geworden war, mussten die Schützen vorübergehend Deckung
nehmen. Das Feuer des Feindes liess erst nach, als der schwere Maschinengewehrzug der 6.Schwadron von Rittmeister Franke eingesetzt
worden war und die Schwadron unter ihrem schneidigen und unerschrockenen Führer langsam gegen die Höhe Boden gewann. Schwer vermisst
wurden bei diesem Angriff die eigenen Granatwerfer. Diese waren bei den schlechten Wegeverhältnissen nicht rechtzeitig mitgekommen und
konnten deshalb im entscheidenden Augenblick zur Bekämpfung der polnischen Widerstandsnester nicht eingesetzt werden. Um dem eigenen
Angriff wieder neue Stosskraft zu geben, warf Oberstleutnant Junck die 5.Schwadron unter Oberleutnant Driver gegen die Höhe 338
unmittelbar vor dem Nordostrande von Woischtnik vor, indem er die Schwadron links neben der 6.Schwadron einsetzte.
Die 7.Schwadron behielt er zunächst zu seiner Verfügung südlich Ligota Woznicka zurück. Auch die I.Abteilung unter Oberstleutnant Reim,
deren 3.Schwadron unter Rittmeister Cunitz zum Teil weit nach links zur II. Abteilung abgedrängt worden war, ging nun zum systematischen
Angriff gegen die Florjanske Gora vor, die als beherrschende Höhe der Umgebung den Schwerpunkt der polnischen Verteidigung darstellte.
Mit heftigem Gewehr- und Maschinengewehrfeuer suchte der Pole die Angreifer in dem ansteigenden, von seiner Höhenstellung aus
beherrschten Ackerfelde nieder zu halten. Die Kugeln pfiffen den sich sprungweise vorarbeitenden Schützen um die Ohren. Die polnische
Artillerie unterstützte weiterhin ihre eigene Infanterie, schoss aber im allgemeinen zu weit. Trotz der hervorragenden polnischen Abwehr
rückten die unerschrockenen Angreifer den Verteidigern immer mehr auf den Leib. Damit kam der deutsche Angriff gegen die feindliche
Hauptstellung von neuem in Fluss. Verzweifelt wehrte sich der hartnäckige Gegner. Neue Hindernisse stellten sich den Kavallerieschützen
in den Weg. Das gemeinsame Vorgehen der Abteilungen geriet beim Vorgehen aus dem Bachgrund in unangenehm flankierendes polnisches
Gewehrfeuer aus nordostwärtiger Richtung. Der Gegner, der dort in der linken Flanke des Angreifers gut getarnte Stellung genommen hatte
und dem nur schwer beizukommen war, fügte der Truppe bald blutige Verluste bei. Dem flankierenden Feuer suchten sich die Schützen durch
erneutes beschleunigtes Vorgehen in südlicher Richtung und südostwärtiger Richtung zu entziehen. Erst der Einsatz einer Gruppe schwerer
Granatwerfer der 8.Schwadron brachte den Stürmern Erleichterung. Die leichten Feldhaubitzen der I./Art.Rgt.78, die anfangs gut mitgewirkt
hatten, schieden vorübergehend aus, da die Verbindungen zwischen den vorgeschobenen Beobachtern und den Feuerstellungen abrissen und
die bei den Schützen in der vordersten Linie befindlichen Artillerie-Verbindungs-Kommandos infolge eigener blutiger Verluste mit den
Stürmern nicht mehr Schritt halten konnten. Glücklicherweise stellte der Gegner, der von links rückwärts auf die gegen Höhe 338
vorgehenden Kavallerieschützen schiessend eine ernste Gefahr gebildet hatte, bald das Feuer ein und zog sich, ohne ernstlich bedroht
gewesen zu sein, ostwärts zurück. Auch die polnischen Feldkanonen hatten das Streufeuer eingestellt und befanden sich anscheinend bereits
beim Stellungswechsel. Inzwischen hatten auch einige Panzer der Panzerabteilung 66 den sumpfigen Bachgrund überwunden und gingen
gemeinsam mit den Schützen gegen Woischnik vor. Bei dem Vorstoss der Panzerkraftwagen gerieten einige Fahrzeuge auf polnische Minen und
wurden kampfuntauglich, so dass die Panzerabteilung nur noch mit sehr verringerter Feuerkraft im Gefecht stand. Der Gegner war aber
bereits erschüttert. Sein Widerstand erlahmte jetzt sehr rasch und er hielt dem vereinten Vorgehen nicht länger stand. Schon waren
rückwärtige Bewegungen in und ostwärts Woischnik erkennbar. Fahrzeugkolonnen preschten in Eile auf der grossen Strasse in Richtung auf
Gniazdow. Der Angriffsgeist der Kavallerieschützen bekam erneuten Auftrieb. Stürmender Hand wurde die Höhe 338 genommen. Auch die Höhe
Florjanska Gora wurde vom Feinde aufgegeben. Die gewonnene Höhenstellung wurde von den Schützen sofort gesichert, während die Panzerwagen
durch Woischnik durchstiessen und sich gegen den südlich des Ortes liegenden Bergrücken wandten, ohne jedoch noch auf grösseren Feind zu
stossen. Der Pole hatte sich als ein Meister des Rückzuges erwiesen. Obwohl er noch kurz zuvor mit starken Kräften die Höhenstellung
verteidigt hatte, war es ihm gelungen, den Hauptteil seiner Kräfte rechtzeitig und in kürzester Zeit zurückzuziehen.
Die Ulanen befanden sich bereits auf der grossen Strasse im Marsche auf die Warta-Stellung. Schwache Nachhuten des Gegners hatten ihre
Aufgabe meisterhaft gelöst und die Angreifer über die Stärke der Besetzung der Höhenstellung irre geführt. Nur wenige polnische Soldaten
fielen den Siegern gefangen in die Hände. Damit war der Kampf um Woischtnik entschieden. Die Schützen blieben auf den Höhen nördlich des
Ortes liegen, ordneten die Verbände und warteten die weiteren Befehle ab. Da der Gegner weiter ausgewichen und die Führung mit ihm
verloren gegangen war, wurden die Feldküchen nach vorne gefahren und die Truppe nach der Anstrengung des Kampfes verpflegt. Auch die
übrigen Kraftfahrzeuge wurden am Spätnachmittag herangezogen, da bei einer Fortsetzung der Verfolgung die Fahrzeuge benutzt werden
sollten, um den Gegner rascher folgen zu können. Nur schwache Sicherungen wurden vom Regiment ostwärts Woischnik bis über die alte
Reichsgrenze von 1914 vorgetrieben, während starke Trupps des Aufklärungsregiments mit Panzerspähwagen ostwärts vorstiessen, um wieder
Fühlung mit dem geschlagenen Gegner aufzunehmen und den Verbleib der von Woischnik zurückgegangenen polnischen Kavallerie festzustellen.
Gegen 17 Uhr traf der weitere Vormarschbefehl ein. Das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 hatte auf der Strasse über Gnazdow, Kozieglowy
die Uferberge ostwärts der Warta zu erreichen. Der Abmarsch verzögerte sich zunächst aber noch, da der Marschgruppe des Oberst Fürst
noch das Schwesterregiment Nr.7 und das Aufklärungsregiment Nr.7 vorging. Das weitere Vorgehen erfolgte zur schnelleren Überwindung
grösserer Entfernungen auf den schnellen Kraftfahrzeugen. Die Marschgruppe Oberst Fürst, die zum Gros der Division gehörte, fuhr
dabei in folgender Gruppierung:
I. Abteilung, I./Art.Rgt.78, Pz.Abt.66, II.Abteilung, Pioniere und Panzer. Der für das Regiment vorgesehene Vormarschweg über Woischnik,
Winowno, Pinczyce, Bedusz nach Mijaczow erwies sich nach dem Ergebnis der vorgenommenen Erkundung nicht als fahrbar. Das Regiment wurde
daher mit Genehmigung der Division auf der Hauptstrasse nach Mijaczow angesetzt. Als bereits die Dunkelheit hereingebrochen war, setzte
sich die lange Kolonne von Kraftfahrzeugen aller Art in Bewegung. Unter erschwerten Umständen musste der Marsch ausgeführt werden.
Ein Teil des Regiments — die Vorausabteilungen — befanden sich noch auf der zuerst befohlenen Strasse, kamen aber infolge des tiefen
Sandes auf den fest ungeebneten Wegen nicht vorwärts und mussten notgedrungen Kehrt machen. Aber auch bei der Fahrt auf der Hauptstrasse
ergaben sich Schwierigkeiten, da eine grössere Brücke südlich Kozieglowy von den rückgehenden Polen gesprengt worden war.
Die II.Abteilung fuhr über Kozieglowy in ostwärtiger Richtung weiter zur Warta zu und hatte bereits die Gegend von Nadwarcie erreicht,
als sie in der Nacht gegen 21 Uhr durch Funkspruch angehalten und angewiesen wurde, zunächst bei Myslow südlich Kozieglowy zu sammeln
und dort weitere Befehle abzuwarten. Die Abteilung musste, da das neue Ziel weiter südwestlich lag, umkehren, was bei den schlechten
Wegeverhältnissen und den langgebauten Kraftfahrzeugen in der Dunkelheit einige Schwierigkeiten bereitete. Auch diese waren bald
beseitigt und die II.Abteilung trat die Fahrt zum neuen Ziel an. Die I.Abteilung dagegen bekam Anweisung, in der Gegend von Nadwarcie
zu bleiben. In dem ein wenig weiter westlich gelegenen Dorfe Ligota Gorna sollte sie Unterkunft beziehen. Sie hatte den Rückenschutz
der Division nach Norden und Osten zu übernehmen. Auffallend war bei dem nächtlichen Vormarsch gewesen, dass die Ortschaften auch in
dem nunmehr fast rein polnischen Gebiet fast restlos von den Bewohnern verlassen waren. Die flüchtenden polnischen Soldaten hatten
nämlich den Bewohnern Anweisungen gegeben, ihre Wohnstätten und Gehöfte zu räumen und ihren Anordnungen Nachdruck durch Erzählung
erlogener deutscher Greueltaten verschafft. Die leichtgläubige polnische Bevölkerung, die ja durch Presse und Funk bereits hinreichend
verseucht war, war daraufhin aus Angst vor den „Barbaren“ geflohen. Viele Polen hatten dabei aber auch das schlechte Gewissen
fortgetrieben, da sie im Grenzgebiet wohnende deutsche Volksgenossen misshandelt oder gar getötet hatten. Die Strassenverhältnisse im
Vormarschgelände des Regiments waren nicht gut. Was in dieser Gegend als Hauptverkehrsstrasse bezeichnet wurde, war bei uns in
Deutschland höchstens ein besserer Feldweg. Obwohl gerade in diesen Gebieten, soweit sie bis 1920 zur preussischen Provinz Schlesien
gehört hatten, früher verhältnismässig gute Verkehrsverhältnisse bestanden hatten, war jetzt davon nichts mehr zu finden als
zusammengefahrene Strassen mit schlecht geschotterten oder gewalzten Oberdecken und breiten Sandstreifen an beiden Seiten, die für
Kraftfahrzeuge nicht benutzbar war, ja für sie sogar sehr gefährlich werden konnten. Die Kraftfahrzeuge verursachten bei der schnellen
Fahrt eine ungeheure Staubentwicklung, so dass Fahrzeuge, Fahrer und Schützen bald von einer dicken Staubkruste bedeckt waren.
So lagen die Verkehrsverhältnisse bei dem „Grossmacht“ Polen, die uns Deutschen die Kultur bringen wollte. Waren schon die
Hauptverkehrsstrassen schlecht, so befanden sich erst recht die Verbindungswege und Landstrassen I. und II.Ordnung in einem jämmerlichen
Zustande. Irgendwelche feste Grundbeschotterung gab es bei diesen Wegen überhaupt nicht. Es waren elende Sandwege ohne jegliche
Befestigung und Begrenzung. Fand die Truppe aber wirklich einmal eine Strasse, die noch Reste einer Beschotterung aufwies, dann konnte
sie sicher sein, dass der Schotter und Untergrund herausgefahren war und verstreut auf der alten Decke und neben der Strasse im Sande
lag. Grosse Schlaglöcher von der Grösse von Granattrichtern waren keine Seltenheit. Dass das Fahren mit den schweren Transportfahrzeugen
der Schwadronen auf diesen Strassen kein Vergnügen, sondern eine gewaltige Zerreissprobe für die Fahrzeuge und das Material und eine
Überanstrengung, eine gewaltige Belastung und eine Nervenprobe für die Fahrer war, lag auf der Hand. Je weiter es von Woischnik nach
Osten ging, um so schwieriger wurden die Verkehrsprobleme. Es war, trotzdem nun 20 Jahre seit der Abtrennung Ostoberschlesiens vom
deutschen Reiche vergangen waren, heute noch leicht zu erkennen, wie weit einst das deutsche Reichsgebiet sich ostwärts erstreckt
hatte. Unmittelbar hinter Woischtnik lag die alte deutsch–russische Grenze, die sich dort in etwa südlicher Richtung am Ostrande des
Bibiellaer Forstes, am Brynicabache entlang bis zur Dreiländerecke bei Myslowitz hinzog. Ostwärts Woischnik wurde, von gewissen
seltenen Ausnahmen abgesehen, das Strassenproblem immer trostloser, die Besiedlung immer gleichförmiger und eintöniger, die Menschen
wurden schmutziger und ver- und zerlumpter, die hygienischen Verhältnisse schlechter und schlechter. Bald zeigten Land und Leute das
Bild, das in westlichen Kulturländern gewöhnlich zutreffend mit „polnischer Wirtschaft“ bezeichnet wird. Gedacht sei mit Rücksicht
auf die schlechten Strassenverhältnisse an dieser Stelle der unermüdlichen Kraftfahrer, die auf den polnischen Kriegsschauplätzen
Leistungen vollbringen mussten, die von ihnen bisher nirgends gefordert worden waren. Gedacht sei auch der Kraftfahrer der
Infanteriekolonne, der Trosse und der rückwärtigen Diensste, die Tag und Nacht, bei jedem Wetter, bei unbeschreiblichen
Strassenverhältnissen ihre Pflicht erfüllten und ihre Fahrzeuge mit den ihnen anvertrauten Personen und Gütern sicher zum Ziele
brachten. Diese Kameraden haben in gleicher Weise zum Siege beigetragen wie die Schützen, die mit dem Gewehr in der Hand gegen die
polnischen Stellungen anstürmten. Ohne das Pflichtgefühl, die Treue, die Verbundenheit mit der Kampftruppe, die immer ermüdende Arbeit
der Kraftfahrer wäre der polnische Feldzug niemals gewonnen worden. Der Erfolg und der Sieg des Frontkämpfers war zugleich ein solcher
des deutschen Kraftfahrers. Das Kavallerieschützen–Regiment Nr.6 hatte im Gefecht bei Woischnik gezeigt, dass es selbst einem
überlegenen Gegner gewachsen und gewillt war, auch unter schwierigsten Umständen den Sieg an sich zu reissen.
Der 2.September, der Tag von Sedan, war als Gefechtstag von Woischnik ein Ruhetag für die ganze 2. leichte Division. Dies
kam in einem von Generalleutnant Stumme erlassenen Divisionsbefehl
zum Ausdruck, der das Gefecht bei Woischtnik als Ehrentag in der Geschichte der Division bezeichnete, da es an diesem Tage gelungen
war, die durch zwei Infanteriebataillone verstärkte polnische 5.Kavalleriebrigade zu schlagen und über die Warta zurückzuwerfen.
Die grössten Verdienste in diesem Kampfe erwarb sich, das erkannten die Kavallerieschützen neidlos an, die Panzerabteilung 66 aus
Eisenach, die durch ihr rücksichtsloses Draufgängertum wesentlich den Erfolg des Tages ermöglicht hatte. Für die Härte des heutigen
Kampfes sprach die Tatsache, dass über 20 Panzerwagen der Panzerabteilung beschädigt worden waren, dass die I.Abteilung des
Kavallerieschützenregiments etwa 2/3 der Infanteriemunition verschossen hatte und dass die II.Abteilung über 125 000 Schuss
Infanteriemunition verfeuerte, sowie 125 Handgranaten, 75 leichte, 50 schwere Werfergranaten und über 300 Signalpatronen verbrauchte.
Die Verluste des Tages hielten sich im tragbaren Rahmen. Sie betrugen:
tot 3 Unteroffiziere und 1 Schütze, verwundet 4 Unteroffiziere und 21 Schützen. Die schwersten Opfer hatte die 1.Schwadron bringen
müssen. Von ihr wurden allein 2 Offiziere verwundet, nämlich Oberleutnant Steinfensand und Leutnant d.R.Fischer.
3.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Seit den späten Abendstunden des 2. September fuhren die beiden Abteilungen des Kavallerieschützen–Regiments Nr. 6 von Woischnik aus
den ihnen zugewiesenen Unterkunftsräumen ab. Es ging nur langsam vorwärts, weil die Wege vollkommen versandet und die Brücken
meistens zerstört waren. Zudem mussten Sicherungsmassnahmen für das Vorgehen getroffen werden, da in den kleinen Kiefernwäldungen, die
vielfach im Gelände verstreut lagen, sich noch versprengte polnische Soldaten aufhielten. Vereinzelte Schüsse peitschten durch die
Nacht. Die II.Abteilung erreichte über Myslow fahrend gegen 3 Uhr morgens Pinczyce, wo bereits die Panzerabwehr–Abteilung 42 in
Quartieren lag und ging, da mit der Regimentsführung im Morgengrauen keine Verbindung zu bekommen war, gleichfalls zur Ruhe über.
Die I.Abteilung hatte ihre Unterkunft bei Nadwarcie auch nicht viel früher beziehen können. Noch schlechter hatte es der Pionierzug
des Regiments, der gleich noch weiter nach Mijaczow zum Bau eines Notübergangs über die Warta anstelle der von den Polen bei ihrem
Zurückgehen gesprengten Brücke vorgezogen wurde. Das Kavallerieschützen–Regiment Nr.7 und das gleichnamige Aufklärungsregiment der
Division sicherten weit voraus den Brückenbau. Kaum hatten sich die Schützen etwas aufs Ohr gelegt, als gegen 5,30 Uhr morgens bereits
Oberst Fürst in Pinczyce erschien und der II.Abteilung den weiteren Vormarschbefehl überbrachte. Nach dem Ergebnis der bisherigen
Aufklärung war die vor der Division stehende polnische 5.Kavalleriebrigade unter kampfloser Preisgabe erst in den letzten Wochen
unter grossen Mühen angelegter vorbereiteter Stellungen an der Warta in südostwärtiger Richtung auf Zawiercie an der Quelle des
vorgenannten Flusses ausgewichen, so dass vor der Divisionsfront nur noch kleinere versprengte polnische Formationen zu erwarten
standen. In der ausgebauten Wartastellung war deshalb mit feindlichem Widerstand nicht mehr zu rechnen.
Das XV.Armeekorps trug sich daher mit der Absicht, sich einem anderen Gegner zuzuwenden und in nordostwärtiger Richtung über die
obere Pilica zwischen Szczekociny und Koniepol gegen den wichtigen Strassen- und Eisenbahnpunkt Radom, einen Mittelpunkt der
polnischen Rüstungsindustrie mit einer neuzeitlich eingerichteten Munitionsfabrik, vorzuziehen. Ein derartiger Vorstoss erleichterte
zugleich das Vorgehen der weiter nördlich vorgehenden Kräfte am linken Flügel der 10.Armee des Generals von Reichenau. Zu diesem
Zwecke wurde die 2.leichte Division gegen die Pilica zwischen Szczekociny und Przylek eingesetzt, um über Chlewice, Naglowice,
Jedrzejow (Andrzejow) an Kielce vorzustossen.
Die Kampf- und Marschgruppe Fürst bekam nach Zuteilung der I./Art. Rgt.78 und der 2./Panzerabwehr-Abt.42 den Auftrag, über
Mijaczow, Helenowka, Kotowice, Pradla nach Szczekociny vorzufahren. Bei gleichzeitigem Zusammentreffen bei dem letztgenannten
Orte hatte das Schwesterregiment das Vorfahrtrecht. Falls durch Zerstörung des Krztynia-Überganges bei Pradla Vormarschverzögerungen
zu befürchten waren, hatte die Marschgruppe Anweisung, nach Norden abzubiegen, um über Lelów den genannten Strassenkreuzungspunkt
Szczekociny zu erreichen. Während des Marsches wurde die rechte Flanke der Division durch Spähabteilungen des Aufklärungsregiments
Nr.7 und durch ausscheidende Sicherungen des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 geschützt. Gleichzeitig übernahm eine Batterie der
Flak-Abteilung 93 den Fliegerschutz der Marschgruppe.
Da nach den eingetroffenen Meldungen der Feind die ausgebauten Stellungen an der Warta überhaupt nicht mehr besetzt hatte und sich
nur einige abgekommene polnische Gruppen und schwache  Nachhutsicherungen im Gelände der Wartastellung umhertreiben, war beim weiteren
Vormarsch ernstlicher Widerstand wohl kaum zu erwarten. Es wurde daher gegen 6 Uhr beschleunigt die Fahrt auf Fahrzeugen gegen die
Warta angetreten, um möglichst bald dieses Flusshindernis zu überwinden. Nach schlechten, tiefversandeten Wegen wurde bei Bedusz
eine verhältnismässig gute Strasse und bald darauf der Wartabschnitt bei Mijaczow erreicht. Infolge der Sprengung der Flussbrücke
trat hier eine erhebliche Verzögerung der Weiterfahrt ein. Soweit es möglich war, suchten Unterführer und Schützen den
versäumten oder doch nur kurz bemessenen Schlaf am Strassenrande oder im Strassengraben nachzuholen. Unermüdlich waren indessen die
Pioniere tätig, um im Schweise ihres Angesichts eine behelfsmässige Übergangsmöglichkeit zu schaffen. Wie schon im Weltkriege, so
lastete auch heute auf dem Pionier die schwerste Arbeit. Mehrere Stunden wurde hier durch die Brückenzerstörung des Gegners der
Vormarsch fast der ganzen Division aufgehalten. In einer viele Kilometer langen Kolonne standen die Fahrzeuge auf dem westlichen
Wartaufer und harrten der Vollendung der Brücke.
Es war nur gut, dass unsere Flieger den Luftraum beherrschten und sich polnische Bombenflieger nicht sehen liessen, denn sonst hätte
es kein besseres Ziel geben können, als die meist ohne jegliche Tarnung aufgefahrenen Fahrzeuge vor der Brückenbaustelle. Wieder musste
der Soldat stundenlang warten. Immerhin war es gut, dass der Feind wenigstens die am Walde und auf den Höhen ostwärts Mijaczow
vorbereiten Stellungen nicht verteidigte, da der Sturm auf diese Gräben und Drahthindernisse mit Rücksicht auf die notwendige
Überwindung des breiten Wartetales von unseren Truppen erhebliche Opfer gefordert haben würde.
Nach Fertigstellung der behelfsmässigen Wartabrücke wurde von Oberst Fürst der Befehl zum weiteren Vorgehen gegeben. Das Regiment war
auf der Strasse über Jaworznik – Kotowice – Kroczyce angesetzt, um die Höhen ostwärts Pradla, auf denen sich nach den Feststellungen
der vorgesandten Aufklärungskommandos stärkere polnische Truppen eingeschanzt hatten, zu nehmen und den Weg zur Pilica zu öffnen.
Mit einem Frontmachen des Gegners an dem im Weltkrieg heissumkämpften Pilicafluss musste gerechnet werden. Das Regiment marschierte auf
der rechten Flanke der Division, hatte mit ständigen Bedrohungen von Süden her zu rechnen und musste daher notwendige Schutzmassnahmen
durch Absetzen stärkerer Seitenabteilungen treffen. Nördlich des Regiments ging das Regiment des Obersten von Bismarck auf Zarki vor
und besetzte in den frühen Morgenstunden diesen Ort, der durch Bombenabwürfe und Artilleriefeuer sehr gelitten hatte und zum grössten
Teile beim Einrücken unserer Truppen noch in Flammen stand. Hier wie auch in anderen Orten im Kampfabschnitt der 2.leichten Division
wurde stellenweise durch polnische Zivilisten mit der Waffe in der Hand Widerstand geleistet. Mit Sprengmunition ausgerüstete Insurgenten
hatten Wegeüberführungen und Brücken in die Luft gesprengt. Soweit man der Banditen noch habhaft werden konnte, wurden sie nach
Kriegsrecht behandelt und abgeurteilt.
Das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 gliederte sich zum Vormarsch wie folgt:
    Vorhut: 6.Schwadron unter Rittmeister Franke, Stab II.Abteilung, 1.Staffel, Pionierzug, 1 leichte Feldhaubitzbatterie I/Art.Rgt.78,
            1 Flakbatterie.
      Gros: 5., 7. und 8.Schwadron, 2 Batterien I/Art.Rgt.78,
            Regimentsstab und Stab I.Abteilung Kav.Schützen-Rgt.6, Pionierbataillon 58.
Bei Kotowice versuchte ein feindlicher Nachhutrupp das Vorgehen der Marschgruppe Fürst aufzuhalten oder wenigstens zu verzögern.
Er wurde nach kurzem Feuergefecht in wenigen Minuten geworfen, so dass der Marsch keine Unterbrechung erlitt. Ohne weitere Zwischenfälle
wurde die gesprengte Strassenbrücke von Kroczyce erreicht. Hier stockte die Weiterfahrt, da die Pioniere erst anstelle der zerstörten
Brücke einen neuen Übergang schaffen mussten. Unter Sicherung durch die Schwadron Franke auf den ostwärts des Dorfes gelegenen Höhen
stellte der Pionierzug in rastloser bewundernswerter einstündiger Arbeit die Brücke wieder her und unter dem Schutze der 6.Schwadron, die
zur Sicherung des Uferwechsels liegen blieb, vollzog sich der Talübergang. Als neue Spitzenschwadron fuhr die 5.Schwadron unter
Oberleutnant Driver gegen 16 Uhr der Marschgruppe voraus mit dem Auftrag, Pradla und die angrenzenden Höhen auf dem ostwärtigen
Krztynia - Ufer zu nehmen. Hinter der Spitzenschwadron folgte der Stab mit Oberleutnant Junck, dann die 7. und 6.Schwadron, der Pionierzug
und die schwere 8.Schwadron. Etwa 2 km westlich Pradla erhielt die 5.Schwadron von den Höhen ostwärts Pradla und von Dorfrand her leichtes
und schweres Maschinengewehrfeuer. Gewehrsalven und Maschinengewehrgarben schlugen um die Fahrzeuge ein. Geschützdonner klang aus weiter
Entfernung herüber. In Sekundenschnelle hatte Oberleutnant Driver die Lage erfasst und gab seine Befehle. Unverzüglich sass die Schwadron
ab und liess die Fahrzeuge an der Strasse stehen und griff mit dem 1. und 3.Zug rechts und links der Strasse an. Der unterstellte
Kavalleriegeschützzug unter Wachtmeister Wistuba von der 8.Schwadron und der sMG.-Zug gingen links der Strasse in Stellung, um den Angriff
auf Pradla zu unterstützen. Der Geschützzug kämpfte im direkten Schuss eine polnische Pak bei Höhe 361 und anschliessend 2 schwere
Maschinengewehre am Waldrand ostwärts Höhe 343 nieder und nahm weiterhin nach Norden und Osten zurückgehende polnische Kavallerie unter
wirkungsvolles Feuer. Unter dem Schutz der schweren Waffen wurde der Angriff von den zwei Zügen der 5.Schwadron schnell vorgetragen und
zur Erhöhung der Stosskraft des Angriffs der 2.Zug unter Leutnant d.R. Bähring auf Fahrzeugen bis an den Dorfrand vorgeworfen. Diesem
energischen Vorgehen der Schwadron, zu der sich Teile der inzwischen nachgekommenen 6.Schwadron gesellten, war der Feind nicht gewachsen.
Er steckte mehrere Gehöfte von Pradla in Brand und zog sich dann unter stetem Feuergefecht ostwärts zurück.
Granatwerfer- und Maschinengewehrfeuer erschwerten ihm den Rückzug. Die Kavallerieschützen riegelten die Strasse und das Tal ab.
Leichte Feldhaubitzen der eigenen Artillerie nahmen sich die rückwärtigen Verbindungen des Feindes vor und bald heulten die Granaten der
Batterie der I/Art.Rgt.78 über die Köpfe der Schützen hinweg.
Bei dem Vorfahren der 5.Schwadron geriet ein Kraftfahrzeug auf eine Mine und musste schwer beschädigt zurückgelassen werden. Das brennende
Dorf Pradla wurde durchstossen. Anschliessend besetzte die II.Abteilung mit ihren vorn eingesetzten Teilen der 5.Schwadron die das Krzynia
Tal beherrschende Höhe 343 ostwärts Pradla. Der Feind verzichtete nun auf weiteren Widerstand und baute ab.
Indessen war auch die 7.Schwadron links der 5.Schwadron eingesetzt worden. Sie fuhr entfaltet über Goluchowice an den Nordteil von Pradla
heran, säuberte dann im Fussgefecht den Ortsteil im Norden von noch eingenisteten Feindgruppen und ergriff von den nordwärts Pradla
gelegenen Höhen Besitz. Bei diesem Vorgehen fuhr ein Opel-Blitz-Mannschaftswagen auf eine Mine, die explodierte und den Wagen schwer
beschädigte, der Mannschaft aber glücklicherweise keine Verluste brachte.
Pradla war von den Bewohnern vollständig geräumt, weil der Ort, seine Höfe und Gärten durch und durch mit polnischen Minen verseucht war.
Der sofort eingesetzte Regiments-Pionierzug nahm die Minenräumungsarbeiten unverzüglich auf, konnte aber bei der Ausdehnung der Minenfelder
diese Arbeit bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht mehr vollenden. Unter diesen Umständen war es nicht möglich, Pradla mit den Fahrzeugen
zu durchfahren, da sonst mit weiteren schweren Verlusten durch Minen gerechnet werden musste. Von den unermüdlichen Pionieren, die sich
hier wie schon so oft als die hilfsbereiten Mädchen für alles unserer Schützen erwiesen, wurde in Eile ein Umgehungsweg um Pradla
geschaffen und dieser mit Gartenzäunen und Brettern einigermassen fahrsicher gemacht. Indessen hatten sich hinter der vorderen Front der
Division unerfreuliche Zustände ergeben. Die Hetze der polnischen Presse und des Warschauer Rundfunks zeitigten unerwartete Früchte.
In den ersten Nachmittagsstunden unternahmen in Myslow, wo die Panzer zurückgeblieben waren, da für die schweren Fahrzeuge noch keine
Übergangsmöglichkeiten über die Warta geschaffen waren, polnische Zivilpersonen mit Gewehren und Handgranaten einen Überfall auf die
leichte Kolonne der Panzerabteilung 66. Auch wurden auf den rückwärtigen Strassen an mehreren Stellen, vor allem in der Gegend kleinerer
Waldungen, Meldefahrer des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 und anderer Truppen der Division aus Hinterhalten angeschossen.
Die Panzerabteilung säuberte daraufhin Myslow und die nähere Umgebung von den heimtückischen Insurgenten, die hinter Häusern und an für
die polnischen Dörfer charakteristischen hohen Strohdämmen Deckung suchten und hinterlistig jeden sichtbaren deutschen Soldaten aus dem
Hinterhalt beschossen. Polnische Zivilisten unternahmen sogar einen Angriff mit Handgranaten auf von der Abteilung abgestellte Panzerwagen.
Ihr Versuch, durch Überschütten mit Benzin und Werfen von Handgranaten die Panzerfahrzeuge zum Ausbrennen zu bringen, konnte gerade noch
im letzten Augenblick vereitelt werden. Bei diesem Kampf mit den von unverantwortlichen Elementen aufgehetzten Zivilisten ging schliesslich
ein grosser Teil des Dorfes in Flammen auf. Ein scharfes Durchgreifen gegen heimtückische Überfälle polnischer Einwohner war notwendig
geworden. Jeder Zivilist, der fortan mit der Waffe in der Hand angetroffen wurde, musste unter Kriegsrecht gestellt und rücksichtslos
niedergeschossen werden. Ein Versuch aufgehetzter Freischärler, den behelfsmässigen Umbau einer Eisenbahnbrücke über die Warta bei
Mijaczow zur Benutzung von schweren Fahrzeugen zu stören, konnte von dem wachsamen Pionierbataillon im Keime erstickt werden.
Erkundungen der Kavallerieschützen hatten ergeben, dass sich der Feind weiter nördlich auf den Höhen zwischen Pradla und Lelow
festgesetzt hatte.
Die II.Abteilung des Regiments erhielt daher gegen 17,30 Uhr den Befehl, die Höhen nördlich und westlich Sadowie zu erreichen und eine
Abwehrfront nach Norden und Nordwesten zu bilden. Die Bildung dieser halb nach rückwärts gerichteten Front war deshalb erforderlich
geworden, weil durch einen neuen Divisionsbefehl bekannt geworden war, dass die polnische 7.Division auf dem Rückzug von Czenstochau
durch Teile des XV.Armeekorps abgeschnitten war, so dass damit gerechnet werden musste, dass Truppenabteilungen dieser polnischen
Einheit in der Nacht den Versuch unternehmen würden, im Schutze der Dunkelheit über die Strassen Zarki – Lelow – Koniecpol oder
Kroczyce – Szczekociny – Chlewice den Einkreisungsring nach Osten zu durchbrechen. Die Division bekam daher den Auftrag, während der
Nacht mit allen Mitteln jeden feindlichen Durchbruchsversuch der 7.polnischen Division zu verhindern. Auf Grund dieses Befehls trat
die II.Abteilung gegen 18,15 Uhr aus Pradla nach Norden an, konnte aber auf der Fahrt mit den Fahrzeugen zunächst nur den Südeingang
des Dorfes Biala Blotna erreichen, da hier die Strassenbrücke über den Bialkabach zerstört war. Der Pionierzug fand neue Betätigung
und wurde unverzüglich zur Instandsetzung dieser und einer weiteren im Ort gesprengten Brücke vorgezogen. Die Bauarbeiten dauerten
bis kurz vor Mitternacht, so dass die befohlene Schutzstellung der Abteilung von dieser erst in der 2.Morgenstunde des 4.September
erreicht werden konnte. Nach Einnahme der Sicherungsstellungen ruhte die Abteilung, hinter der die übrigen Teile des Regiments
gefolgt waren. Weiter nordwärts von Sadowie hatte der Divisionsstab auf der Strasse über Zarki das Strassendorf Lelow erreicht,
während Teile des Aufklärungsregiments in den Abendstunden bis zum wichtigen Strassenkreuzungspunkt Szczekociny und an der Pilica
vorgegangen waren und hier, weit ostwärts vor der Division, sicherten.
Der 3.September hatte abermals mit einem grossen Erfolge geendet. Wo der Gegner sich stellte, war er von den Kavallerieschützen
geschlagen worden. Der Weg zum Pilicafluss war frei. Grosse Verdienste erwarb sich an diesen Tagen die schwere Schwadron der
II.Abteilung, die 8. unter Oberleutnant d.R. Mächtig, die durch rücksichtslosen Einsatz ihrer schweren Waffen, der Kavalleriegeschütze,
Granatwerfer und Paks, den Weg zum Erfolge geebnet und den Schützen unnötige Verluste erspart hatte.
Auch die Batterien der I/Art.Rgt.78 unter Major Günther, die rechtzeitig in den Kampf bei Pradla eingegriffen hatten, trugen ihren
Teil zum Siege bei. Die Abteilung des Oberstleutnant Junck bezog um Mitternacht und in den ersten Morgenstunden des folgenden Tages mit
weiteren Teilen eine Sperrstellung bei Wilkow mit Schussrichtung nach Norden und Nordosten und setzte rechts die 6.Schwadron und links
die 7.Schwadron und mit Front nach Norden und Westen die 5.Schwadron ein. Die Höhen 360 und 34 wurden besetzt, von der 3.Schwadron je
ein Zug Kavalleriegeschütze der 5. und 7.Schwadron zugeteilt. Der Rest der 8.Schwadron bezog am linken Flügel der 7.Schwadron
Bereitstellung, um etwaige Ausbruchsversuche der vom XV.Armeekorps eingeschlossenen polnischen Division zu vereiteln.
Der Abteilungsgefechtsstand befand sich mit dem Pionierzug als Abteilungsreserve in Sadowie. Die I.Abteilung war bei Goluchowice
geblieben und hatte zur Sicherung nach Westen die 2.Schwadron unter Rittmeister Vonberg eingesetzt. Stärkere, weit vorgeschobene
Feldwachen bewachten den Schlaf der ermüdeten Schützen.
... Politische Ausführungen im Original vorhanden - hier gekürzt-
4.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

4. September: Gefechte bei Lelów und Jędrzejów.
Wider Erwarten war die Nacht vom 3./4. September ruhig verlaufen. Ein stärker Durchbruchsversuch der eingeschlossenen polnischen
Division hatte im Gefechtsraum der 2.leichten Division nicht stattgefunden. Nur an einzelnen Stellen versuchten schwächere
polnische Soldatengruppen in ostwärtiger oder südostwärtiger Richtung sich durchzuschlagen, wobei es natürlich ohne Schiessereien
nicht abging. So hatten einige polnische Soldaten in Frauenkleidern sich durch die Sicherungsposten der Division durchschleichen
wollen, konnten aber ihr Ziel nicht erreichen, da sie durch Gewehr- und Maschinengewehrschüsse zum Halten gezwungen wurden.
Erst nach 6 Uhr morgens wurde es an einigen Stellen der Front, so auch im Sicherungsabschnitt der Kavallerieschützen, lebhafter.
Ein durchbrechender polnischer Trupp der 7.Division traf bei Lelów ausgerechnet auf den Gefechtsstand der 2.leichten Division
unter Generalleutnant Stumme und bedrängte vorübergehend den Stab. Durch sofortigen Einsatz des Pionier - Bataillonsstabes 58
und der 2. Kompanie dieses Bataillons gelang es jedoch, den Feind zurückzuschlagen. Durch das Abwehrfeuer einer unterstellten
Flakbatterie wurde zugleich auf kürzeste Entfernung eine polnische Batterie vernichtet und zahlreiche Gefangene fielen in die
Hand der Division. Der Angriff auf den Gefechtsstand des Generalleutnants Stumme war durch einen polnischen Granatwerferangriff
auf das Dorf Lelów eingeleitet worden, ein Zeichen dafür, dass der abgeschnittene Feind ausreichend schwere Waffen mit sich
führte. Erwähnt sei der Kuriosität wegen, dass das polnische Postamt in Lelów bis gegen 20 Uhr am Vorabend den polnischen
Fernsprechdienst aufrecht erhalten hatte, obwohl die deutschen Truppen schon seit Stunden den Ort besetzt hatten.
Es war vergessen worden, das Postamt zu besetzen und die Verbindungen abzuschneiden.
Jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass vom Postamt Lelów aus der eingekreiste Feind noch bis 20 Uhr am Vorabend
Informationen über die eingerückten Deutschen für seinen Morgenangriff erhalten hatte.
Das XIV. Armeekorps setzte am 4.September seinen Vormarsch in nordostwärtiger Richtung fort. Die 2.leichte Division war zunächst
auf den Wald südlich Wloszczowa angesetzt, der erst mit 4 Marschgruppen gereinigt werden sollte.
Zum Vormarsch für das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 war die Strasse Lelów - Nakło - Szczekociny - Strzyszów vorgesehen.
Das Regiment sollte sich dann am Waldrand südlich Czarnca bereitstellen, also gegen Wloszczowa vorgehen.
Dieser Vormarschbefehl traf gegen 10 Uhr beim Regiment ein und wurde unverzüglich an die Abteilungen weitergeleitet.
Die Schwadronen machten sich dann sofort fertig und marschierten auf Grund der indessen erlassenen Befehle der beiden
Abteilungskommandeure ab.
Das Regiment fuhr in folgender Reihenfolge: 7.Schwadron, 1.Kavalleriegeschützzug der 8.Schwadron, 1 Gruppe schwerer Granatwerfer
der 8.Schwadron, 2 Züge Panzerabwehr-Abteilung 42, Stab und Pionierzug des Kavallerieschützen-Regiments Nr. 6, Rest der
8.Schwadron, dahinter die übrigen Teile des Regiments.
Als die Spitze in Szczekociny eintraf, lief ein Befehl der Division durch Funkspurch ein, der die eingeleiteten Marschbewegungen
aufhielt. Das Regiment sollte nämlich als vorderstes Regiment der Division nicht weiter nördlich abbiegen, sondern in ostwärtiger
Richtung auf den Strassenpunkt Jędrzejów führen, um den Feind an der Klinge zu bleiben. Dabei hatte es zunächst die Linie Rakoszyn
- Höhe 279 nördlich Słecin zu erreichen und sich dort zur Verteidigung einzurichten, um den Aufmarsch des Südflügels der Division
gegen Überraschungen zu sichern. Ohne mit dem Feind in Gefechtsberührung zu kommen, wurde die Höhe 279 von der 7.Schwadron unter
Oberleutnant Hoffmann in kürzester Zeit erreicht. Die Schwadron bezog darauf mit den ihr unterstellten schweren Waffen auf der Höhe
Schutzstellung mit Front nach Osten. Auch die 6.Schwadron erreichte das ihr zugedachte Ziel, das Waldstück nördlich Rakoszyn ohne
Zwischenfälle, während sich die 5.Schwadron als Abteilungsspitze am Südrande des Waldes 1,5 km westlich der Höhe 279 mit den übrigen
Teilen des Regiments, vor allem den Schwadronen der I.Abteilung, bereitstellte.
Deutsche Bomber überflogen im Laufe des Tages mehrfach das Regiment und wandten sich ostwärts. Sie nahmen sich wahrscheinlich
vor allem die Gegend um Kielce und Radom vor. Deutsche Aufklärungsflugzeuge meldeten Truppenansammlungen des Gegners in Kielce und
stellten Jędrzejów als rein feindfrei, Włoszczowa als stark feindbesetzt fest.
Auf Grund dieser Lufterkundung erhielt die 2.leichte Division den Auftrag, beschleunigt Jedrzejów zu besetzen und in Richtung
Kielce Erdaufklärung vorzunehmen. Das Kavallerieschützen-Regiment mit der unterstellten I./Art.Rgt.78 und der 1./Pionierbataillon 58
musste deshalb weiter vorgehen. Während der Regimentsstab indessen seinen Gefechtsstand bei Jeronowice einrichtete, wurden gegen
17,30 Uhr die Vorbereitungen zur weiteren Vorfahrt auf den Kraftfahrzeugen in der von der Division befohlenen Richtung beendet.
Beim weiteren Vorgehen wurde die I.Abteilung an die Spitze vorgezogen. Die II.Abteilung, die in den letzten Tagen die Vorhut gebildet
hatte, sollte nun hinter der Abteilung Reim herfahren, Naglovice passieren und das Dorf Sudol erreichen, um am nächsten Morgen
in ostwärtiger Richtung die Verfolgung des geschlagenen Feindes fortzusetzen. Die I.Abteilung hatte darüber hinaus Befehl, dass bei
Jędrzejów im Kampf stehende Aufklärungsregiment Nr.7, das eine andere Aufgabe bekommen sollte, abzulösen. Die Abteilung Reim ging
rechts der Marschstrasse vor, erhielt bei diesem Vorgehen aus den südlich der Marschstrasse liegenden kleinen Waldstücken vereinzeltes
Gewehr- und Maschinengewehrfeuer und stellte dorthin schwache Sicherungen ab. Zeit zu einer systematischen Säuberung dieses Gebietes
von versprengten Feindteilen stand jetzt nicht zur Verfügung. Mehrfach wurde festgestellt, dass sich bewaffnete Zivilbevölkerung an
den Kämpfen beteiligte. Besonderen Gefahren waren die Melder ausgesetzt, die aus Ortschaften, die die Fronttruppen bereits hinter
sich gelassen hatten, beim Zurückbringen von Meldungen von den Zivilisten aus dem Hinterhalt beschossen wurden. Der Franktireurkrieg
nahm infolge der Aufhetzung durch den polnischen Rundfunk, die polnische Presse und die chauvinistische Lehrerschaft und römisch -
katholische Geistlichkeit immer größeren Umfang an. So wurde z.B. ein Melder der 7.Schwadron in einem Dorfe von Zivilpersonen nicht
nur beschossen, sondern tätlich angegriffen, vom Motorrad gerissen und schwer misshandelt.
Die 3.Schwadron setzte daraufhin auf Anweisung ihrer Abteilung besondere Streifen ein, die den Franktireurkrieg mit allen Mitteln
bekämpfen sollten. 9 Zivilisten, die auf unsere Truppen aus dem Hinterhalte geschossen hatten, wurden erwischt und bei dieser
Gelegenheit erschossen. Als das Regiment mit der Spitze in Sudol ankam, wurde es aus den Häusern von polnischen Militär beschossen.
Aber auch Zivilpersonen wurden mit der Waffe in der Hand festgestellt. Die Spitze der I.Abteilung griff auf Grund der ergangenen
Anweisungen nun scharf durch und zwang die Polen zur Aufgabe des Dorfes Sudol. Eine Reihe Zivilisten musste in dem Kampfe ihr Leben
lassen. In Sudol hatten deutsche Ortsgefecht polnische Zivilisten, unter denen sich polnische Soldaten befanden, die es inzwischen
vorgezogen hatten, ihre Uniformen mit Zivilsachen zu vertauschen, zunächst erbitterten Widerstand geleistet. Aus den Fenstern und
Türen wurde mit Gewehren, Pistolen und Schrotflinten auf die das Dorf stürmenden Kavallerieschützen gefeuert. Bei besonderen
Widerstandsnestern mussten teilweise Maschinengewehre und Handgranaten verwendet werden, bis der hinterhältige Gegner, der in dem
Häuserkampf sehr blutige Verluste erlitt, verstummte. Einige Häuser gingen bei den Strassenkampf in Flammen auf, weitere Wohnstätten
wurden durch Funkenflug auf die leicht entzündbaren Strohdächer gleichfalls ein Raub der Flammen.
Die Sicherungsabteilungen der I.Abteilung drangen bei einbrechender Dunkelheit bis zum Stadtrand Jędrzejów vor, erhielten aber hier
gleichfalls aus den Häusern und Gärten von polnischen Soldaten und Insurgenten schweres Feuer, so dass sie sich unter Vermeidung
unnötiger Verluste im Schutze der Dunkelheit wieder etwas zurückzogen. Zweifelsfrei wurden ganze Banden polnischer Zivilisten
in Jędrzejów festgestellt, die sich mit der Waffe in der Hand an den Kämpfen beteiligten. Zur Bekämpfung dieser Heckenschützen nahm
in der Dunkelheit ein Zug der 2./Panzerabwehr - Abteilung 42 den Ort Jędrzejów mit Leuchtspurmunition unter Streufeuer, wobei
mehrere Häuser in Flammen aufgingen und den nächtlichen Himmel erleuchteten. Um den Ort Jędrzejów hatten in den Abendstunden
bereits Vorausabteilungen der Division erbittert gekämpft. Ein an der Strasse vor dem Ortseingang liegender deutscher Panzerspähwagen
und zahlreiche zerschossene und verlassene polnische Gefechtsfahrzeuge beiderseits der Strasse, legten davon Zeugnis ab.
Die Masse der I. und II.Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 und der I./Art.Rgt.78 bezog im Raume um das Dorf
Sudol Biwak für die Nacht. Infolge der unsicheren Lage und der ungeklärten Verhältnisse in dem grösseren Dorfe Jędrzejów gingen die
Batterien der vorgenannten Artillerieabteilung südlich Sudol in Feuerstellung, um dem Kavallerieschützenregiment Feuerschutz zu
gewähren. Ihrerseits wurden die Batterien wieder durch Bedeckungskommandos der Kavallerieschützen gesichert. Den Schutz des Biwaks
und der in Stellung befindlichen schweren Waffen in Richtung Jędrzejów übernahm die weiter gegen den Ortsrand vorgeschobene
3.Schwadron unter Rittmeister Cunitz. Die 1.Schwadron unter Rittmeister Hansen wurde in gleicher Weise als Sicherung des Gros gegen
Osten eingesetzt. Da die Kampfbeteiligung polnischer Zivilbevölkerung immer mehr zunahm und hierin eine erhebliche Gefährdung der
deutschen Truppen erblickt werden musste, wurden besonders Abwehrmassnahmen gegen nächtliche Überfälle vom Regiment getroffen.
Die Ortsränder wurden mehrfach geschützt, besondere Geländepunkte durch kleinere Trupps besetzt und in den Biwaks selbst besondere
Gruppen und Trupps in sofortiger Bereitschaft gehalten. Alle Zivilisten, die fortan mit der Waffe in der Hand während einer
Kampfhandlung angetroffen wurden, konnten nach Kriegsrecht nunmehr sofort erschossen werden. Wie notwendig diese strengen Massnahmen
und ihre Bekanntgabe an die zurückgebliebene polnische Bevölkerung waren, ergab sich daraus, dass in der Nacht auch die Trosse und
rückwärtigen Dienste des Regiments die sich noch bei Lelów und in Szczekociny befanden, durch Franktireurs überfallen und beschossen
worden waren. Zum Glück konnten die Überfälle abgewehrt werden, ohne dass grössere eigene Verluste entstanden. Die Festnahme von
Geiseln aus der polnischen Zivilbevölkerung, insbesondere die sofortige Festnahme des Lehrers und Pfarrers der Gemeinde, machte sich
mehr und mehr notwendig und bewährte sich. Von der Geiselfestsetzung wurde daher auch im weiteren Verlauf des polnischen Feldzuges
oft mit bestem Erfolg Gebrauch gemacht.
5.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Durch einen Vorbefehl der Division, der kurz nach Mitternacht erging, erhielt die Kampfgruppe des Oberst Fürst den Auftrag,
Jędrzejów am frühen Morgen zu besetzen und gegen Feindangriffe aus jeder Richtung zu halten. Der bei Tagesanbruch folgende
Divisionsbefehl ging davon aus, dass der Feind in nordostwärtiger Richtung weiter zurückweichen würde, aber Jędrzejów noch besetzt
hielt, um, wie die festgestellten neuen Schanzarbeiten vermuten liessen, das Vorgehen der Division um jeden Preis zu verhindern.
Die Division bekam deshalb von General der Infanterie Hoth den Befehl, auf Kielce vorzustossen und die Übergänge über die Nida südlich
des Dorfes Checiny zu erkämpfen. Zur Erfüllung dieses Auftrages hatte sich das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 im Walde nördlich Sudol
so bereitzustellen, dass es um 8 Uhr antreten, den Gegner in und südlich des Waldes nördlich Jędrzejów angreifen und vernichten konnte.
Das 1.Angriffsziel war der Nordostrand des Waldes von Jędrzejów, der weitere Vorstoss galt den Höhen südlich Brzegi vor dem breiten Tal
der Nida. Der Vormarschraum des Regiments war also nicht auf das Städtchen Jędrzejów, wie ursprünglich vorgesehen, sondern weiter
nördlich festgelegt. Auf Grund dieses abändernden Befehls stellten sich nach näherer Anweisung von Oberst Fürst gegen 7,30 Uhr die
beiden Abteilungen zum Vorgehen zu Fuss bereit und zwar die I.Abteilung rechts, die II.Abteilung links. Die Säuberung des Ortes
Jędrzejów war dem Schwesterrregiment allein überlassen worden, während zu gleicher Zeit das Kavallerieschützenregiment Nr.6 nach
Nordosten nördlich der Stadt vorstiess und den Nordrand des Jędrzejower Waldes zu erreichen hatte. Nach Einnahme der Bereitstellung
und dem Einsatz der schweren Regimentswaffen traten die Abteilungen den Vormarsch zu Fuss an. Die I.Abteilung ging beiderseits der
Strasse Jędrzejów - Mnichow vor und hatte dabei die 3.Schwadron unter Rittmeister Cunnitz rechts, die 2.Schwadron unter Rittmeister
Vonberg links eingesetzt. Die 1.Schwadron unter Rittmeister Hansen blieb in Reserve.
Das Vorgehen der Abteilung wurde durch die leichten Feldhaubitzen der I./Art.Rgt.78 unterstützt. Die gesamten Batterien des
Artillerie-Regiments Nr. 78 unter Führung des Regimentskommandeurs Major Dr.Kessler waren zum Zweck des weiteren Vordringens des
Angriffs der Division in nordostwärtiger Richtung im engen Raum westlich Jędrzejów mit vorgeschobenen Beobachtungsstellen in der
Umgebung der Höhen nördlich Wilanow eingesetzt. Die II.Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 unter Oberstleutnant Junck
hatte über den Ostrand des langgestreckten Dorfes Laskow auf den Südrand des dichtbewachsenen Jędrzejower Waldes vorzuziehen.
Es griffen an die 7.Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann rechts, die 6.Schwadron unter Rittmeister Franke links, während die
5.Schwadron unter Oberleutnant Driver hinter dem linken Flügel als Abteilungsreserve folgte. Die vorgehenden Einheiten fanden
überraschenderweise keinen Widerstand mehr vor. Der Pole hatte im Morgengrauen das Feld geräumt und sich von seinen Verfolgern
losgelöst. Die den einzelnen Schwadronen der Abteilung Junck unterstellten schweren Waffen der 8.Schwadron unter
Oberleutnant der R.Mächtig brauchten daher nicht einzugreifen. Gegen 10 Uhr war der Nordostrand – das I.Angriffsziel des
Regiments – des viele km tiefen Waldes erreicht. Kurz darauf waren die Schwarmlinien der Schützen bei dem Dorfe Mnichow auf die
nach Kielce führende Strasse gestossen. Da die Anzeichen dafür sprachen, dass sich der Gegner bis über die Nida zurückgezogen hatte,
also hartnäckigere Kämpfe zunächst unwahrscheinlich waren, sammelten sich die Schwadronen des Regiments um Mnichow, um das Ergebnis
der Erkundungen der zur Nida vorgetriebenen Spähtrupps abzuwarten und die Verbände neu zu gliedern.
Da aber auch auf den Höhen beiderseits des Nidaflusses Feind nirgends mehr angetroffen wurde, ruhte die Truppe im Schutze schwacher
Sicherungen und gab das Mittagessen aus. Das Aufklärungsregiment Nr.7 und das Schwesterregiment Nr.7 wurden indessen mit unterstellten
Batterien der II.Abteilung des Artillerie-Regiments 78 zur überholenden Verfolgung in nördlicher Richtung vorgeworfen.
Die Motorisierung der Artillerie der Division ermöglichte es der Führung, Batterien in kürzester Frist zur rastlosen Verfolgung
vorzuziehen. Der geschlagene Feind durfte nicht mehr zur Ruhe kommen, das war der Leitstern der weiteren Operationen in Polen.
Das Vorziehen der beiden anderen Regimenter der Division nahm längere Zeit in Anspruch. Die Schwadronen blieben daher noch mehrere
Stunden am Nachmittag im Raume um Mnichow liegen. Zudem musste auch das Herankommen der eigenen Fahrzeuge abgewartet werden, da der
Feind weit zurückgegangen war und das Regiment den weiteren Vormarsch auf den Fahrzeugen durchführen sollte. Die Schützen waren über
die erhebliche Verspätung des Antretens keineswegs böse. Sie hatten so Gelegenheit, den in den letzten Tagen versäumten Schlaf auf den
Wiesen um Mnichow und im Strassengraben nachzuholen und sich auszuruhen.
Erst gegen 16,45 Uhr begannen die vorderen Teile des Regiments sich in Bewegung in nordostwärtiger Richtung zu setzen. Der Vormarsch
vollzog sich auf den einigermassen guten Staatsstrassen von Mnichow der Nida zu in Richtung auf Checiny und Kielce.
Stellenweise waren auf dieser Strasse die Spuren der Bombenabwürfe der deutschen Luftwaffe unverkennbar. Grosse Bombentrichter bewiesen,
dass die deutschen Bomberflieger ihre Ziele gut traf, was durch liegengelassenes polnisches Gerät beiderseits des Vormarschweges
in treffender Weise erhärtet wurde. An einzelnen Stellen lagen die Bombeneinschläge mitten auf dem Fahrdamm, so dass wegen der
Strassenzerstörungen nur einseitiger Verkehr möglich war. Bald war die Nida bei Brzegi erreicht. Jeder Schütze wunderte sich, dass der
Pole den geländemässig sehr starken Nidaabschnitt nicht verteidigt hatte. Dass er es nicht getan hatte, musste als ein Anzeichen dafür
gewertet werden, dass der Gegner durch die vorausgegangenen Kämpfe und durch die Angriffe der deutschen Luftwaffe moralisch bereits
stark erschüttert war. Die Strassenbrücke bei Brzegi war, wie fast jede Flussbrücke an der polnischen Rückzugsstrasse, planmässig vom
zurückweichenden Gegner gesprengt. Die 58er Pioniere hatten aber in vierstündiger Arbeit eine Behelfsbrücke für einseitigen Verkehr
fertiggestellt, so dass der Vormarsch nicht erheblich verzögert wurde. Es war inzwischen dämmerig geworden, als das Regiment auf
staubiger Strasse in dem teilweise ansteigenden Gelände Checiny und dahinter ein bewaldetes Bergland mit einzelnen Felskuppen
erreichte. Hier erhielt das Regiment einen neuen Befehl der Division, der anordnete, dass das in der Vorhut befindliche
Schwesterregiment Nr.7 noch heute durch die Stadt Kielce durchzustossen hatte, um am Nordrande der Stadt unter Aufstellung starker
Sicherungen beiderseits der Strasse nach Norden in der Höhenlinie 348,8 - 267 zur Ruhe überzugehen.
Das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 sollte im Raum Szczukowice - Jaworznia - Zagrod - Bialogon - Czarnow unter Sicherung nach Westen
in der Linie Höhe 258 nördlich Niewachlow - Szczukowice - Zalesie und nach Süden bei Zagrod - Bialogon Ortsbiwak beziehen.
Mit nächtlichen Unternehmungen feindlicher Kräfte, die sich weit nördlich hinter der Front umtrieben, musste gerechnet werden.
Die vom Regiment durch Oberleutnant Dietrich sofort aufgenommene Erkundung ergab, dass der Weg nach Szczukowice zwar schlecht, aber
immerhin für Kraftfahrzeuge benutzbar war. Es stellte sich im Laufe des Abends aber doch heraus, dass die Wegeschwierigkeiten erheblich
grösser waren als vorausgesehen werden konnte. Schuld daran aber war weiter, dass sich der Nidaübergang der letzten Schwadronen des
Regiments bis weit in die Nacht hinein verzögert hatte, da die Behelfsbrücke nur mit einzelnen Fahrzeugen und dazu im Schritt befahren
werden durfte. Die eingebrochene Dunkelheit tat ein Übriges, um das Vorkommen der Fahrzeuge zu erschweren, so dass einige Schwadronen
erst in später Nacht oder gar am frühen Morgen unter unsagbaren Mühsalen auf sandigen Wegen, vorbei an steil zum Himmel ragenden
Kalkfelsen die Quartiere erreichten. Am leichtesten hatte es noch die I.Abteilung des Oberstleutnant Reim gehabt, die zwar eng
zusammengepresst aber nahe an der grossen Strasse nach Kielce in dem Dorfe Bialogon unterkam, während die II.Abteilung des Oberstleutnant
Junck in der dunklen Nacht weiterreiten musste und schliesslich mit dem Stab, dem Pionierzug und der 5.Schwadron in Czarnow unmittelbar
westlich Kielce, der 7.Schwadron in Niewachlow, der 6.Schwadron in Szczukowice und der 8.Schwadron bei den anderen Schwadronen
und in Czarnow unterzog. Oberstleutnant Junck mit dem Stab der II.Abteilung erlebte erst noch eine Überraschung. Er wurde, noch ehe die
5.Schwadron herankam, die im gleichen Orte übernachten sollte, in Czarnow in der Nacht von polnischen Franktireurs mit Handgranaten und
Gewehrschüssen überfallen. Der 1.Angriff wurde von den Stabsmannschaften abgeschlagen. Ein weiterer gemeiner Überfall durch polnische
Zivilisten ereignete sich kurz darauf, wobei ein Schütze der inzwischen eingetroffenen 5.Schwadron tödlich verwundet wurde.
Planmässig wurde nun Czarnow und Umgebung nach waffentragender Bevölkerung und versteckten polnischen Militär durchsucht.
Acht bewaffnete polnische Zivilpersonen mussten hierbei wegen der internationalen Kriegsrechts verstossende Tätigkeit mit dem Tode büssen.
Nun aber war wenigstens Ruhe.
Das Schwesterregiment Nr.7 hatte gegen 21 Uhr die polnische Kreisstadt Kielce eingenommen, nachdem der von den Polen vor der
Stadt langanhaltende Widerstand gebrochen war. Während dieses Gefechtes wurden viele waffentragende Zivilisten, die meistens in den
Munitionswerkstätten von Kielce beschäftigt gewesen waren und sich aus den dort zurückgebliebenen Beständen bewaffnet hatten, gefangen
genommen. Das Kriegsgericht bekam also in den nächsten Tagen hinreichend Beschäftigung. Bei dem Kampf um die Stadt Kielce schossen
polnische Zivilisten, darunter auch mehrere würdige Vertreter des auserwählten Volkes, aus den Häusern, so dass, wer bei der nunmehr
vom Kavallerieschützenregiment von Bismarck durchgeführten systematischen Säuberung der Stadt mit der Waffe in der Hand Widerstand leistete,
erschossen werden musste. Aufgefahrene Fahrzeuge der Schützen und ein Artillerie-Abteilungsstab wurden in der Nacht in Kielce in der Nähe
der grossen Kirche überfallen. Nur durch drakonische Massnahmen konnte die Sicherheit der deutschen Truppen gewährleistet
werden. Da in den letzten Tagen die Trosse und Bagagen der einzelnen Truppen der Division mehrfach im Hinterland von versprengten
polnischen Soldaten und versetzter Zivilbevölkerung beschossen worden waren, hatte die Division strenge Massnahmen getroffen und darüber
hinaus angeordnet, dass die Fahrzeuge stets nur ausreichend bewaffnet fahren durften.
Kielce und die nähere Umgebung der Stadt waren schwer von unseren Fliegern heimgesucht worden. Fliegerbomben hatten die Eisenbahnschienen
aufgerissen und verbogen, Waggons umgestürzt, geborsten, aufeinanderfahren lassen und viele vollkommen ausgebrannt. Die Überreste ganzer
Eisenbahnzüge waren wie Schrotthaufen auf den Gleisen des Bahnhofs zusammengeschoben, während riesige Bombentrichter und vollkommen
zerschlagene Fensterscheiben in der näheren und weiteren Entfernung des Bahnhofs von der Wirkung der Bombeneinschläge beredtes
Zeugnis ablegten. In gleicher Weise waren die Kasernen mitgenommen, während sonst die Stadt mit ihren verwilderten Wohnungen und
verwahrlosten Wegen nur wenig Schaden genommen hatte. Einen einigermassen mitteleuropäischen Eindruck machte lediglich der neuere Stadtteil
um das Woiwodschaftsgebäude, den Bischofspalast und um das Pilsudskihaus, während die übrigen Stadtteile mit ihren verdreckten
Judenvierteln nichts von einer polnischen Grossmacht oder einem polnischen Kulturstaat erkennen liessen, obwohl die Stadt von aussen
betrachtet durch die umgebenden Hügelketten kein ungünstiges Bild bietete. Dass Polen – natürlich aber nur mit fremden Geld – wohl befähigt
gewesen wäre, kulturbringend zu sein, bewies die auf Kosten der Westmächte neuerbaute und auf das modernste eingerichtete Munitionswerk
"Granat". Die hygienischen Einrichtungen dieser Fabrik standen im himmelschreienden Gegensatz zu ähnlichen Einrichtungen in der Stadt.
Aus einem sehr eleganten Besuchsbuch der herrlich eingerichteten Munitionsfabrik ergab sich neckischerweise, dass ausser zahlreichen bekannten
französischen Wirtschaftlern und Offizieren noch in jüngster Zeit ein aktiver rumänischer Minister dem grossen Rüstungsbetrieb seinen Besuch
abgestattet hatte.
Je weiter sich das Regiment von der deutschen Reichsgrenze und von den ehemals deutschen und jetzt wieder deutsch gewordenen Gebieten
Polnisch - Oberschlesiens entfernte und in die schwerwütigen Weiten der polnischen Landschaft mit ihren Kiefernwäldern, Wacholder- und
Ginstersträuchern und ihren ausgebleichten weiten Sandflächen kam, desto mehr verschwand die Kultur und bei jedem Kilometer weiter
ostwärts wurden die primitiven, schon fast asiatisch anmutenden Verhältnisse sichtbarer und fühlbarer.
Die schmucken deutschen Bauernsiedlungen und Wohnstätten deutscher Handwerker mit ihren massiven Gebäuden, ihren gepflegten Wirtschaften,
ihren wohlbestellten Äckern waren verschwunden und an ihre Stelle waren ärmliche Dörfer mit windschiefen Hütten, halbzerfallenen Stallungen
und Bauerngehöften mit einem wüsten Durcheinander auf Hof und Feld getreten. Seltener wurden die zusammenhängenden Gemeinschaftssiedlungen.
Das Gehöft beherrschte mehr und mehr das Landschaftsbild. Die Wohnstätten der polnischen Bauern waren meist aus rohgezimmerten Balken
gefügte kleine quadratische Häuser mit Strohbedeckung und primitiven Schornsteinen, mit zerfallenen Gartenzäunen und grossen Unrat-,
Mist- oder Dreckhaufen um den Häusern. Der Boden war karg und vielleicht auch verbraucht. Aber das geringe Ernteergebnis in Polen
liegt nicht an dem Boden allein. Es ist jedenfalls eine Tatsache, dass die ländlichen deutschen Siedler sich bei gleichen Bodenverhältnissen
überaus vorteilhaft herausheben. Der polnische Bauer bestellte nach Urgrossväterart seinen Boden, seinen Roggen, seine Kartoffeln und hier
und da auch etwas Futtermittel. Regelrechte und vernünftige Düngung war ihm ein unbekannter Begriff. Die Erträgnisse des Bodens waren
dementsprechend. Aber der polnische Bauer kannte jahrhundertelang die Armut, die Entbehrung. Sie gehörten wie naturnotwendig zu seinem
Lebensbegriff. Waren schon die Häuser oder besser gesagt die Hütten, in denen der polnische Bauer in seiner bewundernswerten
Bedürfnislosigkeit lebenslang ohne ordentliches Bett auf Stroh schlief und die im Winter oft zugleich Aufenthaltsort für Feder- und
Borstenvieh waren, in einem für unsere Begriffe überaus schlechten Zustand, so waren die Stallungen und Scheunen in einem noch viel
bemitleidenswerteren Beschaffenheit und Verfassung.
Da während des Feldzuges aus hygienischen Gründen und als Schutzmassnahme gegen Flöhe, Wanzen und Läuse von der Truppe polnische oder
jüdische Wohnungen nur in Ausnahmefällen als Quartiere benutzt wurden, waren die Kavallerieschützen, wenn sie ein Biwak im Freien
nicht vorzogen, auf die Unterbringung in Scheunen und leerstehenden Stallungen angewiesen. Oft zögerte die Truppe aber doch, in solchen
Scheunen mit halbeingefallenen Dächern, fehlenden Toren und Treppen unterzuziehen aus Besorgnis davor, dass der nächste Windstoss die
Ruinen solcher Gebäude zum Einsturz bringen und die deutschen Soldaten darunter begraben könnte. Eine Illustrierung der
"polnischen Wirtschaft" war es, dass in den Dörfern und Städten viele halb zerfallene Häuser und Stallungen vorgefunden wurden, die
nicht etwa Opfer des Krieges waren, sondern das Ergebnis polnischer Wirtschaftsmethoden. Diese Schandflecken der Ortschaften wurden
nicht abgerissen, sondern verunzierten die Gegend, bis sie völlig zusammenstürzten. Hygiene war in Polen ein völlig unbekannter Begriff.
Gewiss erwartete kein Schütze hier auf dem Lande ein W.C. vorzufinden. Aber immerhin war angenommen worden, dass es wenigstens
überall die kleinen Häuschen gab, die auch hier und da in Deutschland auf dem Lande noch den Rand des Misthaufens zieren. Solche stillen
Örtchen wurden in Polen, je weiter die Truppe ostwärts vorstiess und die Landschaft die Züge Asiens annahm, immer seltener.
Der Pole war es gewohnt, sich einfach ins Gelände zu stellen oder zu setzen, wenn er gewisse Bedürfnisse befriedigen musste. Wie es in
der Umgebung der Gehöfte bei solchen Verhältnissen aussah und welch "angenehmer" Duft den Menschen dort um die Nasen wehte, welche
Brutstätten für Fliegen und Krankheitsherde geschaffen wurden und wie damit die Entstehung und Ausdehnung von Epidemien gefördert wurde,
bedarf keiner weiteren Darlegungen. Das waren die hygienischen Verhältnisse nicht nur auf dem flachen Lande, in den armen polnischen
Bauerndörfern, sondern auch in den kleinen Landstädtchen, in denen die jüdische Rasse ihre Domäne hatte. Schmierige Juden mit speckigen
Kaftanen, langen schwarzen, teilweise ergrauten Bärten und schmutzigen Kappen und fette, auseinandergegangene Judenweiber in zerfliessener
und zerrissener Kleidung, mit ungepflegten Haaren und dreckigen Beinen zierten die Strassen der polnischen Kleinstädte oder die Haustüren
schmutziger Häuser, denen ein Duft entströmte, dass man davonlaufen konnte. Alle die Figuren, die der "Stürmer" seit Jahren in seinen
Blättern brachte, waren hier in jeder Stadt in allen nur denkbaren Variationen vertreten. Handel und Gewerbe lagen vollkommen in jüdischer
Hand. Mauschelnd und feilschend zogen die Vertreter des auserwählten Volkes durch die Strassen oder standen gruppenweise im Strassenstaub,
um den Durchzug der Schützen zuzusehen. Kaum waren die letzten Granaten in die Städte gefallen, kaum die ersten deutschen Truppen
eingezogen, da tauchte auch schon das Gesindel auf und versuchte "ein Geschäftchen" zu machen und die Konjunktur auszunutzen.
Ihre Hoffnung freilich, mit deutschen Soldaten Handel zu treiben und sie übers Ohr zu hauen, wie wenige Stunden vorher noch die polnischen
Soldaten, zerplatzte meist schnell wie eine Seifenblase. Die Zeiten, in denen die Juden als Händler und Geldgeber die arme polnische
Bevölkerung aussaugten und ausnutzten, sie begaunerten, betrogen und bewucherten, dürften für die unter deutschen Schutz getretenen
polnischen Gebiete wohl endgültig vorüber sein, genau so wie andererseits auch die Zeiten entschwunden waren, in denen die deutschen
Volksgenossen, die als Bauern, Handwerker oder Kleingewerbetreibende in Polen ihre zweite Heimat gefunden hatten, von dem polnischen
Staatsvolke gequält und gemordet, gepeinigt und bestohlen wurden. Das Schreckensregiment des berüchtigten polnischen Westmarkvereins mit
seinem noch berüchtigteren antisemitischen Ehrenvorsitzenden, dem Kattowitzer Wojewoden Grasczinski, das sich in den letzten Wochen vor
dem Einsatz in Polen in wahnsinnigen ausgetobt hatte, war für alle Zeiten beseitigt. Schade blieb nur, dass die grossen polnischen Hetzer
ihr Leben und ihr geraubtes Vermögen rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten und so der Abrechnung entgingen. So ist dies ja in der
Geschichte bei diesen Herrschaften stets gewesen. Warum sollte es daher in Polen anders sein. Der Erfolg des schnellen Vorgehens der
deutschen 10.Armee nördlich des oberschlesischen Industriegebietes und der Vorstoss der 14.Armee von den Beskiden in Richtung auf
Krakau hatte die polnische Südarmee gezwungen, überstürzt das wichtige Industriegebiet polnisch - Oberschlesiens aufzugeben, um sich
durch beschleunigten Rückzug auf Krakau der drohenden Umklammerung zu entziehen. Unordnung und Verwirrung stellten sich ein.
Die Gefangenenzahlen mehrten sich und liessen erkennen, dass der Gegner innerlich geschwächt, kampfunfähig und erschüttert war.
Der Durchbruchsversuch der polnischen 7.Division aus dem Raume um Czenstochau war endgültig an der Abwehrfront des XV.Armeekorps
zerschellt. Die Division wurde aufgerieben. Ihr Kommandeur, General Gosiorowski, der zu den engsten Mitarbeitern des Marschalls
Pilsudski gehört und bis 1936 den Posten des polnischen Generalstabschefs begleitet hatte, wurde mit seinem Stabe gefangen.
Nur noch versprengte, wenig kampffähige Trümmer der Division trieben sich in den Waldgebieten hinter der jetzigen deutschen
Front herum. Auch ihr Schicksal war besiegelt, sobald die herankommenden rückwärtigen Kampftruppen die grossen Waldgebiete zwischen
Czenstochau und Kielce systematisch durchkämmten. Die schnelle Vorwärtsbewegung der deutschen Armee von Reichsnau, an der auch die
2.leichte Division grossen Anteil hatte, brachte die Rückgewinnung des an Polen gefallenen wichtigen Industriegebietes in
Ost - Oberschlesien mit sich. Die Schnelligkeit des Vorstosses hatte es dem Gegner unmöglich gemacht, die Werke, Hütten und
Fabriken vor der Räumung zu zerstören. Der Verlust dieses Gebietes musste sich in militärischer Beziehung für Polen ungünstig
auswirken. Wurde doch in diesem Gebiet und in dem benachbarten Olsagebiet sowie dem Gebiet um Dombrowa fast 95 % der Steinkohlenerzeugung
Polens gefördert. Weiter befanden sich in diesem Landstrich etwa 3/4 der polnischen Stahlwerke und Hochöfen und die für uns für die
weitere Kriegsführung so wertvollen polnischen Blei- und Zinkhütten. Das Kavallerieschützen - Regiment Nr.6, das an wichtiger
Stelle eingesetzt gewesen war, konnte stolz darauf sein, zu diesem Erfolge erheblich beigetragen zu haben.
Die Freude über das Erreichte war um so herzlicher, weil die ungeheuren Leistungen nur verhältnismässig geringe Blutopfer gefordert
hatten. Die Kameraden, die auf Polens Fluren zur letzten Ruhe gebettet worden waren und den Triumph des Sieges nicht mehr mit erleben
durften, sie hatten ihr Herzblut nicht umsonst gegeben. Ihr Heldentod war Ansporn für die Ueberlebenden für nur noch grössere Leistungen.
Die Kameraden, die nicht mehr in Reih und Glied standen, sie blieben unvergessen im Herzen ihrer weiterkämpfenden Kameraden.
6.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Wie schon in den letzten Tagen, so herrschte auch am 6.September warmes und sonniges Wetter. Einige Schützen redeten von einem
"Hitlerwetter", wie es für einen Krieg in Polen mit seinen unbeschreiblichen Wegeverhältnissen unbedingt notwendig war.
Es ist sicher richtig, dass die tatsächlich durch den atemberaubenden Vormarsch der deutschen Truppen erzielten Erfolge niemals erreicht wor-
den wären, wenn durch Regenwetter die Strassen und Wege, soweit sie überhaupt den Anspruch auf diese Bezeichnung haben, grundlos gewesen
wären. Das Wetter kann also unter Umständen ausschlaggebend sein für das Gelingen oder Misslingen einer militärischen Operation.
Die 2.leichte Division bekam am 6. September den neuen Auftrag, von Kielce aus den Vormarsch in nordostwärtiger Richtung fortzusetzen, um
das polnische Waffenarsenal Radom zu erreichen. Rechts der 2.leichten Division war die motorisierte 29.Infanteriedivision, die gleichfalls
meist aus Thüringer Truppen bestand, eingeschoben worden. Diese Division hatte den Vormarsch über Gornow nach Nordosten anzutreten.
Die 2.leichte Division bildete für den weiteren Vormarsch 4 Marschgruppen.
Die Marschgruppe Oberst Fürst umfasste ausser dem Kavallerieschützen - Regiment Nr.6 die I./Art.Rgt.78, die 1./PanAbwehr-Abteilung 42,
die 1./Pionierbataillon 58 und eine Flakbatterie. Sie hatte aus dem Unterbringungsraum so anzufahren, dass der Nordausgang von Kielce mit
dem Anfang gegen 10,30 Uhr durchfahren wurde. Um den Durchgangsverkehr durch Kielce und die Bewegungen der übrigen Einheiten der Division
nicht zu erschweren, stand der Marschgruppe Oberst Fürst die Strasse Niewachlow - Kielce erst ab 8,30 Uhr zur Verfügung. Die Marschfolge
innerhalb der Division war wie folgt vorgesehen: Aufklärungsregiment Nr.7, Kavallerie- Regiment Nr.7, Kavallerie-Regiment Nr.6,
Panzerabteilung 66. Zu dem geplanten Vormarsch des Regiments auf der grossen Strasse gegen Radom sollte es aber nicht kommen.
Die Schwadronen waren zur festgesetzten Zeit an und westlich Kielce bereitgestellt. Das Schwesterregiment Nr.7 hatte aber indessen
unerwarteterweise hartnäckigen Feindwiderstand unmittelbar nordostwärts Kielce angetroffen. Der Gegner leistete am südlichen Waldrand
nördlich des Dorfes Dabrowa zähe Gegenwehr. Das vorausgesandte Aufklärungsregiment Nr.7 war in ein schweres Gefecht verwickelt worden,
das immer grösseren Umfang annahm, ohne dass deutscherseits mit sichtbarem Erfolg gefochten wurde. So musste nach und nach der Grossteil
des Schwesterregimentes Nr. 7 nördlich der Strasse angesetzt werden, um den sich erbittert verteidigenden Gegner in den Waldungen nördlich
Kajetanow in der Flanke zu fassen. Der Feind zog sich wohl teilweise, um Umflügelungen zu vermeiden, zurück, hatte sich aber im übrigen
so gut und geschickt aufgestellt, dass bis zur Mittagsstunde von unseren Divisionstruppen ein durchschlagender Erfolg nicht erzielt werden
konnte. Die Division hielt es daher für zweckmässig, das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 nicht frontal auf der Strasse nach Radom,
sondern zu einer noch weiter nach Norden ausholenden Umgehung anzusetzen, um auf diese Weise die starken polnischen Kräfte an der
Strasse nach Radom zum Weichen zu bringen. Der gegen 14 Uhr für das Regiment eintreffende Befehl ging dahin, in nordöstlicher Richtung
von Kielce vorzugehen, dann scharf nach Osten abzubiegen und möglichst den Feind von Norden her zu umfassen.
Gegen 15 Uhr erfolgt der Abmarsch des viele Stunden bereitstehenden Regiments auf Fahrzeugen aus der Gegend von Kielce. Die Fahrt ging
über Niewachlow, Miedziana Gora bis zur Weggabel südlich der Höhe 327 bei Cm.Podgrodzie - Tumlin N. Nord. Unterwegs, etwa in der Gegend
südlich Miedziana Gora führte der Weg durch einen tief eingeschnittenen Kurventeil bei stark ansteigendem Gelände. In diesem beherrschenden
Waldstück hatte der Gegner einige Maschinengewehre aufgestellt und beschoss die Spitze und auch die später nachkommenden Teile des
Regiments aus Maschinengewehren und Gewehren. Der Vormarsch der Vorhut, die abgesessen das Waldgelände säubern musste, verzögerte sich
dadurch um eine halbe Stunde. Dann wich der Gegner in den Bergen und in dem sehr zerklüfteten Gelände so geschickt aus, dass er
grösstenteils spurlos verschwinden konnte. Später, während der Vorbeifahrt der rückwärtigen Teile des Regiments, näherte sich der Feind dem
Engpass abermals und nahm die Marschkolonne unter Feuer. Zu einer systematischen Abstreifung des gesamten Waldgeländes blieb keine
Zeit, da das Vorgehen des Regiments zur Entlastung des Regiments von Bismarck bei Kajetanow wichtig war und keinen weiteren Zeitaufschub
duldete. Um die Säuberung des Waldgebietes von den versprengten polnischen bewaffneten Truppen brauchte sich das Regiment auch
schon deshalb nicht zu kümmern, weil für diesen Zweck bereits eine SS.-Formation bereitgestellt worden war. Bei der Weggabelung südlich des
Punktes 327 bog das Regiment nach Osten um. Als es kurz vor 18 Uhr die Gegend von Tumlin-Nord erreicht hatte, wurden die Schwadronen
angehalten, um erst das Ergebnis der vorausgesandten Erkundungsabteilungen abzuwarten. Die Feststellung der Lage beim Schwesterregiment Nr.7
durch den Regimentsadjutanten hatte ergeben, dass das Kavallerieregiment Nr.7 noch nordostwärts Kajetanow festlag, dass aber andererseits
bei den schlechten Wegeverhältnissen ostwärts des Walddorfes Samsonow nicht daran zu denken war, in der Dunkelheit einen Vorstoss zur
Entlastung des Schwesterregiments zu unternehmen. Der Flankenangriff musste auf den kommenden Tag verschoben werden. Oberst Fürst entschloss
sich daher, die Fahrzeuge in Wagenburgen auffahren zu lassen und unter starken Sicherungen nach allen Seiten bei dem Dorfe Samsonow zur
Ruhe überzugehen. Da der Ort völlig abgebrannt war, musste im Freien bivakiert werden. Es bezogen bei Samsonow Bivak: der Regimentsstab,
der Pionierzug, die I.Abteilung und die unterstellten Truppen – vor allem die I./Art.Rgt.78, eine schwere Batterie, eine Pionierkompanie
und die 2./Panzerabwehr - Abteilung 42. Die II.Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 war schon kurz vor Erreichen von Samsonow
– sie marschierte hinter der I.Abteilung her – auf Befehl des Generalleutnants Stumme kurz ostwärts Tumlin-Nord angehalten worden.
Sie erhielt den Befehl, kehrt zu machen und zur Erfüllung einer ihr aufgetragenen Sonderaufgabe als Reserve der 2.leichten Division die
gleiche Strasse wieder zurück bis Niewachlow zu fahren. Zur Erleichterung des Vorgehens des Kavallerieschützen-Regiments Nr.7 bei Kajetanow
sollte die Abteilung des Oberstleutnants Junck in dem Raume um Stara Wies, etwa 5 km ostwärts Kielce, auf den Höhen 312 und 345 (Swina Gora)
die rechte Flanke der Division und die Stadt Kielce sichern gegen überraschende feindliche Angriffe oder Durchstösse eingeschlossener
polnischer Truppenabteilungen aus ostwärtiger und nordostwärtiger Richtung. In Kielce selbst hatten sich im Laufe des Tages noch vereinzelte
Übergriffe polnischer Zivilisten ereignet, so dass die Festnahme einer grösseren Anzahl Geiseln notwendig geworden war. Mit welcher Verhetzung
und welchen Mitteln unsere Truppen in der Stadt bekämpft worden waren, ergab sich daraus, dass in der vergangenen Nacht auf Artillerie der
Division sogar aus einem mit einem grossen Roten Kreuz gekennzeichneten Hause geschossen worden war, während an anderer Stelle ausser
Handgranaten auch selbstgefertigte primitive Bomben geworfen wurden. Verständlich wird die Unvernunft des polnischen Volkes und der Juden in
Kielce jedoch, wenn man von einem polnischen Beamten der Stadtverwaltung hört, dass gerade in Kielce vor Kriegsausbruch mehrere Agenten des
berüchtigten englischen Secret Service tätig waren. England hatte eben überall, wo es um Morden, Rauben und Stehlen ging, seine Hände im
Spiel. Obwohl es der 2.leichten Division heute nicht gelungen war, den Gegner soweit zurückzuwerfen, wie es die Anordnungen des XV.Armeekorps
erwartet hatten, hatte der Tag, vor allem bei dem Schwesterregiment 7, harte Kämpfe gekostet. Der Feind, der vor dem XV.Armeekorps bisher aus
den versprengten zwei polnischen Divisionen bestand, war in letzter Stunde nach Gefangenenaussagen durch aktive polnische Truppen erheblich
verstärkt worden. Diese Truppen hatten nicht nur tapfer, sondern auch sehr geschickt gekämpft, so dass das Vorgehen des
Kavallerieschützen-Regiments 7 bis zur Bahnlinie nordostwärts Kajetanow erhebliche eigene Verluste erfordert hatte.
Das Kavallerieschützen-Regiment 6 beklagte den Verlust von 2 Toten und 1 Verwundeten.
7.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Nach dem um 2 Uhr morgens erlassenen Befehl der 2.leichten Division hatte die Division am 7.September ihren Angriff in Richtung auf Kamienna
unter Umfassung durch Teile von Samsonow aus fortzusetzen, um dann gegen Radom nachzustossen. Die Kampfgruppe des Oberst Fürst, bestehend aus
der I.Abteilung, der I./Art.Rgt.78, einer schweren Feldhaubitzbatterie des Art.Regts. 610, der 2./Panzerabwehr-Abteilung 42, einer
Flakbatterie und einer Pionierkompanie des Pionierbataillons 58, hatte, um linken Flügel der Division um 5 Uhr aus der Gegend von Samsonow
antretend, über Belno auf Laczna den Rücken und die Flanke des Feindes anzugreifen, um dann niederseits der Hauptstrasse in nördlicher
Richtung vorzustossen. Die II.Abteilung des Regiments sollte als Divisionsreserve zunächst in der Gegend um Szydlowek unmittelbar
nordostwärts Kielce ab 6 Uhr bereitstehen. Der Division lag es ob, für besonderen Schutz ihrer rechten Flanke selbst zu sorgen, da sie dort
erst kürzlich eingesetzte 29.Infanterie-Division bereits am Nachmittag des 6.September zur anderweitigen Verwendung herausgezogen worden war.
Die bisher links, also nördlich der 2.leichten Division kämpfende 3.leichte Division war in der vorhergehenden Nacht wegen starker
Zusammenballung von Truppen zweier Armeekorps herausgezogen worden und sollte im Laufe des Tages rechts der 2.leichten Division ostwärts Kielce
eingesetzt werden, um gegen die Nordausgänge der ausgedehnten und erzreichen Lyse Gora bei Ostrowiec - Wierzbnik und in Richtung auf Sienno
vorzustossen. Aufgabe der Gruppe Fürst war, den festgefahrenen Angriff des Kavallerieschützen-Regiments 7 unter Oberst von Bismarck wieder
ins Rollen zu bringen. Sobald sich die Einwirkung dieses Angriffs auf das rechts eingesetzte Schwesterregiment bemerkbar machte, sollte sich
dieses dem Angriff der Gruppe Fürst anschliessen. Da die Abteilungen des Regiments zunächst an verschiedenen Abschnitten tätig waren, müssen
ihre Kampfhandlungen zunächst getrennt betrachtet werden. Die I.Abteilung trat gegen 5 Uhr zu Fuss den Vormarsch auf tiefversandeten schlechten
Waldwegen ostwärts über Belno an und erreichte bei Laczna die grosse Strasse Kielce - Radom, ohne in grössere Gefechte mit dem Gegner verwickelt
zu werden. Nur hier und da hatte es in den Kiefernwäldern Schiessereien mit abgesprengten feindlichen Trupps gegeben. Der Pole hatte nämlich
rechtzeitig, nämlich bereits am gestrigen Spätnachmittag, die ihm durch die Umgehungsbewegung der Gruppe Fürst drohende Gefahr erkannt und
am frühen Morgen die Hauptmasse seiner Truppen rechtzeitig aus den Wäldern nordostwärts Kajetanow bis über Laczna zurückgenommen.
Starke Nachhutabteilungen des Gegners hatten die Aufgabe, das Nachstossen des Regiments zu erschweren und aufzuhalten, bis eine neue
Verteidigungsstellung bezogen war. Einzelfahrende Melderreiter der I.Abteilung waren im Hinterland daher mehrfach dem Feuer polnischer
Franktireurs ausgesetzt und wurden an- und abgeschossen. Der Pole war, wie bereits erwähnt, auch vor dem Kavallerieschützen-Regiment Nr.7
zurückgegangen, hatte sich aber an den Waldrändern nördlich Laczna festgeklammert und suchte nun in dieser neuen Stellung durch
geschickt aufgestellte Pak jedes weitere Vorgehen der Division längs der Strasse zu verhindern. Polnische Gefangene bestätigten, dass sich
der Gegner vor allem wegen der drohenden Flankierung durch das Regiment trotz seiner Ueberlegenheit an Kämpfern zurückgezogen hatte.
Die polnischen Verteidiger stammten aus gestern frisch aus Radom her angeführten Regimentern, die teilweise noch nicht einmal vollkommen
militärisch eingekleidet und ausgerüstet waren. So standen beiderseits der Strasse noch ungeöffnete Kisten polnischer Bekleidungsstücke,
während an anderen Stellen Haufen alter Uniformen und Zivilanzüge eingesetzter Truppen umherlagen. Einzelne polnische Gefangene trugen noch
teilweise ihre Zivilkleidung, da sie vor der Einkleidung ins Gefecht geführt worden waren. Die neugeingesetzte polnische Division war aus
den Arsenalen von Radom mit vollständig neuen Gewehren ausgerüstet worden, aus denen noch kein Schuss abgegeben worden war.
Eine grosse Anzahl Kisten mit wertvollem Nachrichtengerät, das längs der Strasse verstreut lag, zeugte von dem schnellen Zurückgehen des
Gegners. Die 2.leichte Division glaubte, nachdem das Kavallerieschützen Regiment Nr.7 die Höhen bei Mnichow, das
Kavallerieschützen-Regiment Nr. 6 Laczna erreicht hatte, dass mit langanhaltendem feindlichen Widerstand nicht mehr zu rechnen war und gab
daher Befehl, nach Erreichen des Strassendorfes Suchedniow weiter in nordostwärtiger Richtung vorzustossen und zwar mit dem Schwesterregiment
Nr.7 über Parszow ausholend auf Skarzysko-Koscielne, mit dem Regiment des Obersten Fürst über Brzinek auf Skarzysko-Kamioneczno.
Dazu sollte es aber zunächst noch nicht kommen, da sich die Führung bezüglich der Widerstandskraft des polnischen Verteidigers
getäuscht hatte. Hartnäckig hielt der Feind die neueingenommene Stellung bei Ostojow. Mehrfach versuchten die Schwadronen der I.Abteilung
nordwärts Laczna Boden zu gewinnen. Sie kamen aber nur bis 300 m nordostwärts Laczna vor. Der Pole war auf der Hut. Aus gut eingedeckten
Stellungen feuerte er von Waldrändern nördlich der Strasse auf die vorgehenden deutschen Schützenlinien und beherrschte durch gut schiessende
Scharfschützen und eine etwa 1 km weiter nordostwärts aufgestellte Pakkanone das Gelände. Die Schützen, die über deckungsloses ansteigendes
Gelände vordrangen, ohne selbst den Feindes, dessen Stellungen nicht genau zu erkennen waren, grösseren Schaden zufügen zu können, erlitten
bald fühlbare Verluste. Starke polnische Artillerie hatte in den Kampf eingegriffen und nahm die Strasse über Laczna und Godz bis weit in
das Hinterland, die Anmarschwege, die erkannten Beobachtungsstellen der Batterien unserer I./Art.Rgt.78 und den Gefechtsstand von Oberst
Fürst unter Feuer. Weder der Einsatz der Reserveschwadron der I.Abteilung noch der starke Artilleriebeschuss durch die leichten Feldhaubitzen
der Artillerie-Abteilung des Majors Günther brachten der Kavallerieschützen-Abteilung des Oberstleutnants Reim eine fühlbare Entlastung.
Der eigene Angriff war festgelaufen und konnte mit den bisher im Kampf befindlichen Truppen der Division nicht wieder in Gang gebracht werden.
Eine weitere Verstärkung der Kampffront war unumgänglich notwendig. Die Division fasste die erforderlichen Entschlüsse. Die Panzer der
Panzerabteilung 66, die bereits am Vortage zur Unterstützung des Schwesterregiments Nr.7 bei Jdrzejow zum Öffnen einer Strassensperre nördlich
Dabrava erfolgreich eingesetzt gewesen waren und dabei ihr schneidiges Vorgehen mit dem Verlust von 7 beschädigten und zerschossenen Panzern
bezahlen mussten, wurden auf Anordnung von Generalleutnant Stumme vorgezogen. Die 1.Kompagnie der Panzerabteilung sammelte sich nördlich
Laczna in der Nähe des Regimentsgefechtsstandes von Oberst Fürst und lockte so das feindliche Artilleriefeuer noch mehr an diesen Punkt.
Es erwies sich daher als notwendig, die Versammlung der Panzerkampfwagen an einem weiter rückwärtigen Punkt vorzunehmen. Um die feindlichen
Stellungen beiderseits der Strasse nach Radom durchbrechen zu können, wurde auch noch der Einsatz der bisher in Divisionsreserve befindlichen
II.Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 unter Oberstleutnant Junck notwendig. Diese Abteilung hatte erst gegen 2 Uhr morgens den
ihr befohlenen Sichrungsraum bei der Domäne Stara Wies erreicht, die 5.Schwadron auf Höhe 312, die 7.Schwadron auf Höhe 345 eingesetzt und
den Stab, die 6. und die nicht in Stellung gebrachten Teile der 8.Schwadron im Vorwerk Stara Wies versammelt. Auf Grund des schon erwähnten
Divisionsbefehls war die Abteilung, die kaum in der Nacht geruht hatte, um 6 Uhr morgens nach Szydlowek vorgezogen worden, um gegen 14 Uhr
nach dem Forsthaus Zagnansk Lekomin vorzurücken. Kaum dort angekommen, wurde die Abteilung alarmiert und erhielt den Befehl, durch
Verlängern der Front links von der bereits in Stellung befindlichen I.Abteilung bei Laczna die bedrängten Kameraden zu entlasten.
Unverzüglich rückte die II.Abteilung auf Fahrzeugen bis zum Dorfe Laczna vor. Hier wurden die Kraftwagen zurückgelassen und die
Schwadronen gingen nordwärts vor. Die 7.Schwadron wurde mit einem Kavalleriegeschütz, einer Pak und einer schweren MG-Gruppe westlich
des Dorfes Laczna und die 5.Schwadron links neben ihr eingesetzt, während die noch verbleibenden Teile der 8. und die 6.Schwadron
hinter der Mitte Bereitstellung bezogen. Der Auftrag für Oberstleutnant Junck lautete: Verhinderung eines drohenden polnischen
Gegenstosses aus dem Walde westlich des Dorfes Ostojow, Durchstossen dieses Waldes und Gewinnung der Höhe 307 westlich Suchedniow.
Der Angriffsbeginn wurde auf 16,30 Uhr festgesetzt.Das Eingreifen der II.Abteilung, die die ausgebauten polnische Verteidigungsstellungen
westlich umfassen sollte, führte in verhältnismässig kurzer Zeit zum Erfolg und gab dem festgefahrenen Vorgehen der Division neuen Schwung.
Die zuerst auf dem Gefechtsfeld eingetroffene 7.Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann konnte gegen 16,30 Uhr einen polnischen Gegenstoss
überlegener Kräfte aus dem Walde westlich Ostojow gegen die nur wenig geschützte Flanke der I.Abteilung gerade noch im letzten Augenblick
auffangen und zurückwerfen. Nach Abwehr dieses Angriffs setzte die Schwadron sofort dem weichenden Gegner bis in seine Ausgangsstellung
und darüber hinaus nach. Die 5.Schwadron schloss sich der Vorwärtsbewegung sofort an.
Der Widerstand des Gegners beiderseits der Strasse nordostwärts Laczna liess nach. Die Schützen blieben dem weichenden Gegner auch
weiter auf den Fersen und liessen ihn nicht wieder zur Festsetzung kommen. Im zähen Vorgehen drangen beide Schwadronen immer weiter
nordwärts nach. Der Gegner, der vergeblich versuchte, die Verfolger abzuschütteln, bog dann nach Osten zur Strasse aus, so dass der
feindliche Widerstand im ganzen Laubwalde westlich Ostojow immer geringer wurde und bald ganz erlahmte. Bereits um 18 Uhr hatte die
II. Abteilung den Nordrand des Waldes erreicht, von Waldwärterdorf Zapadny Suchedniow Besitz ergriffen und nach Neuordnung und
Gliederung der im Walde durcheinandergekommenen Schwadronen gegen 19 Uhr das befohlene Angriffsziel, die Höhe 307 westlich des
langgestreckten Strassendorfes Suchedniow, erreicht. Dieses schnelle Vorgehen der II.Abteilung unter Oberstleutnant Junck hatte
auch die Abteilung des Oberstleutnants Reim mit vorwärts gerissen. Diese hatte seit Mittag westlich der grossen Strasse die
3.Schwadron unter Rittmeister Cunitz eingesetzt, während ostwärts der Strasse hauptsächlich das Kavallerieschützen-Regiment Nr.7
vorging. Die 2.Schwadron der Abteilung Reim unter Rittmeister Vonberg folgte rechts der Strasse als Reserveschwadron.
Die 1.Schwadron unter Rittmeister Hansen war zunächst unangesetzt geblieben. Da aber der Angriff der I.Abteilung trotz des
Einsatzes der Panzerkraftwagen der Panzerabteilung 66, die der Kommandeur der Panzerabteilung, Major Gerhardt, an den Waldrand
nördlich Laczna vorgeworfen hatte, nur geringen Bodengewinn erzielte, das Vorgehen zudem bald auf Gegenstösse zahlenmässig
überlegener polnischer Kräfte gestossen war, wurde die 1.Schwadron am linken Flügel der Abteilung Reim neben der 3.Schwadron
eingeschoben. Aber auch der mit verstärkter Kraft erneut vorgetragene Angriff blieb im Feuer zahlreicher polnischer Maschinengewehre
liegen. Gleichzeitig riegelte die feindliche Artillerie des Hintergeländes ab, um ein Herankommen weiterer Reserven zu unterbinden.
Hierbei wurde das Dorf Laczna, vor allem sein Nordteil, fast vollkommen in Brand geschossen. Vor den eigenen Linien hatten die
Batterien der I./Art.-Rgt.78 das als Stütz- und Sammelpunkt der Reserven der polnischen Verteidigung benutzte Dorf Ostojow in Brand
geschossen. Flammen loderten zum Himmel empor. Dicke Rauchwolken zogen durch die Gegend. Nachdem gegen 17 Uhr die 2.Schwadron von rechts
herangezogen und links neben der 1.Schwadron eingesetzt worden war und sich die Umfassung durch die II.Abteilung bemerkbar machte, drang
ein erneuter Angriff der I.Abteilung durch und warf die Polen über Ostojow nordwärts zurück. Einmal erst ins Laufen gekommen, leisteten sie
nur noch geringen Gegenwehr. Die feindliche Artillerie stellte vorzeitig ihr Feuer ein, anscheinend weil sie bereits im Begriff war, sich
rückwärts zu gruppieren. Der Erfolg der I.Abteilung war mit blutigen Opfern erkämpft worden. Leutnant d.R.Wolfrum von der 1.Schwadron und
Oberleutnant Kellerhoff von der 3.Schwadron gaben im Verlaufe des Kampfes bei Laczna ihr Leben für das Vaterland hin. Weiter ging indessen
die Vorwärtsbewegung des Regiments. Den Schützen bot sich hier ein Bild grausamer Vernichtung. Rechts der Vormarschstrasse stand auf der
Bahnlinie zwischen Godz und Suchedniow ein polnischer Eisenbahnzug hinter dem anderen. Hier hatte die deutsche Luftwaffe vollkommene Arbeit
geleistet und durch Bombentreffer in einen Munitionszug furchtbare Verheerungen angerichtet. Was nicht durch die bomben selbst vernichtet
worden war, war ein Opfer der explodierenden Granaten und der dadurch entstandenen Brände geworden. Nur ausgebrannte Eisenteile waren vom Zuge
übrig geblieben. Dahinter aber standen andere Eisenbahnzüge, die mehr oder minder schwer beschädigt waren. Alle aber hatten dank der
Treffsicherheit der deutschen Stukas ihr Ziel Radom nicht erreichen können, da durch die Vernichtung des Munitionszuges der Eisenbahnverkehr
wegen Gleisvernichtung unterbunden und gesperrt worden war. Soweit die Waggons von den zurückgehenden Polen vor ihrem Rückzuge nicht ausgeplündert
worden waren, fiel ihr reicher Inhalt in deutsche Hand.
Nach einem bereits in den Mittagsstunden erlassenen Divisionsbefehle hatte die Division den Auftrag bekommen, nach Erreichen von Suchedniow weiter
nach Norden vorzustossen und zwar mit dem Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 längs der Radomer Chaussee auf Skarzysko-Kamionna. Da die Truppen aber
erst neu geordnet werden mussten und der kurzen Erholung nach den anstrengenden Waldgefechten bedurften, zudem die Nacht vor der Tür stand und der
befohlene Vorstoss weiter durch die riesigen, unübersichtlichen Waldungen der Lysa Gora geführt haben würde, die stets die Gefahr flankierender
Angriffe in sich trugen, unterblieb ein weiteres Vorgehen des Regimentes. Die schmerzlichen Ereignisse des kommenden Tages sollten zeigen, dass es
sehr gut gewesen war, dass die Truppen in der Dunkelheit nicht weiter vorwärts gefahren waren, denn sie wären bei Barak in eine gestellte Falle
gelaufen. Das Regiment ging nun mit Genehmigung der Division um Suchedniow zur Ruhe über. Mit feindlichen Nachtangriffen war zu rechnen.
Deshalb sicherte die 7.Schwadron mit den ihr zugeteilten Einheiten den Ostrand, die 5.Schwadron den Westrand der Höhe 307 westlich Suchedniow nach
Norden und Nordosten. Die 6.Schwadron und der Pionierzug biwakierten südlich Zapady Suchedniow, wo sich auch der Abteilungsgefechtsstand befand.
Die I.Abteilung bezog in Suchedniow und vor der Marschstrasse nach Norden und Nordosten Schutzstellung. Die Artilleriebatterien blieben nachts in
Feuerbereitschaft und wurden durch verstärkte Geschützbedienungen besetzt. Es muss anerkannt werden, dass es der Gegner verstanden hatte, sich in
sehr geschickter Weise der Verfolgung zu entziehen, nachdem er lange Zeit den überaus zähen Widerstand geleistet hatte. Der Pole war ein Meister
im Loslösen vom Gegner. Das hatte er bei Laczna unter Beweis gestellt. So fiel auch nur eine geringe Anzahl polnischer Soldaten in Gefangenschaft
des Regimentes. Der Munitionsverbrauch hatte allein bei der nur knappe 2 Stunden im Gefecht gestandenen II.Abteilung über 28 000 Schuss
Infanteriepatronen, 35 Handgranaten, etwa 30 Infanteriegeschützgranaten betragen, was Zeugnis von der Härte des Kampfes gibt.
Eine besondere Auszeichnung wurde dem Unteroffizier Frankenberger der 1.Schwadron des Regiments zuteil, der durch kühnen und tatkräftigen Einsatz
eine bereits von den Polen in Brand gesteckte Zündschnur unter einer Strassenbrücke herausriss und so die Detonation der unter der Brücke bei Leczna
angebrachten Sprengladung verhinderte. Eine Zerstörung des Uebergangs hätte den Vormarsch der Division längere Zeit aufgehalten.
Durch besonderen Tagesbefehl der Division vom heutigen Tage sprach Generalleutnant Stumme dem Unteroffizier Frankenberger für diese mutige Tat seine
besondere Anerkennung aus. Die blutigen Verluste des Regiments am Tage von Laczna waren nicht unerheblich: Leutn.d.R.Wolfrum von der 1.Schwadron und
Oberleutn.Kellerhoff von der 3.Schwadron fielen für das Vaterland und ihren Führer, während der Schwadronschef der 2.Schwadron, Rittmeister v.Vonberg
und sein Zugführer Ltn.Schröder verwundet wurden. 6 tapfere Unteroffiziere und 28 brave Schützen erlitten den Heldentod, 5 weitere Unteroffiziere und
23 Schützen wurden verwundet.
Der 7.September war ein Ehrentag für das Kavallerieschützen-Regiment gewesen. General der Infanterie Hoth, der Kommandierende General des XV.Armeekorps,
sprach dem Regiment für den schneidig durchgeführten Angriff seine besondere Anerkennung aus, der sich Generalleutnant Stumme als Kommandeur der
2.leichten Division in dem am Abend des 7.September ergehenden Divisionsbefehl voll anschloss. Mit Stolz blickten die Schützen auf das Gefecht von
Laczna und gedachten ihrer teuren gefallenen Kameraden, die durch ihr persönliches Opfer den Sieg erringen halfen.
8.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Der 8. September sollte ein Tag werden, an den alle Schützen später mit Stolz und Ehrfurcht zurückblicken. An diesem Tage zeigte das Regiment, vor allem
die II.Abteilung unter Oberstleutnant Junck, dass die systematische Kleinarbeit der Friedensausbildung auch in gefährlichen Lagen und gegen einen weit
überlegenen Gegner und unter den ungünstigsten Geländeverhältnissen sich bewährte und dass der Geist der Truppe allein die grössten Hemmnisse beiseite
räumte, um den Sieg zu erringen, selbst wenn dies nur unter erheblichen blutigen Opfern möglich war. In dem noch am Abend des 7.September ergangenen
Vorbefehl der 2.leichten Division war zum Ausdruck gekommen, dass die Division am 8.September die Linie Parszow – Bzinek auf der Strasse Skarzysko- Kosziene
– Mirzec nach Norden durchstossen sollte, um von dort in nordostwärtiger Richtung über Ilza vorgehend die Nordostausgänge des Lysa Gora – Waldes zu erreichen,
den nordostwärts unaufhörlich gegen die Weichsel weichenden Feind zu verfolgen und möglichst noch grosse Teile jenseits der Weichsel zu fassen.
Zu diesem gross angelegten Vorgehen sollte es aber am 8.September nicht kommen. Der Pole stemmte sich dem weiteren Vorgehen mit einer unerwarteten
Kraftentfaltung entgegen. So wurde der 8.September ein Kampftag, der wohl als der blutigste und erbittertste des Regiments während des Feldzugs in Polen zu
betrachten ist.
Nach dem kurz nach Mitternacht ergangenen ergänzenden Angriffsbefehl der Division sollte das gesamte XV.Armeekorps unverzüglich den Angriff fortsetzen, um den
zur Weichsel weichenden Gegner an der Klinge zu halten und zur Linie Zwoleń – Radom vorzustossen. Der Angriff war von allen Divisionen des Korps Hoth zu führen,
der 29.motorisierten Infanteriedivision rechts, der 3.leichten Division in der Mitte und der 2.leichten Division links.
Der 2.leichten Division fiel also die Aufgabe zu, um 7 Uhr von Suchedniow antretend den Angriff beiderseits der grossen Strasse über Skarzysko-Koscielne und
Skarzysko-Ksionenze gegen Radom vorzutragen und die Ausgänge aus der breiten Waldzone zu erkämpfen. Bei den Gefechtshandlungen kam es darauf an, möglichst
schnell nach Norden durchzubrechen, um möglichst starke feindliche Kräfte noch auf dem Westufer der Weichsel abzufangen. In früher Morgenstunde kurz vor
onnenaufgang fand beim Regimentsstab mündliche Befehlsausgabe statt.
Der Kampfgruppe Oberst Fürst war folgender Auftrag zugeteilt: Die Kampfgruppe, bestehend aus dem Regiment, der I./Art.Rgt.78 ohne die 2.Batterie, der schweren
Artillerie–Abteilung 634 ohne eine Batterie, einer leichten und einer schweren Batterie der Flakartillerie, der 2./Panzerabwehr-Abteilung 42 und der
1./Pionier – Bataillon 58, geht von Suchedniow beiderseits der Strasse über Bzin auf Skarzysko-Ksionence vor. Jeder sich entgegenstellende Feindwiderstand ist
durch rechtzeitiges Umgehen und stark zusammengefasstes Artilleriefeuer zu brechen. Das Regiment hat zugleich in seiner linken Flanke im Wald aufzuklären,
insbesondere längs der Strasse Rejow – Schacht Piotr – Zbrojow südlich der Kamienna westlich Blizin. Das Aufklärungsregiment mit der unterstellten 2./Art.Rgt.78
und einer Flakbatterie blieb als linke Seitendeckung der Division zunächst in der Gegend um Samsonow.
Zur Ausführung des Befehls setzte das Regiment rechts die Kampfgruppe des Oberstleutnant Reim, links die Kampfgruppe des Oberstleutnants Junck an. Beide Gruppen
hatten je eine Abteilung Artillerie, eine Kompagnie Pioniere und einen Zug Panzerabwehr zugeteilt bekommen und sollten um 7 Uhr morgens den Nordrand von
Suchedniow – Höhe 307 überschreiten.
Betrachten wir zunächst die Ereignisse bei der Kampfgruppe Junck, die die Hauptlast des heutigen Tages zu tragen hatte. Der Auftrag für Oberstleutnant Junck und
seine II.Abteilung lautete: Durchschreiten des Waldgeländes nördlich Suchedniow und Gewinnen der Höhe bei Bzinek und der Bahnübergänge aus dem Bergbaugebiet der
Lysa Gora. Sodann sollte der weitere Vormarsch nach Norden, aus der Linie Höhe 346 – Pogorza auf das erste Angriffsziel, das langgestreckte Strassendorf
Skarzysko-Ksionence, vorgetragen werden. Gegen den nach den Erfahrungen der Vortage mit Sicherheit zu erwartenden Feindwiderstandes mussten die Kampfhandlungen
zu Fuss durchgeführt werden.
In einer um 6,15 Uhr stattfindenden Befehlsausgabe wurden die Einheitsführer durch ihren Abteilungskommandeur mit ihren Aufgaben bekannt gemacht und besondere
Anweisungen für den Vormarsch gegeben. Allgemein glaubte man, bereits am Kamiennaabschnitt auf starken feindlichen Widerstand zu stossen. Das Vorgehen war in
folgender Reihenfolge vorgesehen: 7.Schwadron als Vorhut, Gefechtsstab der II.Abteilung, 1.Staffel, 6.Schwadron, Pioniere des Pionierbataillons 58.
Die 5.Schwadron, die weiter rückwärts gleichfalls zu Fuss folgen sollte, war bereits angetreten, so dass sie in der eingeleiteten Bewegung gelassen wurde.
Kurz vor dem Antreten lief bei Oberst Fürst von einem auf der Hauptstrasse von Suchedniow auf Bzinek vorgestossenen Panzerspähtrupp die Meldung ein, dass das
Gelände bis Skarzysko-Ksionence vom Feinde frei war und der Gegner den Kamiennaabschnitt nicht verteidige. Bis zu dem vorgenannten Dorfe etwa 8 km nördlich der
Kamienna war somit eine Gegenwehr des Feindes nicht zu erwarten, so dass Erleichterungen für die Vormarschbewegung erwogen werden konnten. Zur Beschleunigung
des Vorgehens und zur Schonung der Kräfte der Schützen entschloss sich deshalb Oberst Fürst im letzten Augenblick, unter Abänderung der bisher erlassenen Befehle
und Anweisungen, den Vormarsch auf Fahrzeugen antreten zu lassen. Er gab die hierfür notwendigen Anordnungen. Der Beginn des Vorgehens verzögerte sich hierdurch
noch einige Zeit über den befohlenen Antrittszeitpunkt hinaus. Dies war aber ohne Bedeutung, da ohnehin durch die Fahrzeugbenutzung die verlorene Zeit bald
aufgeholt war. Kurz nach 7 Uhr fuhren die Fahrzeuge an. Ohne besondere Ereignisse und ohne Feindberührung zog die lange Kolonne durch schönen Laubwald des
Lysa Gora – Berglandes in annähernd nördlicher Richtung. Eine Vorausabteilung des Regiments fand die Brücke über den Kamiennafluss bei Bzinek unversehrt,
nahm sie in Besitz und sicherte sie und den Flussübergang des Regiments. Die in der Nähe liegende polnische Munitionsfabrik Skarzysko-Kamienna war nur noch
Trümmerhaufen. Sie war vor einigen Tagen bereits bei einem Angriff deutscher Bombenflugzeuge am 2.September in die Luft geflogen. Als Vorhut hatte die 7.Schwadron
unter Oberleutnant Hoffmann die Spitze. Da es bisher kaum vorgekommen war, dass der Pole beim Rückzug eine Brücke unversehrt hinterlassen hatte, glaubte die
Spitzenschwadron, dass der Pole nur eine Falle gestellt habe, dass nach dem Durchfahren des Dorfes Rejow von den Fahrzeugen ab, durchstreifte den Bachgrund
beiderseits der Strasse, schwärmte gegen Bzinek und nach Osten aus, stiess aber dabei nirgends auf Spuren von Feinden. Nachdem die vorausgesandte Spitze der
7.Schwadron auch im Gelände bis zum Nordrand des Dorfes Skarzysko-Ksionence keinen Feind angetroffen und damit die bereits früher eingegangenen gleichlautenden
Meldungen der Panzerspähtrupps ihre Bestätigung gefunden hatten, setzte das Regiment, voran die II.Abteilung, auf Fahrzeugen die Weiterfahrt in dem langsam
ansteigenden Gelände nordwärts fort. Da die ausgeschwärmten Sicherungen der 7.Schwadron noch vorübergehend eingesetzt blieben und zu ihrer Sammlung eine gewisse
Zeit benötigten, wurde nunmehr die 6.Schwadron unter Rittmeister Franke an die Spitze der Marschgruppe gesetzt. Rittmeister Franke hatte Befehl, den Nordrand
des Dorfes Skarzysko-Ksionence zu erreichen, dort zu halten und eine Sicherungsstellung für das befohlene Abdrehen des Regiments bei Skarzysko-Ksionenze
einzunehmen. Die Absicht war, dass hier das Regiment eine ostwärtige Richtung auf Mirzec mit dem weitgesteckten Ziele Ilza einschlug. Rittmeister Franke bestieg
in seinem bekannten sportlichen Draufgängergeist an der Spitze der Vorhut einen dort befindlichen Strassenpanzerwagen und fuhr im schnellen Tempo seiner Schwadron
voraus nordwärts. Bei der Schnelligkeit dieser Vorfahrt und vielleicht auch wegen der beschränkten Sicht in dem Strassenpanzerwagen übersah er anscheinend die
Wegabzweigung nach Mirzec im Dorfe Skarzysko-Ksionence, brauste in voller Fahrt aus dem Nordausgang des genannten Ortes und drang 3 km über die ihm bezeichnete
Stelle in nördlicher Richtung hinaus in den südlich Barak befindlichen Wald ein. Ihm folgten dichtauf die ganze II.Abteilung, die immer der Spitze nachfuhr im
Glauben, noch auf dem richtigen Wege zu sein, und die unterstellten Trupps anderer Einheiten. Das Verhängnis nahte schnell. Im Nordteil des Waldes südlich des
schon erwähnten Dorfes Barak zwischen der Ortschaft und dem bereits durchfahrenen Chausseehaus erhielt die Spitze der 6.Schwadron aus nördlicher Richtung von
einer kleinen Anhöhe bei Barak schwaches Gewehrfeuer. Die 6.Schwadron stellte daraufhin sofort die Weiterfahrt auf den Fahrzeugen ein, da Rittmeister Franke sich
zunächst über Lage und Stärke des Gegners informieren wollte. Da es sich nur um geringe feindliche Feuertätigkeit handelte, lag keine Gefahr vor und Rittmeister
Franke war bereits bereit, mit den Fahrzeugen die Fahrt fortzusetzen, um so den Gegner zu überrennen. Ehe es noch dazu kam, ehe die Fahrzeuge bestiegen wurden,
erhielt die Schwadron plötzlich aus der westlichen Flanke aus dem dichten Laubwald stärkeres Infanteriefeuer, das von Versprengten herzurühren schien.
Es blieb der 6.Schwadron nun nichts weiter übrig, als das Feuer aufzunehmen, um den Gegner in der Flanke nieder zu kämpfen. Während die Schützen der 6.Schwadron
ihre Fahrzeuge verliessen und nach 2 Seiten Stellung einnahmen und auf den unsichtbaren Gegner schossen, wurde auf den Befehl des nach vorn gefahrenen
Regimentskommandeurs, Oberst Fürst, unter dem Schutze des immer mehr auflebenden Gewehr- und Maschinengewehrfeuers der 6.Schwadron der Grossteil der auf der
Strasse hintereinander aufgefahrenen II.Abteilung und die hinter ihr stehende I.Abteilung südwärts zurückgenommen. Der Anfang der vorderen Schwadron, die
7.Schwadron unter Oberleutn.Hoffmann, nahm auf Anweisung des Kommandeurs am Waldrand hart südlich des Dorfes Skarzysko-Ksionence Aufstellung, bis die Lage
unmittelbar südlich Barak bei der 6.Schwadron geklärt war und der Weitermarsch angetreten werden konnte.
Mit der Weiterfahrt der II.Abteilung sollte es aber noch eine gute Weile haben. Während die Schwadronen des Regiments mehrere Kilometer zurückgefahren waren,
um aus der der unmittelbaren Gefechtszone zu kommen, stellte sich die 6.Schwadron, die durch einen Kavallerieschützenzug, einen Pakzug und eine schwere
Granatwerfergruppe der 8.Schwadron verstärkt war, dem anscheinend starken polnischen Gegner zum Kampfe. Die Schwadron liess die Fahrzeuge an der Strasse stehen,
die zudem unter immer stärker werdendem feindlichen Feuer gehalten wurde, nahm Hauptfront nach Norden ein, sicherte aber auch mit kleineren Teilen der
Schwadron nach Osten und nach Westen. Der 2.Zug wurde rechts der Strasse angesetzt und nahm im Felde auf einzelne zurückgehende polnische Soldaten das Feuer auf.
Der sich im Wald zeigende Gegner wurde vertrieben, in der östlichen Flanke war der Gegner schnell niedergekämpft, wie es wenigstens den Anschein hatte, und bald
trat eine Beruhigung im Waldgelände südlich Barak ein, die etwa eine Stunde dauerte und die trügerische Ansicht bei der 6.Schwadron und ihrem Führer aufkommen
liess, dass sich hier der Gegner vollkommen zurückgezogen hatte.
Während also die 6.Schwadron als neue Nachhutschwadron sich auf Befehl von Oberst Fürst und auf Anweisung von Oberstleutnant Junck zum Nachhutgefecht gegliedert
und den Feind anscheinend zurückgeschlagen hatte, so dass Gefahren für das Gros des Regiments südlich Skarzysko-Ksionence nicht bestanden, erschien
Generalleutnant Stumme am Waldrande bei dem eben genannten Dorfe und suchte Oberst Fürst in seinem dort eingerichteten Gefechtsstand auf. Nach Besprechung des
Vorfalles und nach Darlegung der Absichten der Division für den heutigen Tag gab Generalleutnant Stumme in Abänderung des bisher vorliegenden Divisionsbefehls
Oberst Fürst die Anweisung, durch eine vorgeschobene Abteilung des Regiments das Dorf Szydlowiec zu nehmen, ohne es jedoch auf einen ernsteren Kampf ankommen
zu lassen. Mit der Ausführung dieses Befehls wurde Oberstleutnant Junck mit seiner II.Abteilung beauftragt. Oberstleutnant Junck befahl daraufhin der 7.Schwadron
erneut den Vormarsch in nördlicher Richtung, um zunächst den Anschluss an die vorn kämpfende 6.Schwadron wieder herzustellen und dann vereint mit ihr nordwärts
durch das Waldgebiet durchzudrücken. Kurz darauf setzte sich die 7.Schwadron in Bewegung. Als sie sich mit ihren Fahrzeugen bei der Vorfahrt mit der Spitze in
der Mitte der völlig offenen Sumpfniederung etwa 1,5 km nördlich Skarzysko-Ksionence befand, erhielt sie plötzlich ganz überraschend von dem nördlich gelegenen
Südrand des Baraker Waldes heftiges Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Im Nu waren die Schützen von ihren Fahrzeugen, nahmen Strassengräben notdürftig Deckung
und suchten dem Feind, der am Waldrande überaus starke Kräfte zeigte, beizukommen. Ein weiteres Vorkommen war zunächst ausgeschlossen, da das Feuer des Feindes
aus dem Walde, in dem die II.Abteilung ihre 6.Schwadron zurückgelassen hatte und die sie auch dort noch jetzt vermutete, sich immer mehr zu verstärken schien.
Eine bange Frage tauchte auf, die vorerst nicht zu beantworten war: Was war aus der 6.Schwadron geworden? Diese Frage beschäftigte den Führer der 7.Schwadron
und seine Männer. Die gestellte Frage war aber zweifellos nicht zu beantworten, da jegliche Verbindung mit der 6.Schwadron verloren gegangen war.
Dass aber noch gewissen Hoffnungen bestanden, die die Gewissheit verstärkten, dass die Schwadron des Rittmeisters Franke noch irgendwo tätig war und sich
jedenfalls trotz ihrer wahrscheinlichen Einschliessung energisch zur Wehr gesetzt hatte, gründete sich auf den Gefechtslärm, der klar vernehmbar aus dem Walde
weiter nördlich mehrfach an die Ohren der Schützen der 7.Schwadron herüberklang.
Die 7.Schwadron war unterdessen dem feindlichen Feuer immer mehr ausgesetzt worden, da der Gegner sich teilweise in sehr geschickter, völlig getarnter Weise
auf den Bäumen des Waldes eingenistet hatte und überrascht auf die sich in den flachen Strassengräben deckenden Schützen feuerte. Um dem Gegner ein geringeres
Ziel zu bieten und zugleich eine Ausgangsstellung für das spätere eigene Vorgehen zu schaffen, zog sich die Kompanie längs der Strasse und seitwärts mehr
auseinander und nahm, soweit es die Geländeverhältnisse zuliessen, Kampfstellung nach Norden ein. Die der Schwadron zugeteilten schweren Waffen, darunter
ein Zug Kavallerieschützen und Granatwerfer, wurden etwas weiter rückwärts in Stellung gebracht. Da sich der polnische Widerstand immer mehr zu versteifen
schien, ja sogar Zeichen erkennbar waren, die auf einen Angriff des Gegners in südlicher Richtung deuteten, gingen die Batterien der I.Abteilung des
Artillerie–Regiments 78 im Raume Milica – Bzin in Feuerstellung und schoben ihre Beobachtungsstellen und die Artillerieverbindungskommandos an den Waldrand
unmittelbar nordwestlich des Dorfes Skarzysko-Ksionence vor. Aussicht, die Vorwärtsbewegung bald wieder in Gang zu bringen und schnell nordwärts Boden zu
gewinnen, war nach Lage der Verhältnisse kaum vorhanden. So sprach denn nun auch die Artillerie ein gewichtiges Wort im Gefecht südlich Barak.
Bald rauschten die ersten leichten Feldhaubitzgranaten hinüber zum Feind. Die Eigenart der Kampffront und die ungekärten Verhältnisse im Waldgebiet südlich
Barak stellten die Artillerie vor schwierige schiesstechnische Fragen, die aber von Major Günther und seinen 2 Batterien mit Geschick gemeistert wurden.
Das Schiessen musste nämlich sehr vorsichtig geschehen, da jenseits der Feindlinie am südlichen Waldrand sich noch irgendwo im Walde die 6.Schwadron befand,
die durch das eigene Artilleriefeuer nicht gefährdet werden durfte. Es konnte also das Feuer zwischen den beiden eigenen Linien nur dahin verlegt werden,
wo es einwandfrei zu beobachten war. Trotz dieser Einschränkung brachte das Artilleriefeuer der II.Abteilung des Kavallerieschützen–Regiments 6 eine gewisse
Erleichterung, da die gut liegenden Haubitzgranaten am Waldrande die polnischen Baumschützen von den luftigen Sitzen vertrieben, so dass ihr Feuer mehr und
mehr erlahmte und schliesslich bald ganz verstummte. Den Gegner jedoch so nieder zu halten, dass der eigene Angriff siegreich vorgetragen werden konnte,
dazu reichte die Wirkung der Batterien der I./Art.Rgt.78 nicht aus. Dennoch aber leistete die Schwesterwaffe den Schützen jede denkbare Unterstützung.
So wurde gegen 11,30 Uhr eine feuernde polnische Batterie in einem Waldabschnitt 2 km westlich der Hauptstrasse erkannt und sofort von der I./Art.Rgt.78
erfolgreich bekämpft. Die polnische Geschützbedienung räumten im Feuer der einschlagenden Granaten ihre Feuerstellung und zogen sich fluchtartig in den
sie der deutschen Sicht entziehenden Wald zurück. Ein Geschütz und zwei Protzen blieben schwer getroffen liegen. Obwohl das Feuergefecht zwischen den
polnischen Dörfern Barak und Skarzysko-Ksionence schon stundenlang anhielt, hatte es noch keine Änderung der Lage gebracht. Der Gegner schoss besonders
mit sehr vorteilhaft und wirksam aufgestellten Maschinengewehren und einigen Paks, ohne dass deren genaue Stellung erkannt worden wäre. Eine Niederkämpfung
dieser unangenehmen schweren feindlichen Infanteriewaffen war unseren Schützen ebenso wenig gelungen wie der ihr zugeteilten Artillerie. Der Feind hatte
es besonders auch auf die von der 7.Schwadron auf der Strasse zurückgelassenen Fahrzeuge abgesehen. Ein Kraftfahrzeug der Schwadron wurde von einer polnischen
Pak in Brand geschossen, andere mehr oder weniger schwer durch Schüsse beschädigt. Auch um die Mittagszeit befand sich zweifelsfrei der Feind gegenüber den
angreifenden Kavallerieschützen noch im Vorteil. Da die 7.Schwadron trotz mehrfacher Versuche ihres energischen und tapferen Schwadronchefs nicht weiter
vorwärts kam und ihr Angriff im Sumpfgelände nördlich Skarzysko-Ksionence steckengeblieben war, weil jeder Versuch eines Vorwärtsstürmens in dem deckungslosen
Gelände vom Waldrande her vom Feinde durch starkes Abwehrfeuer niedergehalten wurde, warf Oberstleutnant Junck je einen Zug der 5.Schwadron rechts und links
weit von der Strasse abgesetzt als Flügelverlängerung der 7.Schwadron in den Kampf. Aber der Versuch von hier aus den Waldrand vom Feinde zu säubern und den
sich zäh verteidigenden Gegner zu vertreiben, misslang wie alle bisherigen eigenen Angriffe am heutigem Tage, da die beiden Züge in ausserordentlich
unangenehmes Einzelfeuer polnischer Scharfschützen gerieten und Mühe hatten, sich überhaupt zu behaupten. Der Einsatz der 5.Schwadron war dergestalt erfolgt,
dass der 2.Zug mit 1/2 SMG-Zug rechts, der 3.Zug links der Strasse sich vorzuarbeiten versuchten, während der 1.Zug als Regimentsreserve zurückgehalten wurde.
Der rechte Zug der Schwadron erreichte zwar in kühnen Einzelvorstössen sprungweise das Sumpfgelände bis zum Wassergraben, blieb dann aber infolge des
verheerenden von rechts flankierenden polnischen Maschinengewehrfeuers in der fast deckungslosen Wiesen- und Sumpfland liegen. Bei diesem Vorgehen im
mörderischen gegnerischen Feuer erlitt Leutnant d.R.Bähring aus Rudolstadt als Zugführer der 5.Schwadron unmittelbar nördlich des Dorfes Skarzysko-Ksionence
den Heldentod für Führer und Vaterland. So gelang es den am Waldrand sehr gut getarnt und äusserst geschickt eingenisteten und sich zäh verteidigenden Polen
mit starken Kräften den Angriff der 7. und 5.Schwadron über das allerdings vollkommen deckungsloses Gelände nördlich des Dorfes Skarzysko-Ksionenze bis
gegen 14 Uhr aufzuhalten und damit den Vormarsch der gesamten Division zum Stehen zu bringen. Wie durch Gefangene später festgestellt wurde, war beiderseits
der Strasse südlich Barak und bei Barak eine feindliche Streitkraft von 3 Infanterie – Regimentern mit insgesamt fast 9 000 Mann angesetzt, um ein weiteres
Vordringen der deutschen Truppen gegen die wichtige Rüstungsstadt Radom zu verhindern. Bei einer derartigen Übermacht des Gegners war es erklärlich, dass
der Angriff des Kavallerieschützen–Regiments Nr.6, das nur über einen kleinen Bruchteil der polnischen Streitmacht verfügte, festlaufen musste und sich ein
Kampf entspann, wie ihn das Regiment bisher noch nicht erlebt hatte. Als ein glücklicher Umstand war es aber trotz alledem anzusehen, dass der Gegner in
dem unwegsamen, dichten Waldgelände seine zahlenmässige Überlegenheit nicht zweckentsprechend einsetzen konnte. Eine weitere Verzögerung des Vorgehens der
Division war nicht vertretbar. Oberst Fürst entschloss sich daher zum Angriff mit stärkeren Kräften und traf Anordnungen zum Einsatz der bisher nicht
eingesetzten Teile seines Regiments und der ihm unterstellten Truppen. Da nach den Feststellungen im Kampfe der Feind anscheinend westlich der grossen
Strasse am schwächsten zu sein schien, gab Oberst Fürst in den ersten Nachmittagsstunden der I.Abteilung des Oberstleutnants Reim den Auftrag, unverzüglich
mit der 3. und 2.Schwadron links der Strasse westlich ausholend den Wald westlich der grossen Strasse bis zum nördlichen Waldrand bei Barak durchzukämmen.
Es wurden gegen 14,15 Uhr angesetzt, die 3.Schwadron rechts und die 2.Schwadron links. Die 1.Schwadron sollte zunächst in Regimentsreserve für
unvorhergesehene Fälle verbleiben. Zugleich forderte Oberst Fürst mit Genehmigung des Divisionskommandeurs gegen 13 Uhr von der Panzer-Abteilung 66 eine
Panzerkompagnie zur Brechung des Feindwiderstandes im Walde längs der grossen Strasse an, um durch Vorgehen auf dieser Strasse den steckengebliebenen Angriff
des Regiments wieder vorwärts zu reissen. Die gegen 15 Uhr anrollenden Panzer der 2./Pz.Abt.66 sollten etwa 3 km nördlich Skarzysko-Ksionenze den Südrand
des Waldes abfahren, um die Widerstandsnester auszuheben, die Baumschützen der Polen zu vertreiben und so das Vorgehen der Schützen zu erleichtern.
Wegen des sumpfigen Geländes erwies sich dies aber nicht als durchführbar und so wurden die Panzer zum frontalen Vorgehen auf der Strasse gegen Barak
angesetzt. Da der Widerstand des Gegners nach Einsatz der Panzerkompagnie wohl schwächer geworden aber keineswegs gebrochen war, machte sich der Einsatz
weiterer Teile der Panzerabteilung 66 notwendig. Die Panzer hielten einen grossen Teil des Gegners nieder oder zogen wenigstens die Aufmerksamkeit des Gegners
auf sich, so dass das Feuer der polnischen Schützen auf die Linie der Kavallerieschützen langsam nach liess. Die Truppe nutzte die günstige Gelegenheit aus,
um erfolgreich vorwärts zu stossen und es gelang ihr bald, in den Südteil des Waldes südlich Barak einzudringen. Hier entbrannten nun ganz erbitterte Wald-
und Nahkämpfe.
Auch die II.Abteilung unter Oberstleutnant Junck, der selbst mit in vorderster Linie vorging, schob sich, nachdem der härteste Widerstand am Waldrande gebrochen
worden war, unter ständigem Gefecht nach beiden Seiten und nach vorn längs der grossen Strasse langsam nordwärts. Der linke Flügel der II.Abteilung unter dem
Befehl des Leutnants d.R.Schlüter blieb jedoch infolge eines falsch verstandenen Befehls westlich der Strasse kurz nach dem Eindringen in den Südteil des Waldes
liegen, so dass die II.Abteilung ostwärts der Strasse, wo auch Oberstleutnant Junck mit seinem Ordonnanzoffizier Oberleutnant Dietrich bei der 5.Schwadron unter
Oberleutnant Driver mit den Resten der 7.Schwadron vorging, den Anschluss nach links verlor. Auf diese Weise entstand westlich der Strasse eine Lücke zur
I.Abteilung des Oberstleutnants Reim, die grosse Gefahren in sich trug. Mit bisher nicht gekannter Zähigkeit leistete der Pole hinter Bäumen und Bodenmulden
Schutz suchend, im Walde weiteren Widerstand, so dass die Schützen nur schrittweise weiter vorwärts kamen und sich systematisch von Baum zu Baum vorarbeiten
mussten. Die Befehlsübermittlung in den unübersichtlichen Waldgelände, in dem die Zugführer ihre Züge nicht übersehen konnten, noch viel weniger ein
Schwadronsführer seine tapferen Männer fest in der Hand hielt, war naturgemäss besonders schwierig. Bei der Überbringung eines Befehls an Oberleutnant Hofmann,
den Chef der 7.Schwadron, wurde der Abteilungsadjutant Oberleutnant Schlitte schwer verwundet. Kurze Zeit darauf traf auch den Schwadronsführer Oberleutnant
Hoffmann selbst eine Kugel und verwundete ihn leicht. Die 2./PanzerAbt. 66 war indessen befehlsgemäss in schneidiger Fahrt auf der Strasse durch den Wald
gefahren und hatte den Nordrand des Waldes nach glücklichem Durchstoss unmittelbar südlich Barak erreicht, obwohl sie durch das Feuer eines unerkannt
aufgestellten Pakgeschützes Verluste erlitten hatte. Die Besatzungen der Panzerkraftwagen hatten von der 6.Schwadron bis vor Barak nichts entdeckt und
waren, da ihr Gefechtsauftrag erfüllt war, im Begriff wieder nach Skarzysko-Ksionence zurückzufahren.
Da die II.Abteilung des Kavallerieschützen – Regiments Nr. 6 durch den Kampf schwer gelitten hatte, über den Verbleib der 6.Schwadron noch nichts bekannt war
und die Gefechtsstärke der um den Abteilungskommandeur gesammelten Schützen nur noch 3 Offiziere und 40 Unteroffiziere und Schützen betrug, sollte auf
Anordnung von Oberstleutnant Junck zunächst noch ein Zug der Panzerabteilung zum Schutz der schwachen Reste der in geschlossener Kampffront eingesetzten
Kampfgruppe Junck bei dieser bleiben. Mit dem Zuge Panzerkraftwagen als Rückhalt glaubte die II.Abteilung den Nordrand des Waldes ohne grösseren Widerstand
erreichen zu können. Bei der Ausführung dieses Vorhabens wurde sie aber plötzlich etwa 200 m südlich des nördlichen Waldrandes inmitten des dichten
Baumgestänges aus der linken Flanke, wo der Flügel der II.Abteilung mit der I.Abteilung noch sehr weit zurückhing, angegriffen. Wie schon erwähnt, war dort
westlich der Chaussee kein Anschluss mit der eigenen Truppe, da der Zug Schlüter nicht mit in gleicher Höhe vorgegangen war. In diesem Waldstück hatte sich
nun ein zahlenmässig stark überlegener Gegner festgesetzt, der angriffsweise vorging und die Schützen der II.Abteilung arg bedrängte. Die Reste der Abteilung
gerieten in Gefahr rückwärts umgangen und abgeschnitten zu werden. Auf Anordnung des Oberstleutnants Junck zogen sich die Schützen, die in Gefahr gerieten
vollkommen aufgerieben zu werden, etwa 300m zurück und setzten sich hier zur Sammlung in günstiger Stellung fest, um den Gegner dagegen anrennen zu lassen.
Bei diesem Kampf erlitt der Ordonnanzoffizier der II.Abteilung, Oberleutnant Dietrich, in unmittelbarer Nähe seines Kommandeurs den Heldentod für das
Vaterland. Als Oberstleutnant Junck nun den Zug Panzer, der der Abteilung als Rückhalt dienen sollte, einsetzen wollte, stellte sich heraus, dass dieser Zug
infolge irriger Auslegung des ihm zuteil gewordenen Befehls gleichfalls nach Süden zurückgefahren war. Der Zugführer der Panzer hörte jedoch den plötzlich
auflebenden Gefechtslärm, machte aus eigenem Entschluss Kehrt, drang ebenfalls nordwärts vor, fasste den gerade über die Strasse vorgehenden Sturm der
polnischen Infanteristen in der Flanke und brachte so den Schützen die erwünschte Erleichterung. Die Panzer hatten bei dem freien Schussfeld längs der
Strasse sehr gute Ziele und mähten einen grossen Teil der aus dem Walde herauskommenden Polen nieder. Die Kavallerieschützen konnten nun Atem schöpfen,
drangen dann nordwärts vor und besetzten nun den Nordrand des heiss umkämpften Waldgebietes südlich Barak. Ostwärts der Strasse bildeten die völlig
durcheinandergekommenen Teile der II.Abteilung am Waldrande einen Igel unter starker Rückwärtsbiegung der eigenen schwachen rechten Flanke. In der linken
Flanke übernahmen die Panzer den Schutz, da in diesem Waldgebiet sowohl rechts wie auch links immer noch Schüsse zu hören waren und mit der I.Abteilung
keinerlei Verbindung bestand. Zweifelsfrei befanden sich auch jetzt noch grössere Teile des Feindes im Hochwalde und setzten das Gefecht fort.
Hier und da tauchten auch polnische Infanteristen vor der Gefechtsstellung der II.Abteilung auf und wurden bekämpft, so dass sich hier das Gefecht bis
gegen 17 Uhr hinzog.
Auch die I.Abteilung hatte bei ihrem Vorgehen gegen den Nordrand des Waldes schwere Kämpfe zu bestehen gehabt, wenn auch hier der Feind nicht mehr die
erdrückende Übermacht besass wie weiter rechts bei der II.Abteilung. Bis etwa 800 m südlich der nördlichen Waldgrenze war der Widerstand leicht überwunden
worden. Dann aber trafen die 3. und 2.Schwadron auf einen starken Gegner, der sich zäh wehrte. In dem unübersichtlichen Gelände ging die Führung mehr oder
weniger verloren, weil die Verbindungen der beiden Kompanien untereinander abrissen und zum Unglück auch die Tornisterfunkgeräte versagten.
Erbitterte Waldkämpfe, die sich oft in Einzel- und Nahkämpfe auflösten, entbrannten. Die 3.Schwadron wurde zurückgedrängt. Die wichtigen Funkgeräte und
anderes Material fiel bei dem Zurückweichen in Feindes Hand. Der Gegner war gut getarnt. Man musste es dem Polen lassen, er war ein Meister im Waldgefecht
und es konnte ohne Einschränkung anerkannt werden, dass er sich vielfach im Kampfe im Walde unserer eigenen Truppe überlegen zeigte. Der deutschen Truppe
fehlte in dieser Hinsicht jegliche Erfahrung. Ununterbrochen peitschten die Schüsse der unsichtbaren polnischen Schützen durch die Bäume.
Mit unheimlichen Geräuschen zischten die Geschosse durch den Laubwald. Da bei dem Gefechtslärm die Führer ihre Einheiten nicht fest in der Hand halten
konnten, da sie nicht zu überschauen waren, wich während des polnischen Gegenstosses ein Teil der Mannschaften rückwärts aus, wodurch die vordere
erteidigungslinie der I.Abteilung im entscheidenden Augenblick noch weiter geschwächt und vollkommener Umflügelung ausgesetzt wurde. Infolge dieser
Umstände gelang es der I.Abteilung nicht, erfolgreich gegen den Nordrand vorzudringen, da sie fast nach allen Seiten kämpfen musste und hierdurch ihre
Kraft zersplitterte. Der Druck des Feindes verstärkte sich vielmehr immer mehr, so dass sie hinreichend zu tun hatte, um sich der immer wieder erneuernden
feindlichen Angriffe, vor allem in der linken Flanke, zu erwehren. Da die Bedrohung der Abteilung immer stärker wurde und es Oberstleutnant Reim trotz
aller Bemühungen infolge jeglichen Zerreissens der Nachrichtenverbindungen und der Schwierigkeiten der Meldertätigkeit nicht gelang, die Abteilung wieder
fest in die Hand zu bekommen, entschloss er sich schliesslich gegen 19 Uhr, den Stab der Abteilung, den Pionierzug und die abgesprengten Teile der 7. und
3.Schwadron sowie die zu ihm gestossenen Gruppen des linken Flügels der II.Abteilung aus dem Walde herauszuziehen und nach rechts in freies Gelände zu
führen, um seine Streitmacht in günstiger Stellung zur Verteidigung zu gruppieren. Dabei zeigte es sich, dass die Truppen seiner Abteilung arg durcheinander
geraten waren und so keine grosse Gefechtskraft mehr besessen haben wurden.
So stand die II. Abteilung mit den Panzern allein am Nordrand des Waldes. Um jede weitere Gefährdung auszuschliessen gab der gegen 19 Uhr nach vorn
gekommene Oberst Fürst mündlich den Befehl zur Zurücknahme auch der II.Abteilung bis an den Waldrand nördlich Skarzysko-Ksionenze. Auf Grund eines neu
ergangenen Divisionsbefehls gliederte Oberst Fürst gegen 20,30 Uhr das Regiment für die Nacht zur Verteidigung mit der Masse in der Linie Skarzysko-Ksionenze
– Nordrand des Waldes südlich des Dorfes – Ostrand Höhe 346, während stärkere Sicherungen am Waldrand südlich Barak belassen wurden. In der neu eingenommenen
Verteidigungsstellung zwischen Pogarzale – Skarzysko-Ksionzence war die Hauptfront aber nicht nach Norden, sondern mehr nach Westen gerichtet, da nach dem
Divisionsbefehl damit gerechnet werden musste, dass der im Westen durch die 1.le.Division, im Süden durch die 2.leichte Division bedrängte und im Osten durch
die 29.Inf.Div. abgeschnittene Gegner einen verzweifelten Durchbruchsversuch in südlicher Richtung gegen Kielce versuchen würde.
In der Abwehrfront der Division standen weiter östlich das Kavallerieschützen–Regiment Nr.7 auf den Höhen beiderseits Mirzec, während weiter westlich die dem
Kavallerieschützen–Regiment Nr.6 unterstellte 1./Pionierbataillon 58 in der Gegend von Majdow zu sichern hatte, um die nach Norden und Nordosten führenden
Wege und Schneisen abzusperren. Die dem Regiment unterstellte schwere Artillerie – Abteilung hatte in der Nacht den weiter nördlich gelegenen Ort Szydlowiec
unter Störungsfeuer zu nehmen. Vom Kavallerieschützen–Regiment Nr.6 wurden 2 Züge der 7.Schwadron, der Pionierzug und der heute nicht in Stellung gewesene Zug
der 5.Schwadron unter der einheitlichen Leitung des Oberleutnants d.R.Mächtig von der 8.Schwadron zur Sicherung eingesetzt. Der Rest der II.Abteilung wurde
Regimentsreserve an der grossen Strassenkreuzung in Pogorzale. Er benutzte die Nacht zum Ordnen der Verbände und zur Feststellung der nicht unerheblichen
Verluste. Die schon verloren gegebenen Reste der 6.Schwadron hatten sich gegen 17 Uhr während der letzten Phase des Kampfes der II.Abteilung am Nordrand des
Waldes südlich Barak auch wieder eingefunden. Sie standen unter der Führung des Leutnants d.R.Fraas, da der beliebte Schwadronschef der 6.Schwadron,
Rittmeister Franke, in dem schweren Abwehrkampf der eingeschlossenen Schwadron den Heldentod für Führer und Vaterland erlitten hatte.
Nach den Mitteilungen des Leutnants d.R.Fraas hatte sich der Verzweiflungskampf der abgeschnittenen 6.Schwadron folgendermassen abgespielt:
Nach dem ersten Zusammenstoss mit an sich schwachen feindlichen Streitkräften am Waldwärterhaus von Barak war eine Gefechtspause von etwa 1/2 Stunden
eingetreten, die Rittmeister Franke zu einer Umgliederung seiner Schwadron benutzte. Er setzte den 1.Zug westlich der grossen Strasse südlich Barak am Waldrand
zur Sicherung nach links ein und verstärkte ihn durch eine Gruppe des 2.Zuges, während der Rest dieses Zuges rechts, also ostwärts, der Strasse zur Sicherung
nach vorn und rechts in Stellung ging. Der 3.Zug hatte den Rückenschutz der Schwadron gegen das im Walde befindliche Chausseehaus zu übernehmen. Ein halber
schwerer Maschinengewehrzug war beim 1.Zug, der andere Halbzug rechts rückwärts vom 2.Zug mit Sicherung nach Osten verteilt. Die Zeit der Umgruppierung der
deutschen Kräfte hatte der Gegner anscheinend benutzt, um weitere Kräfte unbemerkt in Flanke und Rücken der Schwadron heranzuführen und bereitzustellen.
Mit diesen von Süden herangeführten Kräften griff er dann auch sofort aus südwestlicher Richtung den 1.Zug überraschend von halb rückwärts an. Bei der
Verteidigung gegen den starken Gegner, der sich in dem Hochwalde bis auf kürzeste Entfernung an die Verteidiger hatte heranarbeiten können, erlitt der
Schwadronstrupp und der 1.Zug starke Verluste. Hierbei musste auch der schneidige Chef der 6.Schwadron, Rittmeister Franke, in vorbildlicher Pflichterfüllung
sein Leben hingeben. Der Pole bedrängte die führerlose Kompanie jetzt von vorn und auch von den beiden Seiten. Durch den Gefechtslärm beim 1.Zug angelockt
griff auch der Grossteil des 2.Zuges in den schweren Kampf des 1.Zuges ein und brachte ihm vorübergehend Entlastung. Die Gelegenheit nutzte aber der Gegner
aus, um mit stärkeren Kräften den 2.Zug rechts der Strasse von vorn und aus der östwärtigen Flanke anzugreifen. Auch hier traten bei der starken Überlegenheit
des Gegners schwere Verluste ein, die den Zugführer zwangen, seinen Zug an den Nordrand des Waldes bei Barak zurückzunehmen, wenn er die vollständige Aufreibung
im Walde vermeiden wollte. Der Rest des 3.Zuges und die versprengten Fahrer der Schwadron schlossen sich an und übernahmen die Sicherung nach Osten und Norden.
Nach allen 4 Seiten musste die 6.Schwadron nun gegen einen zahlenmässig weit überlegenen Gegner fechten, der darüber hinaus eine gute Schulung im Waldkampfe
erkennen liess. Nach den vier Himmelsrichtungen fechtend, wehrte sich die Schwadron den ganzen Tag über mit dem Mute der Verzweiflung aber mit der festen
Hoffnung einer baldigen Entsetzung durch die Masse der II.Abteilung oder andere Streitkräfte der Division. Die Hoffnung aber sollte täuschen.
Stunde auf Stunde verrann, aber eine Entsetzung der Schwadron trat nicht ein. Wohl hörten die Schützen der 6.Schwadron in südlicher Richtung den ganzen Tag
Maschinengewehr – und Gewehrfeuer und dann auch starkes Artilleriefeuer. Aber dieses Feuer wollte und wollte nicht näher kommen. Die braven Schützen aber
liessen sich nicht unterkriegen und gaben den fast hoffnungslos erscheinenden Kampf nicht auf. Trotz ständiger Schwächung der eigenen Gefechtskraft durch
die eintretenden Verluste, stand die 6.Schwadron ihrem Fahneneid getreu den ganzen Tag durch und wies alle Angriffe der polnischen Infanterie ab.
Eine Rettung ward der 6.Schwadron erst, als die Panzer eingriffen und die II.Abteilung ostwärts der Strasse in Richtung gegen Barak vordrang, so dass am
Spätnachmittag die Reste der 6.Schwadron zuerst mit den bis an den Nordrand des Waldes vorgedrungenen Panzern und bald darauf mit der II.Abteilung des
Oberstleutnants Junck aufnehmen konnte. In diesem Kampf der tapferen 6.Schwadron, die schon von vielen Offizieren des Regiments im stillen verloren gegeben
worden waren, zeichneten sich auch die ihr unterstellten Teile der schweren 8.Schwadron aus. Der 2.Kavalleriegeschützzug unter Wachtmeister Mohr und ein
Halbzug unter Wachtmeister Wistuba hatten hervorragend in den Kampf des Tages eingegriffen, feindliche Geschütze, Maschinengewehre und Paks bekämpft und
teilweise auch niedergezwungen. Bei der Abwehr der Feindangriffe wurde der Zug Mohr vom Feinde umgangen, plötzlich im Rücken angegriffen und mit
Maschinengewehren, Panzergewehren und Handgranaten niedergekämpft. Der Grossteil der Bedienung wurde nach zähem Gegenwehr im Nahkampf vom Gegner getötet
oder verwundet. Ein Geschütz fiel in Feindeshand. Auch der Pakzug des Oberwachtmeisters Mannheims, von Rittmeister Franke ganz vorn etwa 200 m südlich des
Chausseehauses bei Barak eingesetzt, kämpfte erfolgreich feindliche Maschinengewehrnester nieder. Bei dem polnischen Flankenangriff stürmte der Gegner
aber überraschend die Pakstellung, wobei die ganze Bedienung eines Paks verwundet wurde, und nahm die beiden Geschütze in Besitz. Das 3.Geschütz des Zuges
griff weiter rückwärts, gegen Zugriffe des Feindes gesichert, am Nordrand des Dorfes Skarzysko-Ksionenze erfolgreich in den Kampf ein und zwang u.a. nach
12 Schuss eine feindliche Batterie zur Feuereinstellung. Die blutigen Verluste des Gefechts bei Barak am 8.September waren die höchsten, die das Regiment
auf dem polnischen Kriegsschauplatz erlitten: Ausser Rittmeister Franke von der 6.Schwadron starben auf dem Felde der Ehre Leutnant d.R.Bauch von der
2.Schwadron, Leutnant d.R. Walther von der 3.Schwadron, Oberleutnant Dietrich vom Stab der II.Abteilung und Leutnant d.R. Bähring von der 5.Schwadron.
Oberleutnant Schlitte vom Stab der II.Abteilung, Oberleutnant Hoffmann von der 7.Schwadron – er übernahm jedoch nach 2 Tagen bereits die Führung seiner
Schwadron wieder – und Leutnant d.R. Träger von der 7.Schwadron wurden verwundet. Vom Unteroffizierkorps starben den Heldentod 12 Unteroffiziere, während
15 weitere verwundet wurden. 73 tapfere Schützen liessen ihr Leben im Kampfe um Barak, 63 weitere wurden verwundet und 8 Schützen blieben vermisst.
Die Materialverluste des Tages waren nicht minder beträchtlich. Die Fahrzeuge der 6. und 7.Schwadron waren fast vollständig verbrannt oder schwer
beschädigt. So waren zerschossen 4 Sonderkraftfahrzeuge, 1 Motorrad mit Beiwagen, 2 geländegängige Personenkraftwagen, 4 Kraftfahrzeuge Krupp,
1 Opel - Lastwagen. Ausgebrannt waren 2 Krafträder, 1 Beiwagenmaschine, 1 Personenkraftwagen, 5 Kraftfahrzeuge Krupp und 2 Opel Lastkraftwagen.
Der Munitionsverbrauch betrug allein bei der II.Abteilung über 130 000 Schuss Infanteriemunition, 1 350 Schuss Pistolenmunition, 130 Handgranaten,
94 Pakgranaten, 145 Kavalleriegeschützgranaten, 110 mittlere und 350 leichte Granatwerfergranaten. Bei der I.Abteilung hielt sich der Munitionsverbrauch
im ähnlichen Rahmen. Die Artillerie der Division hatte am 8.September ihre ganze Kraft eingesetzt, den Schützenregimentern den Weg zum Sieg zu bahnen.
Wenn ihr dies nicht gelungen war, dann war es nicht ihr Verschulden, sondern der Grund lag in der Stärke des gegenüberstehenden Gegners und in den
ungünstigen Schiessverhältnissen wegen der dichten Waldungen. Die Batterien der I./Art.Rgt.78, die zunächst am frühen Morgen zur Überwachung des
Vorgehens bei Höhe 307 in Stellung gestanden hatten, waren gegen 10 Uhr in den Raum Milica - Bzin vorgerückt und hatten ihre Beobachtungsstellen an den
nördlichen Waldrändern bei Skarzysko-Ksionenze vorgelegt. Sie beschossen den vom Feind besetzten Wald bis auf je 300 m an der Strasse, legten einen
Feuerraum vor die Hauptkampflinie und suchten zugleich die Polen abzuriegeln, die die 6.Schwadron in Flanke und Rücken bedrohten. Das Feuer lag also
zwischen zwei eigenen Linien und konnte nur, um eine Gefährdung der eigenen Truppe auszuschliessen, aufrecht erhalten werden, insoweit die Lage der
Schüsse genau zu beobachten war. Ausser der bereits an anderer Stelle erwähnten Niederkämpfung einer polnischen Batterie ist das Niederkämpfen starker
polnischer Kräfte im Walde bis zum Vorgehen der eigenen Panzer, bei deren Erscheinen das Feuer eingestellt werden musste, hervorzuheben. Nachdem in den
Abendstunden die II.Abteilung des Kavallerieschützen-Regiments den Gegner bis zum Waldrand südlich Barak zurückgedrängt hatte, beabsichtigte die
I./Art.Rgt.78 zur Verlängerung ihrer Schussweiten ins polnische Hinterland Stellungswechsel nach vorwärts zu unternehmen. Das Vorrücken war jedoch
wegen des starken Maschinengewehr- und Pakfeuers undurchführbar.
Hatte der Tag von den Kavallerieschützen auch schwere blutige Opfer gefordert und hatte mancher gute Kamerad sein Leben hingeben müssen, so waren die
Schützen doch stolz auf den 8.September, auf den siegreichen Kampf bei Barak. Während das Regiment hartnäckig in den Waldungen südlich Szydlowiec
kämpfte, hatte es das Schwesterregiment Nr.7 den Gegner zurückgeworfen und war bis zu den Höhen 6 km nördlich Mirzec vorgedrungen. Der weitere Kampf
war in den Abendstunden auf höhere Weisung eingestellt worden, um den vor der Front der Division nach Osten und Nordosten weichenden Feind durch die
weiter rechts gegen die Weichsel vorstossende 29.Infanterie-Division abfangen zu lassen. Zu gleicher Zeit hatte rechts der 2.leichten Division die
3.leichte Division mit dem linken Flügel die Gegend von Ilza, mit dem Gros der Division die Strasse Ilza - Lipsko erreicht, während links der Division
das Generalkommando Stumme die 1.leichte Division von Konskie nach Nordosten vorstossen und unmittelbar westlich des wichtigen Strassenkreuzungspunktes
Radom stand. Die Panzerabteilung 66 war in Bziniek, das Aufklärungsregiment Nr.7 in Parszow zur Verfügung der 2.leichten Division gehalten worden.
Generalleutnant Stumme sprach am folgenden Tage dem Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 und der Panzerabteilung 66 seine Anerkennung für die Leistungen
in den schweren Waldgefechten gegen den überlegenen Gegner aus. Durch den energischen Angriff war der Feind lange Zeit gefesselt, dann nach Norden
zurückgeworfen und damit ein Erfolg erzielt worden, der für die Gesamtlage bedeutungsvoll war und in der in den nächsten Tagen erfolgten Gefangennahme
sehr starker polnischer Streitkräfte von zahlreichen Divisionen im Raume südostwärts Radom seine Krönung erfuhr.
9.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Die vom Regiment am Vortage bei Pogorzale und Skarzysko-Ksionzence ausgestellten Sicherungen blieben am Morgen des 9.September zunächst in ihren
Stellungen, um zur sofortigen Abwehr etwaiger feindlicher Durchbruchversuche in südlicher Richtung bereit zu sein. Im übrigen wurden die Stunden nach
dem Morgengrauen benutzt um die am Vortage erlittenen Kampfschäden auszubessern und die Schlagkraft des Regiments wieder zu erhöhen. Wie im übrigen
nach der Gesamtlage am Vorabend vorauszusehen war, hatte der Gegner in der Nacht seine Stellungen geräumt und war verschwunden. Die Fühlung mit dem
Feind war verloren gegangen, über den Verbleib der Polen war nichts festgestellt.
Nach dem gegen 9,30 Uhr erlassenen neuen Divisionsbefehl hatte das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 seine Hauptkampflinie bis an den Nordrand des
Waldes südlich Szydlowiec, also bis in die Gegend des Hauptkampffeldes der 6.Schwadron am Vortage, vorzuverlegen und die Gefechtsvorposten auf die
Höhen 500 m südostwärts Szydlowiec [Höhe 265] – Fabrik südlich Szydlowiec – Nordrand Korzeniowa Wola vorzutreiben. Die Artillerie sollte weiter
nordwärts neue Stellungen einnehmen. Auf Grund dieses Befehls machte sich das Regiment gegen 10 Uhr marschbereit. Noch kurz vor dem Abmarsch wurden
die tapferen Helden des Gefechts bei Barak, Rittmeister Franke, Oberleutnant Dietrich usw. nebst mehreren Unteroffizieren und Schützen in einem
gemeinsamen Grab ostwärts des Dorfes Pogorzale am Waldrande unter Teilnahme fast des ganzen Regiments zur letzten Ruhe in polnischer Erde gebettet.
Gemeinsam, wie die Offiziere und die Schützen gestritten hatten, wurden sie der Erde übergeben und in einer mit Herbstblumen geschmückten Ruhestätte
beigesetzt. Gegen 10,45 Uhr trat das Regiment bei schönem herbstlichen Sonnenschein den Vormarsch an. Ohne mit dem Feinde in Gefechtsberührung zu kommen,
war bereits um 11,30 Uhr die neue Stellung erreicht und südlich Korzeniowa Wola – Südrand Barak eingenommen. Auch die weiter nordwärts vorgetriebenen
Gefechtsvorposten trafen nirgends mehr reguläre polnische Truppenabteilungen an und bekamen auch nirgends Feuer. Nur hier und da wurden polnische
Soldaten aufgebracht, die nur darauf gewartet zu haben schienen, um in deutsche Gefangenschaft abgeführt zu werden. Auf Anweisung von Oberst Fürst
klärten die Abteilungen vor und seitwärts der neubezogenen Stellungen fortwährend auf und gruben sich ein. Die schweren Waffen wurden in Stellung
gebracht. Zu gleicher Zeit machten die Batterien der I./Art.Rgt.78 geschlossen Stellungswechsel und nahmen bis gegen Mittag neue Feuerstellungen in
der Höhe von Skarzysko-Ksionzence ein, aus denen die Abteilung auf Anforderung der Schützen im Laufe des Nachmittags einige Schüsse abgab.
Die weiterhin bei Majdow sichernde 1./Pion.Batln 58 brachte bei einer Streife durch den Wald einen versprengten polnischen Fernsprechtrupp auf und
erbeutete ausser Fernsprechgerät u.a. 2 schwere MGs., 1 Gerätewagen und 4 Pferde. Obwohl durch Spähtrupps und Fliegermeldungen bis 10,30 Uhr
Nachrichten eingelaufen waren, dass der Gegner weit nordwärts über Radom hinaus zurückgegangen war, blieb das Regiment auf Anweisung der Division
zunächst in den Bereitschaftsstellungen, da in den Wäldern südlich und südöstlich Radom noch sehr starke polnische Truppenabteilungen, die auf
mehrere Divisionen geschätzt wurden, stecken sollten deren Schicksal sich in den nächsten Tagen erfüllen musste. Dass in dem Waldgebiet viele
polnische Soldaten waren, fand eine Bestätigung darin, dass sich im Laufe des Tages zahlreiche polnische Soldaten aus dem Walde einfanden, die
gern in Gefangenschaft wollten. Zahlreiche Überläufer hatten sich sogar schon teilweise zivil angezogen, wahrscheinlich weil sie vorher noch einen
vergeblichen Versuch unternehmen wollten, sich aus dem Einkreisungsring der deutschen Truppen herauszuschleichen. Nach Fehlschlagen dieser Versuche
waren sie immer noch froh, durch die Gefangennahme wenigstens den Schrecken dieses Krieges entronnen zu sein. Da bisher keine feste Verbindung mit
dem weiter rechts auf den Höhen nördlich Mirzec stehendem Schwesteregiment Nr. 7 bestand, wurde auf Anweisung von Oberst Fürst im Laufe des
Nachmittags die Bereitschaftsstellung des Regiments immer weiter in südöstlicher Richtung über Sadek und das Waldgebiet Las Jarzembia ausgedehnt.
Beim Abstreifen der Hochwaldforsten und de´r jungen Niederhölzer wurden vom Regiment über 100 Gefangene eingebracht. Der II.Abteilung gelang es
dabei durch einen kühnen Vorstoss in den Nordteil des vorgenannten Waldgebietes eine dort ahnungslos rastende polnische Pakbatterie mit Fahrzeugen
zu überfallen. Der geringe Widerstand des völlig überraschten Gegners wurde ohne Schwierigkeiten niedergekämpft und die Batterie gefangen genommen.
Die Breitenausdehnung der Verteidigungszone des Regiments war durch das Auseinanderziehen nach rechts immer grösser geworden. Darunter musste die
Verteidigungsstärke der einzelnen Abschnitte leiden. Zunächst wurde daher die 6.Schwadron bei Beszkow eingeschoben. Dann besetzte die 7.Schwadron
die Höhe 256 nördlich Gonsawy. Um näher bei seinen Truppen zu sein, verlegte Oberstleutnant Junck seinen Gefechtsstand gleichfalls weiter ostwärts
in die Gegend von Rzondowe. Die zugewiesenen schweren Waffen gingen in Stellung, die Schwadronen legten Schützendeckungen an, ohne dass die
Feindberührung wieder hergestellt werden konnte. Die Batterien der I./Art. Rgt.78 legten in den Feuerstellungen bei Skarzysko-Ksionzence gleichfalls
Deckungen an, da bei der Stärke der weiter nordostwärts eingeschlossenen polnischen Streitkräfte mit verzweifelten Durchbruchsversuchen starker
Stossabteilungen auch in westlicher oder südwestlicher Richtung zu rechnen war. Die in Reserve befindlichen Teile des Regiments wurden im Laufe des
Tages gleichfalls noch eingesetzt, um den Wald südlich Barak nach vermissten Kameraden und den noch nicht aufgefundenen am Vortage gefallenen
Schützen abzusuchen. Die aufgefundenen toten Helden des Kampfes südlich Barak wurden nachträglich ehrenvoll beigesetzt. Auch polnische Verwundete
konnten in dem dichten Unterholze noch mehrfach aufgefunden und den Lazaretten zugeführt werden. Zugleich wurde das Kampffeld von den zahlreichen
umherliegenden Ausrüstungsgegenständen gesäubert. Am Abend ging das Regiment in den erreichten Sicherungsstellungen unter Beobachtung notwendiger
Schutzmassnahmen zur Ruhe über. Starke Gefechtsvorposten, die stellenweise über 1 km weit vorgetrieben waren, boten die Gewähr für einen Schutz
gegen Überraschungen. Da in den Waldungen bis zum Spätnachmittag noch viele versprengte Polen aufgefunden worden waren, konnten vom Regiment im
Laufe des Tages über 650 Versprengte aus der Schlacht bei Radom als Gefangene eingebracht, 5 Paks und 12 Pferde erbeutet werden.
Der eigene Munitionsverbrauch betrug demgegenüber nur einige 100 Schuss Infanteriemunition und einige Handgranaten. Im übrigen klärten die
Schwadronen im Laufe des Tages und in der anschliessenden Nacht auf Anweisung von Oberst Fürst bis über Szydlowiec und westlich und ostwärts davon
auf, trafen aber auch hier nirgends auf geschlossene feindliche Abteilungen oder auf Anzeichen für eine Verteidigung.
Da indessen die Nachbardivisionen südostwärts der 2.leichten Division die Weichsel bei Sandomierz erreicht und überschritten hatten, ferner ostwärts
Zwolen bis zur Weichsel vorgedrungen waren und die wichtige Stadt Radom von anderen Truppen des XV.Armeekorps bereits besetzt war, liess erwarten,
dass sich in dem Gebiet südlich und südostwärts Radom bis zur Weichsel noch grössere Teile der geschlagenen polnischen Südarmee befanden, die den
rechtzeitigen Anschluss nach rückwärts verpasst hatten. Schwere Kämpfe im Gebiet südöstwärts Radom, besonders in den Wald- und Sumpfgebieten bei
Ilza, mit sich verzweifelt wehrenden polnischen Divisionen standen noch bevor. Der Ausgang der Schlacht konnte aber bei der derzeitigen militärischen
Lage für den Gegner nicht zweifelhaft sein. Eine grosse Beute stand der deutschen 10.Armee des Generals der Artillerie von Reichenau in Aussicht.
Es war anzunehmen, dass sich auch die polnischen Streitkräfte, die bei Barak der 2.leichten Division den erbitterten Widerstand geleistet hatten,
in dem Kessel befanden, den sie durch ihr an sich anzuerkennendes zähes Standhalten zu lange vor der Division aufgehalten worden waren, so dass
inzwischen in ihrem Rücken alle Verbindungswege durch deutsche Truppen besetzt waren. Die baldige Gefangennahme dieser polnischen Kräfte stand
bevor. Anstelle des gefallenen Rittmeisters Franke wurde der bisherige Adjutant der Panzerabwehr-Abteilung 42, Oberleutnant von Treskow, mit der
Führung der 6. Schwadron beauftragt, während anstelle des verwundeten Adjutanten der II. Abteilung, Oberleutnant Schlitte, der Leutnant Doerr
Abteilungsadjutant wurde. Der Verlust des Regiments am 9.September bestand aus einem Verwundeten.
10.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Das Regiment behielt am Morgen des 10.September zunächst seine Sicherungsstellung zwischen Szydlowiec und Ilza inne, da die Division auch
weiterhin noch damit rechnete, dass Teile der bei Radom eingeschlossenen Polen einen Durchbruch nach Süden versuchen würden. Eine solche Gefahr
bestand aber tatsächlich nur noch im beschränkten Umfange. Die eingeschlossenen polnischen Truppen waren, wie ein neuer Korpsbefehl erkennen
liess, in südostwärtiger Richtung abgedrängt worden. Aufgabe des XV.Armeekorps war es daher, die im Gebiet Deblin – Radom – Szydlowiec von
der Weichsel abgeschnittenen polnischen Truppen weiter einzukreisen, den Umschliessungsring bei Radom enger zu ziehen und die Gebiete von den
versprengten polnischen Soldaten systematisch zu säubern. Zu diesem Zwecke sollte die 2.leichte Division weiter in Richtung auf Radom vorrücken.
Die Kampfgruppe Oberst Fürst bekam den Auftrag, über Szydlowiec – Mlodocin auf Halinow unmittelbar vor den Toren von Radom vorzuziehen, wobei die
ihr zugeteilte Artillerie zum überschlagenden Einsatz zu verwenden war. Da sich viele polnische Soldaten Zivilkleidern beschafft hatten, um so
der Gefangenschaft zu entgehen, war es, da hierin eine Gefährdung der Sicherheit der deutschen Wehrmacht erblickt werden musste, notwendig, das
Gelände genau abzusuchen und die polnischen Soldaten und verdächtigen männlichen Personen im wehrfähigen Alter festzunehmen. Rechts und links
der Division rückten andere Formationen mit dem gleichen Auftrag nordwärts vor. Es musste daher vorsichtig mit den eigenen Schusswaffen umgegangen
und das Feuer durfte nur dann eröffnet werden, wenn einwandfrei polnische Truppen oder Versprengte festgestellt wurden, die Versuche machten, sich
zur Wehr zu setzen. Als 1.Marschziel war der Division beim Vorrücken auf Radom der Bachgrund südlicher Radom zwischen der Kolonie Janiszpol
(Strasse Radom – Ilza) und Halinow (Strasse Szydlowiec – Radom) bezeichnet worden.
Gegen 9,30 Uhr kam der Befehl zum Fertigmachen. Der Abmarsch erfolgte jedoch gemäss neuerlichen Anweisungen erst gegen 12 Uhr mittags. Das Regiment
fuhr zunächst nach Szydlowiec und streifte mit besonderen Abteilungen und Kommandos die Umgebung beiderseits der Vorfahrtsstrasse nach versprengten
Polen ab. Diese Tätigkeit lohnte sich, denn aus fast jedem Einzelgehöft und aus den Dörfern konnten polnische Gefangene, die sich dort versteckt
hatten, aufgebracht werden. Ohne Berührung mit sich wehrenden Feindabteilungen wurde gegen 14 Uhr die Gegend unmittelbar südöstlich Radom erreicht.
Nach dem Divisionsbefehl durfte die Stadt Radom von den Truppen der Division nicht betreten werden, so dass die Marschgruppen etwa 3 km vor der
Stadtgrenze südwestlich der mehrere km breiten Stadt auf der Strasse hielten, um weitere Befehle abzuwarten. Auf Grund eines mündlichen Befehls von
Oberst Fürst zogen die Abteilungen des Regiments mit ihren Schwadronen alsbald unter und zwar die I.Abteilung in Mlodozin, etwa 15 km südwestlich Radom.
Teile der Abteilung kamen in Krogulcza unter. Die II. Abteilung bezog näher an Radom in den Dörfern Konczyce und Wsolnik Quartier, während der
Regimentsstab gleichfalls in dem letztgenannten Orte Unterkunft fand. In den Quartierdörfern lag noch unzählige polnisches Kriegsgerät umher.
Viele polnische tote Soldaten und tote Pferde waren als Opfer eines Bombenangriffs unserer heldenmütigen Flieger auf den Plätzen des deutschen Luftangriffs
geblieben. Niemand hatte sich bisher um die Beseitigung dieser Opfer, die bald in Verwesung übergingen, bemüht.
Die Truppe bekam Auftrag, die Unterkunftsräume und ihre nähere und weitere Umgebung nach versprengten polnischen Soldaten abzusuchen. Das Unternehmen war
sehr fruchtbringend. Es wurden mehrere 100 Gefangene gemacht und zahlreiche Beute eingebracht. Viele der polnischen Soldaten hatte sich, völlig von den
Angriffen der deutschen Bomber zusammengebrochen, nur versteckt aus Angst vor weiteren Luftangriffen.Bei der 6. und 7.Schwadron hatten sich auf der Fahrt
Schwierigkeiten ergeben, da durch den Verlust zahlreicher Fahrzeuge in den Kämpfen südlich Barak nicht mehr alle Mannschaften auf den Kraftwagen untergebracht
werden konnten. Glücklicherweise konnte durch die aufopfernde Tätigkeit der Instandsetzungsgruppe der II.Abteilung im Laufe des Tages ein Teil der leichter
beschädigten Kraftfahrzeuge wieder soweit hergestellt werden, dass die Einsatzbereitschaft der 6.Schwadron einigermassen wieder hergestellt werden konnte.
Es erscheint am Platze, an dieser Stelle der unermüdlichen Arbeit der Instandsetzungsstaffeln der Abteilungen zu gedenken, die durch den ungeheuren Verschleiss
der Kraftfahrzeuge auf den schlechten polnischen Strassen viel Arbeit hatten, aber stets mit allen Mitteln bestrebt waren, die Fahrzeuge fahrbereit zu halten,
wenn es nur irgend möglich war und wenn die benötigten Ersatzteile vorhanden oder erreichbar waren. Den Instandsetzungsstaffeln, deren Arbeit leider oft von
Unterführern nicht die verdiente Anerkennung fand, war es nicht in letzter Linie zu verdanken, dass die Schwadronen im ganzen polnischen Feldzug die Schlagkraft
behielten, die es ermöglichte, die tatsächlich erzielten Erfolge zu erringen.
Bei der II.Abteilung fanden abermals Veränderungen statt:
Der aus der Führerreserve zurückgeforderte Oberleutnant Kiessling übernahm die Führung der 5.Schwadron, während der bisherige Führer dieser Schwadron,
Oberleutnant Driver, anstelle des gefallenen Leutnant Dietrich als Ordonnanzoffizier zum Stab der II.Abteilung trat. Seit dem Überschreiten der Landesgrenze
am 1.September hatten die Schützen mit der deutschen Infanterie keinerlei Berührung gehabt, da auch rechts und links der Division motorisierte Truppen
vorangegangen waren.
Am Spätnachmittag des Tages tauchte vor Radom zum ersten Male die Reiterspitze einer marschierenden Infanteriekolonne auf, ein Zeichen dafür, dass die
motorisierten Truppen nach Eintreffen der Infanterie an anderer Stelle verwendet werden würden, wo sie durch ihren beschleunigten Einsatz und ihre leichte
Beweglichkeit befähigt waren, schnelle und überraschende Entscheidungen herbeizuführen. Der Höhepunkt der Schlacht um Radom war mit dem 10.September durch die
Zerschlagung der 3., 7. und 12.polnischen Division, einer Kavalleriebrigade und zahlreicher anderer Truppenteile erreicht, wenn auch mit der Fortsetzung der
Einzelkämpfe, denen aber eine entscheidende Bedeutung nicht mehr zukam, noch für die nächsten Tage zu rechnen war. Unermesslich gross war die Beute an Gefangenen
und an Material. Tausende von Polen waren bereits in die Gefangenschaft abgeführt, weitere Zehntausende wurden noch in den Waldungen vermutet und mussten,
abgeschnitten von den unbesetzten Gebieten Polens, früher oder später in deutsche Hände fallen. Aus Anlass des Erfolges bei Radom erliess General der Infanterie
Hoth, der Kommandierende General des XV.Armeekorps, am heutigen Tage einen Tagesbefehl, in dem er den Kommandeuren, den Führern und der gesamten Truppe seinen
Dank für die Leistung aussprach. Besondere Anerkennung fand in dem Befehle die 2.leichte Division, auf der die Hauptlast des Kampfes im Bereiche des XV.Armeekorps
gelegen hatte. In dem Befehle kam dies mit folgenden Worten zum Ausdruck:„...... Viele Offiziere und Mannschaften sind gefallen, verwundet oder noch vermisst.
Die Hauptlast lag auf der 2.leichten Division. Wir beugen uns vor ihrem Heldentum. Jeder Kämpfer und Führer kann das stolze Gefühl haben, an einer geschichtlich
grossen Tat mitgewirkt zu haben......“ Die Kavallerieschützen waren stolz auf die uneingeschränkte Anerkennung, die ihre Leistungen durch den berufenen Mund
ihres Kommandierenden Generals gefunden hatten. Strapazen und Mühen der letzten Tage waren bald überwunden und vergessen.
11.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Nachdem die Schlacht im Lysa Gorawald und um Radom mit der Vernichtung oder Gefangennahme des Grossteils der eingeschlossenen polnischen Streitkräfte
siegreich für die deutschen Waffen verlaufen war, wurde allgemein von den Schützen angenommen, dass das Regiment einige Tage zur Erholung haben würde.
Die Schützen brauchten einige Stunden ungestörten Schlafes. Aber noch war dazu keine Zeit. Das deutsche Oberkommando der Wehrmacht hatte weitere Pläne, zu deren
Verwirklichung auch das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 beitragen sollte. Nach ruhig verlaufener Nacht wurde das Regiment gegen 6 Uhr morgens alarmiert und
musste sich marschfertig machen. Es sollte sofort abmarschieren und zur Verfügung des XV.Armeekorps auf der Strasse Wonchock – Ostrowiec mit dem Antreten beim
Dorfe Kunow sich bereitstellen. Polnische Truppen waren aus dem Einschliessungsring südostwärts Radom bei Jedomir durchgebrochen und sollten nun wahrscheinlich
von der 2.leichten Division aufgehalten werden, falls es bis dahin den übrigen eingesetzten Truppen des XV.Korps nicht gelungen sein sollte, die vorübergehende
Krise mit eigenen Kräften zu überwinden. Die 2.leichte Division wurde zu diesem Zweck in den Raum Ostrowiec – Wirzbnik – Bodzentyn – Lagow verlegt.
Gegen 7,30 Uhr erfolgte der Abmarsch auf Fahrzeugen. Die stille Hoffnung, nach der grossen Stadt Radom zu kommen, um einmal besser gekleidete, zivilisierte
Menschen als die armseligen Panjes, richtige massive Häuser und nicht nur die ärmlichen halbverfallenen Holz- und Strohhütten der armen Lysa Gora-Bewohner zu
sehen, sollte sich also nicht erfüllen. Es ging nicht nach Nordosten, nach Radom, sondern zunächst auf demselben Wege zurück, den das Regiment gestern gekommen
war. Der neue Einsatz des Regiments war in einem Raume vorgesehen, der von den jetzigen Quartieren in südostwärtiger Richtung lag.
Die Spitze der Marschgruppe Fürst hatte die I.Abteilung. Ihr folgte die Flakartillerie, ein Teil der Artillerie und die sonst zugeteilten Truppen, zum Schluss
kam die II.Abteilung. Erst ging die Fahrt auf bekannter Strasse über Szydlowiec bis an die Kamienna bei Bzinek.
Unterwegs kam das Regiment an den blumengeschmückten Grabstätten der gefallenen Kameraden aus dem Gefecht von Barak vorbei. Auch die Reste der ausgebrannten
Fahrzeuge der 6.Schwadron lagen noch längs der Strasse und erinnerten die Schützen an den schweren Kampf des Regiments auf polnischer Erde. Von Bzinek an wurde
die bisherige Marschstrasse verlassen und südostwärtig Richtung dem Flusslauf der Kamienna abwärts eingeschlagen. Durch grosse Laubwaldungen der Lysa Gora ging
der Weg über die Dörfer Parszow, Woncheck nach Michalow. Der zum Korpshauptquartier vorausgefahrene Regimentskommandeur, Oberst Fürst, erhielt hier den Befehl,
die Truppe im Raum Brody – Kunow unterziehen zu lassen, da ein Einsatz der Truppe voraussichtlich nicht notwendig werden würde. In den neuen Quartieren hatte
sich das Regiment aber weiterhin ständig zur Verfügung des Generals der Inf.Hoth zu halten. Es kamen der Regimentsstab und die Schwadronen der I.Abteilung in
Kunow, die der II.Abteilung in Brody und Krynki unter. Die Schützen richteten sich in den Unterkunftsräumen ein, ruhten und suchten den verlorenen Schlaf der
Vortage nachzuholen, soweit dies noch möglich war. Sicherungsabteilungen suchten indessen die Umgebung der Ortschaften ab, da sich auch jetzt noch in den Wäldern
immer noch unzählige polnische Soldaten umhertrieben, die eine Gefahrdung der rückwärtigen deutschen Truppen darstellten und daher gefangen genommen werden
mussten. Bei der von einzelnen Gruppen bei schönstem Sonnenschein durchgeführten Säuberungsaktion wurden abermals mehrere 100 Gefangene eingebracht und nach
Ostrowiec abtransportiert. Auch die sonstige wehrfähige Bevölkerung wurde zusammengetrieben, da sich unter ihr viele polnische Soldaten befanden, die sich
schnell Zivilsachen verschafft und sich umgekleidet hatten, in der Hoffnung, auf diese Weise der Gefangenschaft entgehen zu können. In den letzten Tagen waren
um Radom allein über 15 000 Polen gefangen genommen worden. Nach den Angaben der Gefangenen befanden sich aber noch stärkere Kräfte des Gegners in den noch nicht
von deutschen Truppen durchstreiften Waldgebieten. Es war daher notwendig, diese Waldungen durch rückwärtige deutsche Truppen systematisch durchzukämmen, um die
bewaffneten oder unbewaffneten polnischen Soldaten, die Reste einer polnischen Armee, abzufangen.
12.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Vor Radom hatten die Schützen vergeblich einige Ruhetage erhofft gehabt. Nun erfüllte sich diese Hoffnung, wenn auch in einer ziemlich abgelegenen Gegend.
Die Ruhe war aber trotzdem sehr erwünscht. Es war notwendig, die Fahrzeuge einer gründlichen Durchsicht zu unterziehen und die Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke
in Ordnung zu bringen. Die Motoren der Fahrzeuge und die Waffen konnten eine gute Pflege und eine Reinigung wohl gebrauchen, da sie auf den sandigen Strassen
Polens vollkommen verstaubt und versandet waren. Bei den Motoren waren Vergaser und Filter meist vollkommen mit Staubresten und Oelrückständen angefüllt und
mussten gereinigt werden. Waren auch im allgemeinen Rostflecken auf den Handfeuerwaffen und Maschinengewehren nicht zu sehen, weil das Regiment bisher fast
ausnahmslos schönes trockenes Wetter beim Vormarsch gehabt hatte, so war es doch schon aus eigenen Sicherheitsgründen notwendig, die Waffen von Staub und Sand
zu reinigen, da schon die kleinsten Sandkörnchen bei den neuen, sehr schnell schiessenden Maschinengewehren 1934 Ladehemmungen verursachten. Den Schützen war
zur Reinigung des Körpers ein schönes Flussbad nicht unangenehm. Und das Glück war hold, denn die Kamienna führte klares Wasser mit sich, so dass sich die
Schwadronen die günstige Badegelegenheit nicht entgehen liessen, dies um so mehr, weil zwischen Brody und Krynki das Wasser der Kamienna künstlich angestaut
war, so dass auch eine ausreichende Wassertiefe vorhanden war.
Am Nachmittag musste die II.Abteilung auf Befehl der Division ihre bisherigen Quartiere in Brody und Krynki räumen und für die hierher verlegten Truppen des
Aufklärungsregiments Nr.7 freimachen. Nachmittags siedelte die Abteilung nach Kunow über, wo bereits der Regimentsstab und die I.Abteilung mit ihren Schwadronen
untergebracht waren. Bei einem Appell sprach Oberstleutnant Junck am Abend seinen Offizieren und Unteroffizieren seinen Dank für die bisher bewiesene
Pflichttreue und stete Einsatzbereitschaft sowie für die in den Gefechten bewiesene Tapferkeit aus.
13.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Auch am 13. September sollte das Regiment noch in den Ruhequartieren in und um Kunow bleiben, da ein Einsatz in dem vorgestern bedrohten Gebiet nicht mehr
notwendig war. Die vorübergehend gefährdete Lage war von den Truppen der 1. und 3.leichten Division und der 29.Infanterie–Division in kürzester Zeit gemeistert
worden.
Der 13 September war jedoch ein Tag der Trauer und des Schmerzes für das Regiment und seine Angehörigen. Oberst Fürst rief plötzlich gegen 16 Uhr die Offiziere
und Beamten seines Regiments zu einer Besprechung im Stabsquartier zusammen. Hier hielt er vor die versammelten Offiziere eine Ansprache, in der er sich für
die bisherigen Leistungen aller Angehörigen bedankte. Zugleich aber teilte er mit, dass er mit sofortiger Wirkung zum Kommandeur der 6.Schützenbrigade bei der
1.leichten Division ernannt worden sei und seinen Dienst dort sofort aufnehmen müsse. Mit Worten des Dankes verabschiedete er sich von jedem einzelnen Offizier.
Damit schied ein Kommandeur von seinem Regiment, der von allen seinen Offizieren, Unteroffizieren und Schützen verehrt und geliebt worden war.
Oberst Fürst war langjähriger Kommandeur des Kavallerieschützen-Regiments und des Vorregiments gewesen. Er hatte die Motorisierung des Regiments mitgemacht
und hatte das Regiment in die Lage versetzt, die Erfolge zu erringen, die es im Verlaufe des nun fast zweiwöchentlichen Feldzuges gegen Polen erzielen konnte.
Er hatte es nicht nur verstanden, sich die Liebe und Anhänglichkeit seiner Schützen zu erwerben, sondern war darüber hinaus ihnen Garnisonen Saalfeld und
Rudolstadt in weiten Kreisen der Zivilbevölkerung bekannt geworden, da er es immer für seine Pflicht gehalten hatte, stets und ständig Zusammengehörigkeit mit
der Partei, mit den Behörden und mit der Bevölkerung zu pflegen. Das Kavallerieschützenregiment Nr.6 war ihm aber besonders ans Herz gewachsen.
Es war sein Regiment von der Gründung an gewesen, das Regiment Fürst. Schwer wurde ihm die Trennung von seinem Offizier- und Unteroffizierkorps und von seinen
ihn verehrenden Schützen. Nur die Tatsache, dass er zu der verantwortungsvollen Stellung eines Brigadekommandeurs berufen war, tröstete ihn über die Bitterkeit
des Abschiednehmens hinweg. Der neu mit der Führung des Regiments betraute Oberst von Unger war bereits eingetroffen und stellte sich anschliessend dem
Offizierkorps vor. Aus dem Regiment „Fürst“ wurde nun ein Regiment „von Unger“. Offiziere, Unteroffiziere und Schützen waren gewillt, auch unter neuer Führung
weiteren Ruhm für die Fahne des Regiments zu erwerben. Die Schlacht um Radom hatte endgültig ihren Abschluss gefunden, nachdem auch die in den Waldungen
verstreuten polnischen Abteilungen aufgerieben oder gefangen genommen worden waren.
Seit dem 6.September hatten die Kämpfe erst im Gebiet östlich/südöstlich und westlich Radom und längs der von Westen und Südwesten auf den wichtigen Handelspunkt
führenden Strassen, dann zwischen Radom und Zwoleń und der Lysa Gora mit sehr starken Streitkräften, die versuchten, ein Loch in der Einkreisungsfront zu finden,
getobt. Das Kavallerieschützen–Regiment Nr.6 hatte an entscheidender Stelle mitgewirkt. Zunächst hatte es starke feindliche Kräfte zwischen Kielce und Radom
durch stetige Angriffe gefesselt und aufgehalten. Kajetanow, Laczna und Barak waren die ruhmbedeckten Namen, die von Heldenmut, Opfertum, Einsatzbereitschaft des
Regiments erzählten. Die gebrachten Opfer waren schmerzlich, aber sie waren nicht umsonst gewesen. Dem Regiment war es gelungen, zahlenmässig weit überlegene
polnische Truppen solange in den Kampf zu verwickeln, dass es ihnen nicht mehr rechtzeitig gelang, sich loszulösen, um die rettende Weichsel zu erreichen.
Ihr Schicksal erfüllte sich im Waldgebiet zwischen Radom und der Weichsel. Hier wurden die starken polnischen Kräfte von Westen her von der 2.leichten Division
bedrängt und bald darauf von anderen Truppen der Einkreisungsring um die starke polnische Streitmacht geschlossen.
Am 12.September hatten die zwischen Zwoleń und Radom und der Lysa Gora seit Tagen mit ungeheurem Heldenmute fechtenden polnischen Truppen von über 4 Divisionen
die Waffen gestreckt, nachdem jeder Ausweg und Entsatz gescheitert und jeder Durchbruchsversuch, in welcher Richtung er auch unternommen worden war, gescheitert
war. Diese Kämpfe hatten die deutsche Armee vorübergehend mehrfach in Krisen gebracht, die aber in kürzester Zeit gemeistert werden konnten. Eine ungeheure Beute
an Gefangenen und Kriegsmaterial war die Frucht des zähen deutschen Kampfes. Über 60 000 Gefangene wurden in den Kämpfen um Radom eingebracht, darunter mehrere
Generale und sonstige höhere Führer. 143 polnische Geschütze, 38 Panzerkraftwagen und viele Hunderte Fahrzeuge und unermessliches Kriegsgerät war die vorläufige
Beute. Weiteres (unübersehbares) Kriegsmaterial war noch in den Waldungen verborgen und musste erst gesichtet werden. Mit Stolz blickten die Angehörigen des
Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 auf die stolze Waffen, an der sie an entscheidender Stelle mitgewirkt hatten.
14.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Das Wetter hatte umgeschlagen. Die Sonne war hinter dicken Wolken verschwunden und ein leichter Regen fiel auf den polnischen Sandboden, wo er bald versickerte.
Anstatt der schwülen Sommertemperatur war die Kühle des Vorherbstes getreten. Das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 lag noch in Ruhequartieren um Kunow an der
Kamienna etwa südlich Radom. Am Vormittag hatten die einzelnen Schwadronen nur wenig Dienst angesetzt, meist Instandsetzungs- oder Reinigungsdienst.
Gegen 13,30 Uhr erhält Oberst von Unger, der neue Kommandeur des Regiments, von der 2.leichten Division den Befehl, das Regiment marschbereit zu machen und
alsdann bis an den Südrand des Dorfes Ilza vorzurücken, wo weitere Befehle ergehen sollten. Nun war es mit der liebgewonnenen Ruhe vorbei. Die Schwadronen machten
sich fahrfertig. Die Kraftwagen wurden gepackt. Bald liefen die Motoren zur Probe. Das Wetter hatte ein Einsehen. Die Regenwolken verschwanden und die Sonne
brach sich Bahn. Nachdem diese Voraussetzung für einen schönen Marsch auf Fahrzeugen geschaffen war, konnte alsbald die Abfahrt des Regiments aus Kunow erfolgen.
Es wurde in folgender Reihenfolge gefahren:
Vorfahrt: 6.Schwadron mit 1 Kavallerieschützzug, 1 Gruppe sMG und 1 Pak.
Gros: Regimentsstab, Stab der II.Abteilung, 7.Schwadron, Pionierzug, 8.Schwadron, 5.Schwadron, I.Abteilung.
Sammelpunkt der Marschgruppe von Unger war die Strassenbrücke in Kunow. Es ging anfangs in nordwestlicher Richtung bis zum Dorfe Brody. Nach Überschreiten der
Kamienna wurde nördliche Richtung über Lubienia, Blaziny nach Ilza eingeschlagen. Bei Ilza, wo sich die ganze Division zu sammeln schien, wurde längere Zeit
gehalten, bis die Division neuen Befehl ausgab zur Weiterfahrt über Skaryszew, Radom nach Przytyk an der Radomka. Die Weiterfahrt konnte aber noch nicht angetreten
werden, weil das Aufklärungsregiment Nr.7 und das Pionierbataillon 58 noch fehlten, beide aber nach Anweisung vor dem Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 zu
marschieren hatten. Der Grund für den Abmarsch der Division aus der Gegend südlich Radom in den Raum nordwestlich der genannten Stadt war darin zu suchen, dass
in der Gegend von Kutno und an der unteren Bzura grosse Teile der polnischen Armee eingeschlossen waren, die Durchbruchsversuche unternahmen, die eine Verstärkung
des Einkreisungsringes notwendig machten.
Die 2.leichte Division sollte den Durchbruch des Feindes verhindern und voraussichtlich in der Gegend von Nowe Miasto eingesetzt werden.
Endlich gegen 13,30 Uhr konnte die Abfahrt des Kavallerieschützen-Regiments Nr.6 südlich Ilza erfolgen. Der weitere Weg führte über Ilza, Skaryszew nach der grossen
Stadt Radom mit viel Industrie und einem bekannten polnischen Waffenarsenal. Radom war die grösste Stadt, die das Regiment auf seinem Vormarsch durch Polen bisher
durchfahren hatte. Viele Juden mit schwarzen Kappis, langen Kaftanen und riesigen Vollbärten, wie Talmudjuden aus dem Stürmer waren das Kennzeichen der Stadt, deren
militärischen Gebäude und die Bahnanlagen schwer unter den Bombenangriffen deutscher Flieger gelitten hatten. Von Radom ab wurde in westnordwestlicher Richtung
gefahren. Mehrfach traten Marschstockungen ein, so dass es gegen 20,30 Uhr geworden war, als das Regiment vor Przytyk eintraf. Hier verzögerte sich der Weitermarsch
abermals längere Zeit, weil die über die Radomka führende Brücke von den Polen beim Rückzug gesprengt worden war und auf dem sehr sandigen Umgehungsweg zu einer
Spinnstofffabrik eine falsch eingefädelte Brückenkolonne den Weitermarsch sperrte. Stundenlanger Arbeit bedurfte es, um die Brückenkolonne der Pioniere auf dem
tiefverweichten Umgehungsweg wieder flott zu machen. Endlich war der Weg für das Regiment und die im Regimentsverband marschierende I./Art.Rgt.78 frei.
Diese Nachtfahrt, der nächtliche Brückenübergang über das Spinnstoffwerk, war alles andere als angenehm gewesen. Von Przytyk ging es nach Mitternacht über Deba nach
Potworow, wo das Regiment mit dem Stabe gegen 4,30 Uhr des folgenden Morgens eingetroffen war, während die Schwadronen teilweise erst mehrere Stunden später
nachfolgten.
Die Nachtfahrt durch das polnische Gebiet bot vor allem den Kavallerieschützen, die im Zivilleben in der Landwirtschaft beschäftigt sind oder einen
landwirtschaftlichen Betrieb vorstehen, einen interessanten Einblick in die polnischen Wirtschaftsverhältnisse. Welch ein Gegensatz bestand gegenüber deutschen
Verhältnissen, ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Hier in der polnischen Kornkammer, wie auch in gleicher Weise in den anderen Gebieten des ehemaligen
Kongresspolen, wurde nur extensive Landwirtschaft betrieben und zwar nicht nur auf den schlechteren Kulturflächen, sondern auch dort, wo der Boden fruchtbarer ist
und somit eine intensive Betriebsform begünstigen würde. Da aber, wo der Boden nur kargen Ertrag bietet, sind die Verhältnisse einfach jammervoll.
Während in Deutschland selbst bei ungünstiger Bodenbeschaffenheit — ich denke an die Sandflächen der Mark und die Moorgebiete in Nordwestdeutschland – deutscher
Fleiss, deutsche Arbeit nach hartem Kampf den Boden ertragreicher gestaltet und damit seinen Bezwingern bessere irdische Güter gebracht haben und noch bringen,
fehlt in Polen selbst bei günstigeren wirtschaftlichen Voraussetzungen der Wohlstand der Bauern, der in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist. Schuld daran
dürfte aber zum grossen Teil neben der Faulheit, Trägheit und Bequemlichkeit die unabsehbare Anspruchslosigkeit der Bewohner sein, insbesondere soweit es sich
um kulturelle und hygienische Dinge handelt. Der polnische Bauer ist von Vater, Grossvater und noch älteren Generationen her gewöhnt, dass durch das Einschalten
der geschäftstüchtigeren jüdischen Händler, durch das Versagen eigener Volkswirtschaftler, durch eine wucherische und ungerechte Geldwirtschaft er lebenslänglich
Frondienste für seine Gläubiger, für seine Warengrossaufkäufer leisten muss. Für ihn, den Erzeuger der landwirtschaftlichen Güter, deren Ausfuhr ins Ausland eine
Haupteinnahmequelle Polens darstellt, ist, wie von Gott gewollt, keine Möglichkeit gegeben, sich hochzuarbeiten, einen besseren Lebensstandard zu schaffen und
sich aus den Klauen des geldgierigen und erpresserischen Judentums zu befreien. Das Rückgrat der polnischen Bauern ist gebrochen, sie haben keine Willenskraft
mehr zum Hochstreben und haben sich in ihr nach ihrer Ansicht unabänderliches Schicksal, einem Leben grösster Anspruchslosigkeit, ja fast Verkommenheit,
abgefunden.
-Geschichtliche Ausführungen gekürzt, im Original vorhanden-
15.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Als das Regiment beim Morgengrauen des 15. September auf dem Marsche von der Kamienna über Radom die Umgebung von Klwów erreichte, hatte sich indessen bei Kutno
folgende neue Lage ergeben: Das XI. und XIII.deutsche Armeekorps hielten ihre Stellungen gegen die Uebermacht der polnischen Bzuraarmee von etwa
5 Infanterie-Divisionen und 2 Kavallerie-Brigaden auf der Linie Sochaczew – Bodnary – Żelazowa Wola (3 km südl. Lowicz), während die deutsche 4. #Panzerdivision
einen Durchbruchsversuch der Polen über Sochaczew mit dem Ziele der Vereinigung mit der Verteidigungsarmee von Warschau verhinderte.
Das XV.Armeekorps des Generals der Inf. Hoth war zur Verstärkung des Einschliessungsrings der Armee des Generals von Blaskowitz zur Verfügung gestellt worden und
sollte heute mit den Anfängen der 1.leichten Division Bielsk Duzy, mit der 2.leichten Division Rawa erreichen, um die deutsche Front im Osten und Südosten gegen
die feindliche Bzuraarmee weiter zu verstärken und eine polnische Durchbrechung der Front oder ein Ausweichen in den Raum um Warschau unmöglich zu machen.
Vor der Front des XV.Korps befanden sich noch Abteilungen des XI Armeekorps in vorderster Linie, die sich nach wie vor mit aller Kraft den ständig anstürmenden
polnischen Truppen entgegenstemmten. Im Laufe des Vormittags wurde das Regiment weiter auseinandergezogen. Von den Schwadronen war am gestrigen Abend vor der
unvermeidlichen Marschstockung bei Przytyk lediglich die Vorhutsschwadron, die 6.Schwadron unter Oberleutnant von Treskow, über das Spurtagelände gekommen.
Aus diesem Grunde erhielt auch die 6.Schwadron in den Morgenstunden den mündlichen Regimentsbefehl, bis nach Wysokin westlich Przytyk vorzufahren und gegen etwa
durchgebrochenen Feind aus Gegend Rawa in nördlicher Richtung zu sichern. Fest stand nämlich, dass kleineren polnischen Abteilungen der Durchbruch oder besser
gesagt das Durchschleichen durch die dünne deutsche Einschliessungsfront an mehreren Stellen gelungen war. Keineswegs aber konnte es sich hierbei um grössere
polnische Einheiten handeln. Die II.Abteilung ging beim Morgengrauen mit den übrigen Schwadronen in Unterkunft nach Odrzywol, während die 5.Schwadron als
Regimentsreserve in Borowa Wola nach Norden sicherte. Die I.Abteilung kam in und um Klwow unter. Vorgeworfene Kradschützen sollten indessen den Pilica-Uebergang,
der von deutschen Pionieren erst wiederhergestellt werden musste, gegen etwa von Norden vorrückende durchgebrochene Feindkräfte sichern und ihren Uebergang über
die Pilica verhindern. Ein weiteres Vorgehen der Division in nördlicher Richtung war zunächst nicht ratsam, da der nordostwärts Lodz eingeschlossene Gegner am
Vortage mehrfach versucht hatte, in südlicher Richtung durchzubrechen. Ausserdem war die von ihm bei Nowe Miasto zerstörte Brücke über die Pilica noch nicht
fertiggestellt. Zudem war in dem ganzen Gebiet die Lage ziemlich unklar. Widersprechende Nachrichten und Meldungen der Truppen konnten auf ihre Richtigkeit
nicht nachgeprüft werden. Ein später erlassener 2.Befehl der 2.leichten Division liess erkennen, dass es ratsam war, den deutschen Truppenring im Osten und
Südosten der feindlichen Bzura-Kutnogruppe zu verstärken. Das XV.Armeekorps hatte deshalb die Aufgabe bekommen, mit der 1.leichten Division nach Grojec, mit
der Division des Generalleutnants Stumme nach Rawa vorzurücken, um hier sich so bereitzustellen, dass sie einen etwa durchstossenden Feind in den Flanken
angreifen konnten. Der Zeitpunkt des eigenen Vorgehens hing aber einzig allein von der Wiederherstellung der wichtigen Strassenbrücke über die Pilica bei
Nowe Miasto ab. Erst wenn die Brücke durch unsere Pioniere benutzbar gemacht worden war, konnte die 2.leichte Division den ihr zugeteilten Auftrag, von Rawa
auf Mszczonow und gegen den Eisenbahnknotenpunkt Skierniewice anzugreifen, ausführen. Andere Uebergangsmöglichkeiten, auch geeignete Furten, über die Pilica
bestanden leider für motorisierte Einheiten nicht. Nur wenige Stunden der Ruhe waren den Schwadronen des Regiments in ihren erst am frühen Morgen bezogenen
Quartieren beschieden gewesen.
Um 9,30 Uhr wurde für die ganze 2.leichte Division die sofortige Abmarschbereitschaft befohlen. In der Reihenfolge Kavallerieschützen-Regiment Nr.7,
I./Panzerabwehrabteilung 42, II./Kavallerieschützen-Regiment Nr.6, I./Art.Rgt.78, I./Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 sollte der Vormarsch über die Pilica,
einem auch im Weltkrieg oft genannten Flusse, angetreten werden. Die Abfahrt verzögerte sich aber sehr erheblich durch verspätetes Antreffen des
Kavallerieschützen-Regiments Nr.7, so dass die letzten Teile des Regiments von Unger wohl erst gegen 14,30 Uhr die Gegend um Wysokin in nördlicher Richtung
verliessen.
Während der Bereitstellung zum Abmarsch überreichte Generalleutnant Stumme die ersten Eisernen Kreuze an Angehörige des Regiments. Es wurden ausgezeichnet
als 1.Offizier des Regiments der Oberleutnant Hoffmann, der Chef der 7.Schwadron, ferner wurde das Eiserne Kreuz II.Klasse dem Wachtmeister Schulmann von der
6.Schwadron und dem Unteroffizier Gross von der 1.Schwadron verliehen.
Auf der weiteren Fahrt wurde über die von den Pionieren soeben erst fertiggestellte Pilicabrücke der Strassenkreuzungspunkt Nowe Miasto erreicht.
Weiter ging es dann in nordwestlicher Richtung über Zdary nach Cieladz, das dem Regiment als vorläufiges Marschziel genannt war. Gegen 16 Uhr wurde Cieladz
von den Schwadronen der II.Abteilung, von denjenigen der I.Abteilung etwa 1 Stunde später, erreicht. Hier hielten die einzelnen Schwadronen des Regiments
zunächst südlich des Waldes, um neue Befehle zu erwarten, diese liessen aber nicht allzu lange warten. Das Regiment bekam nämlich den Auftrag, Unterkünfte
und Biwakplätze in der Umgebung von Cieladz zu erkunden. In dem Waldstück, wo die I.Abteilung sich zur Rast niedergelassen hatte, war das Unterholz durch
einen Waldbrand völlig ausgekohlt. Anscheinend führte dieser Brand von einem hier abgeschossenen polnischen Kampfflugzeug her, dessen Trümmer von den
Schützen einer eingehenden Untersuchung unterzogen wurden.
Gegen 19,30 Uhr erhielt das Regiment von der 2.leichten Division die Anweisung, in den erkundeten Räumen um Cieladz zur Ruhe überzugehen. Hierauf zog der
Regimentsstab in Cieladz unter, während die I.Abteilung in Gulki etwa 2 km weiter südlich Quartiere bezog und die II.Abteilung in dem Walde nordwestlich
Cieladz biwakierte. Letzteres war wegen eines in der Nacht niedergehenden Gewitters aber nicht besonders angenehm, denn viele Schützen nahmen in der
Nacht unfreiwillig ein Bad. Zum Verständnis der Schlacht bei Kutno und an der Bzura, an der nun das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 Anteil haben sollte,
sei eine kurze Darstellung der Ereignisse gegeben, wie sie sich deutscherseits und nach den Angaben gefangener polnischer Offiziere im Gebiet an der Bzura
indessen entwickelt hatten:Der Einsatz des XV.Armeekorps mit seinen Divisionen und Regimentern in dem weit nordwestlich Radom gelegenen Raum um Lowicz –
Lodz – Kutno – Bzuramündung war, wie bereits kurz erwähnt, notwendig geworden, um den Einkreisungsring um die polnische Zentralarmee aus dem Posener Gebiet
zu vollenden und zu verstärken. Wie in dem deutschen Kriegsplan vorgesehen war, hatten sich die Ereignisse zwischen Schlesien und Ostpreussen tatsächlich
abgewickelt. Die in der ehemaligen Provinz Posen stehende polnische Zentralarmee, die ausersehen war, auf das Herz Deutschlands vorzubrechen, um dem
„Nazideutschland“ den Todesstoss zu versetzen, war jetzt vom eigenen Hinterland abgeschnitten, nachdem die Heeresgruppe Nord bis zur Weichsel und zum Bug
vorgestossen, Warschau grösstenteils eingekreist war und Teile der Armeen Blaskowitz und von Reichenau von Süden und Südosten her über Lodsch bis fast zur
Weichsel zwischen Posen und Warschau einen Riegel ostwärts der Zentralarmee gelegt hatten. Die polnische Zentralarmee hatte die Provinz Posen längst
vollständig räumen müssen und stand, nach allen Seiten kämpfend, eng zusammengedrückt im Raume zwischen Wloclawek – Kutno – Skierniewice – Sochaczew –
Weichsel in der Verteidigung, hart von der 4. und 8.Armee im Westen, Süden und teilweise Osten bedrängt. Die polnische Heeresleitung fühlte den Druck,
der fester und enger wurde, und ihr Bestreben war nur noch darauf gerichtet, an irgendeiner Stelle den Ring zu zersprengen, um mit dem Grossteil der
polnischen Streitkräfte in die unbesetzten polnischen Gebiete auszuweichen und sich dort erneut unter günstigeren Voraussetzungen zum Entscheidungskampf
zu stellen.
Bereits am 10.September hatte die polnische Zentralarmee feststellen müssen, dass ihr und den zu ihr gestossenen Resten der polnischen Korridorarmee im
Gebiet Skierniewice – Sochaczew – Kutno wahrscheinlich der Rückweg auf Warschau durch zunächst zwar noch schwache deutsche Kräfte verlegt werden sollte.
Erbitterte Kämpfe, bei denen polnische Divisionen mit dem Mute der Verzweiflung fochten, hatten sich angebahnt. Immer von neuem versuchte der Feind, den
starken Einkreisungsring zu durchstossen, immer von neuem sandte er Panzer und Stosstrupps, massierte Regimenter und ganze Divisionen gegen räumlich eng
begrenzte Stellen der zunächst noch schwachen, dann aber immer stärker werdenden Umklammerung vor, um eine dünner besetzte Stelle zu finden, durch die
dann die Masse der Division durchbrechen konnte. Kämpfe hatten im Raume um Kutno begonnen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte.
Schon in den ersten Tagen der blutigen Schlacht wurde die Zahl der eingeschlossenen feindlichen Streitkräfte auf über 200 000 Menschen geschätzt.
Ein Einkreisungs- und Vernichtungskampf rollte zwischen Lodsch, Kutno und der Bzura ab, gegen den selbst ein Tannenberg verblasste. Tagelang wurde um
die Entscheidung gerungen. Ein von mehreren polnischen Divisionen am 11.September unternommener Versuch eines Ausbruches aus dem Kessel in südlicher
Richtung brach nach vorübergehenden Teilerfolgen des Gegners für diesen blutig zusammen.
Indessen führte das Deutsche Oberkommando des Heeres immer neue Kräfte der an anderen Stellen des polnischen Kriegsschauplatzes freiwerdenden Truppen
heran, um den Ring fester zu schliessen, allmählich mehr zu verengen und so den Gegner in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken und zu hemmen.
Starke Teile der deutschen Luftwaffe hatten in diese Schlacht, die die Entscheidung des Feldzuges in Polen bedeuten konnte, eingegriffen. Sie zerstörten
durch rücksichtslosen Einsatz der Stukas die Verbindungen des Gegners und belegten die immer dichter zusammengedrängten Massen der eingeschlossenen
polnischen Armee mit ihren gefürchteten Bomben.
Es war naheliegend, dass die polnischen Ausbruchsversuche nunmehr hauptsächlich in südostwärtiger Richtung unternommen wurden. Der polnischen
Operationsgruppe Boltuc war die Aufgabe geworden, am 12.September beiderseits Lowicz über Bolimow in Richtung Skierniewice vorzustossen, um Warschau
zu entlasten und die dortige Streitmacht zu verstärken. Zugleich sollte die Gruppe Knoll – Kownacki, bestehend aus der 25., 17. und 14.Infanteriedivision
und der Kavalleriebrigade Wielkopolska, in nordostwärtiger Richtung sich vom Feinde absetzen und durch die anscheinend noch fast unbesetzte
Einkreisungsfront bei Sochaczew den Rückmarsch auf Warschau fortsetzen. Dieses Vorgehen wurde aber bald angehalten, als starke Kräfte deutscher
Divisionen aus südostwärtiger und Panzerkräfte aus ostwärtiger Richtung im Anmarsch gemeldet wurden. General Bortnowski von der Armee Pommern sorgte
sich nunmehr um eine Ostflanke. In höchster Not übernahmen Teile der polnischen Lodsch-Armee des Generals Rommel mit Teilen der 30., 28. und
8.Infanteriedivision beiderseits Sochaczew die notwendig gewordene starke Sicherung nach Osten. Damit war wohl die Krise vorübergehend überwunden,
nicht aber der Einkreisungsring gelockert. Mindestens 5 Infanteriedivisionen und 2 Kavalleriedivisionen hatte der Gegner am 12.September zur Brechung
einer Lücke in der Einkreisungsfront eingesetzt gehabt. Ausser der belanglosen Gewinnung einiger Dörfer und Gehöfte hatte der verzweifelte Angriff
kein Ergebnis. Bald wurde der Feind durch den deutschen Gegenangriff wieder zurückgeschlagen und auf immer engeren Raum zusammengepfercht.
Der Schwerpunkt der polnischen Angriffe wanderte mehr von Westen und Süden nach Osten, wo deutscherseits am 13.September starke Truppen eingesetzt
worden waren, um jegliche Gefahr und unliebsame Überraschungen an dieser Stelle auszuschliessen. Als nun am 14.September sehr starke und mit Heldenmut
angreifende polnische Kampftruppen abermals einen Versuch machten, aus der Gegend um Lowicz ostwärts oder südostwärts auf Rawa durchzubrechen, wurde
zu weiterer Verstärkung der dortigen deutschen Front ein weiterer Teil der 10.Armee des Generals der Artillerie von Reichenau, vor allem das
XV.Armeekorps mit der 2. und 3.leichten Division und der 29.Infanteriedivision in den bedrohten Abschnitt in Marsch gesetzt und der Armee des
Generals der Infanterie Blaskowitz zur Abwehr des Gegners zur Verfügung gestellt. Das war die Lage der Schlacht bei Kutno und an der Bzura, als am
heutigen Tage das Kavallerieschützen-Regiment Nr.6 in den neuen Bereitstellungsraum abmarschiert war.
16.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

An das Gewitter vom Vorabend hatte sich ein leichter Regen angeschlossen, der bis gegen Mittag anhielt. Trotz dieser Witterungsunbilden hatte
das Regiment in den Quartieren und auf den Biwakplätzen gut geruht. Die eingetretene Abkühlung wirkte nach der Sonnenglut der Vortage auf die Truppe
erfrischend. Angenehm war es den Schützen, dass es nicht zur frühen Morgenstunde wieder Alarm gab, obwohl der Kanonendonner seit Morgengrauen in
verstärktem Masse aus nordwestlicher Richtung zu den Biwak- und Quartierplätzen des Kavallerieschützen-Regiments herüberklang und erkennen liess,
dass die Schlacht gegen die eingeschlossenen polnischen Streitkräfte im Raum um Kutno und an der Bzura ihren Fortgang nahm. Der Pole versuchte mit
bewundernswertem Elan immer wieder, den eisernen Ring in südlicher oder ostwärtiger Richtung zu durchstossen. Nach einer gegen Mittag bei Oberst
von Unger eintreffenden Meldung war es dem XVI. und XVII.Armeekorps im fortschreitenden Angriff gelungen, gefährliche polnische Durchbruchsversuche
abzuwehren und den Feind nach Westen und Nordwesten über den Bzura-Fluss zurückzudrücken.Nachdem der Vormittag mit Gerätereinigungs- und
Instandsetzungsarbeiten verbracht worden war, traf gegen 13,30 Uhr der Abmarschbefehl für das Regiment ein. Es sollte über Rawa Mazowiecka den Raum
um Korytowo erreichen, um im Rahmen der Division als Verstärkung des deutschen Einkreisungsringes zum sofortigen Eingreifen bereit zu stehen.
Um 15 Uhr erfolgte die Abfahrt. Von Cieladz ging es in nordwestlicher Richtung nach dem nur wenige Kilometer entfernten Städtchen Rawa Mazowiecka
an der Rawka. Die Stadt wurde nach mehreren unfreiwilligen Marschpausen gegen 16 Uhr erreicht. Noch vor der wiederhergestellten Rawkabrücke bog die
Marschkolonne nunmehr in nordöstlicher Richtung ab und fuhr auf einer stellenweise sehr ausbesserungsbedürftigen Strasse in allgemeiner Richtung
nach Warschau. Die Freude bei den Schützen war gross, da allgemein die Vermutung bestand, dass die Division dazu ausersehen war, bei der Niederkämpfung der
polnischen Landeshauptstadt mitzuwirken. Es kam aber anders. Nachdem über Babski die vollkommen zerschossene Stadt Mszczonow erreicht war, wo Wegweiser
auf das nahe Warschau hinwiesen, wurde die über Grodzisk und Pruszkow nach Polens Zentral führende Chaussee verlassen und abermals nordwestliche Richtung
auf die Stadt Zyrardow genommen.
Indessen war die Mitteilung eingetroffen, dass neuerliche, von starken Kräften durchgeführte polnische Durchbruchsversuche der Kutno – Bzuragruppe bei
Lowicz abgeschlagen worden waren und sich das deutsche XVI. und XI.Korps im fortschreitenden Angriff über die Bzura nach Nordwesten und Westen befanden.
In der letzten Ortschaft vor Zyrardow, dem langgestreckten Dorfe Korytow, gingen beide Abteilungen in Quartiere und zogen nach Verpflegungsausgabe in
Scheunen, Gehöften und Stallungen unter. Der immer stärker werdende Geschützdonner liess erkennen, dass sich das Regiment wieder in der Nähe der Front
befand. Mit baldigem Einsatz war zu rechnen.
17.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Immer neue Durchbruchsversuche hatte der mit dem Mute der Verzweiflung kämpfende eingeschlossene Pole im Raume Dobrzikow – Gombin – Zychlin – Lowicz
– Sochaczew – Bzuramündung unternommen. Nachdem mehrfache feindliche Anstrengungen, den Ring der deutschen 8.Armee in Richtung auf Lowicz zu durchbrechen,
gescheitert waren, ging die polnische Führung zu starken Gegenangriffen in Richtung Sochaczew über. Schon am Abend des 14.September hatte nämlich die
Oberleitung der zwischen Kutno und Bzura eingeschlossenen polnischen Truppen den Plan gefasst, zunächst mit der Armee Posen, den Kavalleriebrigaden
Wielkopolska und Podlaska voraus, nördlich Sochaczew unmittelbar südlich der Weichsel auf Warschau oder Modlin durchzustossen.
Die Armee Pommern sollte mit Resten der Armee Lodsch nach Süden längs des Bzuraflusses sichern. Teile der Armee Posen waren für den Rückenschutz nach
Westen verantwortlich. Die Bewegungen wurden in den Nächten vom 15./16. und 16./17. durchgeführt. Die feindliche Umgruppierung war aber den deutschen
Aufklärungsfliegern nicht entgangen. Tagsüber traten durch die unaufhörlichen Angriffe deutscher Sturzbomber und Kampfflieger auf Unterkünfte und
Versammlungsräume der Polen schwere Verluste ein. Auftretende Disziplinlosigkeiten waren die Folge. Todesmutige Angriffe intakter polnischer Truppenteile
konnten von der aus der Gegend von Warschau nach Westen vorgehenden deutschen 31.Infanterie-Division nach vorübergehender Krise bei Wilanow und Blizne
unmittelbar nordwestlich Warschau abgeschlagen werden. Damit war auch ein Entsatzversuch aus Warschau gescheitert. Die deutsche Heeresleitung war
entschlossen, den Angriff auf die eingeschlossenen Feindteile nunmehr beschleunigt bis zu ihrer Vernichtung oder Gefangennahme fortzuführen. Dazu war
es einmal notwendig, nördlich der Weichsel Truppen anzusetzen, um ein Entweichen des Gegners auf das nördliche Weichselufer und von hier auf das noch in
polnischer Hand befindliche Modlin zu verhindern, und zum anderen die bisher an schwächsten besetzte Stelle der Einkreisungsfront zwischen der Weichsel
und Sochaczew und südlich davon wesentlich zu verstärken. Hierzu waren, wie schon erwähnt, Teile der deutschen 10.Armee vorgesehen. Bei Tagesanbruch des
17.September erhielt die 2.leichte Division daher Befehl, um 7 Uhr abzurücken und sich mit dem Anfang beim Strassenkreuz in Alexandrow, etwa 15 km
nordwestlich Zyrardow, zur Verfügung der Armee zu halten, während zugleich Panzerdivisionen den Feind über die Bzura zurückdrängen sollten. Im Westteil
der Einschliessungsfront hatten deutsche Truppen Kutno genommen und damit den Bewegungsraum für den Gegner erheblich verengt. Da nun die Hauptkräfte von
zwei deutschen Armeen — der 8. und 10.Armee — gegen den eingeschlossenen Feind südlich der Weichsel und westlich der Bzura angesetzt waren, konnte
angenommen werden, dass sich das Schicksal des seit Tagen vom frühen Morgen mit einem Eisenhagel bedachten Gegners in kürzester Zeit erfüllen würde.
Nachdem von den Zahlmeistern des Regiments mit vorschriftsmässigen Beitreibungsscheinen Schlachtvieh zur Verpflegung der Schwadronen, deren Feldküchen
infolge der erstmalig eingetretenen Nachschubschwierigkeiten keine Vorräte mehr hatten, requiriert worden war, konnte gegen 7 Uhr der Abmarsch zum neuen
Gestellraum erfolgen. Kurz vor dem Abmarsch traf jedoch ein neuer Befehl der Division ein. Der Marsch sollte nur bis Wiskitki durchgeführt werden. Dort
sollte auf freiem Felde die Bereitstellung erfolgen.Von Korytow ging die Fahrt durch die Stadt Zyrardow nordwestwärts. Das Regiment marschierte fast am
Ende des Gros hinter der Flak-Abteilung 86. Wie schwer die Kämpfe mit der feindlichen Kutno-Bzuragruppe waren, liess sich nicht nur aus dem fortlaufend
hörbaren Kanonendonnern, sondern auch aus dem Umstand entnehmen, dass immerwährend neue Entschlüsse der deutschen Führung notwendig wurden, um mit den
der Armee zur Verfügung stehenden Truppen die schwere Lage meistern zu können und jeden Durchbruchsversuch des Gegners möglichst im Keime zu ersticken,
zum mindesten aber rechtzeitig aufzufangen. So erreichte das Regiment, als es bei Zyrardow in der ihr zugewiesenen Richtung fuhr, eine neue Anweisung
der Division. Das Regiment sollte im Marsch bleiben, sich von Wiskitki nach Guzow wenden, in nordnordöstlicher Richtung in die Gegend von Szymanow fahren
und jenseits der Eisenbahnstrecke auf Blonie und Warschau an der von Sochaczew nach Warschau führenden grossen Strasse bei dem kleinen Siedlungsdorfe
Topolowa und bei Chrzczany diese Strasse gegen feindliche Angriffe aus nördlicher Richtung sichern.
Dieser Einsatz weiter nordwärts war plötzlich erforderlich geworden, weil durchgebrochene Feindkräfte von Brochow, 10 km nördlich Sochaczew, sich auf
dem Vormarsch auf Leszno befanden. Es war nämlich den Polen an der unteren Bzura geglückt, ein Loch in den Einkreisungsring zu stossen, durch das nun
starke polnische Teile ihre Rettung in ostwärtiger Richtung auf Warschau suchten. Der 2.leichten Division war die Aufgabe übertragen, einen feindlichen
Vorstoss auf der grossen Warschauer Strasse aus westlicher oder nördlicher Richtung aufzuhalten. Zur Sicherung waren ausser dem Regiment, dem die
3./Panz. Abwehr-Abtlg 42 und die I./Art.Rgt.78 unterstellt waren, noch das Aufklärungsregiment Nr.7 weiter nordwärts zwischen Zawady und dem Vorwerk
Szczylow an der Utrata und das Kavallerieschützen-Regiment Nr.7 beiderseits Kampinos mit Front nach Westen angesetzt. Wegen der unsicheren Lage hatten
die Trosse der Regimenter Anweisung erhalten, zunächst bis auf Abruf im Raume um Oryszev zurückzubleiben. Ohne Zwischenfälle wurde der zugewiesene Raum
erreicht. Die I Abteilung bezog bei Kozuszki (links), die II.Abteilung bei Topolowa (rechts) Stellung, während das Schwesterregiment Nr.7 weiter nördlich
rechts anschliessend an das Regiment von Unger in der Linie Zawady – Kampinos Aufstellung genommen hatte.
Die 7.Schwadron der II.Abteilung unter Oberleutnant Hoffmann blieb als Regimentsreserve beim Forsthaus Gaj südlich der oben erwähnten Bahnlinie stehen.
Die Gerüchte verdichteten sich immer mehr zu grösserer Wahrscheinlichkeit, dass starke feindliche Kräfte nach geglücktem Durchstoss im Vormarsch auf
Blonie waren, da die 4.Panzerdivision dem feindlichen Ansturm hatte weichen müssen. In der Einkreisungsfront um die feindliche Bzuragruppe war ein Loch.
Da die Hauptgefahr eines weiteren Vorgehens der feindlichen Streitkräfte aber durch heldenmütigen Einsatz der bereitgestellten Truppen hatte abgewehrt
werden können, sich zudem auch vor dem Regiment keine durchgebrochenen Feindgruppen zeigten und auch die vor dem Regiment eingesetzten Kradschützen
keinen Gegner antrafen, wurde das Regiment kurz nach Mittag angewiesen, zur Abwehr polnischer Durchbruchsversuche und zum Anfangen von Truppen westlich
und ostwärts der Bzuramündung weiter nach Norden vorzurücken und über Zawady – Lazy an den Waldrand nördlich des Weges Grabnik – Kirsztajnow vorzurücken.
Durch Ausführung dieser Vorwärtsbewegung näherte sich das Regiment und die Division immer mehr der nordwärts entlangfließenden Weichsel im Abschnitt
Bzuramündung – Modlin.
Gegen 14,30 Uhr war die Vorwärtsbewegung durchgeführt. Der Gefechtsfeuer in der linken Flanke der Division erreichte seinen Höhepunkt. Verzweifelt suchten
die eingeschlossenen polnischen Divisionen mit Gewalt die Fesseln zu sprengen. Im neuen Abschnitt war das Regiment mit Front nach Norden zur Weichsel am
linken Flügel der 2.leichten Division eingesetzt und zwar stand im Anschluss an die 4.Panzerdivision die I.Abteilung unter Oberstleutnant Rein um Kirsztajnow
mit der 2.Schwadron links, der 3.rechts und der 1.hinter der 3.Schwadron, die II.Abteilung unter Oberstleutnant Junck rechts anschliessend beiderseits
Grabnik mit der 6.Schwadron (nebst 1 Kavalleriegeschütz, 1 Gruppe schwere Granatwerfer und 1 Pak) links, der 5. mit ebensolchen Unterstellungen rechts.
Der Rest der 8.Schwadron und der Pionierzug blieben als Abteilungsreserve hinter den beiden eingesetzten Schwadronen, während die 7.Schwadron Regimentsreserve
bildete und in der Nähe des Regimentsgefechtsstandes bei der Försterei hinter beiden Abteilungen sich bereit stellte. Rechts anschliessend an das Regiment
war das Kavallerieschützen-Regiment Nr.7, das seinerseits nach rechts Anlehnung an die 29.Infanteriedivision fand. Vor der Division in nordwestlicher
Richtung und in der Flanke in westlicher Richtung tobte am Nachmittag der heftige Gefechtslärm der Vernichtungsschlacht an der Bzura.
Zahlreiche Bombengeschwader der hervorragenden Stukas griffen in den Erdkampf ein, um durch Bombenwürfe den Gegner zu zermürben. Diese Bombenabwürfe erstreckten
sich auch auf den nördlich der Division liegenden Wald, in dem sich Gruppen durchgebrochener polnischer Heeresteile aufhielten, die sich ostwärts zur Festung
Modlin durchschlagen wollten. Mit Interesse sahen die Schützen den Bombeneinschlägen zu, war es doch das erste Mal im Feldzug in Polen, dass sie einen Angriff
der deutschen Luftwaffe aus der Nähe sehen konnten. Im Norden und nordostwärts des Regiments lag der fast unwegsame noch urwaldähnliche Kampinoswald, der den
Polen, die dem Einkreisungsring westlich der Bzura entrollen waren, sehr gute Schlupfwinkel und Verstecke bot. Es war daher notwendig, dass die beiden
Kavallerieschützenregimenter der Division sich langsam weiter nordwärts vorschoben, um so mehr die Schützen keine enge Gefechtsfühlung mit dem Gegner hatten
und das dichte Unterholz vor der Hauptkampflinie eine straffe Zusammenfassung der eigenen Kräfte und eine Verteidigung im Ernstfall erschwert haben würde.
Im Laufe des Nachmittags wurden daher die Gefechtsvorposten bis an den Nordrand des Waldes bei Bromierzyk nördlich des Westzipfels des Kampinoswaldes vorverlegt,
während die Hauptkräfte zunächst noch weiter rückwärts blieben. Die Gefechtsvorposten hatten bei dieser Bewegung mehrfach Feindberührung, da sich in dem Gebiet
südlich der Weichsel bis zum Nordrand des Kampinoswaldes zahlreiche abgesprengte grössere und kleinere Feindabteilungen umhertrieben. So ging gegen 16 Uhr eine
feindliche Gruppe in Zugstärke gegen die Vorposten der 5.Schwadron vor, wurde aber nach kurzem Feuergefecht abgewiesen und liess mehrere Gefangene in der Hand
der Schwadron. Auch die dem Regiment unterstellte I./Art.Rgt.78 gab mehrfach Einzelschüsse auf sich zeigende Polengruppen ab, ohne dass sich jedoch ein
Artilleriekampf im Divisionsabschnitt entwickelte. Ein auf Befehl der Division gegen 17,30 Uhr bei Eintritt der Dämmerung nordwärts vorgeschickter starker
Stosstrupp unter der Führung des Leutnants des Res.Insinger hatte den Auftrag, durch den breiten Wald nordwärts des Dorfes Karolinow bis zur Weichsel aufzuklären.
Der Stosstrupp kam jedoch nur bis in den Südteil dieses Waldes bei Krolewskie. Im Wald traf er auf starken Widerstand polnischer Truppen, insbesondere auf
ostwärts marschierende Kolonnen, denen er weder zahlenmässig noch ausrüstungsmässig gewachsen war. Auch die von den Gefechtsvorposten anderer Schwadronen
vorgetriebenen Spähtrupps fanden im Waldgebiet starken Feind, so dass es in der Dunkelheit nicht ratsam war, durch diesen Wald bis zur Weichsel aufzuklären.
Der Verlauf der Unternehmungen des heutigen Tages gegen die eingeschlossenen Teile der feindlichen Bzuragruppe hatte gezeigt, dass die deutsche Abriegelung im
Osten von Anfang an nicht stark genug gewesen war, um den todesmutigen Anstürmen verzweifelter polnischer Regimenter an allen Punkten standhalten zu können.
Schwache Teile des Gegners waren, wie auch die abendlichen Erkundungen des Regiments im Gebiet südlich der Weichsel bestätigt hatten, ostwärts durchgebrochen.
Ein weiteres Abfliessen polnischer Truppen nach Osten war am Nachmittag durch den Angriff der 4.Panzerdivision verhindert worden, wobei der Gegner schwerste
blutige Verluste erlitt. In den Abendstunden lag die 4.Panzerdivision mit Teilen bei Wolka Smolana, mit der SS.Leibstandarte Adolf Hitler in Janówek und mit einem
Kavallerieschützen–Regiment in Brochow, während rechts der 2.leichten Division die 29.Infanterie–Division mit den thüringischen Regimentern 75 rechts und 71 links
den Feind im Wald nördlich der Linie Zamczysko – Grabina – Lubiec angriff, um den Nordrand des Kampinoswaldes zu erreichen. Weiter befanden sich, anscheinend
rings vom Feinde umgeben, noch Teile des Infanterieregiments Nr.12 von der 31.Division in der Gegend um Gorki zwischen den beiden Waldgebieten.
Die 2.leichte Division erhielt um 21 Uhr vom Generalkommando des XV.Armeekorps den Befehl, den Nordrand des Kampinoswaldes an der Linie südlich Gorki – Bieliny
– Bromierzyn – Fumulki Brochowskie zu halten.
Das Kavallerieschützen–Regiment Nr.6 sollte die bisherige Gefechtsvorpostenstellung in der Linie Bromierzyk – Famulki Brochowskie erheblich verstärken und diese zur
Hauptkampflinie ausbauen, während neue Gefechtsvorposten bis über Karolinow nordwärts vorzuschieben waren. Nachdem die Schützen durch die inzwischen geholten
Feldküchen verpflegt worden waren, erfolgte das Vorverlegen der Stellungen, das gegen Mitternacht seinen Abschluss fand und vom Feinde nirgends gestört worden war.
Mit dem Aufklärungsregiment Nr.7 und dem rechten Flügel der SS.Leibstandarte von der 4.Panzerdivision hatte das Regiment Verbindung aufzunehmen. Der Gefechtsstand
des Regiments blieb zunächst im Wald 800 m ostwärts Kirsztajnow, derjenige der II.Abteilung am Ostrand des Dörfchens Lazy Lesne.
Die Temperatur war kühl. Das trübe Wetter und ein kalter Wind waren nicht angenehm. Die nachts in Stellung bleibenden Schützen froren in der Nacht erheblich, da sie
ohne Deckenausrüstung waren. Die ununterbrochen vorgehenden Spähtrupps der einzelnen Schwadronen stellten wiederholt im Walde ostwärts marschierende polnische
Truppenkolonnen und auch polnische Kavallerie fest. Auf Ersuchen der Schützen gab die eigene Artillerie deshalb nachts mehrfach Störungsfeuer auf den Wald und das
Gebiet nördlich des Waldes ab.
Die im Laufe des Tages eintreffende Nachricht, dass russische Truppen Polens Ostgrenze überschritten hatten, um von den weissrussischen und den ukrainisch besiedelten
Gebieten Polens Besitz zu ergreifen, hatte bei der Truppe grosse Freude ausgelöst. Dieser Einmarsch russischer Truppen musste das unerbittliche Schicksal Polens noch
beschleunigen. Noch immer kämpfte fast ein Viertel des gesamten polnischen Heeres eingeschlossen südwestlich Wysogrod zwischen der Weichsel und der Bzura auf engstem
Raum einen verzweifelten aber aussichtslosen Kampf. Schon mehrten sich die polnischen Überläufer, die zermürbt durch das tagelange unaufhörliche Artilleriefeuer und
durch die Bombenabwürfe unserer Stukas die Waffen von sich warfen. Der Widerstand des Gegners begann zu erlahmen, seine Kampfmoral war bereits erheblich geschwächt.
Die neuerdings zwar immer noch vom Feinde nach Osten und Südosten vorgetragenen Durchbruchsversuche liessen die Stosskraft der Vortage vermissen. Alle Anzeichen
sprachen dafür, dass der Höhepunkt der Schlacht an der Bzura überschritten war. Die polnische Kutno – Bzuragruppe ging langsam aber sicher ihrer Auflösung entgegen.
Das Regiment hatte am 17.September nur einen Verwundeten zu beklagen.
18.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Am 18. September bei Tagesanbruch verlegte die I.Abteilung des Kavallerieschützen–Regiments Nr.6 ihre Stellungen etwa 2 km weiter nördlich an die Strasse
Famulki – Brochowskie – Bromierzyk, um ein günstigeres Vorgelände für das weitere Vorgehen zur Weichsel zu haben. Die Vorwärtsbewegung bereitete bei dem
tiefsandigen Boden grosse Schwierigkeiten, da Wege in unserem Sinne nicht vorhanden waren. Mehrfach versanken die Fahrzeuge im losen Sand und konnten nur mit Mühe
wieder flott gemacht werden.
Indessen war gegen 6 Uhr der neue Divisionsbefehl zur Bereitstellung zum Angriff auf den Feind im Weichselbogen eingetroffen. Die gestern in der Dämmerung und im
Verlaufe der Nacht vorgetriebenen Spähtrupps hatten in den vor der Division liegenden Waldungen starke feindliche Kolonnen, vor allem polnische Kavallerieabteilungen,
festgestellt. Es bestand die Vermutung, dass sich in dem Waldgelände zwischen der Kampinoska und der Weichsel eine feindliche Kavalleriebrigade befand, der in der Nacht
weitere über die Bzura entwichene Feindteile gefolgt waren.
Die 2.leichte Division des Generalleutnants Stumme, die dem XV.Armeekorps wieder unterstellt war, hatte die Aufgabe, bis zur Weichsel durchzustossen, den dort stehenden
Feind zu vernichten und etwaigen weiteren über die Bzura durchgebrochenen Feindteilen den Weg nach Osten auf die nahe Weichselfestung Modlin zu verlegen. Für diese
Aufgabe war das ganze Korps eingesetzt dergestalt, dass die 1.leichte Division vom Abschnitt Lomna – Adamowek und die 29.Infanteriedivision vom Abschnitt Mierze –
Zamosc gegen die auf dem Südufer befindlichen Befestigungswerke von Modlin, der bekannten Festung Nowogeorgiewsk aus dem Weltkriege 1914 – 1918, vorrückten, während
die 2.leichte Division am linken Flügel des Korps vom Nordrand des Kampinoswaldes südlich Zamosc - Bromierzyk nordwärts zur Weichsel vorstossen.
Links der 2.leichten Division war das XVI.Korps mit der 4.Panzerdivision, rechts aus der Umgebung von Brochow auf Sladow an der Weichsel und links daneben die
1.Panzerdivision westlich der Bzura angesetzt.
Die 2.leichte Division gliederte sich zum Durchstoss wie folgt:
Kavallerieschützenregiment Nr.7 rechts, Kavallerieschützenregiment Nr.6 links,
Trennungslinie zwischen beiden die Wegegabel am Ostrand von Komorow – Försterei 1 km ostwärts Karolinow – Höhe 87 bei dem Dorfe Krolewskie. Der Schwerpunkt des Angriffs
des Kavallerieschützenregiments Nr.6 lag entlang des Weges Bromierzyk – Lazowskie – Krolewskie. Zur Verstärkung der Stosskraft, vor allem in dem breiten Waldgebiete des
Kromnowaldes, wurde jedem Kavallerieschützenregiment der Division eine Kompanie der Panzerabteilung 66 unterstellt. Zur erfolgreichen Durchführung der übertragenen
Aufgabe und zum systematischen Durchkämmen des Waldgebietes war es notwendig, die eigenen schweren Waffen und die unterstellte Artillerie frühzeitig vorzuholen und so
bereitzustellen, dass sie unverzüglich gegen polnische Widerstandsnester wirken konnte. Von reibungsloser Zusammenarbeit mit der Artillerie, die dem Regiment im
polnischen Feldzug schon mehrfach in vorbildlicher Weise den Weg zum Erfolge gebahnt hatte, war das Gelingen des Plans abhängig.
Die Division – besonders aber das Kavallerieschützenregiment Nr.6 – hatte aus den verlustreichen Waldgefechten bei Barak und Lacznia, wo sich der Pole hartnäckig und
zäh verteidigt und den ungestümen Vorwärtsdrang der Schützen gedämpft hatte, gelernt. Sie setzte sich daher rechtzeitig mit der ihr unterstellten I./Art.Rgt.78 in
Verbindung und liess eine sorgfältige artilleristische Unterstützung vorbereiten. Um Flankierungsmöglichkeiten des Gegners nach Möglichkeit auszuschalten, sollte die
Artillerieabteilung mit ihren Spreizlafettenhaubitzen 18 zunächst die südlichen Ränder des Kromnowaldes bei Krolewskie und östlich davon, sowie die dort liegenden
polnischen Walddörfer unter Feuer nehmen. Dann, sobald die Schützen in den Wald eindrangen, sollte dieser selbst abgestreut werden und schliesslich das Feuer nach
kurzem Flächenschiessen auf den Nordrand des Waldes vorgelegt werden, um diesen völlig abzuriegeln. Die Ausführung des Feuers wurde, wie vorausgenommen werden soll,
in dieser Weise durchgeführt und brachte vollen Erfolg.
Ab 9 Uhr stellte sich das Regiment zum befohlenen Vorgehen zur Weichsel bereit. Der Zeitpunkt für den Angriffsbeginn war zunächst nicht festgelegt, sollte vielmehr
dem Regiment später durch Funk mitgeteilt werden. Die Abteilungen hatten indessen ihre Gefechtsstände weiter nach vorn verlegt, um die Vorwärtsbewegungen der
einzelnen Schwadronen besser übersehen und gegebenenfalls schneller eingreifen zu können. Der Regimentsgefechtsstand, in dessen Nähe sich auch derjenige des
Oberstleutnants Junck der II.Abteilung befand, war auf eine gute Übersicht gewährenden Höhe 94 südostwärts des Dorfes Bromierzyk eingerichtet worden.
Gegen 9 Uhr traf auf dem Gefechtsstand des Kommandeurs, Oberst von Unger, der Divisionskommandeur, Generalleutnant Stumme, ein, um sich zu orientieren und weitere
teilweise abändernde mündliche Weisungen für den Angriff zu erteilen.
Um 9,30 Uhr gab Generalleutnant Stumme das Zeichen für den Beginn des Angriffs. Abändernd wurde dabei die Abschnittsgrenze zwischen den beiden Abteilungen des
Regiments von der bisher befohlenen nördlichen Richtung mehr nach Nordwesten verlegt. Da noch kurz vor Angriffsbeginn feindliche Spähtrupps aus dem Kromnowalde
südlich auf Karolinow vorgeführt hatten, dann aber auf das Feuer der leichten Maschinengewehre wieder im Walde verschwunden waren, wurde vom Regiment im Walde
starker Feindwiderstand erwartet und dies bei den getroffenen Massnahmen in Rechnung gestellt. Das Vorgehen der Schützenlinien — die II.Abteilung rechts, die
I.Abteilung links —, das gegen 10,45 Uhr seinen Anfang nahm, vollzog sich vor dem Walde völlig reibungslos. Es befanden sich in vorderster Linie bei der I.Abteilung
die 2.Schwadron rechts, die 3.Schwadron links, bei der II.Abteilung die 5.links und die 6.rechts und zwar jeweils mit den zugeteilten Kavallerieschützzügen,
je 1 schwere Granatwerfergruppe und 1 Pakgeschütz. In zweiter Linie waren hinter der I.Abteilung die 1.Schwadron; hinter der II.Abteilung der Pionierzug und die
nicht eingesetzten Teile der 8.Schwadron bereitgestellt. Die 7.Schwadron blieb Regimentsreserve. Die 2.Batterie des Flakregiments(-abteilung) Nr.86 unter
Hauptmann Fee und die beiden eingesetzten Kavallerieschützzüge der II.Abteilung sicherten zunächst von den Hügeln bei Bromierzyn, später bis Karolinow vorgezogen
von den dortigen Höhen das Vorgehen der Schützen gegen den Südrand des Waldes.
Bei der I.Abteilung waren die schweren Waffen in ähnlicher Weise eingesetzt.Das Regiment gelangte ohne Feindberührung in den Kromnowald, fand auch hier zunächst
keinen Widerstand und konnte sich in dem unwegsamen Hochwald, der jegliche Pflege vermissen liess, soweit sich die Natur nicht selbst zum Wegemeister gemacht
hatte, langsam nordwärts vorarbeiten. Einzelne polnische Soldaten trieben sich in dem Walde umher, aber nicht, um ernsthaften Widerstand zu leisten, sondern nur,
um überzulaufen oder sich nach vergeblichen schwachen Fluchtversuchen zu ergeben. Kurz ehe der Nordrand des Waldes erreicht wurde, stiess die II.Abteilung eine
stärkere polnische Gruppe auf. Es kam zu einer kurzen Schiesserei, die mit der Gefangennahme von 20 Polen ihr Ende fand. Gegen 13,30 Uhr hatte die II.Abteilung
die Strasse Kromnow – Gorzewnica erreicht und starke Sicherungen bis zum stark versandeten, meist mit Erlen bestandenen Weichselufer vorgeschoben.
Als die II.Abteilung das zugewiesene Angriffsziel, die Weichsel, erreicht hatte, stellte sich heraus, dass sie weder zur I.Abteilung, noch zum
Kavallerieschützenregiment Nr.7 Verbindung hatte und in gefährlicher, flankierend bedrohter Stellung auf sich allein angewiesen lag. Nicht ganz so glatt war der
Vormarsch der I.Abteilung vor sich gegangen. Schon beim Durchstreifen des Waldes hatten die Schwadronen mehrfach von den Bäumen Feuer von Baumschützen erhalten.
Polnische Granatwerfer richteten gutgezieltes Feuer auf die Angreifer. An der Kleinbahnlinie, deren Böschung ihm guten Schutz gewährte, leistete der Feind den
Vortrupps der Abteilung besonders zähen Widerstand. Zurückhängende Gruppen der Schwadronen wurden im Walde mehrfach aus der Flanke angeschossen, so dass die
Verbände durcheinander kamen und einmal sogar eine Panik entstand, bei der ein Teil der Schützen der 2. und 3.Schwadron ungeordnet zurückwich.
Die Schwadronführer bekamen ihre Leute jedoch bald wieder in die Hand und als die Abteilung an der Bahnlinie einige Zeit liegen blieb, gelang es, die Verbände
neu zu ordnen, so dass das Vorgehen nach Sammeln der Versprengten in der alten Gefechtsordnung nordwärts gegen die Weichsel bei Kromnow fortgesetzt werden
konnte. Das gesteckte Ziel wurde, wenn auch erheblich später, gegen 17,30 Uhr von der I.Abteilung erreicht und die seit Stunden verloren gegangene Verbindung
zur II.Abteilung wieder aufgenommen. Da sich hinter der Abteilung immer von neuem Schiessereien im Walde mit versprengten und versteckten polnischen
Truppenabteilungen entwickelten und damit eine erhebliche Gefährdung der rückwärtigen Verbindungen der Abteilung eintrat, wurde die 7.Schwadron als
Regimentsreserve der I.Abteilung unterstellt und zur Sicherung mit Front nach rückwärts auf den Kromnowerwald eingesetzt, um so mehr dort schwacher von Westen
nach Osten flüchtender Gegner gemeldet wurde.
Indessen hatten sich bei der II.Abteilung an der Weichsel unerwartet neue Kämpfe entsponnen. Gegen 14,30 Uhr erfolgte aus den Erlen- und Weidenbüschen an der
Weichsel ein Angriff von etwa 2 polnischen Schwadronen, die sich längs des Flussufers nach Osten durchschlagen wollten. Sofort setzten die schweren
Maschinengewehre der Schwadronen, die zugeteilten schweren Granatwerfer der 8.Schwadron und das Abwehrfeuer der Schützen ein. Der Pole, das Aussichtlose seines
Durchbruchsversuches erkennend, ergab sich nach kurzer Gegenwehr. 250 Polen, darunter eine polnische Krankenschwester und ein polnischer Heerespfarrer,
fielen als Gefangene in die Hand der Abteilung Junck. Auch eine Kriegskasse von 12 000 Zloty erhöhte zur Beute. Etwa 500 m weiter ostwärts am Ostrand des
Dorfes Gorzewnica wurde von der 6.Schwadron unter Oberleutnant von Treskow eine polnische Batterie mit 3 Geschützen aufgehalten und ein Regiments- und ein
Abteilungskommandeur mit 350 Mann gefangen genommen. Gute Reitpferde und eine Feldküche, zahlreiches Fernsprechgerät fielen der 5.Schwadron in die Hände.
Grosse Freude herrschte bei der 6.Schwadron darüber, dass der Ordonnanzoffizier des Regiments, der wenige Minuten vorher auf einer Erkundung in polnische
Gefangenschaft gefallen war, wieder befreit werden konnte. Als die polnischen Gefangenen gerade geordnet nach rückwärts an den Südrand des Waldes geschafft
werden sollten, erhielt die II.Abteilung plötzlich vom nördlichen Weichselufer her schweres Maschinengewehrfeuer, das aber bald wieder verstummte. Bei diesem
Feuer, das anscheinend von einer dort stehenden deutschen SS.-Formation abgegeben worden war, wurden 1 Unteroffizier und 2 Schützen und mehrere gefangene Polen
verwundet.
So lag die II.Abteilung in den ersten Nachmittagsstunden allein von der ganzen Division in vorgeschobener Stellung vorn an der Weichsel. Versuche, nach rechts
und links Verbindung aufzunehmen, war ein Erfolg nicht beschieden. Das links der Abteilung liegende Dorf Kromnow wurde mehrmals von Artillerie vom nördlichen
Weichselufer aus beschossen. Aus dem Walde rechts und links hinter der Abteilung war bis gegen 17 Uhr, ehe also die Verbindung zur I.Abteilung wieder aufgenommen
werden konnte, wiederholt stärkeres Gewehr- und Maschinengewehrfeuer vernehmbar, ein Zeichen dafür, dass dort noch gekämpft wurde. Um den Gefahren begegnen zu
können, die von jeder Seite kommen konnten, wurde die 6.Schwadron mehr nach links an die 5.Schwadron herangezogen, ein Igel gebildet und Sicherungsstellung nach
allen Seiten eingenommen. Ohne genaue Kenntnis der Lage und ohne Verbindung mit der I.Abteilung oder anderen Truppenteilen hatte die II.Abteilung stundenlang
die eingenommene Igelstellung gehalten, bis gegen 17,30 Uhr Oberst von Unger bei der II.Abteilung eintraf und Oberstleutnant Junck über die Lage informierte.
Danach war die I.Abteilung — wie bereits an anderer Stelle erwähnt — auf starken polnischen Widerstand im Walde gestossen und hatte erst gegen 17 Uhr Kromnow
erreicht. Hinter der I.Abteilung waren die erste Staffel des Stabes der II.Abteilung und die nicht eingesetzten Teile der 8.Schwadron vorgegangen.
Bei den Kämpfen in den Waldungen fiel ein Kradmelder der 8.Schwadron. Ein Unteroffizier und 2 Mann des Stabes wurden verwundet. Auf Befehl des Oberst von Unger
bildete das Regiment, nachdem gegen Abend bei Kromnow der Anschluss zwischen den Abteilungen Rein und Junck hergestellt war, um Kromnow einen Igel.
Hierbei blieb am linken Flügel der I.Abteilung die bisher in Regimentsreserve befindliche 7.Schwadron eingesetzt. Die I.Abteilung nahm eine Verteidigungsstellung
nach Westen bis zum Nordrand des Kromnowwaldes mit Front nach Norden und Westen, die II.Abteilung mit Front nach Norden und Osten ein. Die Bewegungen wurden bei
beginnender Dämmerung begonnen und durchgeführt. Mit den benachbarten Truppen bestand weder rechts noch links Anschluss oder Verbindung.
Das Regiment, das im Rücken nur durch die 7.Schwadron gesichert wurde, hing, wie sich bald ergab, völlig in der Luft.Der Durchstoss der links anschliessend an
die 2.leichte Division angesetzten 4.Panzerdivision zur Weichsel war nicht geglückt. Eine vorübergehend mit einer SS.-Kompanie der Leibstandarte hergestellte
Verbindung ging bald wieder verloren, als sich diese Kompanie nach links ausrichtete und in Höhe der erreichten Stellungen ihres Regiments zurückzog.
Da weiter links Panzertruppen eingesetzt waren mit der Aufgabe, den Gegner nordwärts zu drücken, musste in der Nacht mit polnischen Durchbruchsversuchen der
hart bedrängten polnischen Kräfte an der Bzuramündung gerechnet werden. Die Sicherungsmassnahmen wurden eifrig betrieben, die Abteilungsgefechtsstände näher an
die Truppe verlegt und Sicherungen nach allen Seiten ausgestellt und verstärkt. Bei der II.Abteilung sicherte die 6.Schwadron nach Osten mit Anlehnung des
linken Flügels an die Weichsel, während rechter Flügel Verbindung zu der im Abschnitt der I.Abteilung eingesetzten 7.Schwadron aufnahm und die 5.Schwadron
längs der Weichsel nach Norden in der Nähe des neu eingerichteten Gefechtsstandes des Oberstleutnants Junck sicherte.
Gegen 20,30 Uhr ergab sich, dass das Kavallerieschützenregiment Nr.7 trotz aller Bemühungen die Weichsel nicht erreicht hatte und erst nördlich des Waldes
bei Polesie stand. Die II.Abteilung des Oberstleutnants Junck erhielt daher den Befehl, noch an diesem Abend in ostwärtiger Richtung auf Piaski – Krolewskie
vorzuziehen, um dem Schwesterregiment den Vorstoss zur Weichsel zu erleichtern. Leutnant Noack wurde als Führer eines Spähtrupps mit einer Gruppe Pionieren
vorausgeschickt mit dem Auftrage, die Verbindung zum Regiment von Bismarck aufzunehmen. Die 5.Schwadron unter Führung des Oberleutnants Kiessling folgte
mit 2 Zügen. Leutnant Noack kam nach Piaski – Krolewskie, fand aber nirgends Teile des Kavallerieschützenregiments Nr.7, erhielt vielmehr Feuer von
versprengten polnischen Abteilungen und kehrte unter Mitnahme polnischer Gefangener befehlsgemäss zur Abteilung zurück. Da ein weiteres Auseinanderziehen
des Regiments bei der ernsten Lage und bei der fehlenden Anlehnung des Regiments nach rechts und links in der Dunkelheit nicht ratsam schien, wurden zur
strafferen Zusammenfassung der Kräfte des Regiments in der angeordneten Verteidigungsstellung die beiden Züge der 5.Schwadron aus der Gegend von Piaski –
Krolewskie wieder zurückgenommen und bei der II.Abteilung, die zu gleicher Zeit hinter der I Abteilung durch die nicht eingesetzten Teile der 8.Schwadron
und den Pionierzug Erkundungen vornehmen liess, eingeschoben. Während die II.Abteilung in der Nacht vom Gegner im allgemeinen unbelästigt blieb, griffen
gegen 22 Uhr polnische Kräfte bei der I.Abteilung südlich der Weichsel aus westlicher Richtung an. Es gelang dem Gegner, in der Dunkelheit bis in die
Höhe des Regimentsgefechtsstandes an der Kirche von Kromnow durchzustossen. Hier wurde der feindliche Angriff abgewiesen und die polnische Abteilung in
die Ufergebüsche der Weichsel nordwärts zurückgeschlagen. Der Einbruch des Feindes war dadurch geglückt, weil die zur Verstärkung der Weichselabsperrung
vorgesehenen Verstärkungen ihre Stellungen noch nicht eingenommen hatten, so dass im Verteidigungsraum eine Lücke war, durch die die polnischen
Versprengten ungehindert durchkommen konnten. Eine besonders unruhige Nacht hatte die zum Schutz des Rückens nach Süden eingesetzte und der I.Abteilung
unterstellte 7.Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann. Die Schwadron war längs des Dorfes Kromnow – Polski mit einem unterstellten 2 cm – Flakzug in
breiter Front in Gefechtsstellung gegangen.
In der Nacht wurde die Schwadron plötzlich im Rücken durch eine polnische durchgebrochene Abteilung von etwa 60 Mann überfallen. Die Schwadron warf den
überraschten Gegner zurück und machte unter Verlust von 2 Toten und 2 Verwundeten 25 Gefangene. Die Lage des Regiments in der Nacht vom 18./19.September
war alles andere als angenehm. Als einzige Kampftruppe des Korps und der Nachbartruppen stand das Kavallerieschützenregiment Nr.6 zwischen Bzuramündung
und den Befestigungsanlagen von Modlin am Südufer der Weichsel. Die linke westliche Flanke war infolge des Zurückgehens der 4.Panzerdivision noch offen.
Hier versuchte der Gegner von der Bzuramündung aus unmittelbar am Südufer der Weichsel entlang nach Osten durchzubrechen, um Modlin oder Warschau zu
erreichen. In dem Walde, den das Regiment in den Mittags- und Nachmittagsstunden überwunden hatte, zeigten sich im Rücken der Schützen mehrfach stärkere
und schwächere polnische Abteilungen, die gleichfalls von der Bzura her ihre Rettung in ostwärtiger Richtung suchten. Die rechte Flanke gegen Modlin war
ebenfalls ungeschützt, da das Schwesterregiment Nr.7 die Weichsel noch nicht erreicht hatte und somit auch aus dieser Richtung, vor allem in Anbetracht
der Nähe der starken Festung Modlin mit feindlichen Unternehmungen gerechnet werden musste. Wie ungeklärt die ganze Lage war, ergab sich auch daraus,
dass weiter ostwärts inmitten polnischen Truppen bei dem Dorfe Polesie das I.Bataillon des deutschen Infanterie-Regiments Nr.12 eingeschlossen sein
sollte. Zu seiner Befreiung war ein Vorstoss der Panzerabteilung 66 vorgesehen, der aber wegen Dunkelheit und Betriebsstoffmangel und in Anbetracht der
Unpassierbarkeit des Geländes in der Nacht nicht mehr zur Durchführung gelangte. Dazu kam, dass im Walde bei Zamosc ein Zug der 2./Panz.Aufkl.Abw.42 in
einen Hinterhalt geraten war. Nach heldenhaftem Kampf mit dem überlegenen Gegner mussten die Paks und die Fahrzeuge (4 Protzkraftwagen, 1 Krad,
4 Geschütze) dem Gegner überlassen werden. Das Gerät konnte zwar am folgenden Tage wieder zurückgenommen werden, war aber vom Gegner unbrauchbar gemacht
worden. Die Beute der II.Abteilung am 18.September betrug 920 Gefangene und 2 Batterien Geschütze, 3 Kraftfahrzeuge und vieles Gerät. Hierzu kam noch
die gleichfalls nicht unerhebliche Beute der I.Abteilung.
Demgegenüber waren folgende blutigen Verluste zu beklagen: Den Heldentod erlitt Leutnant d.R.Magdans von der 4.Schwadron. Der Arzt der I.Abteilung,
Oberarzt Dr. Eising wurde verwundet. Ferner fielen 1 Unteroffizier und 8 Schützen, verwundet wurden 6 Unteroffiziere und 18 Schützen, vermisst blieben
1 Unteroffizier und 5 Schützen.
19.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Wie vorauszusehen war und wie die ersten Überfälle des Gegners am späten Abend des vorhergehenden Tages ahnen liessen, hatten die Schwadronen des
Regiments eine unruhige Nacht. Fast ununterbrochen bis zum Morgengrauen dauerten die kleinen Schiessereien mit versprengten polnischen Soldaten an.
So gingen gegen 2 Uhr bei der I.Abteilung mehrfach rote Leuchtkugeln hoch, worauf die gesamte II.Abteilung alarmiert und eingesetzt wurde. Zu einem
grösseren Unternehmen kam es jedoch nicht. Die Schiesserei bei der I.Abteilung liess nach. Der Pole war in der dunklen Nacht im Erlengestrüpp wieder
verschwunden. Immerhin gelang es wenigstens bei der I.Abteilung durch Einsatz eines Zuges der 2.Schwadron eine seit Stunden bestehende gefährliche Lücke
zu schliessen. Damit war eine grössere Sicherheit des Abschnitts erreicht worden. Auch ein nochmaliger Feindangriff zur Zeit der Morgendämmerung auf die
nach Westen und Süden eingesetzten Teile der I.Abteilung konnte nach einstündiger Tätigkeit abgewiesen werden. Die II.Abteilung fing einzelne Polen, die
im Schutze der Dunkelheit sich ostwärts durchschleichen wollten, ab und machte insgesamt 75 Gefangene, darunter zwei polnische Regimentskommandeure.
Besonders lebhafte Tätigkeit entfaltete in der Nacht die aus der Regimentsreserve am Südflügel der I.Abteilung eingesetzte 7.Schwadron unter Oberleutnant
Hoffmann.
Gegen 2,30 Uhr hatte am Nordrande des Waldes im Schutze der Dunkelheit ein polnischer Trupp von 5 Mann versucht, ein schweres Maschinengewehrnest der
Schwadron auszuheben. Der Angriff wurde durch die Wachsamkeit der Schwadron vereitelt.
Gegen 3,30 Uhr stiess eine ahnungslos in ostwärtiger Richtung fahrende polnische Batterie auf die Riegelstellung der Schwadron. Der Feind war vollkommen
überrascht, hier deutsche Truppen in Stellung zu finden. Er konnte mit einem Geschütz noch 3 Schuss auf nahe Entfernung auf die 7.Schwadron abgeben, dann
war die polnische Batterie von einem schweren Maschinengewehr und einem unterstellten Flakgeschütz niedergekämpft. 80 Gefangene, 2 Feldgeschütze,
5 schwere Geschütze, 3 Paks mit Munition und 40 Pferde waren die Beute der todesmutig angreifenden 7.Schwadron unter ihrem draufgängerischen Führer.
Die andauernde Angriffsbedrohung durch oft ziemlich starke polnische Abteilungen liessen die Notwendigkeit dringend werden, die leichten Feldhaubitzen der
I./Art.Rgt.78, die noch südlich des Kromnowwaldes standen, vorzubringen, damit sie bei Abwehr feindlicher Durchbruchsversuche und Angriffe besser, möglichst
durch direktes Schiessen, mitwirken konnten. Aus der Tatsache, dass in der Nacht durch den Wald zurückfahrende Melder des Regiments mehrfach angeschossen
worden waren, ergab sich, dass sich in diesem urwaldähnlichen Waldgebiet noch starke Kräfte des Feindes aufhielten. Zu einer sorgfältigen und systematischen
Durchkämmung dieses Waldgebietes mangelte es der Division an Kräften. Um so mehr Gefährdung der eigenen Artillerie auszuschliessen, übernahmen beigebegene
deutsche Panzer den Schutz des Stellungswechsels der Batterien. Ohne Zwischenfälle wurden die Gefechtsbatterien in den Raum bei Kromnow – Polski in Stellung
gebracht. Sie sollten von hier aus u.a. die nördlich gelegene grosse Weichselinsel, auf der grössere Feindkräfte vermutet wurden, unter direkten Beschuss
nehmen.Leutnant Noack erhielt gegen 5 Uhr den erneuten Auftrag, gegen das Dorf Piaski Krolewskie vorzugehen, um die Verbindung mit dem
Kavallerieschützenregiment Nr.7 aufzunehmen. Der kühne Spähtruppführer erreichte das Dorf, fand aber hier und in der Nähe keine Spur vom Schwesterregiment Nr.7.
Er stellte vielmehr fest, dass in den kleinen Waldstücken östlich des Dorfes und an der Weichsel sich starke polnische Truppenabteilungen aufhielten, die von
ihren Truppen abgesprengt ohne Verbindung miteinander waren. Durch kühnes Vorgehen gelang es Leutnant Noack, einen Teil dieser ziemlich demoralisierten
polnischen Soldaten gefangen zu nehmen.
Um eine weitere Klärung in der Ostflanke des Regiments herbeizuführen, fuhr Leutnant Noack mit 2 Panzern der Weichselstrasse entlang ostwärts und traf in dem
Dorfe Secymin – Polski auf einen abgesprengten Trupp von etwa 1½ Schwadronen der I.Abteilung des Kavallerieschützenregiments Nr7. Er erfuhr hier, dass die
Polen die Abteilung beim Vorgehen und Heraustreten aus dem Walde plötzlich überfallen hatten. Ein Teil der Fahrzeuge blieb im tiefen Sande am Walde stecken
und wurde vom Gegner zerschossen und teilweise vernichtet. Über den Verbleib der anderen Teile des Kavallerieschützenregiments Nr.7 war zunächst nichts
festzustellen. Da die 1½ Schwadronen inmitten polnischer Truppen ohne Verbindung zu ihrer Abteilung standen und die Gefahr bestand, dass sie auf sich allein
gestellt vom Gegner vernichtet würden, wurden sie zunächst dem Kavallerieschützenregiment Nr.6 unterstellt und bis Duchowo zurückgenommen und dort mit Front
nach Osten und Norden eingesetzt.
Der 19.September war ein trüber, kühler Herbsttag mit leichten Regenschauern und meist schlechter Sicht, der grösseren Unternehmungen nicht günstig war.
Der Regen liess glücklicherweise nach, der bewölkte Himmel aber blieb. Die Umgebung des Kampffeldes des Regiments bot keine reizvollen Landschaftsbilder.
Der Flusslauf der Weichsel war völlig versandet, so dass infolge der Lotterwirtschaft des polnischen Staates eine Schiffahrt nur im beschränkten Masse und nur
mit kleinen ganz flachgehenden Schiffen möglich war. Magerer Sandboden zog sich südlich der Weichsel hin, der den Bewohnern nur kärglichen Lebensunterhalt bot.
Die Schützen vermissten die Bauernhäuser mit den Obstgärten, die sie in Südpolen zwischen der deutschen Grenze und Radom vor 14 Tagen gesehen hatten. Hier war
das Bild der Landschaft völlig anders. Nur hier und da erblickten die Schützen einen Pflaumen- oder Apfelbaum oder eine Sauerkirsche. Die Sauerkirsche war in
der Weichselniederung noch der am meisten vertretene Obstbaum, so dass man wohl nicht mit Unrecht von „Weichselkirschen“ spricht. Auch die Waldungen hatten
ein anderes Gesicht. Laubbäume waren seltener als in der Lyssa Gora. Weisstannen, die, wenn auch in beschränkter Zahl im Gebiet im Kielce zu sehen waren,
fehlten hier vollständig. Die Kiefer beherrschte den Wald, ihr schlanker Wuchs gab den Forsten das Gepräge. Herrliche Haine hochstämmiger Rotbuchen waren noch
hier und da anzutreffen, während Mischwaldungen mit Hainbuchen, Kiefern und Birken seltener waren. Die Häuser der armen Bewohner waren so primitiv wie unten
in der Lyssa Gora. Strohdächer und Holzschindeln bildeten die Dachbekleidung. Strassen in dieser Gegend verdienten diese Bezeichnung nicht, denn es waren nur
Sandgruben, in der die schweren Fahrzeuge bis an die Achsen einsanken und stecken blieben. Der Unterschied zwischen deutscher Kultur und Technik, deutschem
Fleiss und deutscher Arbeitskraft kam angesichts der polnischen Wirtschaft jedem Kavallerieschützen drastisch zum Bewusstsein, stärkte die Liebe und Band zur
deutschen Heimat und erhöhte das Selbstbewusstsein, das Vertrauen zur eigenen Kraft und der des grossdeutschen Vaterlandes.Nachdem einige Stunden des Vormittags
ohne Zwischenfälle verlaufen waren, erfolgte gegen 10 Uhr hart südlich der Weichsel am Uferrand und im dichten Erlengestrüpp ein polnischer Angriff in
ostwärtiger Richtung, der nach halbstündigem Gefecht abgewiesen wurde. Gegen 11 Uhr fand abermals ein verzweifelter Durchbruchsversuch zusammengefasster
Abteilungen verschiedener polnischer Truppenteile im Ufergelände der Weichsel statt. Ein starker Druck wurde vom Feind auf die eingesetzten Schwadronen ausgeübt,
der vorübergehend die Schützen zum Weichen brachte. Nur wenigen Polen gelang es aber in dem schwer zu sichernden Flussvorland in ostwärtiger Richtung
durchzubrechen, den übrigen Feinden wurden schwere Verluste zugefügt. Sie gerieten in das Sperr- und Abriegelungsfeuer der schweren Waffen des Regiments.
Kavallerigeschütze, Granatwerfer, leichte und schwere Maschinengewehre wetteiferten miteinander, um den feindlichen Plan zuschanden zu machen und die Polen zu
vernichten. Hervorragenden Anteil an der Abwehr dieses polnischen Durchbruchsversuches südlich der Weichsel hatte die der II.Abteilung unterstellte
2.Batterie des Flakregiments 82, die mit ihren 2 cm-Maschinengewehren ein Schnellfeuer eröffnete, dass der Gegner nach eineinhalbstündigem heldenhaften Kampf
völlig erschöpft die Waffen streckte. Leider waren bei diesem Abwehrkampf auf Seiten der tapferen Verteidiger auch blutige Opfer zu beklagen. Ausser mehreren
braven Schützen erlitt der Führer der 6.Schwadron, Oberleutnant von Treskow, hierbei den Heldentod. Die 6.Schwadron, die schon bei Barak schwere Opfer gebracht
und dort ihren ersten Schwadronschef, Rittmeister Franke, hatte hingeben müssen, verlor an der Weichsel abermals ihren Führer. Oberleutnant von Treskow fiel,
als er mit seinem Schwadronstrupp eine Aufklärung gegen die Weichsel vornahm, um Mittel und Wege für eine völlige Absperrung des Ufers zu suchen.
Ein im Ufergestrüpp versteckt liegender Pole streckte den Schwadronsführer aus 20 m Entfernung nieder. Bei diesem Aufklärungsunternehmen, das zu einer Säuberung
des Erlen- und Weidengestrüpps an der Weichsel führte, konnten von der 6.Schwadron über 50 Gefangene eingebracht werden. Im Laufe des Tages fanden noch mehrere,
meist jedoch nur von schwachen feindlichen Kräften unternommene Durchbruchsversuche im Regimentsabschnitte statt. Auch bei diesen Unternehmungen, die meist
zwischen dem Fluss und dem Hochwasserdamm stattfanden und die fast restlos abgewehrt werden konnten, brachten den Schützen zahlreiche Gefangene und grosse Beute
ein. Die Schwesterwaffe, die Artillerie aus Jena, unterstützte hierbei die Schützen in vorbildlicher Weise, vor allem, nachdem sie 3 Geschütze in Höhe der vorderen
Linie unmittelbar am Damm zum direkten Schuss in Stellung gebracht hatte.
Gegen Mittag wurde auf Befehl des Regimentskommandeurs von den Schwadronen ein Kommando losgeschickt, um die noch südlich des Kromowwaldes stehenden Feldküchen,
Trosse und die leichten Gefechtsfahrzeuge heranzuholen und unter starkem Schutz durch das immer noch durch zahlreiche versprengte polnische Soldaten gefährdete
Waldgebiet zu leiten. Gegen Abend trafen die Fahrzeuge ein und wurden – besonders die sehr entbehrten Feldküchen – von der kämpfenden Truppe mit Freude begrüsst.
Die dem Regiment unterstellten Teile des Kavallerieschützenregiments Nr.7 wurden mit Genehmigung von Oberst von Unger von der II.Abteilung bei dem Dorfe Gorzewnice
zur Verstärkung der Sicherung nach Osten eingesetzt. Indessen versuchte das Kavallerieschützenregiment Nr.7 sich von Polesie Stara langsam zum Weichselfluss
vorzuarbeiten und in feste Verbindung zum Kavallerieschützenregiment Nr.6 zu kommen.
Nach einem gegen 14 Uhr erlassenen Divisionsbefehl befand sich der Gegner, nachdem die Entscheidung in der Schlacht an der Bzura südlich Wyszogrod zu seinem
Ungunsten gefallen war, auch in den Waldstücken vor dem XV.Korps in voller Auflösung, so dass ein weiteres Durchstossen der noch zurückhängenden Truppenteile bis zur
Weichsel nicht notwendig war. Links der Division an der Bzura vollzog sich das unerbittliche Schicksal der polnischen Kutno-Bzuragruppe. Ihr Widerstand war dort
endgültig zusammengebrochen. Bereits über 50 000 Gefangene waren eingebracht. Nur unbedeutenden Feindkräften war der Durchbruch zur Festung Modlin geglückt, wo der
Feind weiterhin immer hartnäckigeren Widerstand leistete, nachdem das II.Armeekorps von Norden her Modlin fest umschlossen hatte und langs an aber sicher gegen den
Kern der Befestigung vordrückte.
Aufgabe der Division blieb auch weiterhin, sich zur Abwehr der Durchstösse einzelner feindlicher Trupps zu gliedern. Zu diesem Zweck hatte das Regiment zwischen der
Weichsel und dem Nordrand des Kromowwaldes eine Abwehrstellung einzunehmen, während die dem Regiment unterstellte Panzerkompagnie weiter ostwärts vorstossen sollte,
um schwache eigene Kräfte der I.Abteilung des Kavallerieschützenregiments Nr.7 und den bei Polesie von den Polen eingeschlossenen Regimentsstab mit Teilen des
Infanterieregiments Nr.12 herauszuhauen. Der Tätigkeit der Panzer in diesem Gelände waren aber Grenzen gesetzt, da feste Strassen fehlten und die Wege stellenweise
durch sumpfiges Gelände, im übrigen aber durch tiefen Sand führten. Dennoch gelang es am Spätnachmittag der 1./Panz.Abt.66 die Verbindung mit den eingeschlossenen
Kräften des Infanterieregiments Nr.12 bei Polesie herzustellen und sie zu entsetzen.
Die Sicherungsstellung des Kavallerieschützenregiments Nr.6 war wie folgt besetzt:
Der Grossteil der I.Abteilung war nach Norden längs des Weichselhochwasserdammes eingesetzt, während die 1.Schwadron weiter in westlicher Richtung sicherte.
Die 1½ Schwadronen der I.Abteilung des Schwesterregiments unter Führung des Oberleutnants Reden wurden in die bisherige Stellung der 6.Schwadron an der Weichsel
eingeschoben, während die 6.Schwadron rechts des Weges Stellung mit Front nach Osten einnahm und die Verbindung mit der 5.Schwadron herstellte. Die 7.Schwadron sicherte
am rechten Flügel der Abteilung nach Süden und Südosten und hielt Anschluss an die I.Abteilung.
Im Laufe des Tages wurden vom Regiment allein gegen 1000 polnische Gefangene eingebracht. Die Gesamtbeute des Regiments am 18. und 19.September belief sich damit auf
über 2 000 Gefangene, darunter den Kommandeur der 4.polnischen Division, den Infanterieführer dieser Division, zwei Regimentskommandeure, 1 Artillerieabteilungskommandeur,
40 andere Offiziere. Die Materialbeute betrug 5 schwere Geschütze, 3 Feldgeschütze, 4 Paks, zahlreiche polnische Gefechtsfahrzeuge, Küchen, Trosse und viele Pferde.
An der Beute hatte die 7.Schwadron unter Oberleutnant Hoffmann den Löwenanteil. Zahlreiches weiteres Material, darunter auch einige Geschütze, steckten noch verlassen von
den Polen in den Waldungen und waren noch nicht mitgezählt.
Die Verluste des Regiments hielten sich im Hinblick auf den erzielten gewaltigen Erfolg im tragbaren Rahmen. Ausser dem Führer der 6.Schwadron, Oberleutnant von Treskow,
der sein junges Leben für Führer, Volk und Vaterland hingegeben hatte, starben mit ihm 1 Unteroffizier und 4 Schützen auf dem Felde der Ehre. Verwundet wurden 3 Unteroffiziere
und 11 Schützen.
Die Schlacht an der Bzura ging ihrem Ende entgegen. Abgesprengte Teile polnischer Divisionen setzten sich, ihr Heil in einer Flucht nach Osten suchend, nur noch zur Wehr, wenn
ihnen der Weg von deutschen Truppen verlegt wurde. Diese Kleinkämpfe waren ohne jeden Einfluss auf die eigentliche Schlacht an der Bzura. Diese grösste Vernichtungsschlacht
der Weltgeschichte bis zu diesem Tage hatte mit dem Sieg der deutschen Waffen und damit faktisch mit dem Ende des Grossteils der polnischen Armee geendet. Zehntausende tote
und verwundete Polen bedeckten das Schlachtfeld, auf dem der Pole heldenhaft gekämpft hatte, ohne aber dem unerbittlichen Schicksal entrinnen zu können. Ungeheuer war die Beute
der Schlacht. Schon jetzt belief sich die Zahl der eingebrachten polnischen Gefangenen aus der Schlacht an der Bzura auf 105 000 Mann. Sie erhöhte sich dann auf über 170 000 Mann.
Ungeheuer waren die blutigen Verluste der Polen. Bis in die Zehntausende beliefen sich allein die Zahl der Totenopfer. An der Entscheidung war der Grossteil des polnischen Heeres
beteiligt gewesen. Allein neun vollständige Divisionen, Teile von weiteren 10 Divisionen und 3 Kavalleriebrigaden waren festgestellt worden. Eine einzige deutsche Armee brachte
320 polnische Geschütze und 40 Panzerkraftwagen ein. Unter den Gefangenen der Bzuraschlacht befand sich der Oberbefehlshaber der polnischen Korridorarmee, General Bortnowski,
der sich mit seinem Stab im Walde an der Bzura versteckt hatte und einige Tage später beim Absuchen der Waldungen aufgefunden wurde: Ernsterer feindlicher Widerstand im deutsch -
polnischen Interessensraum bis zum Bug wurde somit nur noch in Warschau und in der Festung Modlin geleistet; In Galizien waren noch blutige Kämpfe im Gange: Die deutsche Armee
hatte ein neues Blatt glänzenden Waffenruhms für die Geschichte der Ewigkeit geschrieben.
20.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Nachdem der Gegner an der Bzura vernichtet oder gefangengenommen war, fluteten die der Einkreisung entgangenen zahlenmässig nicht allzu starken Kräfte der polnischen Armeen auf
Modlin, Warschau und die Weichsel zurück. Dem XV.Armeekorps lag es ob, das Waldgelände südlich der Weichsel zu erkämpfen und weiter ostwärts auf die Befestigungen der
Weichselfestung Modlin vorzurücken, während zu gleicher Zeit das XI.Korps von Süden her gegen Modlin vordrücken sollte. Die 10.Armee des Generals der Artillerie von Reichenau
forderte vom XV.Korps durch Befehl vom 20.September die Vernichtung der zwischen Modlin und nordwestlich Warschau stehenden Feindkräfte, wobei dem Korps zunächst die Aufgabe
gestellt war, die Flussbrücken von Modlin zu sperren und die Festung auf dem Südufer der Weichsel abzuschliessen. In Ausführung dieser Aufgabe sollte die 2.leichte Division des
Generalleutnants Stumme südlich der Weichsel im Norden des Kromnowaldes ostwärts bis in die Gegend des Dorfes Leoncin vorstossen.
Dem Kavallerieschützenregiment Nr.6, dem als Verstärkung eine Kradschützenabteilung und die 3.(?)/Flak.Rgt.86 zugeführt wurde, oblag zur Erfüllung dieser Kampfaufgabe mit allen
Kräften Front nach Osten neben dem Weichselufer in schmaler Front zwischen dem Nordrand des Kromnowaldes und der Weichseluferstrasse ostwärts bis zur Linie Polesie Stara – Secymin
Niemiecki vorzustossen. Da in der Nacht Feindangriffe aus westlicher Richtung nicht erfolgt waren, konnte die Frontveränderung unbesorgt vor Rückendrohungen gegen 9,30 Uhr
durchgeführt werden. Vorher fand beim Morgengrauen noch eine Unternehmung gegen die grosse Weichselinsel nördlich des Dorfes Kromnos statt.
Nach Aussagen polnischer Gefangener sollten sich nämlich auf dieser Insel noch 1000 polnische Soldaten befinden.
Um 4,30 Uhr gaben die Batterien der I./Art.Rgts.78 mit je 80 Schuss einen Feuerüberfall auf die Insel ab. Der darauf zur Insel übersetzende starke Spähtrupp der I.Abteilung des
Kavallerieschützenregiments Nr.6 fand jedoch die Insel feindfrei. Wahrscheinlich hatte sich der Gegner im Schutze der Nacht auf dem Wasserwege über das nördliche Weichselufer der
ihm drohenden Gefangennahme noch rechtzeitig entzogen.
Vor dem Abmarsch des Regiments wurde der bewährte Führer der 6.Schwadron, Oberleutnant von Treskow, auf dem Friedhof von Kromnow inmitten seiner mit ihm in den Tod gegangenen
Kameraden unter militärischen Ehren beigesetzt. Die Führung der 6.Schwadron wurde dem bisherigen Ordonnanzoffizier, Oberleutnant Driver, übertragen.
Der Vormarsch des Regiments auf Fahrzeugen in ostwärtiger Richtung ging ohne Feindberührung vor sich. Dem Regimentsstab mit Oberst von Unger voraus folgten die II. und die
I.Abteilung auf der südlich der Weichsel führenden Strasse in Richtung auf Modlin. Die Batterien der I./Art.Rgt.78 waren zwischen den beiden Kavallerieschützenabteilungen
eingegliedert, während den Rückenschutz der Truppen die 3./Panz.Abw.Abt.42 übernahm. Ohne Gefechtsfühlung mit polnischen Truppen wurde das Dorf Secymin Niemiecki erreicht.
Hier gab Oberst von Unger der 5.Schwadron unter Oberleutnant Kiessling den Befehl, als Vorhut das Vorgehen des Regiments zu sichern. Infolge eines falsch verstandenen Befehls
fuhr die 5.Schwadron, der u.a. ein Kavallerieschützzug der 8.Schwadron zugeteilt war, kühn ostwärts. Bis nach Mala Wies ging alles gut. Hier berichtete eine deutsche Frau dem am
Schluss der 5.Schwadron mit seinem Kavallerigeschützzug fahrenden Wachtmeister Wistuba, dass das Dorf Grochale und der Wald östlich dieses Dorfes von starken feindlichen
Truppenabteilungen besetzt sei. Ehe noch diese Mitteilung den Schwadronschef erreichte, war die Spitze der 5.Schwadron am Westrand des Dorfes Grochale Stara angekommen.
Sie entwickelte einen Zug gegen den ostwärts Grochale Stare gelegenen Wald, während der Rest der Schwadron mit den unterstellten schweren Waffen in abwartender Haltung bei
Grochale Stare blieb. Die Spitze der Schwadron erhielt kurz darauf aus dem genannten Walde starkes Maschinengewehrfeuer. Während indessen die eigenen schweren Waffen in
Stellung gingen, erfolgte ein heftiger polnischer Artilleriefeuerüberfall auf Grochale Stare, der der Schwadron starke Verluste beifügte. Zu allem Unglück setzten auch noch
flankierendes Maschinengewehrfeuer vom Nordufer der Weichsel ein. Die Schwadron war einem stark überlegenen Gegner in die Falle gegangen, ihre vorgeschobene
Gefechtsvorpostenstellung ostwärts Grochale Stare war auf die Dauer bei den geringen zur Verfügung stehenden eigenen Kräften unhaltbar. Auf Befehl des Obersten von Unger,
der seinen Ordonnanzoffizier nach vorn geschickt hatte, sollte die 5.Schwadron mehrere Kilometer weiter westlich in eine günstigere Vorpostenstellung zurückgehen.
Die notwendige Loslösung vom Feinde und der Stellungswechsel nach rückwärts vollzogen sich unter schwierigsten Verhältnissen und dauernder Feindbeschiessung durch Gewehre,
Maschinengewehre, Granatwerfer und Geschütze aus vornehmlich ostwärtiger, daneben auch nördlicher und südöstlicher Richtung. Da der Ordonnanzoffizier des Regiments die
Fahrzeuge, um sie vor der Beschiessung auf der unter schwerem polnischen Artilleriefeuer liegenden Dorfstrasse zu schützen, schon vorher zurückgesandt hatte, mussten die
schweren Waffen teilweise im Mannschaftszug rückwärts gebracht werden. Beim Kavalleriegeschützzug Wistuba traf ein Volltreffer einer polnischen Granate ein Geschütz und
verwundete den Geschützführer und 4 Schützen. Vergebens brachte Wachtmeister Wistuba auf einem an der Strasse aufgefundenen Solokraftrad den Versuch vor, um die Protzkarren
zurückzuholen. Die Fahrzeuge waren bereits so weit zurückgegangen, dass sie nicht mehr herangeholt werden konnten. Mit Hilfe eines an der Strasse stehenden, dem Regiment
unterstellten Flakzuges gelang es ihm schliesslich durch Protzkraftfahrzeuge der Flak die weiter im feindlichen Feuer stehenden Kavalleriegeschütze und die verwundeten
Bedienungsmannschaften aus dem Westteil von Grochale Stare zurückzuholen und die Geschütze mit stark geschwächter Bedienungsmannschaft am Ostrand des Dorfes Mala Wies mit
Schussrichtung nach Osten in Stellung zu bringen. Indessen hielt die 5.Schwadron Grochale Stare, um das Zurückbringen der eingesetzten schweren Waffen zu ermöglichen.
Auch der der 5.Schwadron unterstellte Pakzug unter Unteroffizier Müller war nach dem Instellunggehen am Südrande von Grochale Stare von starkem feindlichen Maschinengewehrfeuer
aus der Flanke und von Artilleriefeuer von der Front eingedeckt worden. Da zudem das Pakgeschütz nach etwa 20 Schuss durch Laufanbohrung und Ausbrennen von Zügen unbrauchbar
geworden war, wurde es auf Anordnung des Schwadronschefs der 5.Schwadron unter schwierigen Umständen rückwärts nach Mala Wies gebracht.
Während so die 5.Schwadron ihre vorgeschobenen Stellungen so lange hielt, bis die ihr unterstellten schweren Waffen gerettet werden konnten, hatte das Regiment weiter
westlich bei dem Dorfe Osniki gehalten. Die 5.Schwadron bezog dann auf Befehl des Regimentskommandeurs beiderseits der grossen Strasse am Ostrand des Dorfes Wilkow – Polski
eine Vorstellung. Der Feind folgte nicht nach. Die Schwadron hatte in dem Verteidigungskampf, vor allem durch Einwirkung der schweren feindlichen Waffen, einen Verlust von
1 Toten und 7 Verwundeten zu beklagen.
Bis in die späten Nachmittagsstunden stand das Regiment — gesichert durch die 5.Schwadron bei Wilkow – Polski — in Osniki und wartete auf weitere Befehle der Division.
Die Erkundungen des Korps hatten indessen ergeben, dass sich starke Feindkräfte in einem südlich und südwestlich Modlin auf das Südufer der Weichsel vorgeschobenen
Brückenkopf in gut ausgebauten, mit Bunkern und Betonwerken verstärkten Stellungen festgesetzt hatten. Ein Angriff auf diese festen Stellungen ohne hinreichende schwere und
schwerste Artillerie bot wenig Aussicht auf Erfolg, würde aber der Truppe unnötige blutige Opfer aufzwängen. Das Korps musste sich daher zunächst darauf beschränken, mit
der 29.Infanteriedivision rechts und der 2.leichten Division links den Brückenkopf von Modlin im Süden und Westen abzuriegeln. Die 2.leichte Division hatte insbesondere
auch durch Artilleriefeuer jegliche Vorstösse des Gegners aus der Festung Modlin in westlicher und südwestlicher Richtung zu verhindern und zu diesem Zwecke eine
Riegelstellung im Raum Stanislawow – Mala Wies – Weichsel und mit Gefechtsvorposten in der Linie Höhe 82 – Grochale einzunehmen.
Gegen 17 Uhr erliess Generalleutnant Stumme den Befehl zur Einnahme der vom Korps befohlenen Stellung.
Es sollten sich bereit stellen:
das Kavallerieschützenregiment Nr.7 rechts, das Kavallerieschützenregiment Nr.6 links. Trennungslinie zwischen beiden Regimentern war die Linie Wegegabel in Nowiny – Mühle
Leoncin – Höhe 84,3 – Höhe 82 südlich Grochale Stare. Als Gefechtsvorposten hatte jedes Regiment eine verstärkte Schwadron in der Linie Mühle Rybitewa – 82 – Wegeknick
nördlich des G. von Grochale einzusetzen. Ernsthafter Widerstand stand nicht zu erwarten, da nach den Angaben polnischer Landeseinwohner sich westlich des Waldes von Kazun
Polski und bei Cybulice zwei stark ausgebaute vorgeschobene, auf den Karten nicht verzeichnete Forts befinden sollten.Auf Grund dieses Divisionsbefehls machte sich das
Regiment gegen 17,45 Uhr fertig und rückte um 17,45 Uhr nach den neu zugewiesenen Verteidigungsstellungen ostwärts vor.
Die 6.Schwadron marschierte voraus, um mit einem verstärkten Zug eine Vorpostenlinie etwa 2 km ostwärts der Höhe 78 südlich Grochale Stare mit Front nach Osten im Südwesten
der Vorbefestigungen von Modlin zu beziehen. Der Abschnitt der II.Abteilung lehnte sich links an die Weichsel bei Mala Wies und ging über den Südrand von Mala Wies – Polesie
nach Höhe 69 bei Gniewniewice. Rechts anschliessend stellte sich die I.Abteilung über Wincentowek und Höhe 84,3 zwischen Wincentowek und Stanislawow bereit. Weiter rechts
war Anschluss an das Kavallerieschützenregiment Nr.7, das seinerseits Anlehnung an den linken Flügel der 29.Infanteriedivision hatte.
Die 1.Panzerdivision und die 1.leichte Division vervollständigten den Halbkreis im Süden und Südosten der Festung Modlin, während im Norden das aus Ostpreussen vorgedrungene
II.Armeekorps den Ring um Modlin schloss.
Die zugewiesenen Stellungen konnten, um die Aufmerksamkeit des Gegners nicht zu erregen, teilweise erst nach Einbruch der Dunkelheit bezogen werden. Oberstleutnant Juck
setzte die 7.Schwadron rechts, die 5.Schwadron links ein, stellte die 6.Schwadron bei Gniewniewice Stare in Reserve und richtete den Abteilungsgefechtsstand in dem am
weitesten ostwärts gelegenen Hause von Gniewniewice-Nowe ein. In der Nähe des genannten Gefechtsstandes wurden noch der Rest der 8.Schwadron und der Pionierzug bereitgestellt.
Funkverbindung von der Abteilung zum Regiment und zur 5.Schwadron, Drahtverbindung zur 6.Schwadron wurde aufgenommen. Der Regimentsgefechtsstand des Oberst von Unger wurde bei
Michalow eingerichtet. Gefechtsvorposten der II.Abteilung wurden bis zum Westrand von Grochale Stare und nach Grochale Nowe vorgeschoben.
Der Tag, der dem Regiment noch über 50 versprengte polnische Soldaten eingebracht hatte, wurde ruhig beschlossen. Der Pole störte den Aufmarsch in die neuen Stellungen nicht.
Die Batterien der I./Art.Rgt.78 gingen in der Dunkelheit in erkundete Feuerstellungen um Leoncin. Lediglich die Gefechtsvorposten des Regiments hatten beim Einnehmen ihrer
Vorstellungen aus Kazun Polski Artilleriefeuer erhalten. Im übrigen verhielt sich der Feind auffallend ruhig. Die unterstellten Pioniere wurden eingesetzt, um in dem
Sumpfgebiet und auf den Sandwegen Knüppeldämme zu bauen, um so die Wege benutzbar zu machen.
An Blutopfern forderte der Tag vom Regiment 1 Toten und 11 Verwundete.
21.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Nachdem am Vortage die polnischen Besatzungen von Modlin und Warschau durch gleichzeitig unternommene Ausbruchsversuche versucht hatten, das zwischen ihnen stehende
deutsche XI.Armeekorps zurückzudrängen und zu vernichten, musste mit der Erneuerung dieses Angriffs am heutigen Tage gerechnet werden, während vor der Front der
4.leichten Division nur schwächerer Feind – anscheinend Kavallerie – im Wäldchen bei Helenowek und stärkere Feindbesetzung im Walde westlich Kazun – Polski festgestellt
worden war, hatte die bei Malocice – Czeczotki liegende 29.Infanteriedivision in Linie Czosnow – Bielany sehr starke Feindkräfte in ausgebauten Stellungen mit Bunkern vor sich.
Um die noch bestehende Verbindung zwischen Warschau und Modlin zu zerreissen, musste die 29.Infanteriedivision das Höhengebiet bei Kaliszki gewinnen.
Die 2.leichte Division bekam den Befehl, aus der Linie Czeczotki – Nordostspitze des Waldes nördlich Helenowek – Höhe 82 – Ostrand Grochale, feindliche Ausfallversuche aus
Modlin nach Westen und Süden zu verhindern. Die beiden Kavallerieschützenregimenter der Division mussten daraufhin unter Ausdehnung ihrer bisherigen Stellungen ihre Front
etwas weiter nach Süden verlängern.
Auf Grund dieses um 2,15 Uhr erlassenen Divisionsbefehls wurden beim Morgengrauen die notwendigen Verschiebungen innerhalb des Regiments bei leichtem Regen und beschränkten
Sichtverhältnissen durchgeführt. Sie wurden nur hier und da durch meist jedoch ziemlich planloses Feuer polnischer Batterien vorübergehend gestört. Die teilweise Vorverlegung
der Hauptkampflinie und ihre nicht unerhebliche Verbreiterung nach Süden machte den Einsatz bisher in Reserve gehaltener Schwadronen notwendig. Als die neuen Stellungen bezogen
waren, überzeugten sich Regimentskommandeur und die Abteilungskommandeure von der Zweckmässigkeit der neuen Hauptkampflinie.
Indessen war eine Aenderung der Lage dadurch eingetreten, dass es nördlich der Weichsel der Panzerbrigade Kempf gelungen war, mit dem rechten Flügel bis zum Ostrand des
Weichseldorfes Wolka Smoszewska vorzudringen, so dass die Festung Modlin nunmehr im Norden und Westen vollkommen eingekreist war. Rechts der 2.leichten Division hatte die
29.Infanteriedivision in den heutigen Morgenstunden befehlsgemäss die unmittelbar vor der Chaussee Modlin – Warschau liegenden Dörfer Dobrzyn und Kaliszki gestürmt, 2 000
Gefangene gemacht und war dann gegen den noch im Waldgebiet zwischen Adamowek und Palmiry stehenden Feind vorgegangen, um die Verbindung zwischen den beiden noch in polnischer
Hand befindlichen Städten Warschau und Modlin vollkommen auseinanderzureissen und den vor dem XI.Armeekorps stehenden Feind zugleich in Flanke und Rücken zu fassen.
Der Brückenkopf südlich Modlin war nun vollkommen abgeschlossen. Da damit zu rechnen war, dass der Gegner in verstärktem Masse Ausfallversuche aus Modlin nach Westen und
Südwesten unternehmen würde, bekam die 2.leichte Division gegen 10 Uhr vormittags die Anweisung, derartige Ausfallversuche mit aller Gewalt zu verhindern und zur engeren
Einschliessung des Gegners die Hauptkampflinie in folgende Stellung vorzuziehen:
Czarnowo Duze – Ostrand des Waldchens nördlich Helenowek – Ostrand des Waldes bei Höhe 82 – Mitte der Häusergruppe nordwestlich der Zahl 28 – Weggabel ostwärts Mala Wies.
Durch diesen Befehl, der dem Regiment gegen 11 Uhr zuging, war es notwendig geworden, die Regimentsfront, die bisher etwa genau von Norden nach Süden verlief, am Südflügel
weiter ostwärts vorzuschieben. Eine sofortige Vorverlegung und Einnahme der neuen Front erwies sich am Tage stellenweise nicht als durchführbar, da der Gegner das Gelände
zum grössten Teil einsehen konnte und die starke polnische Artillerie jede erkannte deutsche Truppenbewegung aus der Brückenkopfstellung unter Feuer nahm.
Soweit es am Tage möglich war, rückten die Schwadronen der I.Abteilung von 16 Uhr ab in die neue Linie, die sich 1 – 1½ km weiter ostwärts befand, vor. Die neue Front verlief
von der Weichsel aus in südostwärtiger Richtung.
Bei der II.Abteilung, die besser vom Feind einzusehen war, wurden die Verschiebungen, die vor allem die am rechten Flügel der Abteilung stehende 7.Schwadron betrafen, erst
nach Einbruch der Dunkelheit durchgeführt. Die eigene Artillerie beschoss während dieser Zeit mehrere Stunden im ruhigen Feuertempo den Brückenkopf von Modlin und hielt die
polnischen Geschütze nieder. Aus Modlin kommende polnische Ueberläufer sagten aus, dass die Besatzung in der Festung bereits starken Lebensmittelmangel habe, dass die
deutschen Beschiessungen und die Bombenabwürfe deutscher Stukas teilweise grossen Schaden angerichtet hätten und dass die polnischen Offiziere ihre Mannschaften zum Teil nur
noch mit der Pistole in der Hand zusammenhalten könnten.
Ohne Feindberührung zu bekommen, waren kurz nach Einbruch der Dunkelheit auf der gesamten Regimentsfront die befohlenen neuen Linien eingenommen worden. Die schweren Waffen
wurden sofort hinter der neubezogenen Verteidigungsfront eingebaut. Der Bau von Schützenstellungen wurde gleichfalls sofort in die Hand genommen. An folgenden Tage musste
neben starker Artilleriebeschiessung mit verzweifelten polnischen Infanterievorstössen gerechnet werden. Trotz des Regenwetters schritt der Ausbau der Verteidigungsfront gut
voran, so dass polnischen Durchbruchsversuchen in aller Ruhe entgegengesehen werden konnte.
22.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Die Nacht war vollkommen ruhig verlaufen. Die polnische Artillerie hatte, anscheinend aus Angst sonst durch das Mündungsfeuer ihre Stellungen zu verraten, nur sehr wenig
geschossen. Dafür nahm am frühen Morgen die zusammengefasste deutsche Artillerie um Modlin ihre Beschiessung auf. Schwere und schwerste Geschütze hatten deutscherseits auf
dem Südufer der Weichsel bisher wegen der schlechten Wegeverhältnisse und dann auch mit Rücksicht auf die notwendigere stärkere Zusammenfassung schwerster Geschütze vor
Warschau nur im beschränkten Masse eingesetzt werden können. Es war deshalb im Laufe des Tages ein Bombenangriff auf die Festung als ein gewisser Ersatz für einen
Artilleriegrossangriff vorgesehen worden.
Bei trübem Wetter wurden im Morgengrauen die noch bis zum Ostrand Grochale Stare vorgeschobenen Gefechtsvorposten der 7.Schwadron durch die 6.Schwadron abgelöst.
Der polnischen Artillerie war dies nicht verborgen geblieben und sie gab 3 Salven auf die Gefechtsvorpostenstellung ab, ohne jedoch Schaden anzurichten. Nachdem auf dem
nördlichen Weichselufer sich ein heftiger Artilleriekampf um Modlin entwickelt hatte, trat ab 8 Uhr wieder eine Beruhigung der Front ein, die bis zum Spätnachmittag anhielt.
Die II.Abteilung hatte schon am Vortage den Befehl erhalten, mit den auf dem Nordufer der Weichsel stehenden deutschen Truppen Verbindung aufzunehmen. Da dies bisher trotz
aller Bemühungen nicht gelungen war, wurde am heutigen Vormittag ein erneuter Versuch unternommen. Der Gefreite Esser von der 5.Schwadron führte einen Stoßtrupp in einem
Kahn erfolgreich über die Weichsel auf das nördliche Flussufer und nahm die Fühlung mit dem dort liegenden rechten Flügel der SS-Standarte „Deutschland“ auf.
Gefreiter Esser stellte weiter fest, dass die 3.Kompanie der SS-Standarte sich bis auf 300 m an das Dorf Zakroczim vorgearbeitet hatte und dass an die Standarte „Deutschland“
anschliessend nach Norden weitere SS-Verbände gegen Modlin eingeschobenen Schützengräben eingesetzt waren.
Am Nachmittag klarte das Wetter auf, die Sicht wurde besser, die Wolken verteilten sich, so dass von 16 Uhr ab bei herrlichem Wetter der angekündigte Bombenabwurf der
deutschen Luftwaffe auf Modlin durchgeführt wurde. Eine Staffel Stukas nach der anderen brauste heran und warf ihre eisernen Grüße auf die Festung herab. Wie auf Kommando
schwieg die polnische Festungsartillerie und nur hin und wieder kläffte ein Flakgeschütz und schoss wirkungslos nach den deutschen Bombern. Dicke schwarze Rauchwolken standen
lange Zeit über Modlin. Die Kavallerieschützen gingen teilweise aus ihrer Deckung heraus und betrachteten zufrieden dieses herrliche Schauspiel der Bombardierung der
polnischen Weichselfestung.
Ein weiteres Aufklärungsunternehmen eines stärkeren Spähtrupps der II.Abteilung in ostwärtiger Richtung verlief am Nachmittag gleichfalls erfolgreich. Leutnant Noack führte
mit Wachtmeister Schneider und 3 Schützen ein Spähtruppunternehmen von Grochale Stare an die Nordwestecke des Waldes westlich Kazun Polski durch. Er erkundete polnische Bunker
an der nach Modlin führenden Strasse, stellte eine neue polnische Brücke über die Weichsel fest, fand aber keine Anzeichen dafür vor, dass die südlich Zakroczym liegende
grosse Weichselinsel bei Gałachy vom Feind besetzt war. Da durch das Unternehmen, das bis 50 m an einen polnischen Bunker herangekommen war, die Lage dieses Betonklotzes
genau festgelegt war, wurde der Bunker nach Einbruch der Dunkelheit von einem der II.Abteilung unterstellten Flakgeschütz mit Leuchtspurmunition erfolgreich unter Feuer
gehalten. Mit einem längeren Verbleib in den jetzigen Stellungen des Regiments vor Modlin bis zur Wirkung des Einsatzes schwerster Artillerie war zu rechnen. Es wurde deshalb
der Ausbau der Stellung, der Schützenlöcher und der Grabenanlagen nach Kräften gefördert. In der Nacht gab die Divisionsartillerie wiederholt Störungsfeuer auf die polnische
Pontonbrücke bei Modlin ab. Die 2./Pion.Batln.58 hatte als Divisionsreserve im früheren Kampfabschnitt des Regiments und dem Waldgelände des Kromnower Forstes eine systematische
Beutesammlung durchgeführt und insgesamt 25 Geschütze, 14 Panzer, 40 Trossfahrzeuge, Munitionswagen usw. sichergestellt. Ausserdem wurden 300 tote Pferde und 150 tote polnische
Soldaten festgestellt und ihre Beerdigung durch polnische Zivilbevölkerung aus den umliegenden Ortschaften unter deutscher Aufsicht veranlasst. Dieses Ergebnis zeigte, dass der
Erfolg des Regiments bei den Kämpfen der Vortage bei Kromnow und ostwärts davon grösser war, als bisher angenommen worden war.
23.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Das Kavallerieschützenregiment Nr.6 verblieb in der bisherigen Stellung vor Modlin. Mit der polnischen Infanterie bestand an diesem Tage keine unmittelbare Berührung, da der
Feind die weiter ostwärts gelegene Bunkerstellung besetzt hatte, die deutscherseits zur Ersparung von Verlusten zunächst nicht angegriffen werden sollte. Nur mit der feindlichen
Artillerie machten die Schützen vor Modlin öfters als bisher im polnischen Feldzug nähere Bekanntschaft. Polnische Batterien sandten tagsüber in unregelmässigen Zeitabständen
ihre eisernen Grüsse auf die Gefechtsvorpostenstellung und die nunmehr im Ausbau befindliche Hauptkampflinie herüber. Die eigene Artillerie, die mehrfach die Befestigungen von
Modlin und ihre Feldbefestigungen unter Feuer nahm, versuchte im Laufe des Tages die schiessende polnische Artillerie niederzukämpfen, hatte aber, da die Stellungen der
feindlichen Batterien nicht genau festgelegt waren, keinen durchschlagenden Erfolg. Dagegen erschien mittags von jenseits der Weichsel ein vorgeschobener Artilleriebeobachter
der der SS. zugeteilten Artillerie, um vom Südufer der Weichsel aus das Artilleriefeuer auf die ausgebauten, teilweise betonierten polnischen Stellungen um das Dorf Zakroczym
aus der Flanke zu beobachten und zu leiten. Nachdem das regnerische Wetter dem durchbrechenden Sonnenschein hatte weichen müssen, schickte das Regiment am Spätnachmittag
Spähtrupps zur Festlegung des genauen Verlaufs der polnischen Hauptverteidigungslinie ostwärts des Waldes westlich Kazun Polski vor. Ein von Grochale Stare unter Führung von
Oberleutnant Schmidt vorgehender Spähtrupp der 5.Schwadron stellte bei dem nordostwärts gelegenen Hauptteil des Dorfes Sady in der Weichselniederung zwei polnische Batterien
fest. Da es sich um die Geschütze handelte, die den Abschnitt des Regiments immer unter Störungsfeuer hielten, stand nun zu hoffen, dass nach Festlegung der Feuerstellungen
ihre baldige Niederkämpfung möglich sein würde. Im übrigen wurden durch die Spähtrupps die Lage einiger Bunker und eines breiten Drahthindernisses am Waldrande festgestellt
und festgelegt.
Gegen 20 Uhr fand am Nordost- und Ostteil der Einkreisungsfront um Modlin eine ausserordentlich heftige Beschiessung der Festung und seiner Vorstellungen statt, so dass in
den leicht gebauten Panjebuden in Mala Wies die Fensterscheiben und die Balken zitterten. Von den 15 im Laufe des Tages eingebrachten polnischen Gefangenen meist Überläufern,
wurde u. a. ausgesagt, dass es in der Festung nur noch stark herabgesetzte Verpflegungsportionen gebe und dass die Soldaten in den Betonbunkern nachts ohne Decken schlafen
müssten und dabei jämmerlich frören. Polnische Offiziere haben erst kürzlich ihren Soldaten erklärt, dass die deutschen Soldaten den polnischen Gefangenen die Augen
ausstechen oder sie bei lebendigem Leibe verbrennen. Aus diesen Lügen dürfte erklärlich sein, dass die Polen aus einer gewissen Angst vor den Deutschen in der Festung Modlin
einen überraschend zähen Widerstand leisteten. Deutscherseits wurden Massnahmen zur engeren Einschliessung Modlins getroffen. Ein von den Kommandostellen geplanter
Frontalangriff zur Eroberung der Festung kam nicht zur Durchführung, da auf Anordnung des Führers verlustbringende Angriffe auf Modlin zur Ersparung von Blutopfern unter
allen Umständen unterlassen werden sollten.Der Tagesverlust des Regiments beschränkte sich auf einen verwundeten Schützen.
24.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Die Nacht war ohne Ereignisse verlaufen. Wie hinterhältig die Kampfführung des gegenüberliegenden polnischen Gegners war, kennzeichnete folgender Vorfall, der sich im
Morgengrauen im Abschnitt der I.Abteilung abgespielt hatte: Ein polnischer Spähtrupp von etwa 8 Mann, der schon aus weiter Entfernung auf deutsch rief: „Nicht schiessen!“
näherte sich der Linie der Gefechtsvorposten der Kavallerieschützen. Die Posten nahmen an, dass es sich um polnische Überläufer handelte und liessen den Gegner näher
kommen, ohne zu schiessen. Als sich die Polen in Linie der Gefechtsvorposten der 1.Schwadron befanden, rissen sie plötzlich die halbversteckt getragenen Waffen hoch und
eröffneten das Feuer auf die 1.Schwadron, erschossen einen Schützen und nahmen einen anderen Schützen der 1.Schwadron, der sich in der Überraschung nicht rechtzeitig
zur Wehr hatte setzen können, mit. Ein Pole fiel bei der Abwehr des feigen Überfalls in unsere Hände. Bei dem trüben und kühlen Wetter wurde die Spähtrupptätigkeit
fortgesetzt, ohne dass aber wesentlich anders geartete Feststellungen als in den Vortagen getroffen werden konnten. Ein Spähtrupp der 3.Schwadron mit Hauptwachtmeister
Schreiter und Unteroffizier Hauswald, der 15 Uhr unsere Stellung verliess, kehrte bis zur Dunkelheit nicht zurück und musste als vermisst gelten.
18 Gefangene wurden eingebracht. Die eigenen Verluste beliefen sich auf 1 toten Schützen, 1 verwundeten Schützen, 2 vermisste Unteroffiziere und 1 vermissten Schützen.
Die Division sollte, wie ein am Nachmittag eintreffender Befehl erkennen liess, am nächsten Tag durch Truppen der 221.Infanteriedivision abgelöst werden. Daraufhin wurden
vom Regiment die weiteren Stellungsausbauarbeiten eingestellt und Vorbereitungen für die Ablösung getroffen.
25.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Die Nacht war unruhiger verlaufen als die vorhergehenden. Um Mitternacht eröffneten nämlich alle Batterien der Division einen Feuerüberfall auf einen Platz an der Kirche
in Modlin, wo nach Agentennachrichten 40 bisher im Kampf noch nicht eingesetzte polnische Geschütze stehen sollten. Bei diesem Feuerüberfall gab jede Batterie des
Artillerieregiments 78 vierzig Schuss ab. Es waren wohl die letzten Schüsse, die das Regiment auf dem polnischen Kriegsschauplatz abgefeuert hatte. In der I./Art.Rgt.78,
die während des polnischen Feldzuges insgesamt 4.563 Schuss abgegeben hatte und die fast ohne Unterbrechung dem Kavallerieschützenregiment Nr.6 zugeteilt gewesen war,
so dass die Schützen sie als „ihre Artillerie“ bezeichneten, hatte das Regiment in den letzten 25 Tagen stets eine einsatzbereite, treue Helferin gehabt, die den Schützen
den Weg zum Siege gebahnt und andererseits in gefährlichen Lagen unter ihren Feuerschutz genommen hatte.Auf Grund höherer Anordnungen sollte die 2.leichte Division am
25.September und in der kommenden Nacht durch Teile der 221.Infanteriedivision abgelöst werden. Diese Division sollte den gesamten Abschnitt der Division Stumme
einschliesslich desjenigen der am linken Flügel der 29.Infanteriedivision stehenden SS.-Leibstandarte Adolf Hitler übernehmen. Die 2.leichte Division aber sollte zunächst
in die Umgebung südwestlich von Radom in den Abschnitt Kamienna – Rastrzomb – Halinow – Wolomow – Mniszek – Skrzynsko – Przysuche – Ruski Brod verlegt werden.
Die Stellung des Kavallerieschützenregiments Nr.6 wurde vom Infanterieregiment Nr.350 übernommen. Vorkommandos dieses Regiments trafen im Laufe des Tages in der Stellung
ein und wurden eingewiesen, soweit dies bei dem trüben und kalten Wetter möglich war. Auch die Bataillonsführer und Kompanieführer der Infanterie nahmen Fühlung mit dem
Kavallerieschützenregiment auf. Ausser geringer Spähtrupptätigkeit und der Gefangennahme von 3 polnischen Überläufern fanden besondere Ereignisse im Laufe des Tages nicht
statt. Die Schützen trafen die notwendigen Vorbereitungen zum Abrücken, die Fahrzeuge und Protzkraftwagen wurden herangezogen. Die Trosse und die Quartiermacher des
Regiments waren bereits zu Mittagzeit nach den neuen Unterkunftsräumen in Marsch gesetzt worden. Vorgesehen war, dass die Division als Besatzungstruppe in die Gegend von
Radom rückte. Sie konnte in diesem Raume mit einer längeren Aufenthaltsdauer rechnen.
Mit Beginn der Dämmerung begann die Ablösung, die sich aber durch das verspätete Eintreffen einiger Kompanien erheblich in die Länge zog. Die abgelösten Schützen
marschierten zunächst zu den weiter rückwärts aufgestellten Fahrzeugen und machten diese marschfertig.
Die Kämpfe des der 10.Armee unterstellten XV.Armeekorps in Polen hatten damit ihren Abschluss gefunden. Die 2.leichte Division war nun für andere Aufgaben ausersehen
worden.
26.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Kurz vor Mitternacht vom 25./26.September war die Marschgruppe des Obersten von Unger vollständig aus der Front vor Modlin abgelöst. Die Fahrt in die Ruhequartiere
konnte beginnen.
Das Regiment fuhr in folgender Reihenfolge: Regimentsstab – II.Abteilung – I.Abteilung – 2./Flakregt.86. Es ging zunächst an der Weichsel entlang westwärts über
Wilkow – Gniewniewice Polski an den alten Kampffeldern der Vortage und den Gräbern der gefallenen Kameraden vorbei bis zur grossen Strasse südlich Wyssogrod, dann
der heissumstrittenen Bzura aufwärts nach Sochaczew, das gegen 2 Uhr morgens erreicht wurde. Hier hielt plötzlich die ganze Marschkolonne.
Ein Offizier des XV.Armeekorps hatte Befehl zum Anhalten der Marschgruppe von Unger, da das Regiment einen anderen Marschbefehl bekommen sollte. Es ging nun nicht,
wie ursprünglich vorgesehen war, in den Raum in Radom, um als vorläufige Besatzung Aufräumungsarbeiten zu verrichten, sondern das Regiment sollte für den
bevorstehenden Hauptangriff auf Warschau als Reserve des VIII.Korps im Raume westlich Tarczyn zwischen Grojec und Nadarzyn im Südwesten von Warschau bereitgestellt
werden. Im Laufe des Tages sollte die gesamte 2.leichte Division zur Verfügung der 8.Armee westlich Warschau stehen. Vor Warschau hatte sich indessen die Lage wie
folgt entwickelt: Bereits am 7.September hatte deutsche Panzertruppen nördlich Tomaszow die polnischen Truppen aus Rawa Mazowiecka geworfen und standen damit 60 km
südwestlich Warschau, während gleichzeitig die aus Ostpreussen vorgehenden deutschen Streitkräfte des Generals der Artillerie von Küchler nordostwärts der polnischen
Landeshauptstadt den Narew bei Pultusk und Rozan überschritten und im Vorgehen nach Süden bzw. Südosten begriffen waren. Schon am folgenden Tage konnte das
Oberkommando der Wehrmacht bekannt geben, dass gegen 17,15 Uhr deutsche Panzertruppen von Südwesten her in Warschau eingedrungen waren. Das Eindringen deutscher
Truppen in die polnische Landeshauptstadt am 8.Tage nach Beginn der Feindseligkeiten bedeutete jedoch keineswegs, wie vielfach irrigerweise in der Heimat angenommen
worden war, die Einnahme der Stadt selbst. Dazu waren die schwachen deutschen Panzertruppen, die in kühner Entschlossenheit der Masse der Truppen vorausgeeilt waren,
nach Stärke und Ausrüstung nicht in der Lage. In Warschau hatte der Gegner Truppen in Stärke von über 100 000 Mann zusammengezogen und die Stadt durch Barrikaden,
Schützengräben, Strassensperren in den Verteidigungszustand versetzt in dem Irrwahn, dem deutschen Druck auf die Dauer widerstehen zu können.
Während in den folgenden Tagen die schwachen deutschen Truppen im Südwestteil Warschaus schwere Kämpfe gegen einen erbittert fechtenden, dazu zahlenmässig und
materiell überlegenen Gegner durchzustehen hatten, wobei Rückschläge nicht ausblieben, rückte die Armee des Generals der Artillerie von Küchler mit Teilen über den
Narew und über die Bahnlinie Warschau – Siedlce und Warschau – Bialystok vor und übte so im Nordosten der Stadt einen Druck auf den eingeschlossenen Gegner aus.
Deutsche Sturzkampfgruppen riegelten zugleich die Ostausgänge der Stadt planmässig ab. Trotzdem leistete der Gegner in und um Warschau im Bewusstsein seiner
zahlenmässigen Überlegenheit zähen Widerstand und zwang sogar die im Südwestteil der Stadt eingedrungenen deutschen Truppen zur Vermeidung von Verlusten stellenweise
bis zum Stadtrand auszuweichen.
Am 13.September war aber der Ring um die polnische Landeshauptstadt auch im Osten geschlossen, nachdem die über die Strasse Warschau – Siedlce vorgedrungenen
deutschen Kräfte nach Südwesten und Westen eingedreht hatten. Auch von Südwesten her gingen nun Teile der Armee des Generals der Infanterie Blaskowitz gegen
Warschau vor, verstärkten die eingesetzten Panzertruppen und zogen den Einschliessungsring enger. Immerhin waren diese Kräfte nicht stark genug, um einen Angriff auf
die Stadt mit Aussicht auf Erfolg unternehmen zu können, weil die Hauptkräfte der Armee, wie auch die der Armee des Generals der Artillerie von Kluge, durch die
Einschliessung der polnischen Heeresstelle an der Bzura anderweit voll beansprucht waren.
Am 15.September standen Teile der deutschen Truppen, die von Osten her gegen die Stadt vorgingen, unmittelbar vor dem auf dem östlichen Weichselufer liegenden
Stadtteil Praga. Da die Stadt immer enger eingeschlossen worden war, unternahm das deutsche Oberkommando des Heeres am 16.September einen Versuch, den polnischen
Militärbefehlshaber von Warschau zur Aufgabe der Verteidigung seines zwecklosen Widerstandes in der Millionenstadt zu veranlassen, um so die Bevölkerung vor
schwerstem Leid und Schrecken zu bewahren. Der Gegner, der immer noch an den Einsatz der Engländer und Franzosen zu glauben schien, lehnte die Verhandlungen
schroff ab. Auch in den folgenden Tagen stellte sich der durch einen polnischen Rundfunksender angekündigten polnischen Parlamentäre nicht ein.
Vom 19.September ab lebten daher die Kämpfe um Warschau wieder auf. Deutscherseits wurden nun als Verstärkung durch den Sieg an der Bzura freiwerdende Truppen,
vor allem aber die schwere und schwerste Artillerie, herangeführt. Polnische Ausbruchsversuche in ostwärtiger Richtung wurden am 21.September bei Praga abgewehrt.
Am folgenden Tage fiel unmittelbar vor dem Nordostrand der Stadt Generaloberst Freiherr von Fritsch bei einer Erkundung in vorderster Linie.
Deutsche Sturzkampffliegerverbände griffen militärisch wichtige Ziele in Warschau erfolgreich an, während schwere und schwerste Artillerie die Vorbereitungen für
den Grossangriff traf, der am 25.September durch einen voll gelungenen Handstreich auf das Fort Mokotow und die teilweise Einnahme der Vorstadt Mokotow seine
Einleitung fand.
Das war die Lage um Warschau, als die 2.leichte Division den Befehl erhielt, sich als Reserve für den Angriff auf Warschau bei Grojec bereitzustellen.
Indessen musste das Regiment von Sochaczew südostwärtige Richtung einschlagen über die bereits vom Vormarsch her bekannte Stadt Zyrowdow. Über Mszczonow wurde
Grojec erreicht und von hier allgemein nördliche Richtung auf Tarczyn eingeschlagen.
Gegen 7 Uhr morgens war der Bereitstellungs- und Unterkunftsraum erreicht. Es kamen unter: der Regimentsstab in Many etwa 9 km westlich Tarczyn, der Stab der
I.Abteilung in Zarely, der der II.Abteilung auf Gut Jezewice, die Schwadronen in den um den Unterkunftsort der Abteilungsstäbe liegenden Ortschaften, nämlich
Julianow (1.Schwadron), Redlanka (2.Schwadron), Piorkowice (3.Schwadron), Bartoszowka (4.Schwadron), Jezewice (5.Schwadron), Suchodol (6.Schwadron), Zelochow
(7.Schwadron) und Ojrzyonow (8.Schwadron). Die Schwadronen richteten sich in den Quartieren ein und ruhten zunächst. Später wurden Waffen und Gerät sowie die
Bekleidung gereinigt und instandgesetzt. Nach einem abends bekannt gewordenen Befehle blieb das Regiment, wenn sich nicht vorher sein Einsatz als Reserve vor
Warschau notwendig machen sollte, mindestens bis zum 29.September in den jetzigen Unterkunftsräumen.
27.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6.

Der Tag verlief ohne besondere Ereignisse. Die für den Angriffseinsatz auf die polnische Landeshauptstadt vorgesehenen deutschen Divisionen waren eingetroffen.
Die 2.leichte Division und das Kavallerieschützenregiment Nr.6 brauchten daher nicht zur Verstärkung der Angriffsdivisionen verwendet zu werden.
Zudem hatte Warschau im Laufe des Tages nach heftigem Bombardement durch die Artillerie und die Flieger die Sinnlosigkeit weiteren Widerstandes eingesehen
und kapituliert. Die Übergabeverhandlungen leitete deutscherseits im Auftrage des Führers der General der Infanterie Blaskowitz.
Die in Warschau eingeschlossenen polnischen Truppen beliefen sich immer noch auf über 100 000 Mann.Zu einem aktiven Einsatz des Regiments vor Warschau war es
also nicht mehr gekommen. Der Feldzug gegen Polen war damit praktisch zu Ende, nachdem auch die russischen Truppen auf Grund der getroffenen Vereinbarungen
die Gebiete ihrer Interessenszone in Polen durch Truppen besetzt hatten. Geschlossene grössere Verbände kampffähiger polnischer Truppen waren nicht mehr
vorhanden.
Nachdem der Krieg zu Ende war, kam die Ausbildung wieder zu ihrem Recht und wurde von dem Regimentskommandeur mit aller Kraft gefördert. Dies um so mehr, da
zu erwarten stand, dass das Regiment in nicht zu ferner Zeit auf dem westlichen Kriegsschauplatze gegen den Hauptfeind England und seinen ihm blind ergebenen
Vasallen Frankreich eingesetzt werden würde. Denn aber sollte der Gegner erkennen, dass die Kavallerieschützen fähig waren, jeden Widerstand zu überwinden,
um für den Führer den Sieg zu erstreiten.
Die Gefechtsstärke des Regiments betrug noch 15 Offiziere und 850 Unteroffiziere und Schützen gegenüber einer Gefechtsstärke von 19 Offizieren und 1010 U
nteroffizieren und Schützen am 1.September, so dass die Kampfkraft des Regiments nur wenig geschwächt war. Die zerschossenen und sonst ausgefallenen
Kraftfahrzeuge wurden im Rahmen des Möglichen ersetzt bzw. dank der unermüdlichen Arbeit der Instandsetzungsstaffeln wieder fahrbereit gemacht.
Die Witterung war teilweise heiter, aber doch schon kühler als an den Vortagen.
Die Gesamtverluste des Regiments beim Einsatz in Polen hatten betragen:    tot: 9 Offiziere, 23 Unteroffiziere, 118 Schützen,
                                                                     verwundet: 8 Offiziere, 34 Unteroffiziere, 153 Schützen,
                                                                      vermisst: – Offiziere, 3 Unteroffiziere, 14 Schützen.
Der Verlust des Offizierkorps des Regiments war als hoch anzusehen, da fast 45 % der Anfangsgefechtsstärke der Offiziere vom 1.September im Feindland gelitten,
während weitere 10% leicht oder schwer verwundet worden. Wenn auch ein Teil der verwundeten Offiziere bis zum Ablauf des polnischen Feldzuges den Dienst bei
der Truppe wieder aufnehmen konnte, so musste doch zur Auffüllung des Offizierkorps die vorsorglicherweise bereits Ende August geschaffene Führerreserve
herangezogen werden. Die Verluste der Unteroffiziere und Mannschaften betrugen an Toten 14% und an Verwundeten etwa 19% der ursprünglichen Gefechtsstärke.
28.9.1939
Nachlaß Ortlepp.
Kav.Schtz.Rgt.6. bis 1.10.1939

Länger, als es die Truppe in ihren kühnsten Hoffnungen erwartet hatte, blieb das Regiment in den Ruhequartieren im Raum westlich Tarczyn. Ausser der Instandsetzung
von Material, Gerät, Bekleidung und Waffen war die Förderung der weiteren Ausbildung der Truppe, die Schulung für den Kampf mit Frankreich das wichtigste.
Das Wetter war meist heiter, teilweise aber doch schon empfindlich kühl. Vor allem in den Nächten sank die Temperatur bis fast zum Gefrierpunkt. Sonnenschein und
Regen wechselten ab. Die Schützen, die meist in Scheunen und Stallungen schlafen mussten, vermissten die Schlafdecken und die Winterausrüstung sehr, da eben die
Nächte in Polen erheblich kühler sind als in der Thüringer Heimat.
 
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